Der Kiebitz – Vogel des Jahres 2024

Der Kiebitz – Vogel des Jahres 2024

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) wurde nun schon zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres gekürt. Das ist zunächst einmal tatsächlich eine traurige Neuigkeit. Meist erhalten Vögel diesen Titel, die selten werden und zum Beispiel besonders vom Lebensraumverlust durch den Menschen betroffen sind. Die Kiebitzbestände sind in den letzten Jahrzehnten um 88% zurückgegangen und die Art gilt als stark gefährdet.

Schillernder Sympathieträger

Auf den ersten Blick ist der Kiebitz schwarz-weiß gefärbt. Bei genauerem Hinsehen schimmern die dunklen Schwingfedern allerdings metallisch grün und violett. Unterhalb des Schwanzes ist er beige bis hellorange gefärbt und hat rötliche, relativ kurze Beine.

Vom schwarzen Schnabel aus zieht sich ein eleganter dunkler Streifen unter dem Auge entlang. Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen einen tollen Federschmuck auf dem Kopf, die sogenannte „Federholle“, eine Haube aus zwei langen Federzipfeln. Bei den Weibchen ist diese allerdings meist nicht ganz so lang und die Brust oft eher gescheckt und nicht durchgängig schwarz. Mit etwa 30 Zentimetern sind Kiebitze ungefähr so groß wie eine Taube.

Foto: Dirk Vegelahn

Charakterstark! Das ist typisch für den Kiebitz…

Im Flug oder als Alarmruf lässt der Vogel ein lautes „kie-wit“ oder „wit-wit-wit“ erklingen. Diese charakteristischen Lautäußerungen haben dem Kiebitz übrigens zu seinem Namen verholfen. Auch der akrobatisch schaukelnde Flugstil während der Balz (so nennt man die Paarungszeit bei Vögeln) ist typisch für die Art. Deshalb wird der Kiebitz manchmal auch als „Tänzer der Lüfte“ bezeichnet.

Foto: Dirk Vegelahn

Die Balz beginnt bereits im März, wenn die Vögel wieder aus ihren Überwinterungsgebieten zurückkehren, welche in West- und Südwesteuropa und rund um das Mittelmeer liegen. Weil die Winter hier bei uns immer milder werden, ziehen allerdings gar nicht mehr alle Kiebitze in wärmere Regionen, sondern ein Teil der Population bleibt den Winter über hier. Deshalb gelten Kiebitze als Teilzieher.

Der Kiebitz mag offene Flächen mit niedrigem Bewuchs. Man findet ihn bevorzugt auf Moor- und Feuchtwiesen, aber auch auf Weiden und Äckern. Diese bieten das perfekte Nahrungsangebot und Brutmöglichkeiten. Kiebitze ernähren sich hauptsächlich von Insekten und ihren Larven sowie anderen Wirbellosen. Manchmal fressen sie dazu auch Samen und Früchte.

So beginnt ein Kiebitzleben

Der Kiebitz ist ein Bodenbrüter: das Männchen macht mit seinem Brustkorb gleich mehrere Kuhlen (Nestmulden) in den Boden, von denen das Weibchen eine auswählt. In diese Kuhle legt sie 3-4 olivgrün-gesprenkelte Eier. Nach ungefähr 25 Tagen schlüpfen die kleinen, braun-beige gescheckten und flauschigen Küken, die sofort das Nest verlassen und mit ihren Eltern auf Futtersuche gehen. In den ersten Tagen müssen die Kleinen noch von den Eltern gewärmt werden, können sich aber schon selbstständig fortbewegen und Futter aufnehmen. Jungtiere, die sich so verhalten, nennt man übrigens auch Nestflüchter.

Foto: Thomas Herbig
Foto: Thomas Herbig

Nach 35 Tagen ist das Federkleid der Jungvögel vollständig ausgebildet und sie können endlich in die Lüfte abheben. Insgesamt 5 Wochen dauert es, bis die Jungen erwachsen (bei Vögeln nennt man das auch flügge) sind und keine Betreuung mehr brauchen.

Gefährdung durch den Menschen

Durch die zunehmend intensive Landwirtschaft und starken Pestizid- und Insektizideinsatz gehen die Flächen und auch das Nahrungsangebot, das ja weitestgehend aus Insekten besteht, dramatisch zurück! Die Vögel können nicht mehr ungestört und sicher brüten und finden weniger zu essen. Deshalb gibt es leider auch immer weniger Kiebitze. Davon sind auch andere Feldarten und Bodenbrüter betroffen, wie zum Beispiel die Feldlerche, das Rebhuhn oder die Wachtel.

Geholfen werden kann dem Kiebitz zum Beispiel durch die Einrichtung von unbewirtschafteten „Inseln“ auf den Ackerflächen oder die (Wieder)Vernässung von Grünlandflächen.

Foto: Dirk Vegelahn

Wenn ihr noch mehr wissen möchtet:

Steckbrief des Kiebitzes auf birding-germany.de
NABU – Der Kiebitz – Vogel des Jahres 1996 und 2024
Der Kiebitz – Brodorowski Fotografie
Möglichkeiten zum Schutz der Kiebitze (YouTube)

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Hallo Du,

ist es dir auch schon aufgefallen? Zurzeit liegt in Berlin fast ein ganzer Wald auf den Straßen. Bestimmt sieht es in anderen Großstädten ähnlich aus.

Ja, nun ist Weihnachten vorbei und der zuvor festlich geschmückte Baum liegt zur Abholung bereit. Doch was passiert eigentlich mit den vielen Bäumen?

Ich fragte einen der fleißigen Männer, die die Bäume aufluden und erfuhr, dass diese uns demnächst Wärme und Strom geben, weil sie im Kraftwerk verbrannt werden.

‚Hmm‘ dachte ich., ‚Es gibt doch bestimmt auch noch andere Möglichkeiten, den Baum oder wenigstens einen Teil von ihm zu nutzen.‘

Da fiel mir ein, dass mein Opa Wusel aus alten Weihnachtsbäumen Quirle für die Küche geschnitzt hatte. Er hat mir dafür sogar eine Anleitung geschenkt! Ich las sie durch und bekam sofort große Lust, das mal selbst auszuprobieren.


Ich suchte mir also eine schöne Weihnachtsbaumspitze und knipste sie mit einer Rosenschere unter der ersten Verzweigung ab. Das sieht ja wie ein Propeller aus!

Dann kürzte ich die Spitze auf 15-17 cm und die Seitentriebe auf ungefähr 3 cm und schabte mit einem Schnitzmesser die Rinde von meinem zukünftigen Quirl ab.


Dieser muss nun trocknen, damit ich ihn mit Schleifpapier bearbeiten kann! Wenn er dann richtig glatt ist, soll ich den Quirl einmal abkochen. Das hat mein Opa Wusel empfohlen, um eventuelle Keime und den harzigen Geruch zu beseitigen.

Danach werde ich ihn an den Verzweigungen noch mit Speiseöl einstreichen und schon ist mein neuer Rührstock fertig! Der wird bestimmt auch so schön wie der von meinem Opa.

Und wenn ich dann den Teig für den Eichelmehlkuchen mit meinem eigenen Quirl anrühre, so wird mir dieser bestimmt besonders gut schmecken!


Weißt du eigentlich, dass man die Abzweigungen der Nadelbäume ebenfalls als Quirle bezeichnet und dass man daran auch das Alter der Nadelbäume bestimmen kann??

Es gilt:  1 Quirl = 1 Jahr. Da ein kleiner Nadelbaum noch keine sichtbaren Abzweigungen entwickelt, soll man zu den gezählten Quirlen noch 2-4 Jahre zuzählen und schon hat man das Alter des Nadelbaumes ermittelt. Der Baum auf der Zeichnung ist also 8-10 Jahre alt (6 Quirle plus 2-4 Jahre)



Versuche doch mal hier das Alter der Kiefer zu bestimmen! Achte aber darauf, dass der untere Quirl nicht mehr vollständig ist!

Hier ist die Lösung!


Wenn du jetzt mit deiner Familie, deinen Freund*innen oder auch allein in den Wald oder Park gehst, kannst du mit ihnen das Alter von weiteren Nadelbäumen bestimmen.

Bei alten Bäumen wird es aber ziemlich schwierig. Denn bei denen sind die unteren, also alten Verzweigungen, nicht mehr gut erkennbar. Sie sind nur noch dunkle Stellen und Buckel an der Rinde. Trotzdem lohnt es sich, diese knifflige Aufgabe anzugehen…

VIEL SPASS UND ERFOLG!

Zu guter Letzt ein kleines Video zum Nachmachen:

Das Moor – ein unheimlicher Ort?

Das Moor – ein unheimlicher Ort?

Das Teufelsseemoor – Ein Einblick in die Geschichte


Das Teufelsmoor in Berlin-Köpenick ist ein geschichtsträchtiges und zugleich mystisches Naturgebiet, das im Laufe der Zeit zahlreiche Geschichten und Legenden hervorgebracht hat.

Ursprünglich war das Moor ein sumpfiges Gebiet, das den Menschen aufgrund seiner undurchdringlichen Natur und düsteren Atmosphäre Angst einflößte. Es erhielt den Namen „Teufelsmoor“ aufgrund der Vorstellung, dass hier der Teufel höchstpersönlich sein Unwesen treibe.

Im 18. Jahrhundert begannen die Menschen, das Teufelsmoor zu entwässern und für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Diese Entwicklung markierte einen Wandel in der Geschichte des Moorgebiets, von einem düsteren Ort der Angst zu einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet. Trotz dieser Veränderungen bleiben die Geschichten und Legenden in der Folklore der Region lebendig.

Heutzutage ist das Teufelsmoor ein Naturschutzgebiet, das Besucher mit seiner einzigartigen Flora und Fauna anlockt. Seine Geschichte ist somit eine faszinierende Reise durch die Veränderungen in der Wahrnehmung und Nutzung eines einst düsteren und mysteriösen Ortes zu einem geschätzten Naturreservat in der Stadt Berlin.

Teufelsseemoor Köpenick

Das heutige Teufelsseemoor ist eine einzigartige Naturlandschaft, die durch vielfältige Besonderheiten beeindruckt. Es erstreckt sich über eine Fläche von etwa 6 Hektar.

Inmitten der moorigen Landschaft finden sich Torfmoos, Seggen und Wollgräser, aber auch seltene Pflanzen wie der Sonnentau prägen das Bild.

Wer die Augen offen hält, kann auch den Moorfrosch und die unter Schutz stehende Ringelnatter entdecken. Ebenso Vogelliebhaber können zahlreiche Arten sichten.

Der neue 300 m lange Holzsteg, der sich über das Teufelsseemoor erstreckt, ermöglicht es Besuchern, tief in diese Landschaft des Moores einzutauchen, ohne die empfindlichen Pflanzen und Lebensräume zu beeinträchtigen.

Ringelnatter
Wollgras (verblüht)

Als Folge von Wassermangel und damit einhergehende Verlandung des Moors finden sich bereits Birken und Kiefern an. Zur längerfristigen Erhaltung des Ökosystems wurden daher im Rahmen eines Umweltprogrammes der Berliner Forsten 2014/2015 einige Gehölze aus dem Moorboden entfernt.

Sonnentau – der grüne Beutefänger

Der Sonnentau (Drosera) zählt zu den fleischfressenden Pflanzen. Weltweit sind rund 200 Arten bekannt, hauptsächlich aus Australien, Südamerika und Südafrika. Auch bei uns gibt es heimische Arten. Neben der rundblättrigen Variante ist auch der langblättrige Sonnentau auffindbar. Er bildet langgestielte und hohle Blätter aus, erreicht Höhen von 5-20 cm und zeigt eine weiße Blütenpracht von Juli bis August.

Der Sonnentau ist dafür bekannt, in äußerst nährstoffarmen Böden zu gedeihen. Um die lebensnotwendigen Nährstoffe zu erlangen, nutzt die Pflanze Insekten, wie Fliegen und Mücken als Nahrungsquelle. Charakteristisch für den Sonnentau sind seine Fangblätter, besetzt mit leuchtend roten Tentakeln. Das darauf an Tautropfen erinnernde Haftsekret verleiht ihm nicht nur seinen Namen, sondern fungiert auch als Lockmittel für Insekten. Diese bleiben an der klebrigen Substanz kleben und werden anschließend verdaut.

Die Drosera-Arten haben sich überwiegend an moorige Lebensräume angepasst und können sich so der Konkurrenz mit anderen Pflanzenarten entziehen und sich frei entfalten. Infolge von Entwässerung und Torfabbau verkleinert sich allerdings der Lebensraum des Sonnentaus zunehmend, wodurch bereits einige Arten selten geworden sind.

Sonnentaugewächse haben auch für uns Menschen schon lange einen Nutzen als Heilpflanzen, vorrangig bei Erkrankungen der Atemwege, durch seine entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkungen. Er sollte aber nicht gepflückt werden, da er ja unter Naturschutz steht.

Der Moorfrosch – das Chamäleon unter den Amphibien

Der Moorfrosch, auch als Europäischer Moorfrosch bekannt, ist eine faszinierende Amphibienart, die in den Feuchtgebieten Europas beheimatet ist.

Mit einer lebendigen blauen Farbe, die sich ausschließlich in der Paarungszeit zeigt, zieht dieser Frosch die Aufmerksamkeit von Naturliebhabern und Forschern gleichermaßen auf sich.

Diese Amphibienart, wissenschaftlich als Rana arvalis bezeichnet, findet man hauptsächlich in den Feuchtgebieten von Nord- und Osteuropa.

Die Fortpflanzung des Blauen Moorfroschs ist ein beeindruckender Prozess. Im Frühling versammeln sich die Frösche in den Feuchtgebieten, wo die Männchen mit ihrem auffälligen Blau um die Gunst der Weibchen buhlen. Die Paarung erfolgt im Wasser, und die Weibchen legen ihre Eier in sorgfältig konstruierten Schaumnestern ab.

Der Lebensraum des Blauen Moorfroschs umfasst Sümpfe, Moore, Teiche und Feuchtgebiete mit langsam fließendem Wasser. Der Frosch ist perfekt an das Leben in diesen nassen Umgebungen angepasst, mit seinen speziellen Hautdrüsen, die eine gewisse Feuchtigkeit bewahren und vor dem Austrocknen schützen.

Trotz seiner Anpassungsfähigkeit und Überlebensstrategien steht der Blaue Moorfrosch vor Herausforderungen. Der Verlust von Feuchtgebieten aufgrund von menschlichen Aktivitäten, Umweltverschmutzung und klimatischen Veränderungen bedrohen seinen Lebensraum und seine Population.

Insgesamt ist der Blaue Moorfrosch ein faszinierendes Beispiel für die Vielfalt der Natur in feuchten europäischen Landschaften. Der Schutz seines Lebensraums und nachhaltige Umweltpraktiken sind entscheidend, um sicherzustellen, dass diese farbenfrohen Amphibien auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.


Interessiert? Hier kannst du dein Wissen vertiefen:

Noch nicht genug vom Sonnentau? Hier geht’s zur offiziellen Seite des NABU
Du traust dich alleine ins Teufelsmoor? Dann ist hier deine Wegbeschreibung
Quaaaaaak! Erfahre mehr über den Moorfrosch auf der Seite des NABU

Autoren:

Dieser Beitrag wurde von den beiden Ökis (FÖJlerinnen) Phoebe und Vincent verfasst.

Das Igelkrankenhaus in Berlin-Hermsdorf

Das Igelkrankenhaus in Berlin-Hermsdorf

Der Igel: Das lebende Fossil

Eines der bekanntesten Wildtiere unsrer Breiten ist der Igel. Er gehört zu den ältesten Säugetieren auf der Erde und wird auch als „lebendes Fossil“ bezeichnet. Das heißt, dass er in ähnlicher Form bereits mit den Dinosauriern zusammengelebt hat.

Als nachtaktives Schutztier (im Gegensatz zum Fluchttier), kann er sich bis zu 12h einrollen, seine 8000 Stacheln aufrichten und sich so vor Angreifern schützen. Seine Strategie ist ein regelrechtes Erfolgsmodell der Evolution! 

Seine natürlichen Feinde lassen sich gut eingrenzen. Es sind Füchse, Uhus, Dachse, Marder oder Rabenkrähen. Diese Tiere haben allesamt lange Krallen und können das dichte Stachelkleid des Igels überwinden.

Ein strukturarmer Kiefernwald ist unattraktiv für Igel

Ein strukturreicher Park, wie hier in Berlin, bietet mehr Lebensraum für den Igel

Es wird vermutet, dass Igel ursprünglich in Wäldern mit vielfältigem Bewuchs lebten. Doch der Stachelträger kann sich in unseren heutigen strukturarmen Wirtschaftswäldern nicht mehr aufhalten. Er ist ein typischer Kulturfolger, der im Laufe der Zeit immer mehr vom Land in die Stadtnatur abgewandert ist. Hier sucht er sich abwechslungsreichere Orte wie Parkanlagen und Gärten. Dort findet er offene und dicht bewachsene Flächen mit viel Gebüsch, Laubhecken und einer dicken Laubschicht. 

Igel in Gefahr

Der Insektenfresser stößt mit seiner Lebensart jedoch immer mehr an Grenzen. Denn seine Stacheln helfen ihm nicht im Straßenverkehr oder Verhindern das Zerschneiden seiner Reviere durch Bebauung. Die Lebensbedingungen für Igel verschlechtern sich stetig. Nicht nur durch die direkten menschengemachten Gefahren, sondern auch durch die Folgen des Klimawandels. 

Das ständige Sauberhalten der Gärten durch die Nutzung von Mährobotern, Schneckenkorn und Laubentfernung sorgt für lebensbedrohliche Verletzungen, Vergiftungen und einen Eingriff in den biologischen Kreislauf. Wo keine Insekten mehr das Laub zersetzen, dort fehlt dem Igel auch sein natürliches Nahrungsangebot. Immer mehr Tiere werden mit einer sogenannten „Hungerfalte“ gefunden, die eine Mangelernährung aufzeigt. Viele Hinweise deuten darauf hin, dass die Igelpopulation zurückgeht.

Berliner Igelschutz seit 40 Jahren

Der Sitz des Vereins „Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.“ in Berlin-Hermsdorf
Von der S-Bahn-Station Hermsdorf braucht man zu Fuß ca. 11 Minuten bis zur Igelstation

Das bekommt auch der Verein „Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.“ mit. Seit 40 Jahren unterstützt er die stacheligen Vierbeiner in der Hauptstadt. Die Igelstation fand ihren Anfang im Keller der Vorsitzenden Gabriele Gaede und ist im Laufe der Jahre so herangewachsen, dass sie in einen Laden im Norden Reinickendorfs gezogen sind.

Hier finden mehr als 55 Igel Platz, um von den 30 aktiv Helfenden liebevoll umsorgt zu werden. Insgesamt 250 Mitglieder zählt der Verein, welche ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Ihr Herzensziel ist es kranken, verletzten und untergewichtigen Igeln zu helfen, um diese in einer igelfreundlichen Umgebung wieder auswildern zu können. Die Igelstation funktioniert wie ein Krankenhaus und hat allein 2021 so 570 Igel gepflegt.  

Die Tätigkeiten des Vereins sind vielfältig: Sie reichen von nächtlichen Krankentransporten, Untersuchungen, Tierarztbesuchen und Pflege bis zur Öffentlichkeitsarbeit. 

So steht der Verein z.B. mit den Herstellern von Mährobotern in Kontakt und leistet Aufklärungsarbeit auf Festen und in Schulen. Ausserdem bietet er rund um die Uhr Hilfe und Beratung über seine Igel-Hilfehotline. An manchen Tagen klingelt das Telefon alle 10 bis 15 Minuten, erzählen die Ehrenamtlichen.

Alltag in der Igelstation*

Bevor der Winter anbricht werden viele untergewichtige Tiere eingeliefert. Diese Hochsaison im Herbst ebbt im Dezember ab und die Stationsarbeit kommt dann, wie die schlafenden Igel, etwas zur Ruhe. Im Frühling hingegen, mit dem Beginn der Gartensaison, finden sich eher verletzte Vierbeiner und im Sommer verwahrloste Jungtiere in der Station. Igel sind das ganze Jahr präsent, nicht nur im Herbst, somit ist für die Helfenden auch das ganze Jahr über Igelzeit. Die Station ist dementsprechend so gut wie nie leer. 

Ab Dezember liegen die Igel in ihren Ställen und halten Winterschlaf in den unbeheizten Räumen. Jeden Tag kommt ein Team von 4 Personen zusammen, um gemeinsam alles zu säubern. Dazu werden in 3 bis 4 Stunden überall Zeitungen ausgewechselt, als auch Futternäpfe und Schlafhäuschen saubergemacht. Danach folgen die Pflege der Verletzten, die Vorbereitung zur Auswilderung/Betreuung und die Organisation der gespendeten Materialen. 

Igelpflege zu Hause

Die Pflege verletzter und untergewichtiger Tiere dauert mehrere Wochen und in den Wintermonaten bis zu mehreren Monaten. Igel mit dauerhafter medizinischer Betreuung ziehen im Winter zu den Helfenden nach Hause. Die Station wäre gerade für die Intensivbetreuung zu kalt, da die Stachelträger dort kein Fettpolster anlegen können.  

Sie brauchen es warm und viel Aufmerksamkeit. Dort liegen sie nun in den Wohnzimmern und werden zu regelmäßigen Zeiten mit Medikamenten behandelt oder die Jungtiere alle 2 bis 3 Stunden mit Pipetten gefüttert, bis sie selber fressen können. Eine echte Vollzeitbeschäftigung, die die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit organisieren. 

Igel sind dabei keine Haustiere. Auch wenn sie nach der Handaufzucht oder der Pflege erst etwas zutraulich sein können, setzt der nächste Winterschlaf sie wieder auf den Zustand eines „Wildtiers“ zurück (Reset). 

Die Überwinterung von gesund-gepflegten Igeln, findet teilweise bei Privatpersonen statt. In der Bildergalerie sieht man die Vorbereitung eines Igel-Transports mit Hilfe von Pappkartons und zerkleinertem Zeitungspapier.

Die Auswilderung

Die gepflegten Igel werden nach ihrem Krankenaufenthalt wieder entlassen und ausgewildert. Das geschieht vom Frühling bis zum Spätsommer. Dafür besucht der Verein alle potenziellen Gärten persönlich und bewertet diese auf ihre Igel-Freundlichkeit. Dann kann der Igelstall auch schon im Garten platziert werden und die Tür sich langsam öffnen. Zwei Wochen wird der Ankömmling noch gefüttert und dabei das Futter langsam reduziert, bis die Eingewöhnungszeit um ist.

Hilfe: Ich habe einen Igel gefunden, was tun?

Wenn im Winter umherlaufende Igel gefunden werden, dann sind diese immer hilfsbedürftig. In den anderen Jahreszeiten erkennt man einen hilfsbedürftigen Igel folgendermaßen: Hungerknick oder eine birnenartige Körperform (das Gewicht ist nicht aussagekräftig genug), Tagaktivität, umherschwirrende Fliegen. Dem Findling muss dann sofort geholfen werden.

Zur sofortigen ersten Hilfe gehört NICHT das Füttern, dafür braucht er nämlich erst einen warmen Bauch. Als erstes muss der Igel warmgehalten und auf Fliegeneier bzw. –larven abgesucht werden. Die kleinen weiß-gelblichen Punkte gehören sofort entfernt. Danach kann man ihm vorsichtig Wasser anbieten. 

Nach der ersten Versorgung, sollte umgehend die Igelstation kontaktiert werden (über Telefon oder Facebook). Von Alleingängen in der Igelpflege wird stark abgeraten, da im Internet viel Falsches steht. Die Igelexpert:innen können die Fragesuchenden umfangreich zu den nächsten Schritten beraten. 

Was hat der Findling denn?

Igel zeigen oft nicht, dass sie Schmerzen haben. Kotproben geben dort viel Aufschluss zur Erkrankung, denn meistens ist ein starker Parasitenbefall der Grund. Die Proben müssen v.a. am Anfang an mehreren darauffolgenden Tagen entnommen werden.

Medikamente sind bei igelkundigen Tierärzten erhältlich (der Igelstation bekannt). Das Stichwort ist hier „igelkundig“, denn die meisten Tierärzte kennen sich mit Wildtieren nicht aus. Eine falsche Diagnose und Behandlung können zu großem Schaden führen. 

Wie kann jede:r Einzelne helfen? 

Der igelfreundliche Garten

Wie kann ich meinen Garten so gestalten, dass die Igel sich wohlfühlen?

Das ist gar nicht so schwer! Igel brauchen vor allem Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten, bei gleichzeitiger Minimierung von Gefahren. Besonders in den Städten ist es außerdem wichtig, dass Igel-Reviere verbunden bleiben und so seine Lebensweise unterstützen. 

Eine Checkliste:

  • Heimische Pflanzen, Sträucher und Bäume
  • Unterschlüpfe wie Holzstapel, dichte Hecken, Gebüsch, Reisig-, Laub- und Komposthaufen, selbstgebaute Winterquartiere (Igelhaus)
  • Kein Gift (wie Blaukorn, Schneckenkorn usw.) 
  • Durchlässige Zäune mit naturnahen Nachbargärten
  • Igelsichere Gartenteiche, Regentonnen, Löcher, Treppen
  • Täglich frisches Trinkwasserangebot (niemals Milch!)
  • Fütterung im Herbst und Frühjahr (dabei Futterstellen schützen!)
  • Keine Mähroboter und Ultraschallgeräte

Der igelfreundliche Wald

Auch Land-und Waldbesitzer können den Igel unterstützen, da auf lange Sicht die Städte nicht als Lebensraum ausreichen. In Laubmischwälder müssen die natürlichen Prozesse z.B. auf Windwurfflächen oder Brachen wieder zugelassen werden, damit Büsche und junge Bäume wachsen können. Die Insektenfresser bevorzugen nämlich unaufgeräumte Wälder und v.a. Waldränder (offene Wiesen und angrenzender Wald). Mehr liegende Biomasse kommt auch den Insekten zugute, von denen er sich hauptsächlich ernährt.

Unterstützung des Vereins – aktiver Naturschutz

Wenn ihr Lust habt aktiven Naturschutz zu betreiben und die Igel in Berlin zu unterstützen, dann meldet euch beim Verein! Es werden dringend interessierte Bürger:innen benötigt, um die ehrenamtliche Arbeit fortzuführen. 

Wer seine Stärken nicht in der Igelbetreuung sieht, der kann auch anders helfen z.B. durch Igelpatenschaften, Sach- und Geldspenden oder auswilderungs- bzw. igelfreundliche Gärten. Besonders nach politisch-engagierten Personen wird gesucht, um den Druck auf staatlicher Ebene zu erhöhen. 

Denn wenn man im Internet schaut, befindet sich in Hermsdorf die letzte große Igelstation Berlins. In den letzten Jahrzehnten sind viele Stationen geschlossen worden, durch den Wegfall staatlicher Unterstützung und dem altersbedingten Personalschwund. Die Kosten der Miete, Medikamente, Futter und weitere Materialen müssen allein durch private Spenden getragen werden. Jede Unterstützung ist willkommen und hilft diese wichtige Initiative zu erhalten. 


Interessante Links

Ausführlichere Infos zu Igelgefahren und Igel im Garten
(Link zu igelschutzberlin.com)

Artikel zum Thema: Igel brauchen Laubwald
(Link zu naturwald-akademie.org)

Hier ist die Igelstation zu finden:
Olafstraße 71
13467 Berlin-Hermsdorf

*Das Interview mit der Igelstation wurde Ende November 2022 geführt.

Informationen zum Urheberrecht
Die hier verwendeten Bilder wurden entweder privat aufgenommen oder lizenzfrei von der Seite „pixabay.com“ genutzt.

Wilma Wusel entdeckt Fledermäuse

Wilma Wusel entdeckt Fledermäuse

Hallo du, neulich entdeckte ich auf meinen Streifzügen einen ganz besonderen Baum! Es war eine Buche und an sich nicht einzigartig – im Gegenteil, um sie herum waren noch viele andere Buchen. Was an ihr außergewöhnlich war, war ihre Rindenfärbung – grünlich, weißlich, schwarz… Noch etwas fiel mir auf! Über dem Rindenmuster war ein Kasten und über dem Kasten sah die Buche wie die anderen Bäume um sie herum aus.

Hmm – wieder ein Waldrätsel, das ich diesmal aber gleich vor Ort lösen konnte!

Ich ging näher zu dem Baum und hörte ganz zartes Zwitschern. Das kam doch aus dem Kasten! Und unten hatte der ja auch einen Schlitz! Ich schaute mich weiter um und sah auf dem Waldboden noch ganz viele kleine schwarze Würstchen.

Aha!!! Diese Kotspuren, die ungewöhnliche Rindenfärbung und die Kastenlaute können nur von einer Tierart stammen – Fledermäusen!




Ich überlegte: Die kleinen Flattertiere machen vielleicht das Gleiche wie wir, bevor sie schlafen gehen – sie gehen noch mal auf Toilette😊. Das Rindenmuster ist dann also frischer und getrockneter Fledermausurin und die Würstchen das große Geschäft! Naja, und die Geräusche aus dem Kasten sind dann vielleicht träumende Fledermäuse…


Egal, ich hatte jedenfalls sofort eine Idee! Ich würde mich am Abend auf die Lauer legen, denn ich wollte wissen, wie viele Tiere dort drin sind. Der schwarze Fleck des frischen Fledermausurins und die Laute verrieten mir schon, dass es mehrere sein müssten.


Ich suchte mir also in der Dämmerung ein gemütliches Plätzchen und musste gar nicht lange warten bis die erste Fledermaus erschien. Dann wurde es spannend! Eine Fledermaus nach der anderen flog in den dunklen Wald. Das ging so schnell, dass ich mit dem Zählen aufpassen musste. Wenn ich mich nicht verzählt habe, waren 39 Fledermäuse in dem Kasten. Dabei fiel mir auf, dass die meisten von ihnen beim Abflug die gleiche Route nahmen, praktisch wie eine Startbahn auf dem Flugplatz. Wow, das war ein ganz besonderes Erlebnis!


Nun fragte ich mich aber, welche Fledermäuse schon am frühen Abend unterwegs sind, denn ich dachte immer, dass die Flattertiere nur in der Nacht fliegen.

Deshalb schaute ich in einem Fachbuch nach und…

…musste erst mal laut lachen. Denn Fledermäuse haben ganz lustige Namen: Mopsfledermaus, Hufeisennase, Mückenfledermaus, Zwergfledermaus, Abendsegler!

Moment mal… ABENDsegler! Könnte das nicht die Fledermausart sein, die ich gestern beobachtete?


Ja, richtig! Ich las, dass Abendsegler praktisch die Frühaufsteher unter den Fledermäusen sind, da sie als erste in die beginnende Nacht starten. Nun hatte ich ein Rätsel gelöst, doch es entstanden direkt neue Fragen: Wie groß ist eine Zwergfledermaus? Was fressen Fledermäuse eigentlich? Wo schlafen sie, wenn keine Kästen im Wald hängen?

Bereits am nächsten Tag hatte ich das große Glück, Fledermausforscher zu treffen und sie auch begleiten zu dürfen. Das war super interessant! Sie untersuchten wo, wie viele und welche Fledermäuse im Wald schlafen.

Dazu schauten sie auch in die Fledermauskästen und konnten dort kleine und große Arten entdecken.


Dabei sah ich, dass die Zwergfledermaus wirklich sehr klein ist. Sie würde sogar in eine Streichholzschachtel passen! Und als ich die spitzen Zähne vom Abendsegler sah, erklärten mir die Fledermausforscher, dass diese Art am liebsten Käfer frisst. Sie knacken diese wie wir Nüsse oder Bonbons. Andere Fledermausarten bevorzugen Mücken und Motten, um satt zu werden.


Wir gingen weiter… Wow – eine Höhle oder richtiger, ein Bunker mitten im Wald!  Die Fledermausforscher luden mich ein, hineinzukrabbeln. Dort können Fledermäuse sogar ihren Winterschlaf halten! Aber auch im Sommer fühlt sich hier die ein oder andere Fledermaus wohl, denn sie können in den vielen Ritzen und löchrigen Steinen genügend Platz für ein Schläfchen finden.

Ich konnte sogar eine Fledermaus entdecken!

Fotos Fledermäuse in Bunker: Marie Heise


Meine Begleiter sagten mir, dass sich viele Fledermäuse auch Schlafplätze suchen, die von Menschen geschaffen wurden. So nutzen sie Kirchtürme, Dachstühle, Brücken, aber auch Jalousienkästen und andere kleine Schlupflöcher an Häusern als Sommerquartiere.

Nach dem Ausstieg aus dem Bunker wollte ich weiter auf Fledermaussuche gehen. Doch die Fledermausforscher hatten dazu keine Zeit, denn sie mussten ihre erfassten Daten noch auswerten. Das bedauerte ich sehr, hatte ich doch jetzt erst recht noch viele Fragen.

Sie gaben mir aber zum Abschied noch einen Tipp: „Geh‘ zu einer der vielen Fledermausexkursionen, die im August angeboten werden! Am letzten Augustwochenende begehen Fledermausfreundinnen und -freunde die Internationale Batnight. Damit wollen sie noch viele Menschen für die faszinierenden Tiere begeistern.“

Au ja, das werde ich machen! Du auch?


Spannende Links zum Thema

Hört euch auch unseren Podcast zum Thema an.
Wir fanden es so spannend und hatten so viele Infos, dass es diesmal gleich zwei Teile geworden sind.

Fledermausführungen in Berlin
(Link zum NABU)

Batnight Aktivitäten
(Link zum NABU)

Fledermausforschung bei Nacht
(Link zu YouTube)

Lebensweise der Fledermäuse
(Link zu SWR Kindernetz)

Sendung mit der Maus zu Fledermäusen
(Link zu YouTube)