Das Igelkrankenhaus in Berlin-Hermsdorf

Das Igelkrankenhaus in Berlin-Hermsdorf

Der Igel: Das lebende Fossil

Eines der bekanntesten Wildtiere unsrer Breiten ist der Igel. Er gehört zu den ältesten Säugetieren auf der Erde und wird auch als „lebendes Fossil“ bezeichnet. Das heißt, dass er in ähnlicher Form bereits mit den Dinosauriern zusammengelebt hat.

Als nachtaktives Schutztier (im Gegensatz zum Fluchttier), kann er sich bis zu 12h einrollen, seine 8000 Stacheln aufrichten und sich so vor Angreifern schützen. Seine Strategie ist ein regelrechtes Erfolgsmodell der Evolution! 

Seine natürlichen Feinde lassen sich gut eingrenzen. Es sind FüchseUhus, Dachse, Marder oder Rabenkrähen. Diese Tiere haben allesamt lange Krallen und können das dichte Stachelkleid des Igels überwinden.

Ein strukturarmer Kiefernwald ist unattraktiv für Igel

Ein strukturreicher Park, wie hier in Berlin, bietet mehr Lebensraum für den Igel

Es wird vermutet, dass Igel ursprünglich in Wäldern mit vielfältigem Bewuchs lebten. Doch der Stachelträger kann sich in unseren heutigen strukturarmen Wirtschaftswäldern nicht mehr aufhalten. Er ist ein typischer Kulturfolger, der im Laufe der Zeit immer mehr vom Land in die Stadtnatur abgewandert ist. Hier sucht er sich abwechslungsreichere Orte wie Parkanlagen und Gärten. Dort findet er offene und dicht bewachsene Flächen mit viel Gebüsch, Laubhecken und einer dicken Laubschicht. 

Igel in Gefahr

Der Insektenfresser stößt mit seiner Lebensart jedoch immer mehr an Grenzen. Denn seine Stacheln helfen ihm nicht im Straßenverkehr oder Verhindern das Zerschneiden seiner Reviere durch Bebauung. Die Lebensbedingungen für Igel verschlechtern sich stetig. Nicht nur durch die direkten menschengemachten Gefahren, sondern auch durch die Folgen des Klimawandels. 

Das ständige Sauberhalten der Gärten durch die Nutzung von Mährobotern, Schneckenkorn und Laubentfernung sorgt für lebensbedrohliche Verletzungen, Vergiftungen und einen Eingriff in den biologischen Kreislauf. Wo keine Insekten mehr das Laub zersetzen, dort fehlt dem Igel auch sein natürliches Nahrungsangebot. Immer mehr Tiere werden mit einer sogenannten „Hungerfalte“ gefunden, die eine Mangelernährung aufzeigt. Viele Hinweise deuten darauf hin, dass die Igelpopulation zurückgeht.

Berliner Igelschutz seit 40 Jahren

Der Sitz des Vereins „Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.“ in Berlin-Hermsdorf
Von der S-Bahn-Station Hermsdorf braucht man zu Fuß ca. 11 Minuten bis zur Igelstation

Das bekommt auch der Verein „Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.“ mit. Seit 40 Jahren unterstützt er die stacheligen Vierbeiner in der Hauptstadt. Die Igelstation fand ihren Anfang im Keller der Vorsitzenden Gabriele Gaede und ist im Laufe der Jahre so herangewachsen, dass sie in einen Laden im Norden Reinickendorfs gezogen sind.

Hier finden mehr als 55 Igel Platz, um von den 30 aktiv Helfenden liebevoll umsorgt zu werden. Insgesamt 250 Mitglieder zählt der Verein, welche ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Ihr Herzensziel ist es kranken, verletzten und untergewichtigen Igeln zu helfen, um diese in einer igelfreundlichen Umgebung wieder auswildern zu können. Die Igelstation funktioniert wie ein Krankenhaus und hat allein 2021 so 570 Igel gepflegt.  

Die Tätigkeiten des Vereins sind vielfältig: Sie reichen von nächtlichen Krankentransporten, Untersuchungen, Tierarztbesuchen und Pflege bis zur Öffentlichkeitsarbeit. 

So steht der Verein z.B. mit den Herstellern von Mährobotern in Kontakt und leistet Aufklärungsarbeit auf Festen und in Schulen. Ausserdem bietet er rund um die Uhr Hilfe und Beratung über seine Igel-Hilfehotline. An manchen Tagen klingelt das Telefon alle 10 bis 15 Minuten, erzählen die Ehrenamtlichen.

Alltag in der Igelstation*

Bevor der Winter anbricht werden viele untergewichtige Tiere eingeliefert. Diese Hochsaison im Herbst ebbt im Dezember ab und die Stationsarbeit kommt dann, wie die schlafenden Igel, etwas zur Ruhe. Im Frühling hingegen, mit dem Beginn der Gartensaison, finden sich eher verletzte Vierbeiner und im Sommer verwahrloste Jungtiere in der Station. Igel sind das ganze Jahr präsent, nicht nur im Herbst, somit ist für die Helfenden auch das ganze Jahr über Igelzeit. Die Station ist dementsprechend so gut wie nie leer. 

Ab Dezember liegen die Igel in ihren Ställen und halten Winterschlaf in den unbeheizten Räumen. Jeden Tag kommt ein Team von 4 Personen zusammen, um gemeinsam alles zu säubern. Dazu werden in 3 bis 4 Stunden überall Zeitungen ausgewechselt, als auch Futternäpfe und Schlafhäuschen saubergemacht. Danach folgen die Pflege der Verletzten, die Vorbereitung zur Auswilderung/Betreuung und die Organisation der gespendeten Materialen. 

Igelpflege zu Hause

Die Pflege verletzter und untergewichtiger Tiere dauert mehrere Wochen und in den Wintermonaten bis zu mehreren Monaten. Igel mit dauerhafter medizinischer Betreuung ziehen im Winter zu den Helfenden nach Hause. Die Station wäre gerade für die Intensivbetreuung zu kalt, da die Stachelträger dort kein Fettpolster anlegen können.  

Sie brauchen es warm und viel Aufmerksamkeit. Dort liegen sie nun in den Wohnzimmern und werden zu regelmäßigen Zeiten mit Medikamenten behandelt oder die Jungtiere alle 2 bis 3 Stunden mit Pipetten gefüttert, bis sie selber fressen können. Eine echte Vollzeitbeschäftigung, die die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit organisieren. 

Igel sind dabei keine Haustiere. Auch wenn sie nach der Handaufzucht oder der Pflege erst etwas zutraulich sein können, setzt der nächste Winterschlaf sie wieder auf den Zustand eines „Wildtiers“ zurück (Reset). 

Die Überwinterung von gesund-gepflegten Igeln, findet teilweise bei Privatpersonen statt. In der Bildergalerie sieht man die Vorbereitung eines Igel-Transports mit Hilfe von Pappkartons und zerkleinertem Zeitungspapier.

Die Auswilderung

Die gepflegten Igel werden nach ihrem Krankenaufenthalt wieder entlassen und ausgewildert. Das geschieht vom Frühling bis zum Spätsommer. Dafür besucht der Verein alle potenziellen Gärten persönlich und bewertet diese auf ihre Igel-Freundlichkeit. Dann kann der Igelstall auch schon im Garten platziert werden und die Tür sich langsam öffnen. Zwei Wochen wird der Ankömmling noch gefüttert und dabei das Futter langsam reduziert, bis die Eingewöhnungszeit um ist.

Hilfe: Ich habe einen Igel gefunden, was tun?

Wenn im Winter umherlaufende Igel gefunden werden, dann sind diese immer hilfsbedürftig. In den anderen Jahreszeiten erkennt man einen hilfsbedürftigen Igel folgendermaßen: Hungerknick oder eine birnenartige Körperform (das Gewicht ist nicht aussagekräftig genug), Tagaktivität, umherschwirrende Fliegen. Dem Findling muss dann sofort geholfen werden.

Zur sofortigen ersten Hilfe gehört NICHT das Füttern, dafür braucht er nämlich erst einen warmen Bauch. Als erstes muss der Igel warmgehalten und auf Fliegeneier bzw. –larven abgesucht werden. Die kleinen weiß-gelblichen Punkte gehören sofort entfernt. Danach kann man ihm vorsichtig Wasser anbieten. 

Nach der ersten Versorgung, sollte umgehend die Igelstation kontaktiert werden (über Telefon oder Facebook). Von Alleingängen in der Igelpflege wird stark abgeraten, da im Internet viel Falsches steht. Die Igelexpert:innen können die Fragesuchenden umfangreich zu den nächsten Schritten beraten. 

Was hat der Findling denn?

Igel zeigen oft nicht, dass sie Schmerzen haben. Kotproben geben dort viel Aufschluss zur Erkrankung, denn meistens ist ein starker Parasitenbefall der Grund. Die Proben müssen v.a. am Anfang an mehreren darauffolgenden Tagen entnommen werden.

Medikamente sind bei igelkundigen Tierärzten erhältlich (der Igelstation bekannt). Das Stichwort ist hier „igelkundig“, denn die meisten Tierärzte kennen sich mit Wildtieren nicht aus. Eine falsche Diagnose und Behandlung können zu großem Schaden führen. 

Wie kann jede:r Einzelne helfen? 

Der igelfreundliche Garten

Wie kann ich meinen Garten so gestalten, dass die Igel sich wohlfühlen?

Das ist gar nicht so schwer! Igel brauchen vor allem Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten, bei gleichzeitiger Minimierung von Gefahren. Besonders in den Städten ist es außerdem wichtig, dass Igel-Reviere verbunden bleiben und so seine Lebensweise unterstützen. 

Eine Checkliste:

  • Heimische Pflanzen, Sträucher und Bäume
  • Unterschlüpfe wie Holzstapel, dichte Hecken, Gebüsch, Reisig-, Laub- und Komposthaufen, selbstgebaute Winterquartiere (Igelhaus)
  • Kein Gift (wie Blaukorn, Schneckenkorn usw.) 
  • Durchlässige Zäune mit naturnahen Nachbargärten
  • Igelsichere Gartenteiche, Regentonnen, Löcher, Treppen
  • Täglich frisches Trinkwasserangebot (niemals Milch!)
  • Fütterung im Herbst und Frühjahr (dabei Futterstellen schützen!)
  • Keine Mähroboter und Ultraschallgeräte

Der igelfreundliche Wald

Auch Land-und Waldbesitzer können den Igel unterstützen, da auf lange Sicht die Städte nicht als Lebensraum ausreichen. In Laubmischwälder müssen die natürlichen Prozesse z.B. auf Windwurfflächen oder Brachen wieder zugelassen werden, damit Büsche und junge Bäume wachsen können. Die Insektenfresser bevorzugen nämlich unaufgeräumte Wälder und v.a. Waldränder (offene Wiesen und angrenzender Wald). Mehr liegende Biomasse kommt auch den Insekten zugute, von denen er sich hauptsächlich ernährt.

Unterstützung des Vereins – aktiver Naturschutz

Wenn ihr Lust habt aktiven Naturschutz zu betreiben und die Igel in Berlin zu unterstützen, dann meldet euch beim Verein! Es werden dringend interessierte Bürger:innen benötigt, um die ehrenamtliche Arbeit fortzuführen. 

Wer seine Stärken nicht in der Igelbetreuung sieht, der kann auch anders helfen z.B. durch Igelpatenschaften, Sach- und Geldspenden oder auswilderungs- bzw. igelfreundliche Gärten. Besonders nach politisch-engagierten Personen wird gesucht, um den Druck auf staatlicher Ebene zu erhöhen. 

Denn wenn man im Internet schaut, befindet sich in Hermsdorf die letzte große Igelstation Berlins. In den letzten Jahrzehnten sind viele Stationen geschlossen worden, durch den Wegfall staatlicher Unterstützung und dem altersbedingten Personalschwund. Die Kosten der Miete, Medikamente, Futter und weitere Materialen müssen allein durch private Spenden getragen werden. Jede Unterstützung ist willkommen und hilft diese wichtige Initiative zu erhalten. 


Interessante Links

Ausführlichere Infos zu Igelgefahren und Igel im Garten
(Link zu igelschutzberlin.com)

Artikel zum Thema: Igel brauchen Laubwald
(Link zu naturwald-akademie.org)

Hier ist die Igelstation zu finden:
Olafstraße 71
13467 Berlin-Hermsdorf

*Das Interview mit der Igelstation wurde Ende November 2022 geführt.

Informationen zum Urheberrecht
Die hier verwendeten Bilder wurden entweder privat aufgenommen oder lizenzfrei von der Seite „pixabay.com“ genutzt.

Podcast Folge 18: „Wilde Schwestern“

Podcast Folge 18: „Wilde Schwestern“

Heute geht es mit Lucas und Michael ab in den Wald. Jetzt wo es wieder wärmer wird, erwacht dieser aus seinem Winterschlaf und das Leben beginnt von neuem.

Wen treffen die beiden wohl heute?

Liedtext „Ich möcht so gerne fliegen“ – zum Download

Links

Warum sind Insekten so wichtig für die Natur?
(Link zu NaturDetektive des Bundesamts für Naturschutz)

Welche Wildbienenarten gibt es eigentlich?
(Link zu deutschlandsummt.de)

Projekt: Mehr Bienen für Berlin – Berlin blüht auf!
(Link zu wildbieben.org)

Darum sind Wildbienen wichtiger als Honigbienen
(Link zu quarks.de)

Biene Majas wilde Schwestern
(Dokumentarfilm von ARTE über Wildbienen auf YouTube)

Wilma Wusel entdeckt Greifvögel

Wilma Wusel entdeckt Greifvögel

Hallo du,

na, hast du die Wintersonne auch besonders gern? Es ist schon großartig, in einen blauen Himmel zu blicken und dabei die knorrigen Baumkronen bewundern zu können!

Neulich war ich wieder mal unterwegs. Da hörte ich laute, kräftige Vogelrufe. Das waren diesmal nicht das Krächzen der Krähen, sondern ganz andere Rufe…

Die klangen so kraftvoll, dass mir sofort klar war: Dieser Vogel muss größer als eine Krähe sein! Wieder schmetterte der Vogel seinen eindringlichen Ruf und ich folgte ihm.

Gespannt schaute ich in die kahlen Baumkronen, so dass ich fast über einen Maulwurfhügel gestolpert wäre. Ich blieb stehen und lauschte. Da – der Ruf kam von gar nicht so weit weg! Dort in den Buchen, da muss der Vogel sitzen!!! Ich ging weiter und da entdeckte ich…

… zwar nicht den Rufer, aber sein Zuhause. Ein Nest hoch oben auf einer alten Buche! Wow, das ist ja groß! Nun war ich klüger, denn ich wusste, dass solche großen Nester von Greifvögeln gebaut und in Fachkreisen als HORSTE bezeichnet werden. Also ist der Krakeeler in meinem Wald ein Greifvogel! Wieder schallte es laut durch den Wald – es war ganz nah! Und da sah ich ihn – er saß im Nachbarbaum: Größer als eine Krähe, gräuliches Gefieder! Ach, zu gern hätte ich ihn von Nahem betrachtet…



Auf dem Heimweg machte ich noch eine Entdeckung. Viele Federn lagen auf dem Waldboden verstreut. Die waren eindeutig von einer Taube.

Sollte etwa der Greifvogel etwas damit zu tun haben? Ich schaute mir die Federkiele genauer an. Wenn sie nämlich abgeknabbert sind, dann wurde die Taube von einem Fuchs oder Marder gefressen und wenn die Kiele unversehrt sind, dann hat ein Greifvogel zugeschlagen und gerupft.

Aha, diese Taube wurde von (m)einem Greifvogel erbeutet!

Zu Hause forschte ich mit Buch und Laptop weiter und dann war ich mir sicher, mein geheimnisvoller Vogel ist ein  . . . . . . . . . . . . . .

Ich erfuhr außerdem, dass Habichte, Mäusebussarde und andere Greifvögel im Februar mit ihrer Paarungszeit, die auch Balzzeit genannt wird, beginnen. Deshalb kann man die Vögel nun oft hören und bei ihren Balzflügen gut beobachten.

Ab sofort ging ich auf Habichtpirsch! Ich hörte meinen Habicht nun häufig.

Manchmal konnte ich ihn auch entdecken und mit meinem Fernglas genauer betrachten.

Doch so richtig nah kam ich ihm nie. Naja, er ist eben ein Wildtier!



Da kam mir die Idee! Ich besuche eine Falknerei, dort kann ich gewiss den Greifvögeln auch ohne Fernglas begegnen und noch so manches Wissenswertes über sie erfahren.

Gedacht – getan! Schon machte ich mich auf den Weg zum Falkenhof Potsdam am Ravensberg.

Ich wurde von der Leiterin, Ilka Simm-Schönholz und ihrem Günni herzlich empfangen. Da staunte ich: Ein Huhn auf dem Falkenhof? Lebt es dort nicht gefährlich? Schließlich gibt es Greifvögel, die andere Vögel fressen. Ich denke da nur an (m)einen Habicht. Doch Ilka beruhigte mich: „Nein. Günni lebt in unserem Streichelzoo und ist eins von unseren vielen zutraulichen Tieren.“


Doch nun zum eigentlichen Anlass meines Besuches: Greifvögel aus der Nähe betrachten! Ich folgte Ilkas Einladung, einige ihrer derzeit 42 Vögel anzuschauen. Wow, ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen raus. Ob es nun die Turmfalken, Wüstenbussarde oder Truthahngeier waren, jeder Vogel war sehenswert! Dabei erfuhr ich auch sehr viel Interessantes:

Wusstest du, dass der Turmfalke in vielen Berliner Rathäusern brütet oder dass der Wüstenbussard in Gruppen jagt? Dabei nehmen die Vögel verschiedene Rollen ein, fast so ähnlich wie bei Wölfen! Auch die Truthahngeier sind in Trupps unterwegs. Sie jagen aber nicht, sondern lauern auf tierische Verkehrsopfer.


Ilka führte mich auch noch zu ihren Eulenvögeln. Sie erzählte mir, dass weibliche Schneeeulen niemals weiß werden. Aha, da war also Harry Potters gefiederte Freundin Hedwig in den Filmen eigentlich ein Henry oder Herbert. Oder ist es bei Zaubereulen vielleicht anders?

Besonders beeindruckend war es für mich, dem Uhu in seine bernsteinfarbenen Augen zu schauen.

Und wie groß und schön er ist!

Dann präsentierte mir Ilka stolz ihren größten Greifvogel, den Weißkopfseeadler – das Wahrzeichen der USA.

Leider war am Tag meines Besuches kein Flugwetter, so dass ich die Vögel nicht in Aktion sehen konnte.

Aber Ilka tröstete mich und lud mich zu einer ihrer Vorführungen ein, in denen viele Greifvögel im Freiflug präsentiert werden.

Ich dankte Ilka recht herzlich und freue mich schon auf den nächsten Ausflug auf den Ravensberg. Vielleicht sehen wir uns ja, denn ein Ausflug zum Falkenhof Potsdam ist immer reizvoll, für die ganze Familie geeignet und super mit den Öffis zu erreichen!


Hier findet ihr unser Forscherblatt.

Es gibt aber auch noch weiteren Möglichkeiten, den Greifvögeln nahe zu sein:

Adler- und Jagdfalkenhof im Spreewald

Flämingfalknerei

Falknerei im Wildpark Johannismühle

Vogel-Flugshow im Tierpark Berlin

…. und noch mehr spannende Links:

Rufe und Lied des Habichts
(Link zu Deutsche Vogelstimmen.de)

Rufe des Mäusebussards
(Link zu Deutsche Vogelstimmen.de)

Paarung von Habichten mit Besuch von einem mutigen Eichhörnchen
(Link zu YouTube)

Wilma Wusel entdeckt eine weihnachtliche Zauberpflanze

Wilma Wusel entdeckt eine weihnachtliche Zauberpflanze

Hallo du,
der Winter ist da, juhu! Es wird gerade bitterkalt und frostig draußen, aber das hält eine Naturforscherin, wie ich es bin nicht davon ab, raus zu gehen. Mein dickes und borstiges Winterfell hält mich schön warm. Vor allem die feinen Wollhaare speichern die warme Luft an meinem Körper und helfen mir nicht auszukühlen. Ihr könnt dafür eure wetterfesten Winterjacken mit nach draußen nehmen.

Mit diesem dicken Fellmantel ausgestattet, hatte ich große Lust die Stadt zu besuchen. Ich kenne das schon von meinen Wildschweinverwandten, dass sie öfter mal den Wald verlassen, um zu schauen was in der Stadt so los ist. Sie erzählen mir immer die spannendsten Geschichten. 

Auf meinem Weg habe ich einen Fluss gefunden, der sah so einladend aus, dass ich ihm gleich gefolgt bin.

Als ich so spazierte, juckte plötzlich mein Winterfell ganz furchtbar. Ich fand zum Glück gleich eine Robinie mit ihrer dicken Rinde zum Kratzen. Als ich mich so schubberte, sah ich an ihr herunter und entdeckte Fraßspuren. Die waren riesig! Jemand hat ein großes Loch in den Baum geschnitzt? Die Rinde war ganz abgefressen und kahl an der Stelle. Jetzt wird die Robinie von einem Draht geschützt. Ich habe schon so eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte.

Auf meinem Spaziergang habe ich auch noch andere Hinweise entdeckt!

Meine Augen folgten dem Baumstamm hoch in seine Krone. Was das für ein schöner Robinien-Kratzbaum war! Seine eiförmigen Blätter lagen schon alle verstreut am Boden. Huch, was ist denn das? Dort hängen mehrere grüne Bälle ganz oben in den Ästen? Das sieht fast aus wie grüne Weihnachtskugeln. Es ist ja auch bald Weihnachten, aber wer würde hier die Bäume schmücken? Das musste ich mir genauer anschauen.

Ich suchte den Boden ab und fand einen grünen Pflanzenzweig. Der sah genau so aus, wie das, was in der Baumkrone hing und muss bestimmt heruntergefallen sein.

Beim Näherkommen konnte ich kleine grüne Blätter erkennen. Die hingen immer zu zweit an einem gegabelten Ästchen. Die Blätter hielt ich an meine Wange und fühlte, dass sie dick wie Leder waren.

Dazwischen hingen runde kleine Beeren. Die waren durchscheinend weiß und ganz prall! Wie wunderlich, sonst werden Beeren meistens im Sommer reif, aber jetzt haben wir den kalten Winter vor uns.

Ich war einfach zu neugierig und habe die Beeren mit meiner Schnauze untersucht. Eine ist dabei zerplatzt und dann ist es passiert, ich habe einen naturgemachten Kleber entdeckt! Meine Schnauze klebte ganz fest zusammen und ich bekam meine Nasenlöcher nicht mehr auseinander. Da bin ich wohl wie ein Sprichwort sagt „auf den Leim gegangen“.

Wisst ihr woher das Sprichwort kommt? Früher wurden Vögel mit diesem klebrigen Saft gefangen. Die Menschen haben Äste mit dem Leim (Kleber) eingeschmiert. Wenn Amseln, Drosseln oder Rotkehlchen sich daraufsetzten, konnten sie nicht mehr wegfliegen. Die Menschen haben die gefangenen Vögel dann mit nach Hause genommen, um im Winter ihre gezwitscherte Musik zu hören. Vor allem die Rotkehlchen waren als „Vogelradio“ begehrt. Zum Glück ist das jetzt verboten! Wir können alle Musik der Welt mit Spotify und Youtube hören, auch das Singen der Rotkehlchen.

Misteldrossel (Pixabay)
Amsel neben der Zauberpflanze (Pixabay)
Rotkehlchen (Pixabay)

Aber die weißen Beeren sind für die Wintervögel ein großer Leckerbissen. Nicht nur die Misteldrossel frisst sie gerne, sondern auch andere kleine Vögel wie die Amseln, Spechte, Meisen, Rotkehlchen, Kleiber und ganz viele mehr. 

Kleiber (Pixabay)

Da hatte ich einen Gedankenblitz! Ich habe diese runden Blätterbälle schon einmal in einer Tür hängen sehen. Ja doch, als meine Freundin Enja das Eichhörnchen und ich darunter standen, hat sie mir einen Kuss auf die Wange gegeben (da bin ich ganz rot geworden). Sie meinte: Wer unter einem Mistelstrauch steht, der bekommt einen Kuss“. Jetzt habe ich es, das sind Misteln! 

Nun habe ich mich gefragt, wie die Misteln eigentlich in die Bäume kommen? Früher dachte man nämlich, dass Misteln vom Himmel gefallen sind und die Götter sie in die Bäume gehangen haben. Dafür gibt es bestimmt auch eine andere Erklärung.

Um das herauszufinden, habe ich mir ein tolles Buch aus der Bibliothek geholt.
Dort stand: Eine Misteldrossel frisst die Beeren und fliegt dann weite Strecken weiter.
Wenn ihr Vogel-MIST auf einen Ast trifft, entsteht dort eine neue MISTel. 

Eine Amsel macht es dafür ganz anders: Das Fruchtfleisch der Beere ist nämlich nicht nur lecker, sondern auch klebrig und schützt den erbsengroßen Samen im Herzen der Beere. Sie muss deswegen ständig ihren Schnabel putzen und schmiert den klebrigen Schleim an einem Zweig ab. Dabei werden die Samen auf dem Baum verteilt. 

Moment mal, wie können die Misteln ohne Wurzeln in der Erde leben? Um das herauszufinden, habe ich eine Mistel ganz vorsichtig am Ast abgeschnitten. Ich konnte sehen, dass aus dem Samen eine kleine Wurzel in den Ast reingewachsen ist. Die Mistel wird also vom Baum gefüttert mit Wasser und Nahrung. Davon sterben die Bäume nicht ab, aber sie werden geschwächt. Deshalb haben Mistel auch den komischen Namen „Schmarotzer„.

Jetzt ist auch das Geheimnis gelüftet:
Die Vögel bringen die grünen Mistelbälle also in die Kronen der Bäume und die Bäume halten die Misteln am Leben! 

Bei meinem Spaziergang traf ich die Mistel wirklich überall!

Eine Pflanze mit Zauberkräften

Aus den tollen Büchern habe ich auch erfahren, dass die Menschen sich früher nicht erklären konnten, wie die Misteln in den Bäumen leben konnten. Deshalb dachte man, dass sie magische Zauberkräfte haben mussten

 

Beim Wort Zauberkraft, fällt mir sofort der Zaubertrank von Asterix und Obelix ein. Die beiden Freunde konnten mit Hilfe eines Zaubersaftes übermenschliche Kräfte bekommen und sich gegen die übergroße Truppe der Römer wehren. Ihr schlauer Druide Miraculix kannte das Geheimnis und wusste, dass nur die Misteln dem Trank seine Zauberkraft verlieh. Aber nicht irgendwelche, sie mussten auf einer Eiche gefunden und mit einer goldenen Sichel geerntet werden.

Auch woanders hat man der Pflanze Zauberkräfte zugesprochen. In der dunklen Jahreszeit hingen die Menschen Mistelzweige an Dächer, Ställe und Haustüren. Dadurch sollten böse Gäste wie Geister, Hexen, Feuer und Blitzeinschläge ferngehalten werden. Liebe Gäste wurden aber besonders herzlich mit einem Kuss empfangen. 

Ich freue mich, dass man diese schöne Idee auch noch heute, zur Weihnachtszeit und im neuen Jahr, bei uns findet. Probiert es doch selber zu Hause aus, das wird bestimmt ein herzlicher Weihnachtsspaß hihi: 

Schaut in der Natur ob ihr Misteln findet, schneidet sie ab, hängt sie auf und gebt euren Liebsten
– Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tanten und vielen mehr –
einen dicken Kuss! 


Hier erfährst du noch mehr:

Misteln bei der Sendung mit der Maus

Warum man sich unter dem Mistelzweig küsst

Eine schöne Weihnachtsgeschichte mit der Mistel und der Stechpalme

Studentische Praktika an Berliner Waldschulen

Studentische Praktika an Berliner Waldschulen

Das Waldpädagogikzertifikat – Wie wird man eigentlich Waldpädagog:in?

Ich wusste schon seit meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), dass ich Waldpädagogin werden möchte, so wie die Mitarbeiter:innen der Berliner Waldschulen. Für mich ist es der schönste Job der Welt. Man darf mit Menschen in den Wald gehen, gemeinsam lernen, Spaß haben und wird auch noch dafür bezahlt. Was gibt es Schöneres? Aber wie wird man eigentlich Waldpädagoge bzw. Waldpädagogin?

Für den Beruf muss eine Art Weiterbildung, namentlich das staatlich anerkannte „Waldpädagogikzertifikat„, abgeschlossen werden. Das baut auf einer vorangegangenen Ausbildung auf, wie z.B. als Erzieher:in, Lehrer:in oder Förster:in.

ACHTUNG: Deutschlandweit unterscheiden sich die Zugangsvorrausetzungen für die Weiterbildung. In Berlin wird zurzeit keine Zertifikatsausbildung angeboten. In Brandenburg dürfen nur Personen mit einem forstlichen Hintergrund das Zertifikat machen. In Hessen dürfen sowohl Förster:innen als auch Pädagog:innen daran teilnehmen.

Unter anderem deshalb habe ich an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) das Studium der internationalen Forstwirtschaft (IFEM) angefangen. Hier ist das Besondere, dass die Landesforstverwaltung ihre Pflicht der Zertifikatsumsetzung an die HNEE abgegeben hat. Somit können sich in Brandenburg Personen der Forstverwaltung, Studierende der forstlichen Studiengänge und Externe seit 2011 als Waldpädagogin und Waldpädagoge weiterbilden lassen.

Das Zertifikat besteht aus mehreren Modulen, einem Pflichtpraktikum und einer Abschlussprüfung. Die Module (an der HNEE) sind Bestandteile der forstlichen Studiengänge und kosten den Studierenden nichts! Nur für die Abschlussprüfung muss eine einmalige Gebühr von 200€ gezahlt werden. Das ist ein Riesenvorteil für die Studierenden, den man wissen sollte, denn eine externe Person bezahlt für den gleichen Lehrgang 1600€!


Wo soll das Praktikum gemacht werden und wie kommt man dort ran? 

Das Praktikum muss an einer anerkannten Praktikumsstelle durchgeführt werden. In Berlin gehören alle Waldschulen dazu: die 7 Waldschulen mit einem festen Standort und die 2 mobilen Rucksackwaldschulen

Ich habe mir die nächst-gelegene Waldschule herausgesucht, angerufen und nach einem kurzen Gespräch eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und den Lebenslauf geschickt. Dann ging alles ganz einfach und Schwupp hat es im März auch schon begonnen. 

Die Wahl des Praktikumsplatzes kann auch nach der Altersstufe erfolgen. So finden in der Waldschule Plänterwald und Bucher Forst v.a. Waldführungen mit der 1 bis 4 Klasse statt, andere Waldschulen empfangen auch Oberstufenschüler:innen. 


Und das Praktikum beginnt! 

Insgesamt habe ich zwei Wochen (80 Stunden) bei Katja und Harald in der Waldschule Bucher Forst verbracht. Für mich war es damals eine Herausforderung zwei Wochen am Stück frei zu bekommen. Hier konnte die Praktikumszeit ohne Probleme individuell abgesprochen werden.

In der Zeit kam jeden Tag eine neue Gruppe zwischen der ersten bis siebten Klasse zu uns, um einen klassischen Waldtag zu erleben. Am Anfang bin ich als stille Begleiterin mitgegangen und konnte in die Rolle der Besucher:innen schlüpfen. Dabei habe ich alle tollen Waldaktionen mitgemacht und bin z.B. mit auf Baumstämmen balanciert, geklettert, habe Hütten gebaut, mit Standlupen gearbeitet oder Waldspiele erlebt. 


Was „muss“ man alles im Praktikum machen? 

Man muss für ein erfolgreiches Praktikum eigene waldpädagogische Aktionen (Führungen, Projekte) planen und umsetzen.

Wenn man noch nie mit Kindern gearbeitet hat, kann ein mehrstündiger Waldtag eine große Herausforderung sein. Damit der eigene Anteil angerechnet wird, reicht es meistens auch aus, einen Teil des Waldtages oder einzelne Spiele umzusetzen. 

Bei mir wuchs schon nach ein paar Tagen das Selbstvertrauen und ich wollte selber aktiv werden. Das Praktikum ist eine super Gelegenheit, um eigene Ideen und Theoretisches auszuprobieren. Es ist immer ein:e kompetente:r Waldpädagog:in als Unterstützung dabei, falls es brenzlig wird. 

Traut euch also eigene Erfahrungen zu machen! Man muss nichts, darf aber ganz viel.  Die Zeit ist das was du daraus machst und die Pädagog:innen stehen dir mit Rat und Tat zur Seite.


Was kann man an einem Waldtag behandeln und wie kann eine Waldführung aussehen?

Als Thema bietet sich alles real Erlebbare/Jahreszeitliche an: Im wunderschönen Bucher Laubmischwald gibt es vieles zu erleben wie die Feuchtwiesen, den „Geheimpfad“ durch den Erlenbruch oder das Naturschutzgebiet. Im März hört man saisonal aber auch den Buntspecht seine Brutplätze bauen, die Amseln bei ihren Balzgesängen oder sieht den Kleiber kopfunter den Baum klettern. 

Nach einer Einarbeitungszeit habe ich einen eigenen Waldtag geplant. In dieser 3-4 stündigen Buntspecht-Führung mit einer 2. Klasse haben wir uns alles rund um die Lebensweise des Spechtes angeschaut und nachgespielt. Die 23 Kinder wurden mithilfe eines Fühlbeutels (angefressene Zapfen des Buntspechtes & Eichhörnchens) geteilt. Sie konnten dann wie Spechte klettern, durch Trommelklänge miteinander reden und im lustigen „Specht-Höhle-Spiel“ von Höhle zu Höhle fliegen. Im Naturschutzgebiet (ACHTUNG striktes Wegegebot) haben wir eine Schatzsuche mit umgebauten Eierbechern gemacht. Zum Schluss gab es ein Feuer und leckeres Stockbrot-Backen als Ausklang. 


Nach den zwei Wochen habe ich mich als echte Spechtexpertin gefühlt, weil nicht nur die Kinder, sondern auch ich viel dazu gelernt haben. Die Spiele habe ich durch die Hochschul-Module, die Waldpädagog:innen, die Bücher der Waldschul-Bibliothek oder aus dem Internet kennengelernt.


Ziel … Ziel … Zielgruppenorientierung

Pädagog:innen, auch die im Wald, arbeiten „zielgruppenorientiert (wie es in der Fachsprache heißt). Die Spiele und Erlebnisse werden an das Alter und die jeweilige Gruppe angepasst d.h. die Menschen werden dort mitgenommen, wo sie gerade sind. Das fordert Spontanität während der Waldführung und kann einem nicht „beigebracht“ werden. Spontanität muss geübt sein, auch dafür ist das Praktikum eine tolle Gelegenheit. Ich habe gelernt von meinen starren Konzepten abzuweichen und auf die momentanen Bedürfnisse der Gruppe einzugehen. Wenn die Kinder sich lieber mit einer Pfütze beschäftigen oder freispielen wollen, dann brauchen sie genau das gerade (und kein übergestülptes Waldspiel).  Wenn den Kindern kalt ist, dann muss auch mal im Zickzack gerannt werden.

Auf dem Foto (links) sieht man z.B. ein Baumteil, welches die Kinder entdeckt haben. Wir waren alle ganz fasziniert und haben den Ursprungsort gesucht. Wisst ihr um welchen Baum es sich handelt?

In den zwei Wochen hatte ich die Möglichkeit verschiedene Zielgruppen mit ihren spezifischen Anforderungen und Herausforderungen kennenzulernen. Ich bin nicht nur den Schülergruppen der ersten bis siebten Klasse begegnet, sondern habe auch bei einer Familienveranstaltung assistiert. Die Familienführungen waren besonders anspruchsvoll, da verschiedene Altersgruppen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen aufeinandergetroffen sind. So musste der hohe Spiel- und Bewegungsdrang der Kinder mit dem Wissens- und Erzähldurst der Erwachsenen zusammengebracht werden. 


Das Ende der Waldführung

Nachdem jede Gruppe uns verlassen hatte, sind wir als Team zusammengekommen. Wir haben uns bei einer Tasse Tee ausgetauscht und reflektiert: Was ist gut gelaufen? Was hat nicht so gut funktioniert? Was hat uns Spaß gemacht? Was kann das nächste Mal besser gemacht werden?

Ich wurde von Anfang an als vollständiger Teil des Teams aufgenommen. Am Morgen vor der Führung haben wir gemeinsam den Tag geplant und ihn am Nachmittag gemeinsam beendet. Ich wurde als ganzer Mensch gesehen und durfte auch als Praktikantin mit Kopf, Herz und Hand lernen. Alles darf so sein, wie man sich selber wohlfühlt. Eigene Ideen und Vorschläge für die Waldtage sind immer willkommen und erwünscht gewesen. 


Für mich war eines der größten Geschenke des Praktikums die eigenen Erlebnisse, als angehende Waldpädagogin, gemeinsam mit den erfahrenen Waldpädagog:innen zu reflektieren. Ich konnte auf ihren reichen Wissensschatz zurückgreifen und meine eigene „innere Schatzkiste“ füllen.


Interessante Links

Waldspiele-Sammlung
(Link zu Waldmeister.hausdeswaldes.de)

Anpsrechpartnerin Fr. Dr. Astrid Schilling für das Waldpädagogikzertifikat an der HNEE 
(Link zu hnee.de)

Text:
Jasmin Snoussi – Studentin an der HNEE und frisch gebackene Waldpädagogin

Wilma Wusel pflanzt einen Baum

Wilma Wusel pflanzt einen Baum

Ich sitze unter einer schönen kleinen Buche, die vor ein paar Jahren von einem Kind gepflanzt wurde. Sicher fragt ihr euch, wieso wir in den Wald zum Bäume pflanzen gehen. Wachsen die dort nicht von alleine?

Hier ist die Erklärung: Die kleine Buche wurde in einen Kiefernreinbestand gepflanzt. Es standen auf der Fläche also nur Nadelbäume. So wie auf diesem Bild.

Doch jetzt wachsen in dem Wald viele kleine Buchen und in einiger Zeit wird es ein Wald sein, in dem Nadel- und Laubbäume gemischt stehen. So ein Mischwald bietet unterschiedliche Lebensräume und ist zum Beispiel besser gewappnet gegen Borkenkäfer oder Wetterextreme.

Ich freue mich besonders, wenn aus Eicheln oder Bucheckern kleine Laubbäume nachwachsen, aber ich helfe auch gerne ein bisschen nach, an Stellen, wo kaum Eichen oder Buchen stehen. Egal ob gekeimt oder gepflanzt, wer Bäume liebt, braucht viel Geduld!

Heute will ich euch mal erklären, wie man einen Baum pflanzt, so dass er eine gute Chance hat, groß und stark zu werden.

Wir haben letztes Jahr kleine Eichen und Buchen gekauft, die schon drei Jahre in einer Baumschule lesen und schreiben gelernt hatten. Nee, Baumschule heißt es nur. Da werden Eicheln oder Bucheckern ausgesät und nach einem Jahr in Reihen auseinandergepflanzt, das nenne man dann tatsächlich verschulen. Nach ein paar Jahren werden sie wieder ausgegraben und dort hingebracht, wo sie endgültig zu Bäumen heranwachsen sollen.

Jetzt haben wir die Pflanzen mit den bloßen Wurzeln auf unserer Pflanzfläche. Sie sind in Tüten gepackt, denn gerade die kleinen Wurzeln sind sehr empfindlich und dürfen nicht austrocknen.

Bevor wir die Bäumchen aus der Tüte nehmen dürfen, muss das Pflanzloch und alles andere perfekt vorbereitet sein. Ich zeige euch, wie es geht:

Zunächst werde ich einen guten Platz für mein Bäumchen aussuchen. Nicht zu nah einen großen Baum, denn er braucht ja Licht und Wasser.

Dann geht es los. Wir benutzen zum Pflanzen einen Pflanzspaten. Der ist sehr praktisch, denn man kann damit ein Loch aus dem Boden ausstechen. Und wenn alles gut geht, dient der Pfropfen im Spaten wieder zum Schließen des Pflanzlochs. Vor dem 1. Spatenstich schiebe ich das Laub oder was sonst den Boden bedeckt etwas zur Seite. Damit keine Blätter oder ähnliches in das Loch fallen und dadurch später Hohlräume entstehen.

Ganz wichtig ist, dass das Pflanzloch tief genug ist, denn die kleine Baumwurzel soll unten nicht geknickt werden. Sonst verbraucht der Baum die ersten Jahre viel Energie, damit alles wieder in die richtige Richtung wächst.

Als nächstes teste ich, ob das Loch passt, dafür darf das Bäumchen aus der Tüte. Wenn das Loch nicht tief genug ist, helfe ich mit der Pfote nach. Die Profis benutzen dafür natürlich den Spaten. Vom Wurzelhals bis zu Wurzelspitze muss alles gerade nach unten in das Pflanzloch reinpassen.

Wenn es passt, kommt der große Moment. Ich halte den Baum fest, so dass er gegen die Wand des Loches lehnt. Der Pflanzpfropf kann das Loch wieder schließen, die Bodenschichtung bleibt intakt.

Der kleine Baum wird so leicht zwischen der Wand des Pflanzlochs und dem Pflanzpfropf eingeklemmt. Die Wurzeln brauchen Kontakt zum Boden, damit sie Wasser und Nährstoffe aufnehmen können und um besser in die neue Umgebung ein zu wachsen. Damit das klappt, wird das Bäumchen noch vorsichtig festgetreten. Dabei darf man die noch dünne Rinde auf keinen Fall verletzen.

Wichtig ist zum Abschluss noch die Zweifingerprobe. Da wird mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig getestet, ob das Bäumchen feststeckt. Das lasse ich lieber ein Kind machen. Mit meinen Pfoten geht es nämlich schlecht.

Dann bekommt die kleine Buche noch viele gute Wünsche wie zum Beispiel: genug Wasser, genug Sonne, einen guten Platz im Kronendach. Und natürlich bekommt der Baum einen schönen Namen.

Bald geht es wieder los. Ich darf wieder mit Kindern Bäume pflanzen! Sobald Vegetationsruhe ist, das heißt, wenn die Bäume alle Blätter verloren haben und für den Winter bereit sind, wird gepflanzt!

Dieses Jahr ist die Buche ja Baum des Jahres, da werden wir viele Buchen pflanzen. Vorher wird noch ein Zaun um die Fläche gebaut, damit nicht im Winter die hungrigen Rehe alle wichtigen Knospen abfressen, denn dann wird das nichts mit der großen kräftigen Buche in 100 Jahren.

Wir pflanzen die Bäume für unsere Kinder, Enkel und Urenkel und für die Tiere, die ganze Natur und unser Klima!

Probiert doch mal eine Eichel oder Buchecker einzupflanzen. Um zu beobachten, wie ein kleiner Baum wächst, funktionieren auch Kastanien prima. Manchmal findet man sogar Eicheln, aus denen schon kleine Wurzeln herauswachsen, dann Vorsicht, dass sie nicht abbrechen. Diese Baumsamen brauchen nur Erde, Wasser und irgendwann Licht zum Wachsen. Ihr könnt das dieses Jahr super ausprobieren, denn es gibt viele Eicheln und Bucheckern.

Ach und Eicheln und Bucheckern sind ja meine absolute Lieblingsspeise, da muss ich mich immer bremsen, dass auch welche liegen bleiben um groß zu werden, aber hier ein Tipp für Euch: Rohe Eicheln enthalten viele Gerbstoffe, die könnt ihr nicht essen! Aber Bucheckern schmecken auch für Menschen sehr lecker! Nur auch da nicht zu viele roh essen!


spannende Links

Wo kommen die Samen her und wie geht es los in der Baumschule
(Link zu kinder.wdr.de)

Ein Baum wird gefällt
(Link zu wdrmaus.de)

Was wird aus dem gefällten Baum?
(Link zu wdrmaus.de)

Wie pflanze ich eine Eiche?
(Link zu kruschel-kinder.de)

Warum macht es Sinn Bäume zu Pflanzen?
(Link zu Naturdetektive.bfn.de)

Informationen für Erwachsene
(Link zu Utopia.de)

Hier könnt ihr bei richtigen Pflanzeinsätzen mitmachen
(Link zu berwaldprojekt.de)


Detektivblatt „ein Wald beginnt“