Studentische Praktika an Berliner Waldschulen

Studentische Praktika an Berliner Waldschulen

Das Waldpädagogikzertifikat – Wie wird man eigentlich Waldpädagog:in?

Ich wusste schon seit meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), dass ich Waldpädagogin werden möchte, so wie die Mitarbeiter:innen der Berliner Waldschulen. Für mich ist es der schönste Job der Welt. Man darf mit Menschen in den Wald gehen, gemeinsam lernen, Spaß haben und wird auch noch dafür bezahlt. Was gibt es Schöneres? Aber wie wird man eigentlich Waldpädagoge bzw. Waldpädagogin?

Für den Beruf muss eine Art Weiterbildung, namentlich das staatlich anerkannte „Waldpädagogikzertifikat„, abgeschlossen werden. Das baut auf einer vorangegangenen Ausbildung auf, wie z.B. als Erzieher:in, Lehrer:in oder Förster:in.

ACHTUNG: Deutschlandweit unterscheiden sich die Zugangsvorrausetzungen für die Weiterbildung. In Berlin wird zurzeit keine Zertifikatsausbildung angeboten. In Brandenburg dürfen nur Personen mit einem forstlichen Hintergrund das Zertifikat machen. In Hessen dürfen sowohl Förster:innen als auch Pädagog:innen daran teilnehmen.

Unter anderem deshalb habe ich an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) das Studium der internationalen Forstwirtschaft (IFEM) angefangen. Hier ist das Besondere, dass die Landesforstverwaltung ihre Pflicht der Zertifikatsumsetzung an die HNEE abgegeben hat. Somit können sich in Brandenburg Personen der Forstverwaltung, Studierende der forstlichen Studiengänge und Externe seit 2011 als Waldpädagogin und Waldpädagoge weiterbilden lassen.

Das Zertifikat besteht aus mehreren Modulen, einem Pflichtpraktikum und einer Abschlussprüfung. Die Module (an der HNEE) sind Bestandteile der forstlichen Studiengänge und kosten den Studierenden nichts! Nur für die Abschlussprüfung muss eine einmalige Gebühr von 200€ gezahlt werden. Das ist ein Riesenvorteil für die Studierenden, den man wissen sollte, denn eine externe Person bezahlt für den gleichen Lehrgang 1600€!


Wo soll das Praktikum gemacht werden und wie kommt man dort ran? 

Das Praktikum muss an einer anerkannten Praktikumsstelle durchgeführt werden. In Berlin gehören alle Waldschulen dazu: die 7 Waldschulen mit einem festen Standort und die 2 mobilen Rucksackwaldschulen

Ich habe mir die nächst-gelegene Waldschule herausgesucht, angerufen und nach einem kurzen Gespräch eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und den Lebenslauf geschickt. Dann ging alles ganz einfach und Schwupp hat es im März auch schon begonnen. 

Die Wahl des Praktikumsplatzes kann auch nach der Altersstufe erfolgen. So finden in der Waldschule Plänterwald und Bucher Forst v.a. Waldführungen mit der 1 bis 4 Klasse statt, andere Waldschulen empfangen auch Oberstufenschüler:innen. 


Und das Praktikum beginnt! 

Insgesamt habe ich zwei Wochen (80 Stunden) bei Katja und Harald in der Waldschule Bucher Forst verbracht. Für mich war es damals eine Herausforderung zwei Wochen am Stück frei zu bekommen. Hier konnte die Praktikumszeit ohne Probleme individuell abgesprochen werden.

In der Zeit kam jeden Tag eine neue Gruppe zwischen der ersten bis siebten Klasse zu uns, um einen klassischen Waldtag zu erleben. Am Anfang bin ich als stille Begleiterin mitgegangen und konnte in die Rolle der Besucher:innen schlüpfen. Dabei habe ich alle tollen Waldaktionen mitgemacht und bin z.B. mit auf Baumstämmen balanciert, geklettert, habe Hütten gebaut, mit Standlupen gearbeitet oder Waldspiele erlebt. 


Was „muss“ man alles im Praktikum machen? 

Man muss für ein erfolgreiches Praktikum eigene waldpädagogische Aktionen (Führungen, Projekte) planen und umsetzen.

Wenn man noch nie mit Kindern gearbeitet hat, kann ein mehrstündiger Waldtag eine große Herausforderung sein. Damit der eigene Anteil angerechnet wird, reicht es meistens auch aus, einen Teil des Waldtages oder einzelne Spiele umzusetzen. 

Bei mir wuchs schon nach ein paar Tagen das Selbstvertrauen und ich wollte selber aktiv werden. Das Praktikum ist eine super Gelegenheit, um eigene Ideen und Theoretisches auszuprobieren. Es ist immer ein:e kompetente:r Waldpädagog:in als Unterstützung dabei, falls es brenzlig wird. 

Traut euch also eigene Erfahrungen zu machen! Man muss nichts, darf aber ganz viel.  Die Zeit ist das was du daraus machst und die Pädagog:innen stehen dir mit Rat und Tat zur Seite.


Was kann man an einem Waldtag behandeln und wie kann eine Waldführung aussehen?

Als Thema bietet sich alles real Erlebbare/Jahreszeitliche an: Im wunderschönen Bucher Laubmischwald gibt es vieles zu erleben wie die Feuchtwiesen, den „Geheimpfad“ durch den Erlenbruch oder das Naturschutzgebiet. Im März hört man saisonal aber auch den Buntspecht seine Brutplätze bauen, die Amseln bei ihren Balzgesängen oder sieht den Kleiber kopfunter den Baum klettern. 

Nach einer Einarbeitungszeit habe ich einen eigenen Waldtag geplant. In dieser 3-4 stündigen Buntspecht-Führung mit einer 2. Klasse haben wir uns alles rund um die Lebensweise des Spechtes angeschaut und nachgespielt. Die 23 Kinder wurden mithilfe eines Fühlbeutels (angefressene Zapfen des Buntspechtes & Eichhörnchens) geteilt. Sie konnten dann wie Spechte klettern, durch Trommelklänge miteinander reden und im lustigen „Specht-Höhle-Spiel“ von Höhle zu Höhle fliegen. Im Naturschutzgebiet (ACHTUNG striktes Wegegebot) haben wir eine Schatzsuche mit umgebauten Eierbechern gemacht. Zum Schluss gab es ein Feuer und leckeres Stockbrot-Backen als Ausklang. 


Nach den zwei Wochen habe ich mich als echte Spechtexpertin gefühlt, weil nicht nur die Kinder, sondern auch ich viel dazu gelernt haben. Die Spiele habe ich durch die Hochschul-Module, die Waldpädagog:innen, die Bücher der Waldschul-Bibliothek oder aus dem Internet kennengelernt.


Ziel … Ziel … Zielgruppenorientierung

Pädagog:innen, auch die im Wald, arbeiten „zielgruppenorientiert (wie es in der Fachsprache heißt). Die Spiele und Erlebnisse werden an das Alter und die jeweilige Gruppe angepasst d.h. die Menschen werden dort mitgenommen, wo sie gerade sind. Das fordert Spontanität während der Waldführung und kann einem nicht „beigebracht“ werden. Spontanität muss geübt sein, auch dafür ist das Praktikum eine tolle Gelegenheit. Ich habe gelernt von meinen starren Konzepten abzuweichen und auf die momentanen Bedürfnisse der Gruppe einzugehen. Wenn die Kinder sich lieber mit einer Pfütze beschäftigen oder freispielen wollen, dann brauchen sie genau das gerade (und kein übergestülptes Waldspiel).  Wenn den Kindern kalt ist, dann muss auch mal im Zickzack gerannt werden.

Auf dem Foto (links) sieht man z.B. ein Baumteil, welches die Kinder entdeckt haben. Wir waren alle ganz fasziniert und haben den Ursprungsort gesucht. Wisst ihr um welchen Baum es sich handelt?

In den zwei Wochen hatte ich die Möglichkeit verschiedene Zielgruppen mit ihren spezifischen Anforderungen und Herausforderungen kennenzulernen. Ich bin nicht nur den Schülergruppen der ersten bis siebten Klasse begegnet, sondern habe auch bei einer Familienveranstaltung assistiert. Die Familienführungen waren besonders anspruchsvoll, da verschiedene Altersgruppen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen aufeinandergetroffen sind. So musste der hohe Spiel- und Bewegungsdrang der Kinder mit dem Wissens- und Erzähldurst der Erwachsenen zusammengebracht werden. 


Das Ende der Waldführung

Nachdem jede Gruppe uns verlassen hatte, sind wir als Team zusammengekommen. Wir haben uns bei einer Tasse Tee ausgetauscht und reflektiert: Was ist gut gelaufen? Was hat nicht so gut funktioniert? Was hat uns Spaß gemacht? Was kann das nächste Mal besser gemacht werden?

Ich wurde von Anfang an als vollständiger Teil des Teams aufgenommen. Am Morgen vor der Führung haben wir gemeinsam den Tag geplant und ihn am Nachmittag gemeinsam beendet. Ich wurde als ganzer Mensch gesehen und durfte auch als Praktikantin mit Kopf, Herz und Hand lernen. Alles darf so sein, wie man sich selber wohlfühlt. Eigene Ideen und Vorschläge für die Waldtage sind immer willkommen und erwünscht gewesen. 


Für mich war eines der größten Geschenke des Praktikums die eigenen Erlebnisse, als angehende Waldpädagogin, gemeinsam mit den erfahrenen Waldpädagog:innen zu reflektieren. Ich konnte auf ihren reichen Wissensschatz zurückgreifen und meine eigene „innere Schatzkiste“ füllen.


Interessante Links

Waldspiele-Sammlung
(Link zu Waldmeister.hausdeswaldes.de)

Anpsrechpartnerin Fr. Dr. Astrid Schilling für das Waldpädagogikzertifikat an der HNEE 
(Link zu hnee.de)

Text:
Jasmin Snoussi – Studentin an der HNEE und frisch gebackene Waldpädagogin

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