Wilma Wusel entdeckt eine weihnachtliche Zauberpflanze

Wilma Wusel entdeckt eine weihnachtliche Zauberpflanze

Hallo du,
der Winter ist da, juhu! Es wird gerade bitterkalt und frostig draußen, aber das hält eine Naturforscherin, wie ich es bin nicht davon ab, raus zu gehen. Mein dickes und borstiges Winterfell hält mich schön warm. Vor allem die feinen Wollhaare speichern die warme Luft an meinem Körper und helfen mir nicht auszukühlen. Ihr könnt dafür eure wetterfesten Winterjacken mit nach draußen nehmen.

Mit diesem dicken Fellmantel ausgestattet, hatte ich große Lust die Stadt zu besuchen. Ich kenne das schon von meinen Wildschweinverwandten, dass sie öfter mal den Wald verlassen, um zu schauen was in der Stadt so los ist. Sie erzählen mir immer die spannendsten Geschichten. 

Auf meinem Weg habe ich einen Fluss gefunden, der sah so einladend aus, dass ich ihm gleich gefolgt bin.

Als ich so spazierte, juckte plötzlich mein Winterfell ganz furchtbar. Ich fand zum Glück gleich eine Robinie mit ihrer dicken Rinde zum Kratzen. Als ich mich so schubberte, sah ich an ihr herunter und entdeckte Fraßspuren. Die waren riesig! Jemand hat ein großes Loch in den Baum geschnitzt? Die Rinde war ganz abgefressen und kahl an der Stelle. Jetzt wird die Robinie von einem Draht geschützt. Ich habe schon so eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte.

Auf meinem Spaziergang habe ich auch noch andere Hinweise entdeckt!

Meine Augen folgten dem Baumstamm hoch in seine Krone. Was das für ein schöner Robinien-Kratzbaum war! Seine eiförmigen Blätter lagen schon alle verstreut am Boden. Huch, was ist denn das? Dort hängen mehrere grüne Bälle ganz oben in den Ästen? Das sieht fast aus wie grüne Weihnachtskugeln. Es ist ja auch bald Weihnachten, aber wer würde hier die Bäume schmücken? Das musste ich mir genauer anschauen.

Ich suchte den Boden ab und fand einen grünen Pflanzenzweig. Der sah genau so aus, wie das, was in der Baumkrone hing und muss bestimmt heruntergefallen sein.

Beim Näherkommen konnte ich kleine grüne Blätter erkennen. Die hingen immer zu zweit an einem gegabelten Ästchen. Die Blätter hielt ich an meine Wange und fühlte, dass sie dick wie Leder waren.

Dazwischen hingen runde kleine Beeren. Die waren durchscheinend weiß und ganz prall! Wie wunderlich, sonst werden Beeren meistens im Sommer reif, aber jetzt haben wir den kalten Winter vor uns.

Ich war einfach zu neugierig und habe die Beeren mit meiner Schnauze untersucht. Eine ist dabei zerplatzt und dann ist es passiert, ich habe einen naturgemachten Kleber entdeckt! Meine Schnauze klebte ganz fest zusammen und ich bekam meine Nasenlöcher nicht mehr auseinander. Da bin ich wohl wie ein Sprichwort sagt „auf den Leim gegangen“.

Wisst ihr woher das Sprichwort kommt? Früher wurden Vögel mit diesem klebrigen Saft gefangen. Die Menschen haben Äste mit dem Leim (Kleber) eingeschmiert. Wenn Amseln, Drosseln oder Rotkehlchen sich daraufsetzten, konnten sie nicht mehr wegfliegen. Die Menschen haben die gefangenen Vögel dann mit nach Hause genommen, um im Winter ihre gezwitscherte Musik zu hören. Vor allem die Rotkehlchen waren als „Vogelradio“ begehrt. Zum Glück ist das jetzt verboten! Wir können alle Musik der Welt mit Spotify und Youtube hören, auch das Singen der Rotkehlchen.

Misteldrossel (Pixabay)
Amsel neben der Zauberpflanze (Pixabay)
Rotkehlchen (Pixabay)

Aber die weißen Beeren sind für die Wintervögel ein großer Leckerbissen. Nicht nur die Misteldrossel frisst sie gerne, sondern auch andere kleine Vögel wie die Amseln, Spechte, Meisen, Rotkehlchen, Kleiber und ganz viele mehr. 

Kleiber (Pixabay)

Da hatte ich einen Gedankenblitz! Ich habe diese runden Blätterbälle schon einmal in einer Tür hängen sehen. Ja doch, als meine Freundin Enja das Eichhörnchen und ich darunter standen, hat sie mir einen Kuss auf die Wange gegeben (da bin ich ganz rot geworden). Sie meinte: Wer unter einem Mistelstrauch steht, der bekommt einen Kuss“. Jetzt habe ich es, das sind Misteln! 

Nun habe ich mich gefragt, wie die Misteln eigentlich in die Bäume kommen? Früher dachte man nämlich, dass Misteln vom Himmel gefallen sind und die Götter sie in die Bäume gehangen haben. Dafür gibt es bestimmt auch eine andere Erklärung.

Um das herauszufinden, habe ich mir ein tolles Buch aus der Bibliothek geholt.
Dort stand: Eine Misteldrossel frisst die Beeren und fliegt dann weite Strecken weiter.
Wenn ihr Vogel-MIST auf einen Ast trifft, entsteht dort eine neue MISTel. 

Eine Amsel macht es dafür ganz anders: Das Fruchtfleisch der Beere ist nämlich nicht nur lecker, sondern auch klebrig und schützt den erbsengroßen Samen im Herzen der Beere. Sie muss deswegen ständig ihren Schnabel putzen und schmiert den klebrigen Schleim an einem Zweig ab. Dabei werden die Samen auf dem Baum verteilt. 

Moment mal, wie können die Misteln ohne Wurzeln in der Erde leben? Um das herauszufinden, habe ich eine Mistel ganz vorsichtig am Ast abgeschnitten. Ich konnte sehen, dass aus dem Samen eine kleine Wurzel in den Ast reingewachsen ist. Die Mistel wird also vom Baum gefüttert mit Wasser und Nahrung. Davon sterben die Bäume nicht ab, aber sie werden geschwächt. Deshalb haben Mistel auch den komischen Namen „Schmarotzer„.

Jetzt ist auch das Geheimnis gelüftet:
Die Vögel bringen die grünen Mistelbälle also in die Kronen der Bäume und die Bäume halten die Misteln am Leben! 

Bei meinem Spaziergang traf ich die Mistel wirklich überall!

Eine Pflanze mit Zauberkräften

Aus den tollen Büchern habe ich auch erfahren, dass die Menschen sich früher nicht erklären konnten, wie die Misteln in den Bäumen leben konnten. Deshalb dachte man, dass sie magische Zauberkräfte haben mussten

 

Beim Wort Zauberkraft, fällt mir sofort der Zaubertrank von Asterix und Obelix ein. Die beiden Freunde konnten mit Hilfe eines Zaubersaftes übermenschliche Kräfte bekommen und sich gegen die übergroße Truppe der Römer wehren. Ihr schlauer Druide Miraculix kannte das Geheimnis und wusste, dass nur die Misteln dem Trank seine Zauberkraft verlieh. Aber nicht irgendwelche, sie mussten auf einer Eiche gefunden und mit einer goldenen Sichel geerntet werden.

Auch woanders hat man der Pflanze Zauberkräfte zugesprochen. In der dunklen Jahreszeit hingen die Menschen Mistelzweige an Dächer, Ställe und Haustüren. Dadurch sollten böse Gäste wie Geister, Hexen, Feuer und Blitzeinschläge ferngehalten werden. Liebe Gäste wurden aber besonders herzlich mit einem Kuss empfangen. 

Ich freue mich, dass man diese schöne Idee auch noch heute, zur Weihnachtszeit und im neuen Jahr, bei uns findet. Probiert es doch selber zu Hause aus, das wird bestimmt ein herzlicher Weihnachtsspaß hihi: 

Schaut in der Natur ob ihr Misteln findet, schneidet sie ab, hängt sie auf und gebt euren Liebsten
– Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tanten und vielen mehr –
einen dicken Kuss! 


Hier erfährst du noch mehr:

Misteln bei der Sendung mit der Maus

Warum man sich unter dem Mistelzweig küsst

Eine schöne Weihnachtsgeschichte mit der Mistel und der Stechpalme

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