Waldboden – versteckte Vielfalt

Waldboden – versteckte Vielfalt

Der Waldboden wurde zum Boden des Jahres 2024 erklärt und das nicht ohne Grund!

Im folgenden Blogbeitrag werden wir nicht nur auf den Aufbau und die Strukturen des Waldbodens, sondern auch auf die zahlreichen Bewohner eines so System relevanten Ökosystems eingehen.

Zunächst haben wir einige Kinder gefragt, welche Bedeutung der Waldboden für sie hat:

„Boden ist für mich alles was krabbelt!“ Emma (7 Jahre)
„Waldboden ist für mich ein Weg, auf dem wir durch den Wald rennen können!“ – Antonia (6 Jahre)
„Boden? Ist doch langweilig!“ – Yusuf (4 Jahre)

Auch Arthur und ich haben uns die gleiche Frage gestellt:

Arthur: „Der Waldboden ist mir wichtig, denn er beherbergt viele relevante Organismen, welchen zum Beispiel leckeren Walderdbeeren das Leben ermöglichen. Außerdem filtert er unser Grundwasser!“
Vincent: „Der Waldboden bildet die Grundlage für einen gesunden Wald!“

Jetzt wisst ihr zumindest welche Bedeutung wir dem Waldboden geben. Um den Waldboden als Ökosystem allerdings besser verstehen zu können müssen wir zunächst den allgemeinen Aufbau des Bodens begreifen.

Der Aufbau des Waldbodens

Der Waldboden lässt sich vereinfacht in 4 Schichten gliedern, jedoch ist es wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Waldboden gleich ist, sondern unterschiedlich aufgebaut sein kann, abhängig von Klima, Standort und vorhandenen Baumarten.

Schauen wir uns nun einen herkömmlichen, deutschen Waldboden an Auf der Abbildung rechts sind 4 sogenannte Horizonte bzw. Schichten zu erkennen.

Der O-Horizont beschreibt die Schicht des Bodens auf der wir laufen können. Diese Schicht besteht hauptsächlich aus abgestorbenen Pflanzenteilen wie Blättern, Zweigen, Nadeln und Früchten, die von den Bäumen und Sträuchern abgeworfen werden. Diese Streuschicht dient als Schutz vor Erosion, reguliert die Temperatur und Feuchtigkeit des Bodens und stellt organische Substanz für die Zersetzung bereit.

Der darunter liegende A-Horizont ist meist dunkler gefärbt und bildet die klassische braune Erde ab. Dieser Teil des Waldbodens besteht aus einer Mischung von organischem Material und mineralischem Boden und ist reich an Nährstoffen und Humus. Der A-Horizont ist normalerweise der fruchtbarste Teil des Bodens und bildet die Basis für das Pflanzenwachstum.

Noch tiefer im Erdreich liegt der B-Horizont, diese Schicht erfüllt den Zweck der Wasserspeicherung.

Hierbei ist der B-Horizont, jedoch nicht nur für die Speicherung, sondern auch für die langsame Abgabe des Wassers an darüberliegende Schichten zuständig und reguliert so den Wasserhaushalt des Waldes. Zusätzlich befinden sich im B-Horizont zahlreiche überlebenswichtige Mineralstoffe für Tier- und Pflanzenwelt. Eine weitere wichtige Aufgabe dieser Schicht ist die Schadstofffilterung.
Denn durch die dichte Struktur dieses Horizonts ist das Zurückhalten bzw. Speichern von schwer löslichen Stoffen möglich, was wiederum die Qualität unseres Grundwassers erheblich verbessert.  

Da die unterste Schicht (C-Horizont) des Waldbodens hauptsächlich aus relativ festem und nicht-verwittertem Gestein besteht, wird diese Schicht auch Grundgerüst des Bodens genannt. Dieses Grundgerüst sorgt für einen festen Halt des Bodens und schützt vor Erosionen bzw. dem Abrutschen des Waldbodens (zum Beispiel bei Starkregen oder in Hanglage). Auch in der untersten Bodenschicht sind zahlreiche Mineralstoffe gespeichert, welche über lange Zeit an die oberen Schichten abgegeben werden.
Wir wissen nun also in welche Schichten der Boden aufgeteilt ist und welche Funktionen die jeweiligen Schichten im Ökosystem Boden haben.

Das Schüttel-Experiment

Um die Vielfältigkeit des Bodens weiter zu veranschaulichen stellen wir nun das „Schüttel-Experiment“ vor, die Idee für dieses Experiment stammt aus dem „Entdecke-Kalender“, „Bodenforschen 2024“.
Hierfür braucht man einen großen Löffel, ein Schraubglas, Waldboden, etwas Wasser und ein bisschen Geduld:

Nachdem alles Nötige zusammengesucht worden ist, gibt man nun einige Esslöffel Erde in das Schraubglas, gibt Wasser hinzu und schüttelt kräftig. Die ersten verschiedenen Schichten sollten bereits nach ca. einer halben Stunde erkennbar sein. Wenn das Glas noch ein paar Tage stehen bleibt sieht man nun die Schichten noch deutlicher.

direkt nach dem Schütteln
eine halbe Stunde nach dem Schütteln
zwei Tage nach dem Schütteln

Lebewesen im Waldboden

Ich habe ein Zitat für euch: Boden will Leben schaffen. Aus ihm wachsen die Pflanzen, welche dem gesamten Ökosystem Nahrung geben. Durch Wurzeln ziehen Pflanzen das Wasser und Nährstoffe aus tiefen Schichten des Bodens und können an der Oberfläche daraus mithilfe von Sonnenlicht und Luft Energie bzw. Nahrung herstellen. Dieses Phänomen nennt man Fotosynthese.

Der Boden bietet auch ganz vielen Tieren einen Lebensraum. Hier knabbern Käfer, Asseln und noch ganz viele weitere Krabbeltiere an zu Boden gefallenen Blättern, Stöckern oder auch Tierhaaren und zerkleinern das Material. Tiere wie z.B. der Regenwurm räumen den ganzen Tag den Wald auf, fressen sich durch den Boden und scheiden anschließend nährstoffreichen Humus aus. Er heißt übrigens Regenwurm, weil er den ganzen Tag rege mit Fressen beschäftigt ist und dabei gräbt er Löcher bis zu 3m Tiefe.

Bakterien und Pilze haben die wichtige Funktion, das zerkleinerte Material am Ende zu Mineralisieren. Sie wandeln organische Stoffe in energiearme anorganische Stoffe, was den Pflanzen nun wieder als Nährstoff dient. Das Ökosystem Boden ist also ein Kreislauf von Produktion und Zersetzung, welches von alleine lebt.

Und dabei unterstützen sich die Lebensformen auch gegenseitig. In den Mägen der Insekten leben z.B. Bakterien, welche sie bei der Zersetzung von unverdaulichem Holz unterstützen. Und auch die Bäume und Pilze gehen eine Partnerschaft ein. Die Pilze bilden nämlich durch den gesamten Boden ein dichtes Netz aus Mycel und können so von überall her Nährstoffe beziehen. Dies macht sich die Pflanze, indem sie über eine Verbindungsstelle Nährstoffe vom Pilzgeflecht bekommt und dafür energiereichen Zucker an den Pilz abgibt. Wir nennen es Mykorrhiza und das gibt es bei den meisten Pflanzen im Wald. Steinpilze und Fliegenpilze z.B. sind Mykorrhiza-Pilze.

Das Wasserfilter-Experiment

Im Wald gibt es sehr viel zu entdecken und noch Rätsel, die gelüftet werden können. Für einen etwas längeren Besuch im Wald möchte ich euch nun erklären, wie ihr einen Wasserfilter baut, damit ihr auch gut mit Trinkwasser versorgt seid.

Für die Konstruktion benötigen wir:

  • eine leere Einwegflasche mit Deckel
  • einen 1 Meter langen Faden
  • ein Messer
  • einen Stock
  • und ein Gefäß zum Trinken.

Zum Filtern benötigen wir:

  • Wasser
  • ein verbranntes Holz von einem Lagerfeuer (Holzkohle)
  • saubere, raue Steine
  • feinen Sand
  • grünes Gras
  • und ein Stück Stoff.

Schneide zusammen mit einem Erwachsenen den Boden der Flasche ab. Dann machst du an diesem Rand zwei gegenüberliegende Löcher, sodass du später dort die Flasche mit Deckel nach unten aufhängen kannst. In den Deckel schneidest du auch noch ein kleines Loch.

Jetzt befüllen wir die Flasche. Die Flasche steht so, dass der Deckel nach unten zeigt. Unten legt ihr ein Stück Stoff hinein. Dann nehmen wir die Kohle und bröseln sie in die Flasche. Achtet darauf, dass möglichst wenig vom Füllinhalt am Stück Stoff vorbeifällt. Dann befüllen wir in folgender Reihenfolge die Flasche mit feinem Sand, Gras und Steinen. Mit dem Stock drücken wir in der Flasche umher, um den Filter zu verdichten.

Als letztes müssen wir noch ein Band durch die beiden oberen Löcher ziehen, damit wir die Konstruktion aufhängen können.

Wenn ihr nun oben dreckiges Wasser hineinfüllt, sollte unten aus dem Deckelloch Wasser ohne Schwebstoffe tropfen. Je langsamer es tropft, umso besser wird das Wasser gefiltert. Die Holzkohle soll Bakterien und Schadstoffe herausfiltern. Wenn ihr wisst, dass das Wasser mit Schadstoffen belastet ist wie z.B. in der Nähe von Feldern mit Pestizideinsatz, solltet ihr davon die Finger lassen. Ansonsten könnt ihr das gefilterte Wasser probieren und solltet euch auf euren Geschmackssinn verlassen, ob es genießbar ist.

Der Wasserfilter soll zeigen, wie die verschiedenen Schichten des Bodens Flüssigkeiten filtern können, damit sauberes Grundwasser entsteht. Und das saubere Grundwasser nutzen wir täglich zum Duschen, Spülen oder auch zum Trinken. 














Autoren: Arthur Specht und Vincent Haubold (Teilnehmer des Freiwilligen Ökologischen Jahres 2023/2024)

Die Berliner Wälder im Taschenformat

Die Berliner Wälder im Taschenformat

Unser Maskottchen Wilma Wusel ist ganz stolz, denn sie ist die Titelfigur des neuen Entdeckeheftes „Berliner Wälder“.

Diese Borschüre entwickelte das kreative Team vom Pindactica e.V. in Zusammenarbeit mit den Berliner Waldschulen. Darin wird der grüne Schatz unserer Stadt mal ganz anders vorstellt. Es werden z.B. solche Fragen geklärt wie
Was leistet ein Wald?
Welche Baumarten wachsen in unseren Wäldern?
Wieviel Wald hat Berlin?

Mit Rätseln, Experimenten und Spielanregungen lädt das Heft zum Handeln und somit aktiven Lernen ein. Unsere Wilma Wusel animiert dabei zu Aktionen und erklärt spannende Details des Waldes.
Um so manche Knobelaufgabe lösen zu können, müssen die Waldentdecker*innen rechnen und schreiben können. Daher ist das Entdeckeheft „Berliner Wälder“ für Kinder ab 10 Jahren geeignet, aber auch jüngere Kinder werden sich an der liebevollen Gestaltung der Broschüre erfreuen. Sie müssen dann gegebenenfalls nach Hilfe fragen…

Sollte Wilma Wusel und die Berliner Wälder euer Interesse geweckt haben und ihr Lust auf euer eigenes Entdeckeheft habt, dann schaut gerne auf der Webseite von Pindactica vorbei oder besucht unsere Waldschulen.

Heimlich unterwegs… Auf den Spuren der Wildtiere

Heimlich unterwegs… Auf den Spuren der Wildtiere

Wildtierkunde in der U-Bahn

Zwei junge Frauen zeigen sich etwas knitterige Bleistiftzeichnungen. Ihre Schuhe sind klobig und ihre Knie sind dreckig. Wahrscheinlich kommen sie gerade aus dem Berliner Wald oder aus einer der Berliner Waldschulen...

Guck mal, ist diese Spur von einem Damhirsch, einem Reh oder doch von einem Mufflon?

Ich glaube, die Mufflons gibt es nur in Wannsee. Und Damhirsche leben doch nur im Spandauer und Tegeler Forst, aber genau weiß ich es nicht.

Oder schau mal diese Spur hier, was denkst du, war das ein Biber oder doch dieses vegetarische Nagetier aus Südamerika? Wie heißt das nochmal?

Du meinst ein Nutria. Das könnte sein. Wusstest du, hier in Schöneberg da gibt es jetzt Gottesanbeterinnen!

Echt jetzt? Ich glaub mich knutscht ein Elch!

Ja wirklich! Und einen Elch gibt es übrigens auch! Der lebt nicht weit von hier in Brandenburg und er heißt Bert. Er ist aus Polen über die Oder geschwommen. Ach guck mal, ich habe hier ein cooles Video von einem Steinmarder vom Mariannenplatz.

Welcher Waldbewohner ist hier wohl langestapft?
Klick hier, dann findest du es heraus.

Da habe ich gestaunt über so viel Wildtierkunde in der U-Bahn am Kleistpark. Denn den meisten Menschen, sogar ausgeprägten Naturfreunden, ist oft nicht bewusst, wie viele verschiedene Wildtiere tagtäglich in ihrem Kiez unterwegs sind – einfach, weil diese sich so selten sehen lassen.

Dabei sind unsere wilden Nachbarn manchmal ganz nah. Gestern war ich bei einer Teamsitzung in einem Haus in der Nähe vom Rathaus Steglitz. Ich saß drinnen am Tisch und im Garten schlief eingerollt ein Fuchs. Draußen stürmte es, die Äste bogen sich, aber das schien ihn nicht zu kümmern. Er rollte seinen Schwanz um seinen Körper wie eine Decke, steckte seine Schnauze in sein flauschiges rotes Fell und schlief ein. Solche Beobachtungen mag ich sehr. Ganz zufällig und mit viel Glück, bekommt man einen Einblick in das Leben eines wilden Tieres. Es ist wie ein kleines Fenster in eine Welt, zu der wir Menschen früher auch einmal gehörten. Doch sie sind selten, solche Beobachtungen.

Kleiner Tipp: Falls ihr euch auch selber auf Tierspurensuche begeben möchtet, schaut euch doch mal diese Veranstaltung an.


Heimlich unterwegs sein – gar nicht so einfach!

Den Tieren nahe zu kommen, ist gar nicht so einfach. Wir Menschen können furchteinflößend sein. Für Wildtiere sind wir häufig zu laut und etwas zu schnell unterwegs. Mit ihren wachsamen und fein trainierten Sinnen, nehmen sie uns wahr, bevor wir überhaupt da sind.

Auf einem Spaziergang durch den Grunewald suche ich mir einen kleinen Trampelpfad. Der Hauptweg ist gerade mal einen Meter hinter mir, da geht der „Buschfunk“ an.  Die Amsel hat mich entdeckt und beendet ihren Gesang. Ihr bin ihr zu nahegekommen. Noch einen Schritt weiter und da macht sie ihren lauten kurzen Ruf: „Tix“. Das hören die Ringeltauben, die 20 Meter weiter am Boden nach Nahrung suchen. Sie fliegen auf, mit extra lautem Flügelklatschen. Na toll! Spätestens jetzt weiß jedes Reh und jeder Hase im Umkreis: Ich habe den Waldweg verlassen! Die anderen wilden Tiere verkrümeln sich heimlich und unerkannt oder tarnen sich gekonnt in den Farben der Natur. Ich komme mir etwas trampelig vor, wenn ich mir vorstelle an wem ich heute wohl schon alles vorbeigelaufen bin und wer mich heimlich aus seinem Versteck heraus beobachtet hat. Ich glaube, meine Sinne sind etwas eingeschlafen und ich bekomme viel zu wenig mit.

Wenn ich die Tiere selbst schon nicht treffe, finde ich vielleicht zumindest ihre Spuren… Aber wo und wie fange ich an mit der Spurensuche?

Eine Wildtierkamera aus der Waldschule, Zeichenblock, Bleistift und Zollstock habe ich im Gepäck. Aber wo hänge ich die Kamera am besten auf? Wo könnte ich die wilden Tiere und ihre Spuren finden? Um das herauszufinden, musste ich für mich erstmal eine uralte Technik des Menschen wiederbeleben – das Fährtenlesen.

Vielleicht denkt ihr: „Fährtenlesen, das machen doch heutzutage nur noch Jäger*innen, wenn sie aus den Spuren im Boden darauf schließen, welche Tiere unterwegs waren.“ Da ist etwas Wahres dran.

Aber: „Auch Du bist zum Fährtenlesen geboren!“ hat mir Paul aus der Wildnisschule Hoher Fläming einmal in einem Fährtenleserkurs gesagt. Er meinte damit, wir Menschen und unsere nahen Verwandten waren bereits Millionen Jahre auf den Spuren der Wildtiere unterwegs. Diese uralte Fähigkeit, unsere Nahrung aufzuspüren und alles was wir dafür brauchen, ist tief in uns verankert. Aber das bringt mir als modernem Menschen in der Großstadt erstmal wenig, oder? Vielleicht hilft ein Blick in die Tierwelt.

Wie findet z. B. der Fuchs seine Nahrung? Ein Fuchs riecht, ob ein Tier in der Nähe ist. So wie viele andere Tiere nimmt er seine Beute durch Witterung wahr. Wenn der Duft eine leckere Mahlzeit verspricht oder von anderem Interesse ist, verfolgt der Fuchs die Duftspur am Boden, ähnlich wie ein Hai seine Beute im Wasser aufspürt.

Diese Duftnoten enthalten viele Informationen und so weiß der Fuchs genau, ob er eine Maus oder ein Reh verfolgt oder ob es vielleicht doch ein Spandauer Damhirsch ist, der eine Nummer zu groß für ihn wäre. Mit dieser Herangehensweise ist er nicht allein. Auch Wildschweine oder Eichhörnchen nutzen ihre Nasen, wohingegen Stechmücken z. B. mit Riechhaaren ausgestattet sind.

Hat eine sehr feine Nase!
Foto: Lutz Leitmann/CC BY-SA 4.0 DEED

Größerer Vorderfuß und kleinerer Hinterfuß vom Fuchs

Wir Menschen dagegen sind „Augentiere“ und haben nicht so viele Riechzellen in unserer Nase. Als Jäger*in ein Tier aufzuspüren ist für uns zwar möglich, das Tier aber wie ein Löwe zu jagen, gibt unser Körperbau nicht her. Wir sind einfach zu schlechte Sprinter. Evolutionär wurden wir vom Primaten zum Langstreckenläufer. Aufgrund unserer spärlicheren Körperbehaarung haben wir die Fähigkeit, zu schwitzen und somit unseren Körper abzukühlen. Das heißt, auf langen Laufstrecken waren unsere Vorfahren zwar immer noch verhältnismäßig langsam, dafür aber unaufhaltsame Verfolger im „Dauerlauf“. Die Beute musste irgendwann wegen drohender Überhitzung einfach stehen bleiben.

Diese Jagdmethode war allerdings nur erfolgreich, wenn man wusste, wohin die Tiere gelaufen sind. Wir Menschen mussten uns ein anderes – ein besonderes Talent zulegen. Vielleicht war es eine Primatenjägerin, mit besonders knurrendem Magen, die einen ersten genaueren Blick auf den Boden und die rätselhaften Muster darin geworfen hat. Mit der Zeit lernten die Menschen, die Fährten der Tiere zu unterscheiden, zu deuten und zu verfolgen. Denn am Ende einer jeden Spur ist ein Tier.

Wir sind also zum Fährtenlesen geboren. Das Suchen und Verfolgen von Spuren im Boden und sonstiger Zeichen, wie z. B. Losungen (Kot), Schlafplätzen, Haaren, Federn, Tierwohnungen und vielfältigen Fraßspuren wurde wahrscheinlich schon früh in der Menschheitsgeschichte eine unserer Hauptbeschäftigungen im Alltag. Und blieb es für viele Millionen Jahre. Überall wo wir waren, nahmen wir wachsam unsere Umwelt wahr und kannten uns selbst mit den Spuren und Zeichen der kleinsten Tiere aus.

Erst seit einem gefühlten Wimpernschlag in der Entwicklung der Menschheit leben wir nicht mehr ständig in und mit der Natur. Unser Leben hat sich, seitdem wir sesshaft wurden, so rasant in eine andere Richtung bewegt, dass manche unserer Talente und Sinne etwas verkümmert scheinen.

Unser Blick richtet sich nun öfter auf einen Bildschirm als in die Natur. Manchmal vergessen wir, dass wir auch zur Natur dazu gehören. Jane Goodall, die berühmte Primatenforscherin, untersuchte Schimpansen im Urwald und fand viele Gemeinsamkeiten zwischen uns und unseren nahen Verwandten. Sie sagt: “Wir sind Teil der übrigen Tierwelt und nicht von ihr getrennt.“

Wenn sich unsere Umwelt nun verändert, bekommen wir das heute überhaupt noch mit?

Den Alltag der frühen Fährtenleserkulturen stelle ich mir so vor: Ich bin ständig wachsam und auf der Suche nach Nahrung, Kleidung, Wasser und Schutz. Jeder in meiner Familie kann fährtenlesen, sammeln und jagen. Mit unseren Augen suchen wir Spuren im Sand. Wir sind tief verbunden mit der Natur. Wir verstehen die Alarmrufe der Vögel, wir spüren was der Wind für ein Wetter bringt. Wir kennen die essbaren und giftigen Pflanzen, nicht zu vergessen die Pilze. Wir wissen, dass die Vernetzung der Tiere mit allen anderen Lebewesen eine wichtige Bedeutung hat. Wir nehmen uns nicht aus. Wir sind selbst ein Tier und verwoben mit Allem. Wir sind Profis darin, in sekundenschnelle Muster im Boden zu erkennen und sie zu deuten. Die frischen Spuren eines großen Raubtieres zu entdecken, ist wichtig. Ihnen keine Beachtung zu schenken, wäre vielleicht tödlich. Genauso wichtig ist es, in der Gemeinschaft unterwegs zu sein. Jeder bringt sein Talent mit ein und viele Augen sehen mehr.

Guck mal hier, eine Spur! Was könnte sie uns verraten?


Wer war das?

Was hat das Tier hier gemacht?

Wie schnell war es?

Wie groß war es?

In welche Richtung ist es gegangen?


Wie alt war das Tier?

Waren es vielleicht mehrere Tiere?

Wo ist die nächste Spur?

Wo ist das Tier jetzt?

Wann war das Tier hier?

Schau hoch in die Landschaft! Vielleicht beobachtet es uns gerade. Stell dir vor, wie und wohin das Tier gelaufen ist. Sind dort drüben noch mehr Spuren zu sehen? Wenn nicht, welchen anderen Weg könnte es gelaufen sein? Haben sich unsere Vorfahren bei einer Spur, die sie im Boden gefunden haben, diese Fragen gestellt und konnten sie diese beantworten? Ich denke schon. Die Suche nach Nahrung bestimmte ihren Tag.

Wenn ich Hunger habe, gehe ich zum Kühlschrank oder vielleicht zum Imbiss am S-Bhf. Grunewald. Angst, dass ich dort einem Braunbären begegnen könnte, brauche ich nicht mehr zu haben und falls euch jetzt die Brandenburger Wölfe einfallen, die sind nur im Märchen gefährlich. Für mich gibt es also keinen Grund mehr, warum ich raus in die Natur und Fährtenlesen gehen sollte? Aber irgendetwas zieht mich doch hinaus. Wie ein Band mit dem ich unsichtbar verbunden bin. Neugierig auf die Natur um mich herum. Vielleicht ist es auch eine Art Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Wildnis oder die Suche nach einem Sinn als Mensch in dieser naturentfremdeten, aber dennoch coolen Stadt. Ich will wissen wer nachts um mein Haus schleicht und wer mit mir den Garten teilt. Ich bin neugierig, wer im Grunewald lebt und auf Menschen, die diese Fragen zu einer Spur noch beantworten könnten.

Es ist immer wieder aufregend, wenn ich tatsächlich mal ein Wildtier beobachten darf. Dann kann ich kurz dabei sein, wie es seiner Bestimmung nachgeht und sein wildes freies Leben lebt. Wenn ich aber einen Blick auf die Rote Liste der bedrohten Tier- aber auch Pflanzen- und Pilzarten werfe, werde ich richtig nervös.

Ein Blick aus der Vogelperspektive macht es sichtbar. Wir Menschen versiegeln immer mehr Flächen, entwässern die Landschaft und zerschneiden sie in immer kleinere Stücke. Die Wildtiere finden kaum noch Wege, auf denen sie wandern und ihre Gene austauschen können. Die Natur „verinselt“ und die kleinen Inseln sind nicht ausreichend miteinander verbunden. Das bedeutet, wir sind nicht nur verantwortlich für den Verlust der Artenvielfalt, sondern zudem für den Verlust von Vielfalt innerhalb einer Art.

Beobachtungen mit der Wildtierkamera

Unsere Verwandten – Tiere, Pflanzen und Pilze verschwinden. Aber wer bekommt das eigentlich mit? Wenn die Wildtiere so heimlich unter uns leben, wer bemerkt es, wenn ihre Spuren nicht mehr zu finden sind? Wer nimmt es wahr, wenn eine Wildbienenart nach der anderen ausstirbt oder Vogelgesänge verstummen? Es sind Namen wie Ziesel, Schwarzstirnwürger, Blauracke, Langflügelfledermaus, Gänsegeier und die Bayrische Kurzohrmaus, die man einfach vergisst oder noch nie gehört hat. Sie sind, wie so viele Arten in Deutschland, verschollen. Jede zweite Brutvogelart ist von Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste (Stand 2021). Stand 2017 sind in Berlin 150 Großschmetterlingsarten ausgestorben.

Mir wird klar, der Artenschutz braucht Fährtenleser*innen!

Naturbegeisterte Menschen, voller Neugier, denen die Natur von Bedeutung ist. Die rausgehen, eintauchen, sich „einwalden“ wie Baptiste Morizot sagt. Ausgestattet sind wir ja alle zum Fährtenlesen. Also ich gehe jetzt raus und schaue was die Mäuse machen. Vielleicht führen sie mich auf die Fährte vom Fuchs. Mein Sohn sagt, er kommt mit, denn der Fuchs hat seinen Schuh geklaut.

Heimliche Beobachtungen

Die folgenden Bilder sind mit Hilfe einer Wildtierkamera aufgenommen worden. Da es im Wald immer trockener geworden ist, hat die Waldschule eine Wald-Bar eröffnet, die sehr gut angenommen wird.

Tierbegegnungen am kleinen Teich – Frischlinge

Fuchs und Waschbär

Rausgehtipps:

  • Hat es geschneit oder geregnet? Gehe raus uns suche eine frische Fährte. Überlege, aus welcher Richtung das Tier kam. Gehe dem Tier nicht nach um es nicht zu stören. Gehe in die Richtung aus der das Tier kam und entdecke was es erlebt hat. Vielleicht findest du einen Schlafplatz und darin ein Haar?

  • Suche einen Fußabdruck im Boden. Breite Sandwege im Wald oder eine Sandstelle an einer Wasserstelle sind gut geeignet. Manchmal wirst du unerwartet an der nächsten Pfütze fündig. Suche nach Mustern und wenn du eine interessante Spur gefunden hast, fange an diese zu zeichnen. Es geht hier nicht darum ein Kunstwerk zu erschaffen, sondern um genaues Hinsehen und Wahrnehmen. Zeichne die Spur größer, als sie in Wirklichkeit ist und messe die Maße wie Länge und Breite. Steh auf und wechsele die Perspektive. Frage dich, was fällt mir noch auf? Was habe ich bisher übersehen? Woran erinnert mich das Muster? Frage deine Freunde oder andere Spaziergänger was sie in der Spur sehen. In einem Buch über Tierspuren kannst du vielleicht herausfinden, wessen Spur du gefunden hast. Achte auf Schutzgebiete und darauf, die Rückzugsorte der Tiere zu respektieren.

Zum Schluss noch zwei Spurenrätsel

Dieses Tier hat lange Zehenballen, die wie Finger aussehen. Sie zeigen in alle Richtungen ähnlich einer Kinderhand. Wie viele Zehen könnt ihr
zählen? Auflösung hier.

Dieses Tier braucht scharfe und lange Krallen. Es hat einen großen Mittelhandballen. Erinnert er euch an etwas? Die Zehenballen sind nach vorne gerichtet.

Wenn euch jetzt auch die Lust auf’s Spurensuchen gepackt hat, haben wir noch einen Veranstaltungstipp für euch:

Fährtenlesen – Auf den Spuren der Wildtiere
Ort: Waldschule Zehlendorf
Samstag 27.04.2024, 11 – 15Uhr
Kosten: 2,50 € Kind | 5,- € Erwachsener | 10,- € Familie
Bitte mitbringen: wetterfeste Kleidung, Picknick, Neugier
Anmeldung erforderlich unter: zehlendorf@anmeldung-waldschule.de


Buchtipps:
Joscha Grolms: Tierspuren Europas
Morizot,Baptiste: Philosophie der Wildnis oder Die Kunst, vom Weg abzukommen

Der Kiebitz – Vogel des Jahres 2024

Der Kiebitz – Vogel des Jahres 2024

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) wurde nun schon zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres gekürt. Das ist zunächst einmal tatsächlich eine traurige Neuigkeit. Meist erhalten Vögel diesen Titel, die selten werden und zum Beispiel besonders vom Lebensraumverlust durch den Menschen betroffen sind. Die Kiebitzbestände sind in den letzten Jahrzehnten um 88% zurückgegangen und die Art gilt als stark gefährdet.

Schillernder Sympathieträger

Auf den ersten Blick ist der Kiebitz schwarz-weiß gefärbt. Bei genauerem Hinsehen schimmern die dunklen Schwingfedern allerdings metallisch grün und violett. Unterhalb des Schwanzes ist er beige bis hellorange gefärbt und hat rötliche, relativ kurze Beine.

Vom schwarzen Schnabel aus zieht sich ein eleganter dunkler Streifen unter dem Auge entlang. Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen einen tollen Federschmuck auf dem Kopf, die sogenannte „Federholle“, eine Haube aus zwei langen Federzipfeln. Bei den Weibchen ist diese allerdings meist nicht ganz so lang und die Brust oft eher gescheckt und nicht durchgängig schwarz. Mit etwa 30 Zentimetern sind Kiebitze ungefähr so groß wie eine Taube.

Foto: Dirk Vegelahn

Charakterstark! Das ist typisch für den Kiebitz…

Im Flug oder als Alarmruf lässt der Vogel ein lautes „kie-wit“ oder „wit-wit-wit“ erklingen. Diese charakteristischen Lautäußerungen haben dem Kiebitz übrigens zu seinem Namen verholfen. Auch der akrobatisch schaukelnde Flugstil während der Balz (so nennt man die Paarungszeit bei Vögeln) ist typisch für die Art. Deshalb wird der Kiebitz manchmal auch als „Tänzer der Lüfte“ bezeichnet.

Foto: Dirk Vegelahn

Die Balz beginnt bereits im März, wenn die Vögel wieder aus ihren Überwinterungsgebieten zurückkehren, welche in West- und Südwesteuropa und rund um das Mittelmeer liegen. Weil die Winter hier bei uns immer milder werden, ziehen allerdings gar nicht mehr alle Kiebitze in wärmere Regionen, sondern ein Teil der Population bleibt den Winter über hier. Deshalb gelten Kiebitze als Teilzieher.

Der Kiebitz mag offene Flächen mit niedrigem Bewuchs. Man findet ihn bevorzugt auf Moor- und Feuchtwiesen, aber auch auf Weiden und Äckern. Diese bieten das perfekte Nahrungsangebot und Brutmöglichkeiten. Kiebitze ernähren sich hauptsächlich von Insekten und ihren Larven sowie anderen Wirbellosen. Manchmal fressen sie dazu auch Samen und Früchte.

So beginnt ein Kiebitzleben

Der Kiebitz ist ein Bodenbrüter: das Männchen macht mit seinem Brustkorb gleich mehrere Kuhlen (Nestmulden) in den Boden, von denen das Weibchen eine auswählt. In diese Kuhle legt sie 3-4 olivgrün-gesprenkelte Eier. Nach ungefähr 25 Tagen schlüpfen die kleinen, braun-beige gescheckten und flauschigen Küken, die sofort das Nest verlassen und mit ihren Eltern auf Futtersuche gehen. In den ersten Tagen müssen die Kleinen noch von den Eltern gewärmt werden, können sich aber schon selbstständig fortbewegen und Futter aufnehmen. Jungtiere, die sich so verhalten, nennt man übrigens auch Nestflüchter.

Foto: Thomas Herbig
Foto: Thomas Herbig

Nach 35 Tagen ist das Federkleid der Jungvögel vollständig ausgebildet und sie können endlich in die Lüfte abheben. Insgesamt 5 Wochen dauert es, bis die Jungen erwachsen (bei Vögeln nennt man das auch flügge) sind und keine Betreuung mehr brauchen.

Gefährdung durch den Menschen

Durch die zunehmend intensive Landwirtschaft und starken Pestizid- und Insektizideinsatz gehen die Flächen und auch das Nahrungsangebot, das ja weitestgehend aus Insekten besteht, dramatisch zurück! Die Vögel können nicht mehr ungestört und sicher brüten und finden weniger zu essen. Deshalb gibt es leider auch immer weniger Kiebitze. Davon sind auch andere Feldarten und Bodenbrüter betroffen, wie zum Beispiel die Feldlerche, das Rebhuhn oder die Wachtel.

Geholfen werden kann dem Kiebitz zum Beispiel durch die Einrichtung von unbewirtschafteten „Inseln“ auf den Ackerflächen oder die (Wieder)Vernässung von Grünlandflächen.

Foto: Dirk Vegelahn

Wenn ihr noch mehr wissen möchtet:

Steckbrief des Kiebitzes auf birding-germany.de
NABU – Der Kiebitz – Vogel des Jahres 1996 und 2024
Der Kiebitz – Brodorowski Fotografie
Möglichkeiten zum Schutz der Kiebitze (YouTube)

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Hallo Du,

ist es dir auch schon aufgefallen? Zurzeit liegt in Berlin fast ein ganzer Wald auf den Straßen. Bestimmt sieht es in anderen Großstädten ähnlich aus.

Ja, nun ist Weihnachten vorbei und der zuvor festlich geschmückte Baum liegt zur Abholung bereit. Doch was passiert eigentlich mit den vielen Bäumen?

Ich fragte einen der fleißigen Männer, die die Bäume aufluden und erfuhr, dass diese uns demnächst Wärme und Strom geben, weil sie im Kraftwerk verbrannt werden.

‚Hmm‘ dachte ich., ‚Es gibt doch bestimmt auch noch andere Möglichkeiten, den Baum oder wenigstens einen Teil von ihm zu nutzen.‘

Da fiel mir ein, dass mein Opa Wusel aus alten Weihnachtsbäumen Quirle für die Küche geschnitzt hatte. Er hat mir dafür sogar eine Anleitung geschenkt! Ich las sie durch und bekam sofort große Lust, das mal selbst auszuprobieren.


Ich suchte mir also eine schöne Weihnachtsbaumspitze und knipste sie mit einer Rosenschere unter der ersten Verzweigung ab. Das sieht ja wie ein Propeller aus!

Dann kürzte ich die Spitze auf 15-17 cm und die Seitentriebe auf ungefähr 3 cm und schabte mit einem Schnitzmesser die Rinde von meinem zukünftigen Quirl ab.


Dieser muss nun trocknen, damit ich ihn mit Schleifpapier bearbeiten kann! Wenn er dann richtig glatt ist, soll ich den Quirl einmal abkochen. Das hat mein Opa Wusel empfohlen, um eventuelle Keime und den harzigen Geruch zu beseitigen.

Danach werde ich ihn an den Verzweigungen noch mit Speiseöl einstreichen und schon ist mein neuer Rührstock fertig! Der wird bestimmt auch so schön wie der von meinem Opa.

Und wenn ich dann den Teig für den Eichelmehlkuchen mit meinem eigenen Quirl anrühre, so wird mir dieser bestimmt besonders gut schmecken!


Weißt du eigentlich, dass man die Abzweigungen der Nadelbäume ebenfalls als Quirle bezeichnet und dass man daran auch das Alter der Nadelbäume bestimmen kann??

Es gilt:  1 Quirl = 1 Jahr. Da ein kleiner Nadelbaum noch keine sichtbaren Abzweigungen entwickelt, soll man zu den gezählten Quirlen noch 2-4 Jahre zuzählen und schon hat man das Alter des Nadelbaumes ermittelt. Der Baum auf der Zeichnung ist also 8-10 Jahre alt (6 Quirle plus 2-4 Jahre)



Versuche doch mal hier das Alter der Kiefer zu bestimmen! Achte aber darauf, dass der untere Quirl nicht mehr vollständig ist!

Hier ist die Lösung!


Wenn du jetzt mit deiner Familie, deinen Freund*innen oder auch allein in den Wald oder Park gehst, kannst du mit ihnen das Alter von weiteren Nadelbäumen bestimmen.

Bei alten Bäumen wird es aber ziemlich schwierig. Denn bei denen sind die unteren, also alten Verzweigungen, nicht mehr gut erkennbar. Sie sind nur noch dunkle Stellen und Buckel an der Rinde. Trotzdem lohnt es sich, diese knifflige Aufgabe anzugehen…

VIEL SPASS UND ERFOLG!

Zu guter Letzt ein kleines Video zum Nachmachen:

Das Moor – ein unheimlicher Ort?

Das Moor – ein unheimlicher Ort?

Das Teufelsseemoor – Ein Einblick in die Geschichte


Das Teufelsmoor in Berlin-Köpenick ist ein geschichtsträchtiges und zugleich mystisches Naturgebiet, das im Laufe der Zeit zahlreiche Geschichten und Legenden hervorgebracht hat.

Ursprünglich war das Moor ein sumpfiges Gebiet, das den Menschen aufgrund seiner undurchdringlichen Natur und düsteren Atmosphäre Angst einflößte. Es erhielt den Namen „Teufelsmoor“ aufgrund der Vorstellung, dass hier der Teufel höchstpersönlich sein Unwesen treibe.

Im 18. Jahrhundert begannen die Menschen, das Teufelsmoor zu entwässern und für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Diese Entwicklung markierte einen Wandel in der Geschichte des Moorgebiets, von einem düsteren Ort der Angst zu einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet. Trotz dieser Veränderungen bleiben die Geschichten und Legenden in der Folklore der Region lebendig.

Heutzutage ist das Teufelsmoor ein Naturschutzgebiet, das Besucher mit seiner einzigartigen Flora und Fauna anlockt. Seine Geschichte ist somit eine faszinierende Reise durch die Veränderungen in der Wahrnehmung und Nutzung eines einst düsteren und mysteriösen Ortes zu einem geschätzten Naturreservat in der Stadt Berlin.

Teufelsseemoor Köpenick

Das heutige Teufelsseemoor ist eine einzigartige Naturlandschaft, die durch vielfältige Besonderheiten beeindruckt. Es erstreckt sich über eine Fläche von etwa 6 Hektar.

Inmitten der moorigen Landschaft finden sich Torfmoos, Seggen und Wollgräser, aber auch seltene Pflanzen wie der Sonnentau prägen das Bild.

Wer die Augen offen hält, kann auch den Moorfrosch und die unter Schutz stehende Ringelnatter entdecken. Ebenso Vogelliebhaber können zahlreiche Arten sichten.

Der neue 300 m lange Holzsteg, der sich über das Teufelsseemoor erstreckt, ermöglicht es Besuchern, tief in diese Landschaft des Moores einzutauchen, ohne die empfindlichen Pflanzen und Lebensräume zu beeinträchtigen.

Ringelnatter
Wollgras (verblüht)

Als Folge von Wassermangel und damit einhergehende Verlandung des Moors finden sich bereits Birken und Kiefern an. Zur längerfristigen Erhaltung des Ökosystems wurden daher im Rahmen eines Umweltprogrammes der Berliner Forsten 2014/2015 einige Gehölze aus dem Moorboden entfernt.

Sonnentau – der grüne Beutefänger

Der Sonnentau (Drosera) zählt zu den fleischfressenden Pflanzen. Weltweit sind rund 200 Arten bekannt, hauptsächlich aus Australien, Südamerika und Südafrika. Auch bei uns gibt es heimische Arten. Neben der rundblättrigen Variante ist auch der langblättrige Sonnentau auffindbar. Er bildet langgestielte und hohle Blätter aus, erreicht Höhen von 5-20 cm und zeigt eine weiße Blütenpracht von Juli bis August.

Der Sonnentau ist dafür bekannt, in äußerst nährstoffarmen Böden zu gedeihen. Um die lebensnotwendigen Nährstoffe zu erlangen, nutzt die Pflanze Insekten, wie Fliegen und Mücken als Nahrungsquelle. Charakteristisch für den Sonnentau sind seine Fangblätter, besetzt mit leuchtend roten Tentakeln. Das darauf an Tautropfen erinnernde Haftsekret verleiht ihm nicht nur seinen Namen, sondern fungiert auch als Lockmittel für Insekten. Diese bleiben an der klebrigen Substanz kleben und werden anschließend verdaut.

Die Drosera-Arten haben sich überwiegend an moorige Lebensräume angepasst und können sich so der Konkurrenz mit anderen Pflanzenarten entziehen und sich frei entfalten. Infolge von Entwässerung und Torfabbau verkleinert sich allerdings der Lebensraum des Sonnentaus zunehmend, wodurch bereits einige Arten selten geworden sind.

Sonnentaugewächse haben auch für uns Menschen schon lange einen Nutzen als Heilpflanzen, vorrangig bei Erkrankungen der Atemwege, durch seine entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkungen. Er sollte aber nicht gepflückt werden, da er ja unter Naturschutz steht.

Der Moorfrosch – das Chamäleon unter den Amphibien

Der Moorfrosch, auch als Europäischer Moorfrosch bekannt, ist eine faszinierende Amphibienart, die in den Feuchtgebieten Europas beheimatet ist.

Mit einer lebendigen blauen Farbe, die sich ausschließlich in der Paarungszeit zeigt, zieht dieser Frosch die Aufmerksamkeit von Naturliebhabern und Forschern gleichermaßen auf sich.

Diese Amphibienart, wissenschaftlich als Rana arvalis bezeichnet, findet man hauptsächlich in den Feuchtgebieten von Nord- und Osteuropa.

Die Fortpflanzung des Blauen Moorfroschs ist ein beeindruckender Prozess. Im Frühling versammeln sich die Frösche in den Feuchtgebieten, wo die Männchen mit ihrem auffälligen Blau um die Gunst der Weibchen buhlen. Die Paarung erfolgt im Wasser, und die Weibchen legen ihre Eier in sorgfältig konstruierten Schaumnestern ab.

Der Lebensraum des Blauen Moorfroschs umfasst Sümpfe, Moore, Teiche und Feuchtgebiete mit langsam fließendem Wasser. Der Frosch ist perfekt an das Leben in diesen nassen Umgebungen angepasst, mit seinen speziellen Hautdrüsen, die eine gewisse Feuchtigkeit bewahren und vor dem Austrocknen schützen.

Trotz seiner Anpassungsfähigkeit und Überlebensstrategien steht der Blaue Moorfrosch vor Herausforderungen. Der Verlust von Feuchtgebieten aufgrund von menschlichen Aktivitäten, Umweltverschmutzung und klimatischen Veränderungen bedrohen seinen Lebensraum und seine Population.

Insgesamt ist der Blaue Moorfrosch ein faszinierendes Beispiel für die Vielfalt der Natur in feuchten europäischen Landschaften. Der Schutz seines Lebensraums und nachhaltige Umweltpraktiken sind entscheidend, um sicherzustellen, dass diese farbenfrohen Amphibien auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.


Interessiert? Hier kannst du dein Wissen vertiefen:

Noch nicht genug vom Sonnentau? Hier geht’s zur offiziellen Seite des NABU
Du traust dich alleine ins Teufelsmoor? Dann ist hier deine Wegbeschreibung
Quaaaaaak! Erfahre mehr über den Moorfrosch auf der Seite des NABU

Autoren:

Dieser Beitrag wurde von den beiden Ökis (FÖJlerinnen) Phoebe und Vincent verfasst.