FÖJ in einer Berliner Waldschule
FÖJ in einer Berliner Waldschule
Nach 12 Jahren Schule war für uns eines klar, wir brauchen erst einmal was Anderes! Am besten aktiv und praxisbezogen. Das Erste, was uns in den Sinn kam, war das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), denn im Grunde war das der einzige Freiwilligendienst, den wir kannten. Überall hieß es nur FSJ hier, FSJ da. Dass man auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen konnte, wurde uns erst nach längerer Recherche klar. Da wir ein großes Interesse an der Natur haben, klang das FÖJ sehr ansprechend und wir bewarben uns bei der Stiftung Naturschutz Berlin.
Wir entschieden uns dann relativ schnell für eine der Berliner Waldschulen als Einsatzstelle. Die Vorstellung, Gruppen spielerisch und interaktiv den Wald und seine Bewohner näher zu bringen und dabei jeden Tag mit Menschen aus verschiedenen Lebenslagen und Altersklassen in der Natur zu arbeiten, faszinierte uns. Wir lernten, dass Lernen nicht immer nur mit ruhig sitzen und stumm zuhören verbunden sein muss. Denn das Konzept der Waldschulen ist es, während Waldaktionen einen Lernerfolg zu erreichen. Das Wichtigste dabei ist, dass die Kinder den Waldtag mit einem positiven Gefühl verbinden und das Gelernte in ihrem Alltag umsetzen können. Mit Zuversicht hofften wir, durch die Arbeit etwas aus unserer Komfortzone herauszutreten und uns weiterzuentwickeln.

Nun sind wir seit ungefähr 3 Monaten in der Waldschule im Bucher Forst tätig und bereuen unsere Entscheidung keineswegs. Wir arbeiten 40 Stunden die Woche und empfangen gemeinsam mit den Waldpädagog*innen so gut wie jeden Tag Gruppen von Kindern aus Kitas und Grundschulen, sowie Erwachsenen.
Was genau sind die Aufgaben einer FÖJlerin in der Waldschule?
Der Alltag ist davon abhängig, welche Altersklasse die Besucher*innen sind und in welcher Jahreszeit sie uns besuchen. Im Herbst sind die Themen Vorbereitung auf den Winter und Pilze. Im Winter werden Spuren gelesen. Der Frühling bietet Platz für Themen wie die Brutzeit. Sommerliche Themen sind Wildkräuter, Krabbeltiere. Je nach Thema gibt es dann verschiedene Spiele oder Aktionen, die im Wald durchgeführt werden können. Diese passen wir meist spontan an, um den Kindern einen optimalen Besuch im Wald zu ermöglichen. Je nach Bedarf sind die Aktionen aktiver oder eher etwas ruhiger. Bei diesen Aktionen assistiert und unterstützt man als FÖJler*in die Waldpädagog*innen soweit es geht.
Das FÖJ soll jedoch nicht nur ein Einblick in die Arbeitswelt sein, sondern uns auch herausfordern und fördern. Unsere Aufgaben als FÖJler*innen werden deshalb mit fortlaufendem Jahr immer etwas anspruchsvoller. Bis jetzt haben wir schon vereinzelt eigene Waldaktionen angeleitet und einige Projekte geplant.
Nach einem ausreichenden Tag im Wald finden wir uns wieder in der Waldschule ein und sprechen über das Gesehene und Erlebte. Hier werden meist noch Fragen von den Kinder- und Erwachsenengruppen geklärt. Während der letzten Monate haben wir viel dazugelernt und können nun auch die ein oder andere Frage rund um den Wald und seine Bewohner beantworten.



Was hatten wir für Vorkenntnisse?
Jolina (18 Jahre)
Im Urlaub habe ich vor ungefähr 10 Jahren zum ersten Mal die Kombination aus Sozialem und Natur erlebt. Damals haben wir Wanderungen oder Fahrten mit der Kutsche in einem Wald in den bayrischen Bergen gemacht. Das war aber vielmehr ein Kindergarten, wo es einfach eine Betreuung gab, mit verschiedenen Aktivitäten.
Gedanklich hatte ich mich in der Waldschule auf eine ganztägige Beschäftigung mit Kindern eingestellt und war fast schon ein bisschen ängstlich bei der Vorstellung, dass ich direkt Kindergruppen anleiten muss. Dabei dachte ich, dass mir diese Verantwortung zu groß ist – direkt am Anfang des FÖJs.
Diese Angst hat sich jedoch sofort wieder gelegt, da man erstmal ganz in Ruhe eingearbeitet wird, einfach dabei sein darf und in die Aufgabe hineinwachsen kann. Im Laufe der letzten Monate habe ich dann doch mal ein Spiel oder eine Aktion angeleitet und es lief besser als gedacht.
Was mir außerdem sehr gut gefällt, ist das Treffen auf Gleichgesinnte, wie das gesamte nette Waldschulteam, die Försterei nebenan und die anderen Waldbegeisterten der Waldschulen in Berlin. Zum ersten Mal habe ich Menschen in meinem Umfeld, die ähnlich denken und die gleichen Werte wie ich vertreten, in Richtung Umwelt und Politik.
Lilli (19 Jahre)
Ich hatte zwar keine Vorkenntnisse beim Arbeiten mit Kindern und war vorerst etwas ängstlich, jedoch wurde mir diese Angst schon bei meinem Probetag im Mai genommen. Die Kinder waren sehr freundlich, aufgeschlossen und obwohl es an diesem Tag wie aus Eimern geschüttet hat, sehr aufgeweckt und motiviert. Diese Motivation finde ich nun in fast jeder Gruppe wieder und sie begleitet mich tagtäglich bei der Arbeit im Wald.
Die Arbeit ist dabei sehr abwechslungsreich und reich an Bewegung. Ich genieße es sehr, jeden Tag an der frischen Luft zu sein und den Wald in all seiner Pracht sehen zu können.



Möglichkeiten für FÖJler*innen in den Berliner Waldschulen
Bei sogenannten Ökitagen, wo die FÖJler*innen der Waldschulen zusammenkommen, wird unser Lernprozess aktiv unterstützt. An den sich mehrmals im Jahr wiederholenden Tagen können wir unsere ganz eigenen Waldtage erleben und Tätigkeiten, wie beispielsweise das Feuerbohren, das Aussäen von Eicheln und das Erkennen von Pilzen erlernen.
Nebenbei wird es uns ermöglicht Dinge, wie den Motorsägenschein zu machen und uns kreativ auszuleben. Kreativen Freiraum finden wir zum Beispiel beim Schnitzen oder auch auf etwas unkonventionellere Art mit Pilzkunst.
Das FÖJ in einer Waldschule bietet somit viele Möglichkeiten sich auf verschiedenste Art und Weise auszuleben und dabei etwas über sich und die Natur zu lernen.
Kommt vorbei! Wir freuen uns auf euch.
Lilli Tomale, Jolina Hopf vom FÖJ-Durchgang 2024/25
Bei folgenden Berliner Organisationen können sich Interessenten für ein FÖJ berwerben:
Stiftung Naturschutz Berlin
Jugenaufbauwerk Ost gGmbH
Vereinigung Junger Freiwilliger e.V.



















