Geheimnisvolles Leben am Eichenblatt

Geheimnisvolles Leben am Eichenblatt

Kapitel-Übersicht:

  1. Was ist da an den Eichenblättern?
  2. Wie der Gallapfel entsteht
  3. In der Kinderstube der Larve
  4. Der Feind des Kindes
  5. Einsame Mutter
  6. Der fortwährende Kreislauf

Was ist da an den Eichenblättern?

Wenn ihr euch im Herbst, Frühling oder Sommer in den Wald begebt, könnt ihr an einigen Pflanzen wundersame Auswüchse finden. Auch im Winter sind sie an dem am Boden liegenden Laub gut zu sehen.
Manchmal sieht es aus, als hätten die Pflanzen Windpocken, eine unangenehme Schwellung oder als hätte das Blatt der Pflanze nicht im Wald gehangen, sondern eine Reise durchs Meer hinter sich und Seepocken mitgebracht.
Häufig könnte man denken, viele Eier von unbekannten kleinen Lebewesen gefunden zu haben. Und möglicherweise sehen sie manchmal aus wie schöne Blüten oder Früchte.

Vielleicht seid ihr selbst einmal über solche ungewöhnlichen Erscheinungen gestolpert und habt euch gefragt, was ihr da gerade anschaut.

Ich weiß, dass ich in meinem Leben hin und wieder auf solche Dinge gestoßen bin und diese häufig nicht zuordnen konnte.
Dank eines Biologen weiß ich nun- die Auswüchse, über die ich spreche, sind Gallen.

Pflanzengallen werden nicht aus Spaß von der Pflanze selbst gebildet, sondern als Reaktion der Pflanze auf Eindringlinge.

Wenn ihr wisst, wo und wann ihr nach solchen Gallen suchen könnt, werdet ihr viele finden können. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ich, seit ich mehr Zeit im Wald verbringe, selbst schon unzählige Gallen gefunden habe.
Erstaunlich häufig kommen Gallen an Eichen vor. Zumindest habe ich letztes Jahr dort besonders viele entdecken können.
Die auffälligsten solcher Auswüchse sind Eichäpfel, Eichenrosen, Linsen- und Trichtergallen und die Eichengalläpfel.
Auf diese möchte ich gerne hier genauer eingehen und vor allem das Lebewesen beleuchten, das für diese Gallen verantwortlich ist.

Im Herbst könnt ihr diese kugelrunden, farblich wie saftiges Obst aussehenden, Galläpfel an den Blättern von Eichen finden. Um diese sehen zu können, müsst ihr nicht einmal mühselig den großen Baum heraufklettern und euch in schwindelerregenden Höhen durch die Blätter arbeiten. Denn, wie ihr sicherlich schon wisst, verlieren Laubbäume (wie die Eiche) ihre Blätter im Herbst und damit auch die Blätter, aus denen die Galläpfel wachsen.

Wie der Gallapfel entsteht

Aber wer macht denn die Galläpfel? Und warum?
Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich euch gerne ein Tier vorstellen-
die Eichengallwespe. (Cynips quercus folii).
Die Eichengallwespe ist ein 2 bis 3 Millimeter großes, Insekt und hat eine dunkelbraune bis schwarze Körperfarbe. Ihre Beine sind heller braun gefärbt.
Die Männchen und Weibchen soll man daran unterscheiden können, dass die männlichen Tiere Antennen haben, die in 15 Teile gegliedert sind, während die Weibchen 14- gliedrige Antennen haben.
Zudem haben die weiblichen Wespen einen Legestachel, auch Ovipositor genannt.
In der Paarungszeit im Mai bis Juni finden sich Weibchen und Männchen dieser Wespen zusammen und das Männchen befruchtet das Weibchen.

Nach der Paarung fliegt die weibliche Eichengallwespe zu einem Blatt einer Eiche.
Sie sucht sich ihr Blatt und die Stelle auf dem Blatt genau aus. So kann sie sicher stellen, dass zu diesem Ort vom Baum genug Nährstoffe geliefert werden.
Sobald das Weibchen eine Stelle gefunden hat, die zu ihrer Zufriedenheit ist, legt sie dort ihre Eier ab. Dafür benutzt sie ihren Ovipositor und sticht in das Blatt.
Mit den Eiern gibt die Wespen-Mutter auch noch Chemikalien (z.B.Cytokinine = Pflanzenhormone) in das Blatt.
Und wie unser Körper bei Wunden Schorf bildet, hat der Baum auch eine Reaktion auf den Eindringling. Wo am Baum Eier der Wespe abgelegt wurden, bilden sich um die Eier Kugeln. Und so hat der Baum im Juli an den Unterseiten einiger Blätter Galläpfel.

In der Kinderstube der Larve

Wenn aus dem Ei die Larve schlüpft, ist sie umgeben von Nahrung. Sobald sie auf die Welt kommt, ist die Larve also eigentlich nur mit einer Sache beschäftigt-fressen und wachsen.
Das Zuhause der Baby-Wespe ist 1,5 bis 2,5 Zentimeter groß. Das klingt vielleicht klein, aber wenn ihr bedenkt, dass die erwachsene Wespe nur 2 bis 3 Millimeter groß war, ist das ziemlich beeindruckend. Und die Larve in der Galle hat einiges an Platz.
Wie sieht das Heim der Larve genau aus?
Die Größe und Form der Galle erinnern mich ein bisschen an einen kleinen Flummi (obwohl die Galläpfel nicht so springen können wie einer). Von der Größe sicher auch vergleichbar mit einer Kirsche. Doch die Galle heißt GallAPFEL; weil sie so fruchtig und farbig wie ein reifer Apfel aussieht. Anfänglich ist die Galle noch hellgrün und wird mit der Zeit gelblich und dort, wo die Sonne sie anscheint, rot.
Ich meine auch beobachtet zu haben, dass die alten Gallen wie ein verrottender Apfel bräunlich werden.

Aber wenn die Gallen so saftig aussehen, warum werden sie dann nicht von allen möglichen Tieren gefressen?
Ein Stoff, der sich in den Gallen befindet, ist Gerbsäure. Diese Säure macht den Gallapfel sehr bitter und so nicht sehr schmackhaft für die meisten Tiere.
Zudem ist die Larve im inneren durch die Gallenwand geschützt. Das dicke, aber weiche, schwammige Gehäuse der Galle. Außen ist die Gallenwand glatt. Gelegentlich auch mit Knubbeln. Im Kern der Galle gibt es eine kleine Kammer, in der sich die Larve befindet.

Wenn die Zeit kommt, erwachsen zu werden, verpuppt und verwandelt sich die Larve. Wie eine Raupe zum Schmetterling wird, wird die Larve zur Wespe.

Wenn sie ihre Verwandlung abgeschlossen hat, beißt sie sich bis zur Gallenwand durch, bricht aber noch nicht aus. Kurz vor der Freiheit dreht sie wieder um und kriecht zurück in ihre Kammer. Oft hat sie schon im Oktober diesen Gang genagt. Trotzdem bleibt sie weiter in ihrer Galle und wartet auf für sie gutes Wetter, um in das Freie zu ziehen. Was sie als den richtigen Zeitraum einschätzt, kann irgendwann zwischen November bis in den März sein.
Dann kriecht sie durch den Durchgang und öffnet ein kleines Loch aus dem Gallapfel, durch dass sie den Ort verlässt, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hat.

Der Feind des Kindes

Doch bevor wir uns der erwachsen gewordenen Wespe widmen, schauen wir noch welche Gefahren dem Kind in ihrer so vermeintlich sicheren Festung drohen.
Viele Tiere fressen die ganzen Gallen nicht, weil sie bitter sind. Trotzdem hat die Larve einen Feind: Parasiten.
Es gibt andere Gallwespen, die ihre Eier nicht in die Blätter der Eiche legen, sondern in die Gallen, so dass ihre Babys statt denen der Eichengallwespe den Gallapfel als ihr Zuhause haben. Manche Wespen stechen mit ihrem Ovipositor sogar durch die Gallenwand direkt in die Larve.
Ihre parasitären Larven schlüpfen dann in „unsere“ Larve und fressen sie von innen auf.
So brutal das auch ist, es ist wiederum gut für die Eichen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Eichengallwespen so viel vermehren, dass sie ein großes Problem für die Eichen werden.
Ihr könnt Gallen, die von Parasiten befallen sind, ganz gut erkennen. Die Oberfläche der Gallen ist dann mit mehr Knubbeln bestückt.

Einsame Mutter

„Unsere“ Larve hat es zum Glück ins Erwachsenenalter geschafft, ohne verdrängt oder gefressen zu werden.
Doch „unsere“ Eichengallwespe sieht anders aus als ihre Eltern. Sie ist mit ca. 4 Millimeter fast doppelt so groß wie ihre Erzeuger. Außerdem ist ihr ganzer Körper einheitlich schwarz-braun gefärbt und behaart.
Auch was Kinderkriegen angeht, macht sie es nicht wie ihre Eltern. Irgendwann im Winter verlässt sie ihre Galle und macht sich auf den Weg, selbst Kinder in die Welt zu setzen.
Doch sie sucht sich kein Männchen zum Paaren. Sie würde auch keines finden. Denn alle Wespen, die aus Galläpfeln schlüpfen sind weiblich.
Sie ist dazu in der Lage, Kinder ohne einen Partner zu kriegen. Das nennt man Parthenogenese= Jungfernzeugung.

Die Wespe macht sich also auf den Weg, einen guten Platz für die Ablage ihrer Eier zu finden.
Und auch sie begibt sich dafür zu einer Eiche. Im Gegensatz zu der Wahl ihrer Mutter, sucht sie sich keine Blätter als Herberge für ihre Eier. Im Winter wären diese ohnehin schwer an den Eichen zu finden.
Stattdessen legt sie ihre Eier in schlafende Knospen ab. Schlafende Knospen sind Punkte unter der Rinde einer Pflanze, aus denen Blätter und Äste wachsen können. Am liebsten legen die Eichengallwespen ihre Eier in schlafende Knospen direkt im Baumstamm ab. Es kommt jedoch auch vor, dass sie sie in Zweige legen.
Das Eiablage erfolgt so, indem sie mit ihrem Ovipositor in die schlafende Knospe sticht und ein Ei hinterlässt. Und auch hier bildet sich danach eine Galle. Aber kein Gallapfel.


Die Gallen, die hier entstehen sind deutlich kleiner. Nur rund 1 bis 3 Millimeter groß. Also so groß wie die Wespen, die später aus den Gallen schlüpfen. Sie sehen ein bisschen aus wie Knospen. Sie sind oval, unten breiter als oben, haben oben aber eine Rundung, keine Spitze.
Die Gallen fangen mit einer roten Färbung an und werden tief dunkelviolett je mehr Zeit ins Land streicht. Zusätzlich sind sie dicht, samtig behaart. Ich persönlich hatte noch nicht das Glück, diese Gallen in echt zu sehen, aber auf Bildern sehen sie sehr weich aus.
Zu finden sind diese Gallen wohl von April bis Mai.

Der fortwährende Kreislauf

In der Galle funktioniert es ähnlich wie in dem mir deutlich bekannteren Gallapfel.
Es gibt eine Larven-Kammer, in der die Larve schlüpft und heranwächst, bis sie groß genug ist sich zu verpuppen. Im Mai/Juni befreit sie sich aus der Galle.
Die Tiere, die hier aus den Gallen fliegen, sind die Eichengallwespen, die wir vom Anfang kennen. Kleinere zweigeschlechtliche Wespen mit braunen Beinen, die sich dann einen Partner suchen, mit dem sie dann die nächste Generation der größeren, komplett schwarzen, nur weiblichen Wespen zeugen können.
Diese Wespen legen dann wiederum ihre Eier allein im Winter ab.
Und so läuft es jedes Jahr- wieder und wieder.
Das ist der Zyklus die Eichengallwespe Cynips quercus folii.

Beitrag und Zeichnungen von Jaro Haggége, Teilnehmer des FÖJs 2025/26 in der Waldschule Bucher Forst

Quellen:

H. Bellmann, M. Spohn, R. Spohn; 2018; „Faszinierende Pflanzengallen“; Quelle & Meyer Verlag GmnH & Co.
David Streeter, Richard Lewington; 1994; „Entdeckungsreise in die Welt der Eiche“; Kinderbuchverlag Luzern
Heiko Bellmann; 2009; „Der neue Kosmos Insektenführer“; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Dieter Scholz; 22.09.2025.; „So schädlich ist die Eichengallwespe“; Forst Praxis;
Ecosostenibile; 27.01.2023; „Cynips Quercusfolii“; Un Mondo Ecosostenibile
Marian J. Giertych, Andrzej M. Jagodzinski, Piotr Karolewski; 2013; „Spatial distribution of Cynips quercusfolii (Hymenptra: Cynipidae) galls on leaves and within the crowns of oak trees“;
Dr. Walter Rammner, Volk und Wissen Verlags GmbH 1947, Sammelbücherei Serie F Band 1„Verborgenes Leben“

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere (Sorbus aria), auch als Echter Mehlbeerbaum oder Elsbeere bekannt, ist ein bemerkenswerter Baum, der sowohl in der Botanik als auch in der Forstwirtschaft einen bedeutenden Platz einnimmt. Dieser Text beleuchtet die Herkunft, Verbreitung, Nutzungsmöglichkeiten und erklärt zudem warum es die Mehlbeere mehr als verdient hat Baum des Jahres 2024 zu werden.

Die auf dem Bild gezeigte Mehlbeere (rechts) stellt eine der wenigen in Berlin beheimateten Exemplare dar. Daher war es mir leider nicht möglich eigene Aufnahmen einer älteren und damit größeren Mehlbeere zu fotografieren.

Mehlbeere aus dem Späth-Arboretum

Herkunft und Verbreitung

Die Mehlbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist in Europa heimisch. Sie ist in weiten Teilen des Kontinents verbreitet, wobei ihr Verbreitungsgebiet von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den Kaukasus reicht. Besonders häufig findet man sie in den Alpen, den Pyrenäen und anderen Gebirgsregionen. Der Baum bevorzugt kalkreiche, trockene und sonnige Standorte und gedeiht gut auf felsigen Hängen und in lichten Wäldern.

In Deutschland ist die Mehlbeere vor allem in Süddeutschland verbreitet, wo sie in wärmeren und trockeneren Gebieten wie der Schwäbischen Alb, dem Frankenjura und dem Thüringer Becken zu finden ist. Sie gilt als Pionierbaumart, die sich auch auf kargen Böden behaupten kann und häufig in Mischwäldern anzutreffen ist.

Woran erkennt man eine Mehlbeere?

Die Mehlbeere ist ein mittelgroßer Baum, der eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichen kann. Sie zeichnet sich durch ihre rundliche bis eiförmige Krone und die graue bis braune, glatt bis schuppige Borke aus. Die Blätter sind eiförmig bis elliptisch, wechselständig und haben eine leicht ledrige Konsistenz. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und glänzend, während die Unterseite aufgrund dichter, weißer Behaarung mehlig aussieht, was der Mehlbeere ihren Namen gegeben hat.

Im Frühjahr, meist im Mai, bildet der Baum weiße, doldenartige Blütenstände, die aus zahlreichen kleinen Einzelblüten bestehen. Diese Blüten sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Im Herbst entwickeln sich daraus die charakteristischen Früchte – kleine, runde bis eiförmige Beeren, die anfangs grün und später leuchtend rot-orange gefärbt sind.

Wie vielseitig ist die Mehlbeere?

Die Mehlbeere hat eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten, die sie zu einem vielseitigen Baum machen. Historisch gesehen wurden ihre Früchte, die reich an Vitamin C und anderen Nährstoffen sind, in Notzeiten als Nahrungsmittel genutzt. Sie können roh verzehrt oder zu Mus, Marmelade, Saft oder Likör verarbeitet werden. Allerdings sind die Früchte im rohen Zustand leicht bitter und werden daher oft nach dem ersten Frost geerntet, da sie dann süßer und schmackhafter sind.

Sollte dich der Text zum Nachahmen ermutigt haben, ist hier ein kleines Rezept für die Herstellung von Mehlbeerenmarmelade.

In der modernen Küche finden die Früchte der Mehlbeere vor allem in regionalen Spezialitäten Verwendung. Als Beispiel hierfür lassen sich die getrockneten Mehlbeeren aus Afghanistan aufführen, welche als Delikatesse und vorranging während des Neujahrsfestes gegessen werden.
Zudem wird das Holz der Mehlbeere wegen seiner Härte und Feinkörnigkeit geschätzt. Es eignet sich gut für Drechslerarbeiten, Möbelbau und die Herstellung von Werkzeuggriffen.

Darüber hinaus hat die Mehlbeere auch einen hohen ökologischen Wert. Sie bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten, Vögel und Säugetiere. Ihre Blüten locken Bienen und Schmetterlinge an, während die Früchte im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel darstellen.

Warum ist die Mehlbeere so wichtig?

Die Mehlbeere ist nicht nur wegen ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten wertvoll, sondern spielt auch eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie dient als Pionierpflanze, die karge und gestörte Böden besiedelt und dadurch die Bodenbildung und -stabilisierung fördert. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem trägt zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Vermeidung von Erosion bei.

In der Landschaftsgestaltung wird die Mehlbeere wegen ihrer Robustheit und Anpassungsfähigkeit geschätzt. Sie ist relativ pflegeleicht, verträgt Trockenheit und ist resistent gegen viele Krankheiten und Schädlinge. Dies macht sie zu einer idealen Wahl für städtische Begrünungsprojekte, Parks und naturnahe Gärten.

Fazit

Die Mehlbeere ist ein vielseitiger Baum mit einer reichen Geschichte und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte, ihre ökologischen Vorteile und ihre attraktiven Blüten und Früchte machen sie zu einer wertvollen Bereicherung für Gärten, Parks und natürliche Landschaften. Mit ihren vielfältigen Verwendungszwecken, von der Nahrungsmittelproduktion bis zur Holzverarbeitung, ist die Mehlbeere ein wahrer Alleskönner unter den heimischen Gehölzen.

Ein besonderer Dank gilt zudem dem Späth Arboretum in Berlin-Baumschulenweg. Hier hatte ich zum Einen die Möglichkeit Bilder von der Mehlbeere machen zu dürfen und zum Anderen die Gelegenheit mich mit den zahlreichen weiteren Baum-/ und Pflanzenarten, welche das Späth Arboretum zu bieten hat auseinandersetzen.
Das Späth Arboretum ist sowohl am Mittwoch und Donnerstag als auch am Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr für Besucherverkehr geöffnet und ist eine persönliche Empfehlung für jeden Natur- und Pflanzenliebhaber.

Dieser Blogbeitrag wurde von Vincent Haubold (FÖJler 2023/2024) erstellt.

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Wilma Wusel entdeckt die Reste vom Feste

Hallo Du,

ist es dir auch schon aufgefallen? Zurzeit liegt in Berlin fast ein ganzer Wald auf den Straßen. Bestimmt sieht es in anderen Großstädten ähnlich aus.

Ja, nun ist Weihnachten vorbei und der zuvor festlich geschmückte Baum liegt zur Abholung bereit. Doch was passiert eigentlich mit den vielen Bäumen?

Ich fragte einen der fleißigen Männer, die die Bäume aufluden und erfuhr, dass diese uns demnächst Wärme und Strom geben, weil sie im Kraftwerk verbrannt werden.

‚Hmm‘ dachte ich., ‚Es gibt doch bestimmt auch noch andere Möglichkeiten, den Baum oder wenigstens einen Teil von ihm zu nutzen.‘

Da fiel mir ein, dass mein Opa Wusel aus alten Weihnachtsbäumen Quirle für die Küche geschnitzt hatte. Er hat mir dafür sogar eine Anleitung geschenkt! Ich las sie durch und bekam sofort große Lust, das mal selbst auszuprobieren.


Ich suchte mir also eine schöne Weihnachtsbaumspitze und knipste sie mit einer Rosenschere unter der ersten Verzweigung ab. Das sieht ja wie ein Propeller aus!

Dann kürzte ich die Spitze auf 15-17 cm und die Seitentriebe auf ungefähr 3 cm und schabte mit einem Schnitzmesser die Rinde von meinem zukünftigen Quirl ab.


Dieser muss nun trocknen, damit ich ihn mit Schleifpapier bearbeiten kann! Wenn er dann richtig glatt ist, soll ich den Quirl einmal abkochen. Das hat mein Opa Wusel empfohlen, um eventuelle Keime und den harzigen Geruch zu beseitigen.

Danach werde ich ihn an den Verzweigungen noch mit Speiseöl einstreichen und schon ist mein neuer Rührstock fertig! Der wird bestimmt auch so schön wie der von meinem Opa.

Und wenn ich dann den Teig für den Eichelmehlkuchen mit meinem eigenen Quirl anrühre, so wird mir dieser bestimmt besonders gut schmecken!


Weißt du eigentlich, dass man die Abzweigungen der Nadelbäume ebenfalls als Quirle bezeichnet und dass man daran auch das Alter der Nadelbäume bestimmen kann??

Es gilt:  1 Quirl = 1 Jahr. Da ein kleiner Nadelbaum noch keine sichtbaren Abzweigungen entwickelt, soll man zu den gezählten Quirlen noch 2-4 Jahre zuzählen und schon hat man das Alter des Nadelbaumes ermittelt. Der Baum auf der Zeichnung ist also 8-10 Jahre alt (6 Quirle plus 2-4 Jahre)



Versuche doch mal hier das Alter der Kiefer zu bestimmen! Achte aber darauf, dass der untere Quirl nicht mehr vollständig ist!

Hier ist die Lösung!


Wenn du jetzt mit deiner Familie, deinen Freund*innen oder auch allein in den Wald oder Park gehst, kannst du mit ihnen das Alter von weiteren Nadelbäumen bestimmen.

Bei alten Bäumen wird es aber ziemlich schwierig. Denn bei denen sind die unteren, also alten Verzweigungen, nicht mehr gut erkennbar. Sie sind nur noch dunkle Stellen und Buckel an der Rinde. Trotzdem lohnt es sich, diese knifflige Aufgabe anzugehen…

VIEL SPASS UND ERFOLG!

Zu guter Letzt ein kleines Video zum Nachmachen:

Wilma Wusel pflanzt einen Baum

Wilma Wusel pflanzt einen Baum

Ich sitze unter einer schönen kleinen Buche, die vor ein paar Jahren von einem Kind gepflanzt wurde. Sicher fragt ihr euch, wieso wir in den Wald zum Bäume pflanzen gehen. Wachsen die dort nicht von alleine?

Hier ist die Erklärung: Die kleine Buche wurde in einen Kiefernreinbestand gepflanzt. Es standen auf der Fläche also nur Nadelbäume. So wie auf diesem Bild.

Doch jetzt wachsen in dem Wald viele kleine Buchen und in einiger Zeit wird es ein Wald sein, in dem Nadel- und Laubbäume gemischt stehen. So ein Mischwald bietet unterschiedliche Lebensräume und ist zum Beispiel besser gewappnet gegen Borkenkäfer oder Wetterextreme.

Ich freue mich besonders, wenn aus Eicheln oder Bucheckern kleine Laubbäume nachwachsen, aber ich helfe auch gerne ein bisschen nach, an Stellen, wo kaum Eichen oder Buchen stehen. Egal ob gekeimt oder gepflanzt, wer Bäume liebt, braucht viel Geduld!

Heute will ich euch mal erklären, wie man einen Baum pflanzt, so dass er eine gute Chance hat, groß und stark zu werden.

Wir haben letztes Jahr kleine Eichen und Buchen gekauft, die schon drei Jahre in einer Baumschule lesen und schreiben gelernt hatten. Nee, Baumschule heißt es nur. Da werden Eicheln oder Bucheckern ausgesät und nach einem Jahr in Reihen auseinandergepflanzt, das nenne man dann tatsächlich verschulen. Nach ein paar Jahren werden sie wieder ausgegraben und dort hingebracht, wo sie endgültig zu Bäumen heranwachsen sollen.

Jetzt haben wir die Pflanzen mit den bloßen Wurzeln auf unserer Pflanzfläche. Sie sind in Tüten gepackt, denn gerade die kleinen Wurzeln sind sehr empfindlich und dürfen nicht austrocknen.

Bevor wir die Bäumchen aus der Tüte nehmen dürfen, muss das Pflanzloch und alles andere perfekt vorbereitet sein. Ich zeige euch, wie es geht:

Zunächst werde ich einen guten Platz für mein Bäumchen aussuchen. Nicht zu nah einen großen Baum, denn er braucht ja Licht und Wasser.

Dann geht es los. Wir benutzen zum Pflanzen einen Pflanzspaten. Der ist sehr praktisch, denn man kann damit ein Loch aus dem Boden ausstechen. Und wenn alles gut geht, dient der Pfropfen im Spaten wieder zum Schließen des Pflanzlochs. Vor dem 1. Spatenstich schiebe ich das Laub oder was sonst den Boden bedeckt etwas zur Seite. Damit keine Blätter oder ähnliches in das Loch fallen und dadurch später Hohlräume entstehen.

Ganz wichtig ist, dass das Pflanzloch tief genug ist, denn die kleine Baumwurzel soll unten nicht geknickt werden. Sonst verbraucht der Baum die ersten Jahre viel Energie, damit alles wieder in die richtige Richtung wächst.

Als nächstes teste ich, ob das Loch passt, dafür darf das Bäumchen aus der Tüte. Wenn das Loch nicht tief genug ist, helfe ich mit der Pfote nach. Die Profis benutzen dafür natürlich den Spaten. Vom Wurzelhals bis zu Wurzelspitze muss alles gerade nach unten in das Pflanzloch reinpassen.

Wenn es passt, kommt der große Moment. Ich halte den Baum fest, so dass er gegen die Wand des Loches lehnt. Der Pflanzpfropf kann das Loch wieder schließen, die Bodenschichtung bleibt intakt.

Der kleine Baum wird so leicht zwischen der Wand des Pflanzlochs und dem Pflanzpfropf eingeklemmt. Die Wurzeln brauchen Kontakt zum Boden, damit sie Wasser und Nährstoffe aufnehmen können und um besser in die neue Umgebung ein zu wachsen. Damit das klappt, wird das Bäumchen noch vorsichtig festgetreten. Dabei darf man die noch dünne Rinde auf keinen Fall verletzen.

Wichtig ist zum Abschluss noch die Zweifingerprobe. Da wird mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig getestet, ob das Bäumchen feststeckt. Das lasse ich lieber ein Kind machen. Mit meinen Pfoten geht es nämlich schlecht.

Dann bekommt die kleine Buche noch viele gute Wünsche wie zum Beispiel: genug Wasser, genug Sonne, einen guten Platz im Kronendach. Und natürlich bekommt der Baum einen schönen Namen.

Bald geht es wieder los. Ich darf wieder mit Kindern Bäume pflanzen! Sobald Vegetationsruhe ist, das heißt, wenn die Bäume alle Blätter verloren haben und für den Winter bereit sind, wird gepflanzt!

Dieses Jahr ist die Buche ja Baum des Jahres, da werden wir viele Buchen pflanzen. Vorher wird noch ein Zaun um die Fläche gebaut, damit nicht im Winter die hungrigen Rehe alle wichtigen Knospen abfressen, denn dann wird das nichts mit der großen kräftigen Buche in 100 Jahren.

Wir pflanzen die Bäume für unsere Kinder, Enkel und Urenkel und für die Tiere, die ganze Natur und unser Klima!

Probiert doch mal eine Eichel oder Buchecker einzupflanzen. Um zu beobachten, wie ein kleiner Baum wächst, funktionieren auch Kastanien prima. Manchmal findet man sogar Eicheln, aus denen schon kleine Wurzeln herauswachsen, dann Vorsicht, dass sie nicht abbrechen. Diese Baumsamen brauchen nur Erde, Wasser und irgendwann Licht zum Wachsen. Ihr könnt das dieses Jahr super ausprobieren, denn es gibt viele Eicheln und Bucheckern.

Ach und Eicheln und Bucheckern sind ja meine absolute Lieblingsspeise, da muss ich mich immer bremsen, dass auch welche liegen bleiben um groß zu werden, aber hier ein Tipp für Euch: Rohe Eicheln enthalten viele Gerbstoffe, die könnt ihr nicht essen! Aber Bucheckern schmecken auch für Menschen sehr lecker! Nur auch da nicht zu viele roh essen!


spannende Links

Wo kommen die Samen her und wie geht es los in der Baumschule
(Link zu kinder.wdr.de)

Ein Baum wird gefällt
(Link zu wdrmaus.de)

Was wird aus dem gefällten Baum?
(Link zu wdrmaus.de)

Wie pflanze ich eine Eiche?
(Link zu kruschel-kinder.de)

Warum macht es Sinn Bäume zu Pflanzen?
(Link zu Naturdetektive.bfn.de)

Informationen für Erwachsene
(Link zu Utopia.de)

Hier könnt ihr bei richtigen Pflanzeinsätzen mitmachen
(Link zu berwaldprojekt.de)


Detektivblatt „ein Wald beginnt“

Wilma Wusel entdeckt Knospen

Wilma Wusel entdeckt Knospen

Eine Maus in ihrem Versteck

Hallo du,

neulich war ich wieder mal im Wald unterwegs. Leider lag kein Schnee, doch auf einmal raschelte etwas im Laub. Ich schlich mich ran, denn ich wollte das Tier aufspüren. Im Fuchsgang (Link zu youtube) konnte ich mich ganz leise im Unterholz bewegen  und da entdeckte ich sie!

Eine kleine Maus war in ein Loch gehuscht und schaute mich daraus mit ihren Kulleraugen an.
Sie hatte bestimmt nach Eicheln oder Bucheckern gesucht, um ihren Hunger stillen zu können.

Ich wollte sie nicht weiter stören, deshalb schlich ich leise zurück. Da passierte es, denn ich piekste mich an einem Zweig.

Den schaute ich mir natürlich genauer an:  Waren das Stacheln oder Dornen, die mich ärgerten? Nee, so spitz wie die Dornen der Robinie waren diese nicht. Und abbrechen, wie die Stacheln vom Hagebuttenstrauch ließen sich die spitzten Dinger auch nicht. Hmm???

Wilma schaut sich den Buchen-Zweig genauer an.
Der Lindenzweig hat auch Auswüchse.

Ich schaute mich um, und da fiel mir auf, dass auch noch andere Zweige solche Auswüchse hatten, die aber ganz unterschiedlich aussahen. Sie hatten sogar verschiedene Farben: schwarz, grün, braun.

Ich überlegte: Sind das etwa die Knospen, aus denen im Frühling die Blätter wachsen? Und wenn sie so unterschiedlich aussehen, dann sind diese bestimmt auch von verschiedenen Baumarten.

Das wäre ja toll, dann brauch ich gar nicht zu warten, bis die Blätter wachsen, um den einen oder anderen Baum erkennen zu können.

Beim Ahorn sehen sie wieder ganz anders aus.

Zunächst dachte ich mir aber eigene Namen aus: Zickzackzweig, Zipfelmützenknospe, Tropfenknospe.
Na, kannst du diese Namen den Zweigen zuordnen?


Nun wollte ich es aber genau wissen und wieder einmal halfen mir Bestimmungsbücher weiter.

Tatsächlich! So vielfältig wie die Blätter einzelner Baumarten aussehen, so unterschiedlich sind auch die Knospen! In einem der Bücher fand ich eine coole Tabelle, wie ich die verschiedenen Knospen einordnen kann.
Aha, meine Tropfenknospe ist also von einer Kastanie…

Nun interessierte mich, was in einer Knospe ist und ich öffnete eine Buchenknospe.
Ich entfernte ganz vorsichtig Schuppe für Schuppe und siehe da, mit der Lupe und etwas Phantasie konnte ich bereits die kleinen Buchenblätter erkennen, welche auf den Frühling warten.

Ich hatte auch noch einige Spielideen:

Ich nahm mir einen Zweig aus meinem Zweigehaufen und versteckte die anderen Zweige unter einem Tuch. Nun versuchte ich unter dem Tuch den gleichen Zweig zu ertasten, der vor mir lag. Und es klappte prima- ich hatte nur einen Fehlversuch! 🙂

Darauf hin machte ich es mir noch schwerer – ich verband mir meine Augen und griff aus dem Zweighaufen ein Stück heraus und fühlte seine Besonderheiten mit der Wange. Ups, der Buchenzweig piekste ganz schön…

Diese und noch andere Spiele machen bestimmt zu zweit oder mit mehreren viel mehr Spaß, deshalb werde ich für meinen nächsten Spielenachmittag noch ganz viele Zweige sammeln.

Im Winter finden oftmals Baumfällungen im Wald und auch Baumpflegearbeiten auf dem Schulhof oder im Park statt. Dort werde ich gewiss viele Zweige zum Spielen finden.
Wenn du auf deiner nächsten Waldtour Kronenteile am Wegesrand entdeckst oder du noch Äste im Park findest, so schneide dir doch auch ein paar Zweige ab. Dann kannst du auch die Knospen erforschen und Tast- und Ratespiele machen.

Und nach dem Forschen und Spielen kannst du die Zweige ins Wasser und an einen hellen warmen Ort stellen. Dann hast du bald den Frühling im Haus. Das wird bestimmt spannend, ob und wie sich die einzelnen Knospen öffnen.
Ja, Winter macht Spaß, auch ohne Schnee!!!


Knospenbestimmung

https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/zweige

https://www.pflanzen-vielfalt.net/bestimmen-sammeln/baumbestimmungshilfe/knospenbestimmung/

https://www.suz-mitte.de/pdfs/naturforscher/winterbaum/fb20a_Knospen.pdf

Knospenquiz

https://www.geo.de/natur/naturquiz/20987-quiz-bilderquiz-erkennen-sie-den-baum-seiner-knospe


Detektiv- und Rätselblätter zum Ausdrucken

Blick in Blätterdach einer Buche

Die Buche – Baum des Jahres 2022

Die Buche (Fagus sylvatica)

Die Buche ist der Baum des Jahres 2022 !

Ein Grund mehr, der Mutter des Waldes über ihre silbergraue glatte Rinde zu streicheln. Diese ist im Verhältnis zu Rinden anderer Bäume ziemlich dünn. Bei intensiver Sonneneinstrahlung kann das für den Wassertransport von Wurzel zur Krone schon mal problematisch werden.

Deshalb schützt sich die Buche mit einem großen Blätterdach vor Austrocknung, was wiederum auch uns an heißen Sommertagen zugute kommt. So ein Päuschen am Stamm einer Buche wird dann zu einer kühlen Wohltat. …und erst der Blick am Stamm hinauf in die hohe Krone! Mit einer Wuchshöhe von 30 bis 35 Metern werden Rotbuchen stattliche Bäume. Ihr maximales Alter liegt bei 300 Jahren.

Die Blätter sind eiförmig und am Blattrand leicht beharrt. Jung sind sie essbar, genauso wie die Samen der Buche, die Bucheckern. In jeder Fruchthülle finden sich zwei dreieckige Nüsse. Sie enthalten bis zu 20% Öl und sind sehr gesund. Zuviel solltest du aber nicht naschen, denn der enthaltene Wirkstoff Fagin kann zu Vergiftungserscheinungen führen. Alle fünf bis acht Jahre tritt bei der Buche ein sogenanntes Mastjahr auf, in dem die Bäume Unmengen ihrer Früchte zu Boden fallen lassen.

Eine ausgewachsene Buche bildet eine riesige Blattoberfläche. Mit ihrem reichen Laubfall und der Duchwurzelung tiefer Bodenschichten sorgt sie für eine gute Bodenqualität in ihrer Umgebung. Daher wird sie von den Förstern auch oft als „Mutter des Waldes“ bezeichnet. Sie ist in ganz Mitteleuropa heimisch und natürlicherweise wäre der größte Teil Deutschlands von Buchen und Buchenmischwäldern bedeckt.

Buchecker

Die Buche verträgt viel Schatten, nur Tanne und Eibe verkraften noch mehr. Das macht sie zu einem beliebten Baum für den Unterwuchs beim Waldumbau von Monokulturen zu naturnahen Mischwäldern. Zu trocken oder zu nass darf der Boden allerdings nicht sein, im dauerfeuchten Auwald kannst du Buchen lange suchen. Frische und basenreiche, gut durchwurzelbare Böden sind ihr bevorzugtes Zuhause. Unter den mächtigen Baumriesen blühen vor dem Laubaustrieb Frühblüher wie Buschwindröschen, Seidelbast, Leberblümchen und Lungenkraut. Auf feuchteren Standorten gedeihen der Lerchensporn und der leckere Bärlauch.

LEBERBLÜMCHEN
BUSCHWINDRÖSCHEN
LUNGENKRAUT

Die Flora ist vielfältig, aber die Fauna noch zahlreicher!

Rund 7000 Tierarten, davon über 5000 Insekten, sind auf den Buchenwald angewiesen. Ein häufiger Vertreter ist der sogenannte Buchenstreckfuß. Die Raupe des unscheinbaren Nachtfalters ist wunderschön und leicht an ihrem roten Schwanz zu erkennen. Deshalb wird der Falter auch Buchenrotschwanz genannt.

Gerade Schnecken fühlen sich in einem Buchenwald aufgrund des feuchten Innenklimas besonders wohl und so kriechen an die 70 Arten durch einen Buchenwald. Ganz schön schleimig…


Besonders in absterbenden Buchen tobt das Leben…

Zeichnung Schwarzspecht

Stehendes und liegendes Totholz bietet Lebensraum für über 250 Pilzarten und allerlei Käfer, wie zum Beispiel dem Buchenbock oder dem Kopfhornschröter. Wo Käfer vorkommen, sind auch die Vögel natürlich nicht weit! Schwarzspechte zimmern große ovale Höhlen, um zu brüten. Die Hohltaube zieht anschließend gerne als Nachmieter ein und auch Fledermäuse freuen sich über ein geeignetes Sommer- oder auch Winterquartier.

Die Kohlmeise, der Waldlaubsänger und Zwergschnäpper lieben alte Buchenwälder und natürlich auch ein Vogel, der seinen Namen von der Buche bekam, der Buchfink.

Spechtflöte

Der Erhalt von noch verbliebenden naturnahen Buchenwäldern ist für den Biotopschutz enorm wichtig. Somit sind Buchenwaldgesellschaften in die FFH Richtlinie aufgenommen worden und seitdem einem besonderen Schutz unterstellt.

Da ein alter Buchenwald auch weltweit ein sehr wertvolles Naturgut darstellt, wurden die letzten ihrer Art als UNESCO- Weltnaturerbe ausgewiesen. In Deutschland gibt es sogar fünf solcher Wälder, die diesen Status erhalten haben: der Serrahner Urwald und der Nationalpark Jasmund in Mecklenburg- Vorpommern, der Grumsiner Forst in Brandenburg,der Nationalpark Hainich in Thüringen undder Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen.


Der Baum der Ahnen



Die Rotbuche hatte schon bei den Kelten eine wichtige Bedeutung.

Druiden nutzten Stäbe von der Buche wegen ihrer glatten Rinde, um Schriftzeichen (Runen) einzuritzen. Sie brauchten solche Buchenstäbe für Weissagungen. Die Zeremonien für derartige Orakel sollen sich folgendermaßen zugetragen haben: Die Druiden nahmen die Buchenstäbe und ließen sie auf einem heiligen Tuch wie ein Mikado fallen. Dann zogen sie je nach Fragestellung bzw. Thema mehrere dieser Stäbe auf und deuteten die Konstellation für den Blick in die Zukunft.

Auf dieses Ritual ist wahrscheinlich die Bezeichnung unserer Schriftzeichen zurückzuführen: „BUCHSTABE“!

Leider führen viele Unwissende diese „Tradition“ auch heute noch fort und hinterlassen ihre Initialen in der Buchenrinde. Damit schaden sie dem Baum, denn durch die Rindenverletzung können Pilzsporen eindringen, die dann Zersetzungsprozesse in Gang bringen.

Das erste „BUCH“ bestand übrigens aus zusammengehefteten Buchenholztafeln, deshalb sprechen wir auch heute noch von Büchern, wenn wir gebundene Schriftstücke meinen.

Doch nicht nur Alltagsgegenstände wurden nach der Buche benannt, auch die Namen von ca. 1.500 Ortschaften in Deutschland zeugen von der ursprünglichen Ausbreitung und Häufigkeit der Rotbuche. Wohnst du vielleicht auch in solch einem Ort? Nicht zuletzt weisen auch viele Familiennamen wie Buchholz, Buchmann oder Bucheit auf die ehemalige Verbundenheit der Menschen mit dem schönen alten Baum hin.

Um ganz genau zu sein, heißt er aber Fagus sylvatica, die Rotbuche. Aber warum eigentlich rot? Tatsächlich zeigt sich im frischen Buchenholz eine rötlich-weiße Farbe. Es besitzt eine hohe Härte und ist wenig elastisch. Daher findet es bis heute unter anderem Verwendung für die Herstellung von Werkzeugen, Möbeln, Holzspielzeugen, Parkett und im Treppenbau.


Buchenholz als Rohstoff

Buchenholz verfügt über einen hohen Brennwert. Das wussten bereits unsere Vorfahren, die in vielen Köhlereien Holzkohle für die Erzverschmelzung herstellten, sowie auch die Holzasche für die Produktion von Glas benötigten. Dieser damalige Raubbau in unseren Wäldern ist einer der Gründe, warum heute viele Waldflächen in Deutschland von Monokulturen geprägt sind und nur noch wenige alte Buchen vorhanden sind.

Heute wird Buchenholz immer noch zu hochwertiger Holzkohle verarbeitet und Buchenspäne sind nach wie vor für die Produktion von Räucherware (z.B. Fisch, Schinken) sehr begehrt. Für den Außenbereich ist das Holz der Buche ohne Schutzbehandlung nicht geeignet, da es besonders anfällig für Pilzbefall ist. Schwächeres Buchenholz wird in der Zellstoff- und Papierindustrie, als auch für Span- und Faserplatten verwendet.


Wie geht es der Buche heute im Rahmen des Klimawandels?

Aufgrund der intensiven Trockenjahren (2018, etc.) sind die tieferen Bodenwasserspeicher erschöpft. Die Bäume können nicht genügend Feinwurzeln nachbilden, welche für eine gute Wasserversorgung essentiell sind. Weniger Feinwurzeln senken zudem die Symbiose-Wahrscheinlichkeit mit Mykorrhizapilzen, was letztendlich zu einem Absterben beider Partner führen kann. Auch im oberen Teil des Baumes ist der Trockenstress erkennbar: spärliches Laub, Kronenverlichtungen, abgestorbene Kronenteile und viele Grünabbrüche.

Der Klimawandel fördert außerdem neue Baumkrankheiten. Bei der Buche vermehrt sich der sogenannte Buchenschleimfluss, welcher viele Symptome auf sich vereint und daher als Komplexkrankheit eingeordnet wird.

Vielerorts werden wohl die Buchen auf kärgeren Standorten verschwinden und von trockenresistenteren Baumarten (z.B. Traubeneiche, Winterlinde) abgelöst. Nach wie vor ist die Buche jedoch eine wichtige und unverzichtbare Baumart im Rahmen des Waldumbaus, vor allem in Mischbeständen. So werden vielerorts Pflanzaktionen durchgeführt, um die vielen Kiefern- und Fichtenmonokulturen mit Laubbaumarten zu durchmischen. Dabei spielt die Rotbuche eine wichtige Rolle!

Demzufolge dient die „Mutter unserer Wälder“ als Hoffnungsträgerin, welche dem Wald und uns allen Zuversicht spendet und Heimat gibt! Diese Aspekte waren vielleicht auch ausschlaggebend, dass die Rotbuche von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung bereits zum zweiten Mal zum BAUM DES JAHRES gewählt wurde.

Falls du Interesse hast, als Freiwillige*r an Pflanz- und Waldpflegeprojekten teilzunehmen, bist du beim Bergwaldprojekt e.V. an der richtigen Adresse. Hier ein paar Impressionen von einer Pflanzaktion 2021 am Gorinsee.


Baumsteckbrief Buche
(link zu Wald.de)

Die Buche als Heilpflanze
(Link zu VorsichtGesund.de)