Baumgesichter

Baumgesichter
oder
Eine ungewöhnliche Begegnung mit Bäumen

Bereits im ersten Lockdown waren die Kulturschaffenden zum Nichtstun verdammt.  Ihr Elan, ihre Kreativität und Phantasie waren ausgebremst worden und deshalb suchten viele die erwachende Natur als Ausgleich und Inspirationsquelle.

Spencer guckt in die Luft…

So kam es im letzten Frühjahr zu folgender Begegnung:

Zwei Ensemblemitglieder des Theaters Pforzheim trafen sich im Stadtpark.
Der Eine ging auf sehr ungewöhnliche Art von Baum zu Baum, darauf meinte der Andere: „Hey Spencer, heißt deine nächste Hauptrolle Hans, guck in die Luft?“ Die Antwort kam prompt: „Schön wär’s! Nee, ich kann hier ganz viele skurrile Baumwesen entdecken. Schau mal hier!“

Sein Kollege folgte dieser Einladung und seitdem kann man im Stadtpark des Öfteren zwei Männer beobachten, die ihre Blicke gen Himmel richteten und somit so manche originelle Baumbegegnung hatten.

…und entdeckt Baumgesichter

Besagter Spencer frönt seinem Hobby schon seit Jahren und veröffentlicht seine „Baumgesichter“ auf der homepage: www.spencermason.de

Hier können Sie auch etwas über seine Person, Motivation und Arbeitsweise erfahren.

Folgendes haben wir von seiner Website entnommen:

VIVIEN SIGMUND ÜBER SPENCER MASONS BAUMGESICHTER

„Manchmal schaut man eine Fotografie von Spencer Mason an und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Da starrt man auf ein Blättergewirr, das sich fröhlich auf der Bildfläche ausbreitet, ungezähmt, nur seiner eigenen Ordnung gehorchend,…
…Und endlich… macht es klick und wie bei einem Vexierbild starrt man gebannt in ein Gesicht, das sich aus dem Wirrwarr herauskristallisiert hat.

Da formieren sich Blüten oder Blätter zu Augen, Zweigchen zeichnen eine feine Nasenlinie nach, Gestrüpp sprießt mit einem Mal auf Köpfen, Astgäbelchen konturieren Wangenknochen.
Ganz unprätentiös nennt Spencer Mason seine Fotografien denn auch „Baumgesichter“ und vage fühlt man sich an das Mondgesichtprinzip erinnert: Punkt, Punkt, Komma, Strich…
…Es gibt Alte und Junge, Große und Kleine, Comicartige und Abstrahierte, Picassos und Piktogramme, Zarte und Kräftige, Deutliche und Versteckte…

…Der Blick nach oben vermag es, ganz gegenläufig den smartphonegegängelten Bürger zu erden, herunterzuholen aus der atemlosen Hektik des Alltags. Vielleicht beantwortet das, zusammen mit der Tatsache, dass Mason über 700.000 Bilder pro Jahr schießt, die Frage, ob Spencer Mason je nach unten blickt beim Laufen. Er tut es nicht. Er hat sogar Plastiküberzieher für seine Schuhe in der Fototasche, um nicht auf die allzu profanen Hundehaufen achten zu müssen. Denn die können einen auch herunterholen. Auf den Boden der Tatsachen allerdings nur…“


Wir möchten Sie hiermit anregen, auf dem nächsten Spaziergang durch den Park oder Wald Ihren Blick zu schärfen und den Blickwinkel zu ändern, um somit mal ganz andere Eindrücke erhalten zu können.

Solch ein Perspektivwechsel tut in jedem Falle gut, so lenkt er vom Alltag ab, regt die Phantasie an und verleitet zum Austausch mit anderen. Ganz gewiss kann er aber ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das ist zwar in der Zeit der Masken nicht immer sichtbar, aber besonders wohltuend…


Spencer Mason

Pilze – Wer oder Was seid ihr eigentlich?

Pilze – Wer oder Was seid ihr eigentlich?

Ein eigenes Reich

Was haben Ochsenzunge, Schweinsohr und Ziegenbart gemeinsam? Keine Ahnung?

Diese skurrilen Namen beschreiben oft bizarre Formen und Farben von wundersamen Organismen, die allgegenwärtig unter uns sind. Zugegeben sind Frauentäubling und Austernseitling vielen unter uns bekannter und spätestens bei Maronen, Pfifferlingen und Champignons lüftet sich der Schleier.

Willkommen im Reich der Pilze! Ein eigenes Reich? Ja, und das vollkommen zurecht! Lange genug waren Pilze im Reich der Pflanzen eingegliedert, da sie wie Farne auch Sporen für ihre Vermehrung nutzen. Jedoch fehlt Pilzen das Blattgrün und so können sie keine Photosynthese betreiben. Sie müssen also fressen!

Aufgrund ihrer Ernährungsweise stehen sie den Tieren also viel näher und neueste DNA-Forschungen bestätigen dies.

Pilze – ein eigenes Rech (von Rita Lüder)

Was wir manchmal bei einem Waldspaziergang an der Oberfläche entdecken können, sind nur die Früchte eines weitaus größeren Lebewesens. Der eigentliche Pilz lebt die meiste Zeit für unsere Augen versteckt im dunklen Untergrund oder in den verschiedensten Substraten.

Myzel an Holz und Laub

Auf der Suche nach Nahrung wächst das vernetzte spinnenwebenartige weiße Geflecht (Myzel), welches den eigentlichen Pilz bildet, stetig weiter, teils bis zu gigantischen Ausmaßen. Wie zum Beispiel im Bundesstaat Oregon. Im Malheur National Forest ist der dunkle Hallimasch mit einem Alter von ca. 2400 Jahren und einer Ausdehnung von 9 km² das größte Lebewesen der Erde.

Pilze besitzen im Gegensatz zu Tieren keine Zellmembran, sondern eine hauchdünne aber feste Zellwand. Der komplexe Stoff Chitin, aus dem auch Insektenpanzer bestehen, verstärkt diese. Innerhalb einer jeden Zelle finden sich zwei haploide Zellkerne, also Zellkerne mit je einem einfachen Chromosomensatz. Ganz schön eigen oder?

Recyclingspezialisten, Feinschmecker, Mediziner und Ingenieure

Ein harter Auftrag? Kein Problem für die Zersetzerpilze (Saprobionten), denn sie sind für alles gerüstet.

So hat jeder eine andere Vorliebe. Tote Pflanzen, Früchte, Samen, Insekten, ja sogar Säugetiere und deren Hinterlassenschaften. In der Natur findet alles einen Abnehmer!

Dabei zerlegen Pilze unterschiedliche komplexe organische Verbindungen mit Hilfe von Säuren und Enzymen die sie über hauchdünne Zellfäden (Hyphen) absondern. Die Nahrung wird äußerlich vorverdaut und dann durch Osmose zu sich genommen. Dabei entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser. Mit den gewonnenen Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten bauen sie ihren Körper auf und wachsen weiter und weiter.

Holzzersetzer zaubern dabei verschiedene Farben ins Holz und manche von ihnen spalten neben Cellulose sogar den komplexen Stoff Lignin.

Kreislauf des Lebens (von Rita Lüder)

Vor etwa 360 Millionen Jahren lagerte sich dieser Stoff in der pflanzlichen Zellwand ein und bewirkte dadurch ein Verholzen der Zelle, was wiederum zu Druck und Standfestigkeit führte. Damit waren Pflanzen zum ersten Mal in der Evolution befähigt, in die Höhe zu wachsen.

Und wenn sie einmal fallen, dann räumt ja zum Glück jemand auf! Da Pilze alles Organische verwerten und in seine Bestandteile zerlegen können, schaffen sie optimale Bedingungen für neues Leben. Sie ernähren andere Mitglieder des Ökosystems und sind somit ein unersetzbares Bindeglied im ewigen Stoffkreislauf.

Ihr Appetit auf allerlei Organisches wird im professionellen Pilzanbau sehr geschätzt und sie bereichern unsere Speisekarte: Während Austernseitlinge auf Stroh und Holzschnipseln gut gedeihen, fühlen sich Kultur-Champignons in Pferdemist besonders wohl.

Aber auch Heil- und Medizinalpilze wie Shitake, Reishi und viele andere werden auf verschiedenen Substraten angebaut und können unser Immunsystem stärken und Heilungsprozesse unterstützen. Durch ihre chemisch komplexen und hochwirksamen Verbindungen werden Heilpilze beispielsweise begleitend bei Krebstherapien eingesetzt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind sie seit Jahrtausenden hoch geschätzt.

Austernseitlinge auf Stroh

Auch in unseren Breiten lassen sich hervorragende Heilpilze unter den Zersetzern finden. Während der Birkenporling bei Magen-Darm-Beschwerden Linderung verschafft, stärkt die Schmetterlingstramete das natürliche Immunsystem, indem sie die Aktivität der natürlichen Killerzellen erhöht.

Da Pilze wahre Recyclingspezialisten sind, werden sie von Wissenschaftlern außerdem im Rahmen der biologischen Sanierung angewandt. Kontaminierte Böden oder Gewässer können nach Umweltkatastrophen durch Pilze bereinigt werden, indem sie giftige Verbindungen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) zu unschädlichen Substanzen abbauen.

„Parasiten“ oder Wächter des Ökosystems?

Hallimasch

Bestimmte Pilze gefährden aber auch das Leben ihrer Wirtsbäume. So sind beispielsweise für viele der Zunderschwamm oder der Hallimasch gefürchtete Pilze, da sie in und an lebenden Bäumen wachsen und diese zersetzen.

In der Natur spielen sogenannten „Parasiten“ eine wichtige Rolle in der Regulation von Ökosystemen. Nicht angepasste und/oder durch Umwelteinflüsse geschädigte Individuen werden mit Hilfe diese Pilze aus dem Ökosystem entfernt. So sehen wir manche Saprobionten oft missverständlich als parasitär an.

Denn sie nützen andere Lebewesen, da ein in im Zerfall stehender Baum letztendlich mehr Lebewesen Nahrung sowie ein Zuhause bietet als ein vitaler.

Wir Menschen nehmen die Rolle von Zunderschwamm und Hallimasch aus der ökonomischen Perspektive oft ganz anders wahr. Jährlich entstehen in der Forst- und Landwirtschaft Milliardenschäden durch pathogene Pilze.

Jedoch sollten wir immer im Auge behalten, dass sich die sogenannten „Krankheitserreger“ vor allem in solchen Systemen ausbreiten, welche sich im Ungleichgewicht befinden und nicht an den jeweiligen Standort angepasst sind.

Hier können Pilze ein natürliches Gleichgewicht wiederherstellen und sind unbestreitbar die Grundlage für neues Leben. Der gefürchtete Hallimasch im Malheur National Forest in Oregon verrichtet vielleicht einfach nur seine Aufgabe?

Letztendlich bieten diese Pilze auch eine neue Chance für die Entwicklung eines intakten Ökosystem, indem sich Pflanzengesellschaften ansiedeln, welche mit den Standortbedingungen besser zurechtkommen

Zunderschwamm an Birke

Innige Partnerschaft

Eine weitere Gruppe von Pilzen hat sich eine andere Taktik überlegt, um an den lebenswichtigen Zucker zu kommen. Sie besitzen zwar auch Enzyme und Säuren, mit denen sie Organisches zerlegen können, bauen aber zusätzlich auf einen starken Pflanzenpartner.

Dabei verbindet sich das unterirdische Fadengeflecht mit den Feinwurzeln der Bäume. Ungefähr 90 % aller Pflanzen sind im wahrsten Sinne des Wortes vernetzt und profitieren von dieser Symbiose, der sogenannten Mykorrhiza (altgr. mýkēs, Pilz und rhiza, Wurzel).

Dies ist keine neue Überlebensstrategie. Bereits vor 460 Millionen Jahren gingen Pilze mit den ersten Landpflanzen eine innige Beziehung ein. So fand man in fossilisierten Wurzeln von Bärlappgewächsen und auch in der Gattung der Urfarne erste gesicherte Beweise einer Mykorrhiza. Somit hat diese symbiotische Beziehung den Landgang der ersten Pflanzen wohl überhaupt möglich gemacht.

Mykorrhiza – Partnerschaft zwischen Baumwurzel und Pilz (von Rita Lüder)

Um den richtigen Lebenspartner ausfindig zu machen und Heiratsschwindler auszuschließen, kommunizieren die beiden Partner vorab durch den Austausch von Hormonen und besonderen Molekülen. Stimmt alles, treffen beide Partner wichtige Vorbereitungen und es kommt zur einvernehmlichen Vereinigung.

Dabei unterscheidet man zwei Arten. In mitteleuropäischen Wäldern ist die häufigste Form die  Ektomykorrhiza. Dabei umschlingt das Hyphengeflecht die Feinwurzeln der Bäume mantelartig und verzweigt sich zusätzlich zwischen den Wurzelzellen der Rinde. Noch inniger geht es bei der Endomykorrhiza zu. Hierbei darf die hauchdünne Pilzhyphe sogar bis in die Wurzelzellen hineinwachsen und bildet bäumchenartige Strukturen aus.

Das Tauschgeschäft

Doch was für Vorteile ziehen die beiden Partner aus der innigen Beziehung?

Indem Pilze mit ihren feinen Hyphen bis in die kleinsten Poren des Erdreichs vordringen, vergrößern sie die potentielle Wurzeloberfläche ihres Partners um das Vielfache. Das lebenswichtige Nass und die begehrten Nährstoffe übergeben sie dann ihrem Pflanzenpartner. Symbiotische Pilze unterstützen also das Wachstum ihrer Partner durch eine gute Versorgung, was sich wiederum auf deren Gesundheit positiv auswirkt und das Immunsystem stärkt.

Zudem bildet der Pilz eine Art Barriere vor vielen Krankheiten und kann sogar schädliche Stoffe wie Schwermetalle oder andere Umweltgifte herausfiltern. Ganz schönes Komplettpaket, oder?

So beträchtliche Dienstleistungen wollen natürlich gut honoriert werden. Bis zu 25 Prozent der produzierten Glukose erhält der Pilz für seine Bemühungen. Energie, die der Pilz für seinen Stoffwechsel und Zellaufbau gut gebrauchen kann.

Auf diesen attraktiven Tauschhandel gehen übrigens etwa ein Drittel der 6000 Großpilze in Deutschland ein. Alle Röhrenpilze, wie zum Beispiel Steinpilze oder Maronen, und viele essbare als auch giftige Blätterpilze (Fliegenpilze, Knollenblätterpilze) pflegen so eine Partnerschaft.

Vor allem Nadelbäume auf nährstoffarmen Standorten freuen sich über einen innigen Austausch. Wie herrlich, Zusammenleben kann so schön sein!

Ein bisschen Abwechslung in der Beziehung darf es übrigens auch geben, denn oft besitzt ein Baum gleich mehrere Pilzpartner!

Mykorrhiza – Pflanzen und ihre Pilzpartner
(von Rita Lüder)

Mehr als nur Wachsen

Der Waldboden unter unseren Füßen ist dadurch von kilometerlangen Myzelfäden durchzogen und bildet ein gigantisches unterirdisches Netzwerk. In harten trockenen Zeiten darf das Nährstoffreservoir auch mal angezapft werden und junge wie auch alte Bäume werden darüber mitversorgt, innerartlich als auch unter verschiedenen Baumarten.

Das Hyphengeflecht ist aber keineswegs nur ein reiner Umschlagplatz für Nährstoffe. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass neben Nährstoffen auch Nachrichten ausgetauscht werden. Bei Insektenangriffen verschicken Bäume über das Netzwerk chemische Botenstoffe. So werden andere Individuen in weniger als 6 Stunden informiert und können ihre Verteidigungsstrategien vorbereiten. Ein Grund mehr einen verlässlichen Pilzpartner auf seiner Seite zu haben.

Dieses Netzwerk ist heutzutage vielen von uns unter dem Namen „Wood Wide Web“ bekannt und der weltweit anerkannt Mykologe Paul Stamets spricht sogar vom „neurologischen Netzwerk der Natur“.

Pilze reagieren sehr empfindlich auf Bodenverdichtung, Stickstoffeinträge, Versauerung und Umweltgifte. Diese Umwelteinflüsse beeinträchtigen das Wachstum der Pilze und dadurch auch die der Bäume bzw. des ganzen Waldes.

Eines ist klar: Ohne Pilze wäre ein Überleben auf unserem Planeten nicht möglich gewesen. Sie spielten in der Evolution des Planeten und unserer Menschheitsgeschichte eine große Bedeutung und werden auch in Zukunft wichtige Helfer für uns sein. Umso wichtiger ist ein respektvoller und achtsamer Umgang mit diesen geheimnisvollen Kreaturen.


Vielen lieben Dank an Rita Lüder für die Bereitstellung ihrer wunderbaren Illustrationen und die vielen tollen Bücher von Rita und Frank Lüder, zu Pilzen und anderen Themen, mit welchen wir so gern arbeiten.


Andere Beiträge zum Thema Pilze

„Die Stinkmorchel- der Pilz des Jahres 2020“, „Wilma Wusel entdeckt das Reich der Pilze“ und Podcast: „Tolle Früchtchen“


Quellen


Internet:


https://www.dgfm-ev.de/infothek/lebensweisen-der-pilze
https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-undwaldpflanzen/pflanzenoekologie/mykorrhiza
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/mykorrhiza/7904
https://www.spektrum.de/news/die-vernetzte-welt-der-pflanzen/1598658


Bücher:

Robert Hofrichter; 2017; „Die geheimnisvolle Welt der Pilze“
Paul Stamets; 2005; „Mycelium Running“


Video:

Im Königreich der Pilze: https://www.youtube.com/watch?v=tH7U-Nbxg0s

Die Stinkmorchel – Der Pilz des Jahres

Igitt! Was riecht hier so?
Die Stinkmorchel – Pilz des Jahres 2020

Immer der Nase nach…

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es im Wald manchmal ganz schön stinkt?

So richtig doll und irgendwie nach totem Tier?

Wenn ich diesen seltsamen und etwas ekligen Geruch wahrnehme, mache ich mich am liebsten sofort auf die Suche…..

Wo kommt der Wind her, der mir diesen Geruch zuträgt? Vorsichtig – damit ich nichts zertrete – schleiche ich mich in diese Richtung und – aha! – da steht sie auch schon in voller Pracht: die Stinkmorchel!

Und ich muss feststellen: andere waren viel schneller als ich. Schnecke, Fliegen, Mist- und andere Käfer sind bereits kräftig am Futtern.

Tierischer Transport

Die Fliegen – das sehe ich – mögen am liebsten diese komische grüne Glibberschicht, mit der das glockenförmige Hütchen bedeckt ist. Und genau das beabsichigt die stinkende Morchel!

Diese übelriechende, grüne Masse beinhaltet nämlich die Sporen des Pilzes, die durch aasliebende Insekten wie diese Fliege weit verbreitet werden. Irgendwoanders wächst aus diesen Sporen im Boden ein neues Geflecht von „Pilzmycel“ oder „Pilzwürzelchen“ heran. Und daraus entsteht bei günstigen Bedingungen vielleicht wieder eine neue Stinkmorchel…

Bei den meisten Pilzen sorgt der Wind für die Verbreitung der Sporen.

Die Stinkmorchel hat da ihre eigene Strategie entwickelt. Funktioniert offensichtlich ganz prima.

Hexeneier

Aber eigentlich suche ich noch etwas anderes! Und tatsächlich: nahe dem fertigen Pilz sind Laub und Moos auffällig aufgewölbt und es schimmert etwas Weisses durch. Vorsichtig grabe ich es aus, das HEXENEI!

Es ist ungefähr so groß wie ein grosses Hühnerei. Gleich einen halben Meter weiter finde ich noch eines! Das reicht mir aber auch, ich will ja den Tieren nicht ihr Essen wegnehmen.

Diese „Hexeneier“ sind die noch ganz jungen Stinkmorcheln. Und die riechen gar nicht – bestenfalls ein wenig nach frischer Erde mit einem Hauch von Rettich. Der Stiel und die grüne Sporenschicht sind in diesem Ei noch ganz fest und klein und von einer Hülle umgeben, die mich an Gelatine erinnert.

Diese Hülle schützt das empfindliche Innere vor Wasser und Luft. Denn erst wenn der Pilz schön gross ist, soll sich der typische „Duft“ an der Luft entfalten und all die sporentransportierenden Tierchen anlocken. Die Stinkmorchel wächst nämlich ganz schön schnell. Morgens noch als Ei im Boden, steht sie mittags aufgerichtet da und ist nachmittags bereits fast aufgefressen.

Nicht nur für Fliegen genießbar!

Und letzteres – nämlich das Aufessen – ist auch mein Plan.

Zuhause pelle ich die Gallertschicht sauber ab, schneide das Innere in dünne Scheiben und belege mein Butterbrot damit. Eine Prise Salz darüber – fertig ist meine Brotzeit.

Schmeckt ein bißchen nach knackigen, zarten Radieschen.

Ich finde, Hexeneier sind eine kleine Delikatesse. Man sollte sie nur ganz frisch essen und erst gar nicht in den Kühlschrank legen. Man sie auch in Scheiben schneiden und in der Pfanne braten. Auch lecker!

Die Stinkmorchel wird in der Naturheilkunde und auch der traditionellen Chinesischen Medizin als Heilpilz zur Behandlung von Gicht und Rheumatismus betrachtet. Im Volksmund nennt man sie deshalb auch „Gichtmorchel“.

Wegen Form und Geruch heißt sie manchmal „Leichenfinger“. Wächst sie auf einem Grabhügel, soll der Verstorbene seine ungesühnten Untaten mit ins Grab genommen haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. wählte die Stinkmorchel zum Pilz des Jahres 2020 – auch, um mit diesem beeindruckenden Pilz auf das Insektensterben aufmerksam zu machen!

Mit der Speisemorchel ist sie übrigens nicht verwandt, die beiden sehen sich nur entfernt ähnlich.


Spannende Links:

Naturheilpraxis.net: Stinkmorchel ist Pilz des Jahres 2020

Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V.

„Echtes Johanniskraut“ – Das wilde Sonnenkind

Echtes Johanniskraut“

Das  wilde Sonnenkind

Wenn die Tage am längsten und die Lichtkräfte am größten sind speichert diese Heilpflanze die ganze Kraft der Sonne. Von Juni bis weit in den August schmückt sie mit ihren strahlend und wunderschönen knallgelben Blüten die Landschaft. Sie ist nach Johannes dem Täufer benannt und blüht um den Johannistag am 24. Juni.

Bis heute – ein wahrer Sonnenschein

Unsere Vorfahren benutzten die getrockneten Blüten als Räucherwerk um den Raum nach Streit und Spannungen zu klären und vor dunklen Energien zu schützen. Ihr Name leitet sich von „hyper eikona“ ab, was „gegen Spuk und Geister“ bedeutet.

Bekannt ist das Johanniskraut besonders durch eines geworden: seine aufhellende und beruhigende Wirkung bei schlechten Stimmungslagen. Auch bei Depressionen wird es verschrieben. Außerdem  wirkt es entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. In der Pflanze findest du die Wirkstoffe Hypericin, Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe.

Wenn du das Heilkraut über einen längeren Zeitraum, z. B. als Kur anwendest erinnere dich aber daran, dass der Wirkstoff Hypericin lichtempfindlich macht. Vermeide deshalb pralles Sonnenlicht. Informiere dich zusätzlich bei deinem Hausarzt, falls du andere Arzneimittel einnimmst.

Johanniskraut erkennen und finden

Die bis etwa 1 m hohe Pflanze hat ein besonders auffälliges Merkmal. Betrachte ihre Blätter gegen das Sonnenlicht und du erkennst viele kleine Löcher, in denen Öl gespeichert ist. Laut Legende hatte der Teufel seine Finger im Spiel und stach vor Wut Löcher in die Blätter!

Die Blüte erinnert an ein Windrad und zählt 5 Kronenblätter und 5 Kelchblätter. Zerreibt man die goldgelben strahlenden Blüten zwischen den Fingern kommt ein roter Farbsaft zum Vorschein. Im Volkstum wurde sie daher auch „Herrgottsblut“ genannt und als Blut Christi gedeutet.



Der Stängel lässt sich gut erfühlen, er ist zweikantig. Als eine Pionierpflanze findest du das Johanniskraut vor allem auf mageren Böden, sowie in Wiesen, Heiden und lichten Wäldern.

Besonders Hummeln, Bienen und Schwebfliegen fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf das Sonnenkraut. Neben dem Wind verbreiten auch Tiere die Samen, indem sie sie verschleppen. Auch vegetativ kann sich das Johanniskraut fortpflanzen, nämlich über sogenannte Wurzelkriechsprosse.

Johanniskraut ernten & verarbeiten

Von Ende Juni bis in den August kannst du auf Erntestreifzug gehen. Am späten Vormittag ist die beste Zeit die Blüten und die jungen Fruchtstände zu ernten. Die ganze Sonnenkraft konservierst du am besten in einem selbstgemachten Öl, dass du ganz einfach selber herstellen kannst:

Quetsche zunächst die Blüten leicht an und fülle sie bis zu 1/3 Höhe in ein Glas mit einer großen Öffnung, z. B. ein Joghurtglas. Anschließend gießt du mit einem hochwertigen Pflanzenöl ohne Eigengeschmack auf und deckst es mit einem luftdurchlässigen Tuch ab. So bildet sich kein Kondenswasser und dein Öl hat die beste Qualität.
In der ersten Woche wird das Öl nun täglich geschüttelt. Schraube das Glas anschließend zu und schüttele noch einen weiteren Monat. Du wirst es dann sicherlich schon bemerkt haben, dass dein Öl eine leuchtend rote Farbe bekommt. Dein gesundes Rotöl, kannst du dann filtern, in eine dunkle Flasche abfüllen und beschriften.

Verwende es für Massagen, bei Prellungen, Rheuma, Hexenschuss, Verstauchungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, Hautirritationen und zur Wundbehandlung. Du kannst es aber auch einfach als gesundes Salatöl beigeben. Dabei lindert es Magenbeschwerden. Auch deiner Haut kannst du gutes tun! Mache dir eine Gesichtspackung aus 2 EL Blütenöl, einem Eigelb und einem Spritzer Zitronensaft.

Mit übrig gebliebenen Johanniskrautblüten kannst du entweder als essbare Dekoration verwenden oder dir einen Tee zubereiten. Zwei Esslöffel auf eine Teetasse. Der leicht rötlich gefärbte Tee tut besonders gut nach einem anstrengendem Tag und lässt die Welt gleich wieder heller erscheinen.

Quelle & Buchtipp für Wildkräuter:

Wildpflanzen zum Genießen; Rita & Frank Lüdner; 5. Auflage 2017; kreativpinsel Verlag, Neustadt

ISBN 978-3-9814612-0-6

30 Jahre Bergwaldprojekt

Engagierter Einsatz für den Wald

30 Jahre Bergwaldprojekt e.V.

Der Bergwaldprojekt Deutschland e.V. begeht in diesem Jahr ein Jubiläum, denn seit nunmehr 30 Jahren organisiert er u.a. Waldpflegeeinsätze für Freiwillige ab 18 Jahre (übrigens auch in Berlin). Dies ist ein guter Anlass für Carola Fabian von den Berliner Waldschulen, hier einmal die wertvolle Arbeit dieses Vereins vorzustellen.

„Gemeinsam was Sinnvolles schaffen“, die Idee solcher Freiwilligeneinsätze ist so simpel und doch so nachhaltig. Und das gilt nicht nur für den Wald, sondern auch für die Teilnehmenden.  

Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich bei nunmehr 15 Projekt-einsätzen von Amrum bis Oberammergau bzw. von Hiddensee bis zum Erzgebirge mitmachen durfte. Jedes Mal ist es für mich faszinierend, dass fremde Personen aufgrund des gemeinsamen Schaffens so schnell zu einem Team zusammenwachsen können.

Innerhalb einer Woche entsteht ein solidarisches, achtsames und freundschaftliches Miteinander, das von gegenseitiger Anerkennung, interessanten Gesprächen sowie viel Spaß und Freude an der Waldarbeit geprägt ist.

Dieses Phänomen sollte jede/r, welche/r an der heimischen Fauna & Flora, ökologischen Zusammenhängen oder sozialem Miteinander interessiert ist, einmal erfahren und deshalb eine Waldwoche mit dem Bergwaldprojekt ausprobieren!  

Ich freue mich sehr, dass Peter Naumann, Projektleiter CSR und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit vom Bergwaldprojekt Deutschland e.V. die Zeit für ein kurzes Interview gefunden hat.

Hallo Peter, in meinem ersten Waldeinsatz 2003 warst du der Leiter der Projektwoche. Seitdem sind wir per Du, was ja auch unter Bergwaldprojektler*innen üblich ist. Deshalb führe ich unser Gespräch in der uns vertrauten Art: 

Warum gibt es das Bergwaldprojekt?  

Das Bergwaldprojekt ist eine Antwort auf die ökologischen Krisen unserer Zeit. Entstanden Ende der 80er-Jahre als ein Ergebnis zu den Diskussionen zum ersten Waldsterben in der Schweiz, kam das BWP Anfang der 90er auch nach Deutschland. Heute werden an 61 Orten in Deutschland über 120 Einsatzwochen pro Jahr mit Freiwilligen durchgeführt.

Über 3.500 Menschen besuchen pro Jahr unsere Projekte. Ziel ist es, nicht nur die ökologische Situation in den Wäldern, Mooren und Biotopen zu verbessern, sondern auch jedem Freiwilligen die brenzlige ökologische Situation nahezubringen, in welcher wir uns alle befinden und einfache, nachhaltige und klare Lösungswege aufzuzeigen. Der Wald ist dabei ein Spiegel unserer Abhängigkeit von den natürlichen Grundlagen. 

Peter Naumann: © Bergwaldprojekt e.V.

Wie verwirklicht ihr eure Ziele? 

Das Bergwaldprojekt arbeitet auf allen gesellschaftlichen Ebenen auf Kooperationsbasis. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg, weil keine Kampagnenarbeit durchgeführt wird, die nur Missstände anprangert. Vielmehr entstehen über die Arbeit im Wald mit allen Beteiligten vertrauensvolle Bindungen, die dazu führen, das eigene Verhalten zu reflektieren (bspw. Mobilität, Ernährung, Energie). 

Wo und mit wem führt ihr eure Waldeinsätze durch? 

Das Bergwaldprojekt e.V. arbeitet nur im öffentlichen Wald. Dies umfasst fast alle bundesweiten Landesforstverwaltungen, Biosphärenreservate und Nationalparke sowie Kommunalwälder. Hier wird vor Ort eng mit den jeweiligen Betrieben und Verwaltungen zusammengearbeitet. 

Wer kann bei euch im Verein und in den Projektwochen mitmachen? 

Wir bieten Projekte für Freiwillige von 18-88 Jahre an und führen im Waldschulbereich Einsätze mit Schulklassen, studentischen Austauschen, geflüchteten Menschen und Menschen mit Behinderung durch. Außerdem  arbeiten wir im Bereich Corporate Social Responsibility in Kooperationen und Waldeinsätzen mit Unternehmen zusammen. 

Ihr befindet euch in der 30. Saison eures Bestehens. Was wünschst du dir noch für dieses Jahr? 

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir Anfang des Jahres die Freiwilligeneinsätze stoppen. Wir beginnen gerade mit eigenem, bezahltem Personal und einem Hygienekonzept wieder mit Projektwochen.

Wir hoffen natürlich, dass auch noch einige reguläre Einsatzwochen im Jubiläumsjahr stattfinden können. Persönlich wünsche ich mir, wieder im Wald arbeiten zu können, denn der Covid 19-Erreger hatte mich März/April mit einer Lungen-entzündung niedergestreckt. Die Rekonvaleszenz ist zäh, gelingt aber mehr und mehr. Arbeiten im Office geht schon wieder! 

Oh, das tut mir sehr leid, dass du so unmittelbar von der Corona-Pandemie betroffen bist. Da verbleibt mir nur, dir alles, alles Gute zu wünschen! Auf dass wir uns noch in diesem Jahr gesund & munter wiederbegegnen und gemeinsam im Wald aktiv werden können. Vielen Dank für den Austausch!

Carola Fabian, Berliner Waldschulen

Weitere Infos findet ihr unter: www.bergwaldprojekt.de

Ein scheuer Rufer aus dem Wald – „Der Kuckuck“

Ein scheuer Rufer aus dem Wald – „Der Kuckuck“

Habt ihr ihn in diesem Jahr gehört?

Spätestens seit Anfang Mai ist auch der Kuckuck wieder in unseren Wäldern zurück und vielleicht habt auch ihr ihn schon seinen Namen rufen hören.

„Kuckuck, Kuckuck – ruft’s aus dem Wald!“ – dieses Kinderlied kennen fast alle. Aber wer hat eigentlich schon mal einen Kuckuck gesehen?

Foto: Chris Romeiks/vogelart.info, CC BY-NC-SA 3.0  

Der Kuckuck ist etwa so groß wie eine Taube. Das Gefieder ist grau, die Brust des Männchen grauweiss „gesperbert“ (quergestreift). Die des Weibchens eher rostrot.

Er ist ein sehr scheuer Vogel und meidet die Nähe des Menschen. Wenn, dann ist er meist im Flug zu sehen und so auch nur schwer, zu erkennen.

Das Männchen ruft von weit oben aus den Bäumen, man kann es weithin hören und der Ruf ist einfach unverwechselbar: der Kuckuck ruft seinen Namen!

Gern auch mit Haaren

Der Kuckuck ist ein Insektenfresser.

Mit seinem schmalen und spitzen Schnäbelchen ist kein Kern und keine Nuss zu knacken.

Dafür ist es das ideale Werkzeug zum Verzehr von Käfern und Raupen. Und er verschmäht auch die haarigen Raupen des Eichen-prozessionsspinners nicht!

Ab Mitte April bis Anfang Mai kommt der Kuckuck aus seinen Überwinterungsgebieten im Süden Afrikas wieder nach Deutschland.

Mit Zwischenstopps in Westafrika und Italien legt er die über 6000 km meist im Nachtflug zurück.

Foto: Oldřich Mikulica aus „Der Kuckuk – Gauner der Superlative“ (Kosmos-Verlag)

Überraschungseier

Bei uns ist der Kuckuck eigentlich nur zum Eierlegen

Und die legt er prinzipiell in fremde Nester. Die Zieheltern seiner Kinder – die meist viel kleiner sind als er selbst – wählt der Kuckuck umsichtig aus. Das Kuckucksweibchen wählt stets dieselbe Vogelart als „Zieheltern“, bei der es selbst aufgewachsen ist.

Vorsichtshalber entfernt es ein Ei des Geleges, bevor es seines dazu legt. Dieses Ei sieht denen der Leihmutter zum Verwechseln ähnlich, ist vielleicht etwas größer.

Das frisch geschlüpfte, nackte und blinde Kuckuckskind ist nicht gerade zimperlich. Teilen kommt nicht infrage! Es muss schließlich so schnell wie möglich groß und kräftig werden, um die lange Reise nach Süden antreten zu können! Deshalb schubst es die anderen Eier oder später seine kleineren Stiefgeschwister aus dem Nest.

Foto: Oldřich Mikulica aus „Der Kuckuk – Gauner der Superlative“ (Kosmos-Verlag)

Keine ruhige Minute…

Als Einzelkind kommt ihm die ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge der Vogeleltern, hier ein Teichrohrsänger, zu.

Die haben aber auch alle Schnäbel voll zu tun, um den ständig bettelnden kleinen Vielfraß satt zu kriegen!

Ab Anfang August sind die jungen Kuckucke dann so weit gediehen, dass auch sie den weiten Weg nach Süden antreten können – wie ihre unbekannten leiblichen Eltern und Geschwister, die von anderen Vogeleltern aufgepäppelt wurden.

Übrigens: Es gibt auch Kuckuckshummeln, die ihre Eier in fremde Hummelbauten legen und ihren Nachwuchs von den unwissenden Adoptivmüttern und deren Arbeiterinnen großziehen lassen.

Kuckuck und Mensch…

Der Kuckuck hat die Menschen seit jeher fasziniert. Er gilt als Frühlingsbote und soll Glück bringen.

Zu den Rufen des Kuckuckmännchens im Frühjahr gibt es gute Ratschläge. So heisst es: „Lieber Kuckuck, sag mir doch, wieviel Jahre leb ich noch?“ – wer dann einen Kuckuck erwischt, der gar nicht mehr aufhören mag, zu rufen, darf sich über ein langes Leben freuen. Vielleicht wurde auch deshalb die Kuckucksuhr erfunden?

Unbedingt sollte man ein wenig Kleingeld in den Taschen haben, wenn man im Jahr das erste Mal den Kuckuck hört und beim Ruf des Kuckucks damit klimpern – es soll das Jahr über nicht weniger werden.

Der Kuckuck wird in bekannten Volks- und Kinderliedern wie „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ besungen. Seine eigenwillige Art der Jungenaufzucht spiegelt sich in Redewendungen wie „Kuckuckskinder“ oder „gefrässig wie ein Kuckuck“ wieder.

Leider klebt auch der Gerichtsvollzieher den „Kuckuck“ auf bewegliche Güter, wenn deren Eigentümer seine Schulden nicht mehr bezahlen kann…

Den Klimawandel im Nacken

Aber der Kuckuck hat ein Problem! – Seit 1980 gehen die Bestände des Kuckucks deutlich zurück, mittlerweile steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Woran liegts? Ein Grund mag die Intensivierung der Landwirtschaft sein. Insektizide dezimieren Insekten und insektenfressende Vögel.

Und die Vegetationszeit beginnt heute zwei Wochen früher als noch vor 50 Jahren. Die beliebtesten Leiheltern des Kuckucks – wie Teichrohrsänger – kommen ebenfalls früher aus ihren Winterquartieren zurück und beginnen schon mal zu brüten. Wenn der Kuckuck, dessen innerer Kompass sich nicht verändert hat, Mitte April bei uns eintrifft, muss wer feststellen: alle Vöglein sind schon da, haben ihr Nest fertig und oft bereits Küken. Dann hat er aber kaum noch Chancen, den Zieheltern in spe ein fremdes Ei unterzujubeln. Denn auch der dümmsten Vogelmama fällt es auf, wenn unter ihren schon geschlüpften Jungen plötzlich ein Kuckucksei liegt.


Hier könnt ihr noch viel mehr über diesen spannenden Vogel erfahren

Der Kuckuck zum Nachhören
(Link zu Deutsche Vogelstimmen.de)

Fakten zum Kuckuck im Steckbrief
(Link zur Seite des NABU)

Wie genau landet das Ei im fremden Nest?
(Link zu Kuckucks-Dokumentation auf der Seite des WDR)

Kuckuck und Klimawandel 1
(Link zu Waldwissen.net)

Kuckuck und Klimawandel 2
(Link zu BR Wissen)