Die Stinkmorchel – Der Pilz des Jahres

Igitt! Was riecht hier so?
Die Stinkmorchel – Pilz des Jahres 2020

Immer der Nase nach…

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es im Wald manchmal ganz schön stinkt?

So richtig doll und irgendwie nach totem Tier?

Wenn ich diesen seltsamen und etwas ekligen Geruch wahrnehme, mache ich mich am liebsten sofort auf die Suche…..

Wo kommt der Wind her, der mir diesen Geruch zuträgt? Vorsichtig – damit ich nichts zertrete – schleiche ich mich in diese Richtung und – aha! – da steht sie auch schon in voller Pracht: die Stinkmorchel!

Und ich muss feststellen: andere waren viel schneller als ich. Schnecke, Fliegen, Mist- und andere Käfer sind bereits kräftig am Futtern.

Tierischer Transport

Die Fliegen – das sehe ich – mögen am liebsten diese komische grüne Glibberschicht, mit der das glockenförmige Hütchen bedeckt ist. Und genau das beabsichigt die stinkende Morchel!

Diese übelriechende, grüne Masse beinhaltet nämlich die Sporen des Pilzes, die durch aasliebende Insekten wie diese Fliege weit verbreitet werden. Irgendwoanders wächst aus diesen Sporen im Boden ein neues Geflecht von „Pilzmycel“ oder „Pilzwürzelchen“ heran. Und daraus entsteht bei günstigen Bedingungen vielleicht wieder eine neue Stinkmorchel…

Bei den meisten Pilzen sorgt der Wind für die Verbreitung der Sporen.

Die Stinkmorchel hat da ihre eigene Strategie entwickelt. Funktioniert offensichtlich ganz prima.

Hexeneier

Aber eigentlich suche ich noch etwas anderes! Und tatsächlich: nahe dem fertigen Pilz sind Laub und Moos auffällig aufgewölbt und es schimmert etwas Weisses durch. Vorsichtig grabe ich es aus, das HEXENEI!

Es ist ungefähr so groß wie ein grosses Hühnerei. Gleich einen halben Meter weiter finde ich noch eines! Das reicht mir aber auch, ich will ja den Tieren nicht ihr Essen wegnehmen.

Diese „Hexeneier“ sind die noch ganz jungen Stinkmorcheln. Und die riechen gar nicht – bestenfalls ein wenig nach frischer Erde mit einem Hauch von Rettich. Der Stiel und die grüne Sporenschicht sind in diesem Ei noch ganz fest und klein und von einer Hülle umgeben, die mich an Gelatine erinnert.

Diese Hülle schützt das empfindliche Innere vor Wasser und Luft. Denn erst wenn der Pilz schön gross ist, soll sich der typische „Duft“ an der Luft entfalten und all die sporentransportierenden Tierchen anlocken. Die Stinkmorchel wächst nämlich ganz schön schnell. Morgens noch als Ei im Boden, steht sie mittags aufgerichtet da und ist nachmittags bereits fast aufgefressen.

Nicht nur für Fliegen genießbar!

Und letzteres – nämlich das Aufessen – ist auch mein Plan.

Zuhause pelle ich die Gallertschicht sauber ab, schneide das Innere in dünne Scheiben und belege mein Butterbrot damit. Eine Prise Salz darüber – fertig ist meine Brotzeit.

Schmeckt ein bißchen nach knackigen, zarten Radieschen.

Ich finde, Hexeneier sind eine kleine Delikatesse. Man sollte sie nur ganz frisch essen und erst gar nicht in den Kühlschrank legen. Man sie auch in Scheiben schneiden und in der Pfanne braten. Auch lecker!

Die Stinkmorchel wird in der Naturheilkunde und auch der traditionellen Chinesischen Medizin als Heilpilz zur Behandlung von Gicht und Rheumatismus betrachtet. Im Volksmund nennt man sie deshalb auch „Gichtmorchel“.

Wegen Form und Geruch heißt sie manchmal „Leichenfinger“. Wächst sie auf einem Grabhügel, soll der Verstorbene seine ungesühnten Untaten mit ins Grab genommen haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. wählte die Stinkmorchel zum Pilz des Jahres 2020 – auch, um mit diesem beeindruckenden Pilz auf das Insektensterben aufmerksam zu machen!

Mit der Speisemorchel ist sie übrigens nicht verwandt, die beiden sehen sich nur entfernt ähnlich.


Spannende Links:

Naturheilpraxis.net: Stinkmorchel ist Pilz des Jahres 2020

Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V.

„Echtes Johanniskraut“ – Das wilde Sonnenkind

Echtes Johanniskraut“

Das  wilde Sonnenkind

Wenn die Tage am längsten und die Lichtkräfte am größten sind speichert diese Heilpflanze die ganze Kraft der Sonne. Von Juni bis weit in den August schmückt sie mit ihren strahlend und wunderschönen knallgelben Blüten die Landschaft. Sie ist nach Johannes dem Täufer benannt und blüht um den Johannistag am 24. Juni.

Bis heute – ein wahrer Sonnenschein

Unsere Vorfahren benutzten die getrockneten Blüten als Räucherwerk um den Raum nach Streit und Spannungen zu klären und vor dunklen Energien zu schützen. Ihr Name leitet sich von „hyper eikona“ ab, was „gegen Spuk und Geister“ bedeutet.

Bekannt ist das Johanniskraut besonders durch eines geworden: seine aufhellende und beruhigende Wirkung bei schlechten Stimmungslagen. Auch bei Depressionen wird es verschrieben. Außerdem  wirkt es entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. In der Pflanze findest du die Wirkstoffe Hypericin, Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe.

Wenn du das Heilkraut über einen längeren Zeitraum, z. B. als Kur anwendest erinnere dich aber daran, dass der Wirkstoff Hypericin lichtempfindlich macht. Vermeide deshalb pralles Sonnenlicht. Informiere dich zusätzlich bei deinem Hausarzt, falls du andere Arzneimittel einnimmst.

Johanniskraut erkennen und finden

Die bis etwa 1 m hohe Pflanze hat ein besonders auffälliges Merkmal. Betrachte ihre Blätter gegen das Sonnenlicht und du erkennst viele kleine Löcher, in denen Öl gespeichert ist. Laut Legende hatte der Teufel seine Finger im Spiel und stach vor Wut Löcher in die Blätter!

Die Blüte erinnert an ein Windrad und zählt 5 Kronenblätter und 5 Kelchblätter. Zerreibt man die goldgelben strahlenden Blüten zwischen den Fingern kommt ein roter Farbsaft zum Vorschein. Im Volkstum wurde sie daher auch „Herrgottsblut“ genannt und als Blut Christi gedeutet.



Der Stängel lässt sich gut erfühlen, er ist zweikantig. Als eine Pionierpflanze findest du das Johanniskraut vor allem auf mageren Böden, sowie in Wiesen, Heiden und lichten Wäldern.

Besonders Hummeln, Bienen und Schwebfliegen fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf das Sonnenkraut. Neben dem Wind verbreiten auch Tiere die Samen, indem sie sie verschleppen. Auch vegetativ kann sich das Johanniskraut fortpflanzen, nämlich über sogenannte Wurzelkriechsprosse.

Johanniskraut ernten & verarbeiten

Von Ende Juni bis in den August kannst du auf Erntestreifzug gehen. Am späten Vormittag ist die beste Zeit die Blüten und die jungen Fruchtstände zu ernten. Die ganze Sonnenkraft konservierst du am besten in einem selbstgemachten Öl, dass du ganz einfach selber herstellen kannst:

Quetsche zunächst die Blüten leicht an und fülle sie bis zu 1/3 Höhe in ein Glas mit einer großen Öffnung, z. B. ein Joghurtglas. Anschließend gießt du mit einem hochwertigen Pflanzenöl ohne Eigengeschmack auf und deckst es mit einem luftdurchlässigen Tuch ab. So bildet sich kein Kondenswasser und dein Öl hat die beste Qualität.
In der ersten Woche wird das Öl nun täglich geschüttelt. Schraube das Glas anschließend zu und schüttele noch einen weiteren Monat. Du wirst es dann sicherlich schon bemerkt haben, dass dein Öl eine leuchtend rote Farbe bekommt. Dein gesundes Rotöl, kannst du dann filtern, in eine dunkle Flasche abfüllen und beschriften.

Verwende es für Massagen, bei Prellungen, Rheuma, Hexenschuss, Verstauchungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, Hautirritationen und zur Wundbehandlung. Du kannst es aber auch einfach als gesundes Salatöl beigeben. Dabei lindert es Magenbeschwerden. Auch deiner Haut kannst du gutes tun! Mache dir eine Gesichtspackung aus 2 EL Blütenöl, einem Eigelb und einem Spritzer Zitronensaft.

Mit übrig gebliebenen Johanniskrautblüten kannst du entweder als essbare Dekoration verwenden oder dir einen Tee zubereiten. Zwei Esslöffel auf eine Teetasse. Der leicht rötlich gefärbte Tee tut besonders gut nach einem anstrengendem Tag und lässt die Welt gleich wieder heller erscheinen.

Quelle & Buchtipp für Wildkräuter:

Wildpflanzen zum Genießen; Rita & Frank Lüdner; 5. Auflage 2017; kreativpinsel Verlag, Neustadt

ISBN 978-3-9814612-0-6

30 Jahre Bergwaldprojekt

Engagierter Einsatz für den Wald

30 Jahre Bergwaldprojekt e.V.

Der Bergwaldprojekt Deutschland e.V. begeht in diesem Jahr ein Jubiläum, denn seit nunmehr 30 Jahren organisiert er u.a. Waldpflegeeinsätze für Freiwillige ab 18 Jahre (übrigens auch in Berlin). Dies ist ein guter Anlass für Carola Fabian von den Berliner Waldschulen, hier einmal die wertvolle Arbeit dieses Vereins vorzustellen.

„Gemeinsam was Sinnvolles schaffen“, die Idee solcher Freiwilligeneinsätze ist so simpel und doch so nachhaltig. Und das gilt nicht nur für den Wald, sondern auch für die Teilnehmenden.  

Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich bei nunmehr 15 Projekt-einsätzen von Amrum bis Oberammergau bzw. von Hiddensee bis zum Erzgebirge mitmachen durfte. Jedes Mal ist es für mich faszinierend, dass fremde Personen aufgrund des gemeinsamen Schaffens so schnell zu einem Team zusammenwachsen können.

Innerhalb einer Woche entsteht ein solidarisches, achtsames und freundschaftliches Miteinander, das von gegenseitiger Anerkennung, interessanten Gesprächen sowie viel Spaß und Freude an der Waldarbeit geprägt ist.

Dieses Phänomen sollte jede/r, welche/r an der heimischen Fauna & Flora, ökologischen Zusammenhängen oder sozialem Miteinander interessiert ist, einmal erfahren und deshalb eine Waldwoche mit dem Bergwaldprojekt ausprobieren!  

Ich freue mich sehr, dass Peter Naumann, Projektleiter CSR und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit vom Bergwaldprojekt Deutschland e.V. die Zeit für ein kurzes Interview gefunden hat.

Hallo Peter, in meinem ersten Waldeinsatz 2003 warst du der Leiter der Projektwoche. Seitdem sind wir per Du, was ja auch unter Bergwaldprojektler*innen üblich ist. Deshalb führe ich unser Gespräch in der uns vertrauten Art: 

Warum gibt es das Bergwaldprojekt?  

Das Bergwaldprojekt ist eine Antwort auf die ökologischen Krisen unserer Zeit. Entstanden Ende der 80er-Jahre als ein Ergebnis zu den Diskussionen zum ersten Waldsterben in der Schweiz, kam das BWP Anfang der 90er auch nach Deutschland. Heute werden an 61 Orten in Deutschland über 120 Einsatzwochen pro Jahr mit Freiwilligen durchgeführt.

Über 3.500 Menschen besuchen pro Jahr unsere Projekte. Ziel ist es, nicht nur die ökologische Situation in den Wäldern, Mooren und Biotopen zu verbessern, sondern auch jedem Freiwilligen die brenzlige ökologische Situation nahezubringen, in welcher wir uns alle befinden und einfache, nachhaltige und klare Lösungswege aufzuzeigen. Der Wald ist dabei ein Spiegel unserer Abhängigkeit von den natürlichen Grundlagen. 

Peter Naumann: © Bergwaldprojekt e.V.

Wie verwirklicht ihr eure Ziele? 

Das Bergwaldprojekt arbeitet auf allen gesellschaftlichen Ebenen auf Kooperationsbasis. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg, weil keine Kampagnenarbeit durchgeführt wird, die nur Missstände anprangert. Vielmehr entstehen über die Arbeit im Wald mit allen Beteiligten vertrauensvolle Bindungen, die dazu führen, das eigene Verhalten zu reflektieren (bspw. Mobilität, Ernährung, Energie). 

Wo und mit wem führt ihr eure Waldeinsätze durch? 

Das Bergwaldprojekt e.V. arbeitet nur im öffentlichen Wald. Dies umfasst fast alle bundesweiten Landesforstverwaltungen, Biosphärenreservate und Nationalparke sowie Kommunalwälder. Hier wird vor Ort eng mit den jeweiligen Betrieben und Verwaltungen zusammengearbeitet. 

Wer kann bei euch im Verein und in den Projektwochen mitmachen? 

Wir bieten Projekte für Freiwillige von 18-88 Jahre an und führen im Waldschulbereich Einsätze mit Schulklassen, studentischen Austauschen, geflüchteten Menschen und Menschen mit Behinderung durch. Außerdem  arbeiten wir im Bereich Corporate Social Responsibility in Kooperationen und Waldeinsätzen mit Unternehmen zusammen. 

Ihr befindet euch in der 30. Saison eures Bestehens. Was wünschst du dir noch für dieses Jahr? 

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir Anfang des Jahres die Freiwilligeneinsätze stoppen. Wir beginnen gerade mit eigenem, bezahltem Personal und einem Hygienekonzept wieder mit Projektwochen.

Wir hoffen natürlich, dass auch noch einige reguläre Einsatzwochen im Jubiläumsjahr stattfinden können. Persönlich wünsche ich mir, wieder im Wald arbeiten zu können, denn der Covid 19-Erreger hatte mich März/April mit einer Lungen-entzündung niedergestreckt. Die Rekonvaleszenz ist zäh, gelingt aber mehr und mehr. Arbeiten im Office geht schon wieder! 

Oh, das tut mir sehr leid, dass du so unmittelbar von der Corona-Pandemie betroffen bist. Da verbleibt mir nur, dir alles, alles Gute zu wünschen! Auf dass wir uns noch in diesem Jahr gesund & munter wiederbegegnen und gemeinsam im Wald aktiv werden können. Vielen Dank für den Austausch!

Carola Fabian, Berliner Waldschulen

Weitere Infos findet ihr unter: www.bergwaldprojekt.de

Ein scheuer Rufer aus dem Wald – „Der Kuckuck“

Ein scheuer Rufer aus dem Wald – „Der Kuckuck“

Habt ihr ihn in diesem Jahr gehört?

Spätestens seit Anfang Mai ist auch der Kuckuck wieder in unseren Wäldern zurück und vielleicht habt auch ihr ihn schon seinen Namen rufen hören.

„Kuckuck, Kuckuck – ruft’s aus dem Wald!“ – dieses Kinderlied kennen fast alle. Aber wer hat eigentlich schon mal einen Kuckuck gesehen?

Foto: Chris Romeiks/vogelart.info, CC BY-NC-SA 3.0  

Der Kuckuck ist etwa so groß wie eine Taube. Das Gefieder ist grau, die Brust des Männchen grauweiss „gesperbert“ (quergestreift). Die des Weibchens eher rostrot.

Er ist ein sehr scheuer Vogel und meidet die Nähe des Menschen. Wenn, dann ist er meist im Flug zu sehen und so auch nur schwer, zu erkennen.

Das Männchen ruft von weit oben aus den Bäumen, man kann es weithin hören und der Ruf ist einfach unverwechselbar: der Kuckuck ruft seinen Namen!

Gern auch mit Haaren

Der Kuckuck ist ein Insektenfresser.

Mit seinem schmalen und spitzen Schnäbelchen ist kein Kern und keine Nuss zu knacken.

Dafür ist es das ideale Werkzeug zum Verzehr von Käfern und Raupen. Und er verschmäht auch die haarigen Raupen des Eichen-prozessionsspinners nicht!

Ab Mitte April bis Anfang Mai kommt der Kuckuck aus seinen Überwinterungsgebieten im Süden Afrikas wieder nach Deutschland.

Mit Zwischenstopps in Westafrika und Italien legt er die über 6000 km meist im Nachtflug zurück.

Foto: Oldřich Mikulica aus „Der Kuckuk – Gauner der Superlative“ (Kosmos-Verlag)

Überraschungseier

Bei uns ist der Kuckuck eigentlich nur zum Eierlegen

Und die legt er prinzipiell in fremde Nester. Die Zieheltern seiner Kinder – die meist viel kleiner sind als er selbst – wählt der Kuckuck umsichtig aus. Das Kuckucksweibchen wählt stets dieselbe Vogelart als „Zieheltern“, bei der es selbst aufgewachsen ist.

Vorsichtshalber entfernt es ein Ei des Geleges, bevor es seines dazu legt. Dieses Ei sieht denen der Leihmutter zum Verwechseln ähnlich, ist vielleicht etwas größer.

Das frisch geschlüpfte, nackte und blinde Kuckuckskind ist nicht gerade zimperlich. Teilen kommt nicht infrage! Es muss schließlich so schnell wie möglich groß und kräftig werden, um die lange Reise nach Süden antreten zu können! Deshalb schubst es die anderen Eier oder später seine kleineren Stiefgeschwister aus dem Nest.

Foto: Oldřich Mikulica aus „Der Kuckuk – Gauner der Superlative“ (Kosmos-Verlag)

Keine ruhige Minute…

Als Einzelkind kommt ihm die ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge der Vogeleltern, hier ein Teichrohrsänger, zu.

Die haben aber auch alle Schnäbel voll zu tun, um den ständig bettelnden kleinen Vielfraß satt zu kriegen!

Ab Anfang August sind die jungen Kuckucke dann so weit gediehen, dass auch sie den weiten Weg nach Süden antreten können – wie ihre unbekannten leiblichen Eltern und Geschwister, die von anderen Vogeleltern aufgepäppelt wurden.

Übrigens: Es gibt auch Kuckuckshummeln, die ihre Eier in fremde Hummelbauten legen und ihren Nachwuchs von den unwissenden Adoptivmüttern und deren Arbeiterinnen großziehen lassen.

Kuckuck und Mensch…

Der Kuckuck hat die Menschen seit jeher fasziniert. Er gilt als Frühlingsbote und soll Glück bringen.

Zu den Rufen des Kuckuckmännchens im Frühjahr gibt es gute Ratschläge. So heisst es: „Lieber Kuckuck, sag mir doch, wieviel Jahre leb ich noch?“ – wer dann einen Kuckuck erwischt, der gar nicht mehr aufhören mag, zu rufen, darf sich über ein langes Leben freuen. Vielleicht wurde auch deshalb die Kuckucksuhr erfunden?

Unbedingt sollte man ein wenig Kleingeld in den Taschen haben, wenn man im Jahr das erste Mal den Kuckuck hört und beim Ruf des Kuckucks damit klimpern – es soll das Jahr über nicht weniger werden.

Der Kuckuck wird in bekannten Volks- und Kinderliedern wie „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ besungen. Seine eigenwillige Art der Jungenaufzucht spiegelt sich in Redewendungen wie „Kuckuckskinder“ oder „gefrässig wie ein Kuckuck“ wieder.

Leider klebt auch der Gerichtsvollzieher den „Kuckuck“ auf bewegliche Güter, wenn deren Eigentümer seine Schulden nicht mehr bezahlen kann…

Den Klimawandel im Nacken

Aber der Kuckuck hat ein Problem! – Seit 1980 gehen die Bestände des Kuckucks deutlich zurück, mittlerweile steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Woran liegts? Ein Grund mag die Intensivierung der Landwirtschaft sein. Insektizide dezimieren Insekten und insektenfressende Vögel.

Und die Vegetationszeit beginnt heute zwei Wochen früher als noch vor 50 Jahren. Die beliebtesten Leiheltern des Kuckucks – wie Teichrohrsänger – kommen ebenfalls früher aus ihren Winterquartieren zurück und beginnen schon mal zu brüten. Wenn der Kuckuck, dessen innerer Kompass sich nicht verändert hat, Mitte April bei uns eintrifft, muss wer feststellen: alle Vöglein sind schon da, haben ihr Nest fertig und oft bereits Küken. Dann hat er aber kaum noch Chancen, den Zieheltern in spe ein fremdes Ei unterzujubeln. Denn auch der dümmsten Vogelmama fällt es auf, wenn unter ihren schon geschlüpften Jungen plötzlich ein Kuckucksei liegt.


Hier könnt ihr noch viel mehr über diesen spannenden Vogel erfahren

Der Kuckuck zum Nachhören
(Link zu Deutsche Vogelstimmen.de)

Fakten zum Kuckuck im Steckbrief
(Link zur Seite des NABU)

Wie genau landet das Ei im fremden Nest?
(Link zu Kuckucks-Dokumentation auf der Seite des WDR)

Kuckuck und Klimawandel 1
(Link zu Waldwissen.net)

Kuckuck und Klimawandel 2
(Link zu BR Wissen)

Waldbrand – ein durchaus brandaktuelles Thema

Waldbrand

ein durchaus brandaktuelles Thema

Gibt es in Berlin ein Waldbrandrisiko ?

Wir sind doch hier nicht in Australien, wo es gerade in diesem Frühjahr zu verheerenden Busch- und Waldbränden gekommen ist!

Vor der Berichterstattung über Corona waren alle Medien voll von Beiträgen über Koalabären mit schweren Verbrennungen, zerstörten Wohnhäusern, Menschen auf der Flucht – die Bilder brannten sich förmlich ins Gedächtnis ein- aber: kann so etwas auch hier passieren ?

Stimmt schon, ja : – es war ziemlich trocken im März/April diesen Jahres – hat ja sogar gestaubt, wenn man im Wald spazieren gegangen ist! Und sommerlich warm und windig war es wochenlang, ohne dass ein einziger Tropfen Regen gefallen wäre.

Also vom Klima her wäre es möglich mit dem Waldbrand?  – Ist ja krass!

Das Heftigste ist ja überhaupt die Tatsache, dass selbst ein paar Tage Regen in unserer Region kaum zur Minderung des Waldbrandrisikos beitragen. 

Denn der Wald in Berlin und Brandenburg besteht häufig nur aus einer Baumart, meist Kiefern – und engständige, eintönige Nadelwälder sind generell anfällig für Brände!

Wenn zusätzlich noch trockenes Holz, Nadel- und Laubstreu des Vorjahres sowie trockenes Gras den Boden bedecken, steigt das Waldbrandrisiko rasant.

Das erklärt auch, warum im Frühjahr die Waldbrandgefahr meist schon so hoch ist wie sonst im Sommer.

Für Fachleute geht die „Waldbrandsaison“ jedes Jahr am 01.März los und endet Anfang Oktober – das bedeutet allerdings nur, dass die höchste Wahrscheinlichkeit für Waldbrände in dieser Zeit liegt.

Wie entstehen Waldbrände?

Wen wundert`s  fast 95 % aller Waldbrände weltweit sind menschengemacht!

Und der Mensch mit seinem überwiegend fahrlässigen Fehlverhalten sorgt auch in unserem Wald für Waldbrandgefahr:

Insgesamt fallen in Deutschland rd. 500 Hektar Wald jährlich zum Opfer (bei ca. 1000 kleineren Waldbränden). Das entspricht rd. einem 600stel der Waldfläche, welche von den Berliner Forsten bewirtschaftet wird (in Berlin und Umgebung = knapp 30.000 Hektar)!

Daher gehört bei der Waldbrandvorsorge neben Entwicklung stabiler, artenreicher Wälder (z.B. weg von Kiefernreinbeständen) und Aufklärung der Bevölkerung vor allem die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und weiteren Institutionen bei der Erstellung von Waldbrandschutzkonzepten.

…und welche Informationen sind für mich als Waldbesucher im Punkt Waldbrandvorsorge wichtig?

Tja, – ich sollte den Wetterbericht verfolgen (TV, Radio, App) und wissen, was sich es mit den Waldbrandwarnstufen auf sich hat :

Sie sagen aus, wie gefährdet die Wälder für die Entstehung von Waldbränden sind.

Dabei spielen klimatische Gegebenheiten eine Rolle (Dauer der Trockenheit, Windeinwirkung, Luftfeuchtigkeit, Strahlungsintensität der Sonne), Zustand der Wälder und ihre Baumartenzusammensetzung, Zustand der Bodenvegetation sowie die Geländeverhältnisse.

Es gibt insgesamt 5 Stufen:
1
sehr geringe Gefahr  bis  5 sehr hohe Gefahr
1  Betreten unbedenklich bis 5 Betretungsverbot

Ab Stufe 3 ist man als Waldbesucher gehalten, besonders achtsam zu sein, denn ab da beginnt das erhöhte Waldbrandrisiko.

Und was kann ich als Einzelne*r tun, um Waldbrände zu verhindern?

Ich sollte im und am Wald

  • nicht rauchen
  • kein offenes Feuer im Wald / in Waldnähe anzünden
  • in Waldnähe nicht grillen
  • Waldzufahrten für Feuerwehr und Rettungskräfte freihalten
  • nur auf ausgewiesenen Flächen parken
  • achtsam sein und jeden Brand umgehend melden (Notruf 112 oder 110)

..und wenn ich diese Gebote beherzige und mich zum Wettergeschehen gut informiert habe, steht meinem schönen Walderlebnis auch in der „Waldbrandsaison“ nichts mehr im Wege!

Autorin:
Brigitte Japp, Berliner Forsten, Landesforstamt
zuständig für Erholungsnutzung und Waldpädagogik bei den Berliner Forsten

Fotos:
Thorsten Wiehle, Berliner Forsten, Landesforstamt
zuständig für Öffentlichkeitsarbeit

Passend zum Thema: „Heiße Zeiten“ Folge 4 unseres Familien-Podcasts

Gesund und lecker – „Die Knoblauchsrauke“

Riecht gut, schmeckt gut, ist gesund
„Die Knoblauchsrauke“

Eine Alte Bekannte

Funde von Kochstätten vergangener Zeiten belegen, dass Menschen die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) schon seit mindestens 5.000 Jahren verwenden. Im Mittelalter wurde sie häufig in Gärten angebaut und war eine wichtige Gewürzpflanze, da Salz, Pfeffer und andere importierte Aromen sehr teuer waren. Sie war Bestandteil von grünen Soßen zu Fisch und Fleisch und von den traditionell im Frühling gekochten Kräutersuppen, die den Menschen nach langen auszehrenden Wintern neue Kräfte schenkten.

Auch heute können wir die antiseptischen, blutreinigenden, harntreibenden, schleimlösenden und verdauungsfördernden Eigenschaften des Lauchkrauts, wie die Knoblauchsrauke auch gerne genannt wird, für eine Frühjahrskur nutzen. Die gesamte Pflanze mit ihrem pfeffrigen-knoblauchartigen Geschmack lässt sich vielfältig verwenden, z.B. im (Wildkräuter-)Salat, im Salatöl, im Kräuteressig, in Pesto, im Frischkäse, Quark oder einfach auf dem Butterbrot.

Die Knoblauchsrauke enthält viel Vitamin A, welches wichtig für zahlreiche Stoffwechselprozesse ist. Außerdem Vitamin C, das unser Immunsystem stärkt. Daneben beruht ihre Heilwirkung auf Saponinen (= Seifenstoffen), welche schleimlösend wirken, ätherischen Ölen und Senfölglykosiden. Letztere zeigen ihre Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) an und sind ein sicheres Erkennungsmerkmal für die Knoblauchsrauke. Die ätherischen Öle und Senfölglykoside sind für den knoblauchartigen Duft der Pflanze verantwortlich. Zerreibt einmal die Blätter zwischen euren Fingern – dann erkennt ihr den charakteristischen Geruch…



Knoblauchsrauke erkennen…

Die Blätter der zweijährigen Knoblauchsrauke können recht vielgestaltig sein und auch die Pflanze selbst variiert in ihrer Größe. Im ersten Jahr ist die Pflanze oftmals nur ca. 20 cm hoch und bildet eine Blattrosette aus lang gestielten, fast runden, eingekerbten Blättern dicht über dem Erdboden aus. Im zweiten Jahr erwächst aus ihrer Mitte ein, besonders im unteren Bereich, haariger Stängel empor. Unter günstigen Bedingungen kann die Pflanze nun ca. 100 cm hoch werden.

Zwischen April und Juli ist die Rauke sehr gut an, ihren weißen, kreuzartig gegliederten Blütentrauben oben auf an der Triebspitze zu erkennen. Die duftenden Blüten sind ein wichtiger Nektarlieferant für verschiedene Schmetterlingsarten und Bienen. Diversen Raupenarten dient die Knoblauchsrauke als Futterpflanze. Sie liebt stickstoffhaltige Böden und kommt deshalb gerne zusammen mit Brennnesseln vor. Ihr findet sie häufig an halbschattigen Wegrändern in Laubwäldern, im Park, in Gehölzen, Gebüschen, Hecken, aber auch an Mauern, auf Schuttplätzen und an Wegrändern in der Stadt.

Knoblauchsrauke ernten…

Man kann die Knoblauchsrauke, außer im tiefsten Winter, fast das ganze Jahr über finden und auch bedenkenlos ernten. Aufgrund ihrer flüchtigen ätherischen Öle ist es am besten, die Blüten, Triebe, Stängel und Blätter frisch zu verwenden, da ihr Aroma beim Trocknen sehr schnell verfliegt. Konserviert in Öl oder auch tiefgefroren, könnt ihr den feinen, im Gegensatz zum Knoblauch nach dem Verzehr nicht anhaftenden, pfeffrig-würzigen Geschmack bis in den Winter hinein genießen.

Wenn ihr sie noch nicht kennt, geht auf die Pirsch und haltet aufmerksam nach der Knoblauchsrauke Ausschau. Ihr werdet erstaunt sein, an welch zahlreichen und oft auch sehr unterschiedlichen Orten euch diese äußerst schmackhafte, dufte, wuchsfreudige und doch vielleicht für so manche*n von euch (noch) eher unscheinbare, kleine Gewürz-, Heil-, Nektar- und Küchenpflanze begegnen wird.

Viel Spaß beim Suchen und Sammeln!