Die rote Blume
Die rote Blume
Da leuchtet was in meiner Kindheitserinnerung auf! Und bei dir?
Im Dschungelbuch meint Panther Baghira damit das „Feuer“, doch kein Tier mag es bei seinem Namen nennen. In zu großer Furcht leben die Tiere vor dem lodernden Licht. Der Affenkönig King Louie will Mogli dazu bringen, das Geheimnis des Feuers zu verraten. Als Gegenleistung bietet er ihm die gemeinsame Herrschaft über den gesamten Dschungel an. Aus einem Dorf bringt Mogli das Feuer in den Dschungel und alles verändert sich…
Wie ist das Feuer in unser Leben getreten, wie hat es unser Leben verändert und was bedeutet es heute noch für uns?
Das bleibt wohl für immer ein Geheimnis! Beobachtet haben die Menschen aber, dass Feuer auf natürliche Weise entstehen kann, wie z.B. durch Vulkanausbrüche, Blitzschlag und manchmal auch durch Selbstentzündung. Wahrscheinlich wurden solche Feuer vom Homo erectus entdeckt und sorgfältig weitertransportiert. Auch wenn Feuer eine zerstörerische Kraft besitzt, so schenkt es auch viel Licht, Wärme und Schutz vor wilden Tieren. Und Nahrung kann man auch noch damit zubereiten! Archäologische Funde in einer Höhle in Südafrika weisen darauf, dass „Frühmenschen“ schon Umgang mit dem Feuer pflegten. Bei einer Feuerstelle fand man die Reste von verbrannten Knochen und Pflanzenteilen.
Doch irgendwann geht Feuer auch einmal aus… Und nun? Was tun?! Am besten lernen…
Das erste Feuer – Zündende Ideen!

In der Steinzeit hat es dann gezündet. Funde aus der Steinzeit belegen, dass die Neandertaler bereits Faustkeile und Axtköpfe als steinzeitliche Feuerzeuge nutzten. Spuren an ihren Werkzeugen verraten, dass sie mit Glimmstein (Pyrit) auf Feuersteine schlugen und so Funken erzeugten.
In anderen Teilen der Welt kam es ebenso zu zündenden Ideen. So wurden bei Ausgrabungen in Kanada über 6000 Jahre alte, aber doch gut erhaltene Holzwerkzeuge im Schlamm gefunden. Die Ureinwohner Nordamerikas erschafften mit der Technik des sogenannten Feuerbohrens durch Reibung heiße Glut.
Ein solcher Feuerbogen lässt sich einfach selbst bauen. Als Schnur hat sich eine 5 mm dicke Reepschnurr bewährt. Das Feuerbrett sowie die Spindel sind aus weichem Holz (Hasel, Linde, etc.). Das Drückstück sollte besser aus Hartholz (z. B. Buche) bestehen.
Mit ein bisschen Übung und Geschick lässt sich so schwarzer Holzstaub mit einer glimmenden Glut herstellen, die dann vorsichtig in ein vorbereitetes Zundernest gelegt werden kann.
Das brennt wie Zunder!
Als man die Gletschermumie Ötzi 1991 in den Ötztaler Alpen fand und genauer untersuchte, staunte man nicht schlecht.
Der Jäger und Sammler lebte in der Kupfersteinzeit und hatte schon damals einen besonderen Pilz bei sich, den Zunderschwamm. Dieser Pilz wächst als Schwächeparasit und Totholzzersetzer an Buchen und Birken. Unter der harten Schale liegt eine weiche braune filzartige Schicht, das Trama. In seiner Ausrüstung fand man einige herausgearbeitete Zunderlappen. Er benutzte sie um Funken aufzufangen und machte mit dieser glimmenden Glut ein Feuer. Mithilfe des Zunderschwamms transportierte der Mann aus dem Eis dann wieder einen glimmenden Funken über weite Distanzen und konnte erneut ein Feuer damit entfachen. Und was fand man bei weiteren Untersuchungen auf den Zunderstückchen? Da war doch was! – ein Staub von einem Glimmstein – Pyrit…


Vor ca. 2500 Jahren wurde dann das Schlageisen erfunden. Dieses mit Kohlenstoff angreicherte Eisen ist stabiler als Pyrit und war bis in die Neuzeit (15 Jhd.) die Art Feuer zu machen!
Schlägt man mit dem Schlageisen an eine scharfe Feuersteinkante, so entstehen feine glühende Eisenspäne mit einer Temperatur von 800-1000 Grad. Diese Funken wurden mit dem oben beschriebenen Pilzgewebe (Trama) aufgefangen.
Einmal aufgefangen frisst sich der Funke durch das Trama. Packt man das glimmende Stückchen dann in ein kleines Nest (siehe oben) aus trockenem Material wie Gräser, Ästchen, Birkenrinde, Schilfrohr, flauschige Samen usw. dann kann man durch Pusten eine Flamme erzeugen!
Ein Drama mit dem Trama?
Zugegeben, es ist viel Übung erforderlich, um einen Funken zu erzeugen und diesen dann auch noch auf einem Stück aufzufangen. Aber nur Mut, es lohnt sich! Profi-Tipp: Besonders gut geht das auf verkohltem Zunder. Dieses Spezial-Trama könnt ihr auch selbst herstellen. Besonders gut kann man diese braune samtige Schicht von frischen Zunderschwämmen ernten, die ihr dann im Anschluss gut trocknen müsst.
Verkohlt ihr dieses Stück dann in einer Metalldose mit einem Loch im Deckel unter der hohen Hitze eines Feuers, erhaltet ihr ein hochglimmbares Stück Zunder! Wenn ihr dann den abgekühlten verkohlten Zunderlappen, ein Schlageisen und einen Feuerstein in euren Händen haltet, kann es losgehen.
Falls ihr keinen Zunder zur Hand habt, lassen sich auch kleine Baumwollstücken hervorragend zu sogenanntem „Black Jack“ verkohlen. Auch Holzkohlestifte lassen sich in der Metalldose unter dem Ausschluss von Sauerstoff herstellen (Pyrolyse).
Holzkohle kann Wasser speichern, sich im Kompost mit Nährstoffen aufladen und dann zur Bodenverbesserung eingesetzt werden.

Das Trama des Zunderschwammes ist außerdem blutstillend und hat eine heilende Wirkung. Auch hier hat sich Ötzi kleine Stücke als Pflaster auf Wunden gelegt und sich so selbst behandelt. Übrigens hatte der Zunderschwamm wohl noch einen weiteren Nutzen. Auf dem Körper von Ötzi entdeckte man über 60 kleine Tätowierungen, die mit einem Knochen oder Kupferwerkzeug unter der Verwendung von Ruß und Kohlestaub aus Lagerfeuern gemacht wurden. Erstaunlicherweise befinden sich diese Tätowierungen auf therapeutischen Punkten. Gut markiert waren diese schnell wieder zu finden. Medizinhistoriker vermuten folgendes: Mit glimmenden Zunderstückchen, die über die Tätowierungen gehalten wurden, konnte er so rheumatische Beschwerden durch die tiefenwirksame Heilglut lindern.
Die weitere Entwicklung des Feuers
Im 18. Jhd. erfand man dann die ersten Zündhölzer mit weißem, jedoch stark giftigem Phosphor. Sie waren so leicht selbstentzündlich, dass es bei nur leichten Erschütterungen immer wieder zu gefährlichen Bränden und zu den verschiedensten Verletzungen kam. 1844 wurde der weiße Phosphor durch den roten ungiftigen ersetzt. Reibefläche und Phosphorfläche waren von nun ab voneinander getrennt und von nun ab konnte man sicher ein Feuer entzünden. 1855 wurden die sogenannten Schwedenhölzer zum Verkaufsschlager.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es dann immer mehr Sicherheits-Zündholzer und auch das erste Reibrad-Feuerzeug (Auermetall) wurde erfunden. Benzin-, Zipposturm-, und Gasfeuerzeuge folgten, bis 1961 das erste Einwegfeuerzeug aus Plastik der französischen Firma Feudor erschien.
1970 findet das Piezo-Feuerzeug Marktzugang. Das bisherige Reibrad und der abnutzbare Feuerstein werden durch eine elektrische Zündung ersetzt. Durch das Herunterdrücken schlägt ein kleiner Hammer auf einen sogenannten Piezo-Kristall. Durch mechanische Spannung entsteht ein elektrischer Funken. Das ausströmende Gas wird entzündet.
Eine besonders spannende Methode Funken zu erzeugen, ist die Verwendung eines sogenannten Feuerstahles. Er besteht aus Ferrocerium, einem Mischmetall aus Cer und Eisen (Auermetall). Durch das Abschaben entstehen bis zu 3000 Grad heiße Funken, welche auf einem trockenen Material mit feiner faseriger Struktur eine winzige, glimmende Glut entstehen lassen. Diese Glut kann man dann wieder aktiv zu einer echten Flamme weiterentwickeln. In modernen Ausführungen sind tatsächlich minimale Mengen an Magnesium enthalten, um das Auermetall zu stärken und die Funkenqualität zu verbessern. Fälschlicherweise wird der Feuerstahl daher auch oft als Magnesiumstab bezeichnet.
Doch woher kommt die Verwechslung? In der Zeit des kalten Krieges wurde der Magnesium Feuerstarter erfunden. Mit Hilfe eines Messer kratzt man vorsichtig kleine, silberne hochoxidative Späne von einem Magnesiumblock ab und sammelt sie auf trockenem brennbarem Material, die zusammen den Brennstoff bilden. Anschließend schabt man mikroskopisch kleine Teilchen von einem Ferroceriumstab ab. Die heißen Funken treffen dann auf die feinen Magnesiumspäne, welche sofort Feuer fangen und das Material um sich herum entzünden. Sogar feuchtes Material kann damit entzündet werden, da es durch die heißen Temperaturen sofort trocknet. Für die Soldaten war dies eine wichtiger Begleiter.
Heutzutage können wir mit sogenannten Lichtbogenfeuerzeugen Brennbares entzünden, ohne das wir Gas oder Benzin benötigen. Der Akku erzeugt über Elektroden einen extrem heißen Plasmastrom, der absolut wind- und wetterunabhängig ist und einfach per USB aufgeladen wird.
Wir haben uns in der Menschheitsgeschichte bisher einiges einfallen lassen, um Feuer immer leichter in unserem Alltag zu holen. Dabei haben wir immer effektivere Methoden und Techniken entwickelt, um das so wichtige Element wie aus dem Nichts zu erschaffen.
Zugegeben, das mag in vielen Momenten praktisch und verlockend einfach sein. Ich persönlich finde jedoch, dass besonders die alten Techniken reizvoll sind und ein Feuer, dass aus eigener Schöpferkraft entsteht, eine ganz andere Qualität und Wärme ausstrahlt…
Und auch wenn wir das oft in unseren mit Heizungen ausgestatteten Wohnungen vergessen – hinter jeder Wärmequelle steckt immer noch das Feuer.
Vom Funken bis zum Feuer
Egal, welche Technik du wählst… entscheidend ist, das Feuerkind großzuziehen. Sei also gut vorbereitet, um das Feuer zu nähren und habe alle deine Materialien beisammen:
Ralph Müller, ein erfahrener Wildnismentor, beschreibt den Prozess folgendermaßen:
Das Sonnenkind:
Egal ob Funken schlagen, Holzreibung usw.- Liebespaare erzeugen etwas Neues. Dein Funken benötigt ein Nest. Das Material besitzt Haarstärke bis etwa Strohdicke: flauschige Samen von Löwenzahn, Schilf, zerriebene alte Brennsesselstängel, trockenes Gras etc.. Fein abgeschabte Birkenrinde fängt extrem leicht Feuer und ist ein super Brennstoff, denn Birkenrinde enthält Betulin, also ein hochentzündliches Öl. Fällt der Funke in dein Nest und glimmt, dann puste vorsichtig und beständig. Wenn es stark qualmt, braucht es nicht mehr viel und dein Nest fängt nach weiterem stärkeren Pusten Feuer. Entzündet es sich plötzlich, dann drehe es vorsichtig um, denn Feuer brennt nach oben.

[…Immer gut vorbereitet sein: verschiedene Materialien und Holzstärken, ein Feuernest im Metallsieb lässt sich besonders gut bauen…]
Kinderfeuer:
Beschütze dein Kind vor zu viel Wind. Nähre es mit sehr dünnem trockenem Holz. Gut geeignet ist Weichholz (alle Nadelhölzer). Weiche Laubhölzer erkennst du mit dem Fingernageltest. Bleibt eine Fingernagelspur zurück, ist es gut geeignet. Pappel, Weide, vor allem Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche brennen sehr hell und schnell und sind gut spalt- und schnitzbar. Dünne Holzlocken, Streichholz bis Bleistiftdicke, feine Ästchen, fein gespaltene Holzspäne und trockene Staudenstängel lassen das Feuer wachsen.
Junges Feuer:
Ist wild, lodernd und teils unberechenbar. Pass also beim Nachlegen auf, sonst kann es außer Kontrolle geraten. Du kannst nun vorsichtig dickeres Holz nachlegen, in Kleinfinger- bis doppelte Daumendicke. Anschließend kleine Äste und gespaltenes Holz. Die erste Glut entsteht.
Erwachsenes Feuer:
Ruht und brennt beständig. Handgelenkstarkes (Hart)holz, gespalten und ungespalten kann aufgelegt werden, jedoch nicht zu früh, sonst qualmt es. Dieses Feuer brennt ruhiger und heißer – gut um sich aufzuwärmen oder um Sachen zu trocknen. Auch Kochen und Backen von Stockbrot über der Glut funktioniert. Die Glut kann wieder zusammengeschoben werden und brennt dann weiter.
Ältesten-Feuer:
Ruht noch mehr in sich. Unterarmdickes Holz erreicht sehr hohe Temperaturen. Die Glut ist so heiß, dass ganze Bereiche im Feuer weiß leuchten und sie hält oft bis zum nächsten Tag an. Gräbt man am nächsten Tag unter der Asche, so findet man mit großer Sicherheit ein Glimmen, welches man in ein kleines Zundernest geben kann und die Reise beginnt von Neuem…
Immer gut vorbereitet sein – das richtige Holz je nach Phase:
Leichtes trockenes Knack-Holz, stehendes Totholz ohne Rinde, bodenferne tote rindenlose Äste, gut abgelagertes Scheitholz in verschiedenen Größen. Grünes nasses Holz, kann am Lagerfeuer oder als Windschutz dienend vorgetrocknet werden. Zu Beginn verwendet man Weichholz, anschließend Hartholz. Spaltest du mit dem Messer, so verwende nur Weichholz.
Die Heilkraft des Feuers – Was Feuer mit mir macht:
Wenn ich ins Feuer schaue:
komme ich zur Ruhe, meine Gedanken verfliegen und es entsteht ein inspirierender Raum
Wie Feuer verbindet:
Drum herum einen Rat abhalten, Geschichten erzählen, Diskutieren, Austauschen, Lieder singen, Tanzen
Wie Feuer heilt:
Räuchern, Schwitzhütte, Heilung auf körperlicher und geistiger Ebene
Achtsamer Umgang mit Feuer – Feueretikette:
- nichts hineinschmeißen … > wir wollen Funken- und Glutflug vermeiden
- auf trockenes Holz und passende Holzstärken achten … > wir wollen Qualm vermeiden
- auf Feuergröße achten … > nur so groß wie es nötig ist, denn Feuer kann unkontrollierbar werden
- respektvollen Abstand einhalten … > nur so nah ans Feuer wie es mit der Hand angenehm ist
- richtiges Löschen und abkühlen lassen … > denn Restglut kann weitere Feuer entfachen
Wo ist Feuer machen eigentlich erlaubt und wo nicht?

In Deutschland ist das Feuermachen in der offenen Landschaft ohne Genehmigung grundsätzlich verboten.
Offiziell ausgewiesene Feuerstellen darfst du benutzen. Auf Privatgrund ist das Feuermachen erlaubt, wenn der Grundeigentümer zustimmt. Sei dir aber bewusst: Sobald du ein Feuer entfachst, hast du die volle Verantwortung für den Platz mit dem ganzen Leben um dich herum.
Bei erhöhter Waldbrandstufe ist es grundsätzlich verboten, ein offenes Feuer zu machen.
Hast du Feuer gefangen und möchtest dein eigenes Feuer entfachen? Sehr gut! Dann komm gerne mit deiner Klasse zu einem Feuerworkshop in die Berliner Waldschulen. Von Oktober bis Ende März bieten wir Gruppen die Möglichkeit, ein Feuer in sicherem Rahmen zu entzünden. Weitere Infos findet ihr hier. Wir freuen uns auf Euch! Feuer auf die Ohren? Hier gehts zu unserem Podcast.
Eure Berliner Waldschulen
Autor: Micha Alt





































