Die rote Blume

Die rote Blume

Da leuchtet was in meiner Kindheitserinnerung auf! Und bei dir?

Im Dschungelbuch meint Panther Baghira damit das „Feuer“, doch kein Tier mag es bei seinem Namen nennen. In zu großer Furcht leben die Tiere vor dem lodernden Licht. Der Affenkönig King Louie will Mogli dazu bringen, das Geheimnis des Feuers zu verraten. Als Gegenleistung bietet er ihm die gemeinsame Herrschaft über den gesamten Dschungel an. Aus einem Dorf bringt Mogli das Feuer in den Dschungel und alles verändert sich…

Wie ist das Feuer in unser Leben getreten, wie hat es unser Leben verändert und was bedeutet es heute noch für uns?

Das bleibt wohl für immer ein Geheimnis! Beobachtet haben die Menschen aber, dass Feuer auf natürliche Weise entstehen kann, wie z.B. durch Vulkanausbrüche, Blitzschlag und manchmal auch durch Selbstentzündung. Wahrscheinlich wurden solche Feuer vom Homo erectus entdeckt und sorgfältig weitertransportiert. Auch wenn Feuer eine zerstörerische Kraft besitzt, so schenkt es auch viel Licht, Wärme und Schutz vor wilden Tieren. Und Nahrung kann man auch noch damit zubereiten! Archäologische Funde in einer Höhle in Südafrika weisen darauf, dass „Frühmenschen“ schon Umgang mit dem Feuer pflegten. Bei einer Feuerstelle fand man die Reste von verbrannten Knochen und Pflanzenteilen.

Doch irgendwann geht Feuer auch einmal aus… Und nun? Was tun?! Am besten lernen…

Das erste Feuer – Zündende Ideen!

In der Steinzeit hat es dann gezündet. Funde aus der Steinzeit belegen, dass die Neandertaler bereits Faustkeile und Axtköpfe als steinzeitliche Feuerzeuge nutzten. Spuren an ihren Werkzeugen verraten, dass sie mit Glimmstein (Pyrit) auf Feuersteine schlugen und so Funken erzeugten.

In anderen Teilen der Welt kam es ebenso zu zündenden Ideen. So wurden bei Ausgrabungen in Kanada über 6000 Jahre alte, aber doch gut erhaltene Holzwerkzeuge im Schlamm gefunden. Die Ureinwohner Nordamerikas erschafften mit der Technik des sogenannten Feuerbohrens durch Reibung heiße Glut.

Ein solcher Feuerbogen lässt sich einfach selbst bauen. Als Schnur hat sich eine 5 mm dicke Reepschnurr bewährt. Das Feuerbrett sowie die Spindel sind aus weichem Holz (Hasel, Linde, etc.). Das Drückstück sollte besser aus Hartholz (z. B. Buche) bestehen.

Mit ein bisschen Übung und Geschick lässt sich so schwarzer Holzstaub mit einer glimmenden Glut herstellen, die dann vorsichtig in ein vorbereitetes Zundernest gelegt werden kann.

Das brennt wie Zunder!

Als man die Gletschermumie Ötzi 1991 in den Ötztaler Alpen fand und genauer untersuchte, staunte man nicht schlecht.

Der Jäger und Sammler lebte in der Kupfersteinzeit und hatte schon damals einen besonderen Pilz bei sich, den Zunderschwamm. Dieser Pilz wächst als Schwächeparasit und Totholzzersetzer an Buchen und Birken. Unter der harten Schale liegt eine weiche braune filzartige Schicht, das Trama. In seiner Ausrüstung fand man einige herausgearbeitete Zunderlappen. Er benutzte sie um Funken aufzufangen und machte mit dieser glimmenden Glut ein Feuer. Mithilfe des Zunderschwamms transportierte der Mann aus dem Eis dann wieder einen glimmenden Funken über weite Distanzen und konnte erneut ein Feuer damit entfachen. Und was fand man bei weiteren Untersuchungen auf den Zunderstückchen? Da war doch was! – ein Staub von einem Glimmstein – Pyrit…

Vor ca. 2500 Jahren wurde dann das Schlageisen erfunden. Dieses mit Kohlenstoff angreicherte Eisen ist stabiler als Pyrit und war bis in die Neuzeit (15 Jhd.) die Art Feuer zu machen!
Schlägt man mit dem Schlageisen an eine scharfe Feuersteinkante, so entstehen feine glühende Eisenspäne mit einer Temperatur von 800-1000 Grad. Diese Funken wurden mit dem oben beschriebenen Pilzgewebe (Trama) aufgefangen.
Einmal aufgefangen frisst sich der Funke durch das Trama. Packt man das glimmende Stückchen dann in ein kleines Nest (siehe oben) aus trockenem Material wie Gräser, Ästchen, Birkenrinde, Schilfrohr, flauschige Samen usw. dann kann man durch Pusten eine Flamme erzeugen!

Ein Drama mit dem Trama?

Zugegeben, es ist viel Übung erforderlich, um einen Funken zu erzeugen und diesen dann auch noch auf einem Stück aufzufangen. Aber nur Mut, es lohnt sich! Profi-Tipp: Besonders gut geht das auf verkohltem Zunder. Dieses Spezial-Trama könnt ihr auch selbst herstellen. Besonders gut kann man diese braune samtige Schicht von frischen Zunderschwämmen ernten, die ihr dann im Anschluss gut trocknen müsst.

Verkohlt ihr dieses Stück dann in einer Metalldose mit einem Loch im Deckel unter der hohen Hitze eines Feuers, erhaltet ihr ein hochglimmbares Stück Zunder! Wenn ihr dann den abgekühlten verkohlten Zunderlappen, ein Schlageisen und einen Feuerstein in euren Händen haltet, kann es losgehen.

Falls ihr keinen Zunder zur Hand habt, lassen sich auch kleine Baumwollstücken hervorragend zu sogenanntem „Black Jack“ verkohlen. Auch Holzkohlestifte lassen sich in der Metalldose unter dem Ausschluss von Sauerstoff herstellen (Pyrolyse).

Holzkohle kann Wasser speichern, sich im Kompost mit Nährstoffen aufladen und dann zur Bodenverbesserung eingesetzt werden.

Das Trama des Zunderschwammes ist außerdem blutstillend und hat eine heilende Wirkung. Auch hier hat sich Ötzi kleine Stücke als Pflaster auf Wunden gelegt und sich so selbst behandelt. Übrigens hatte der Zunderschwamm wohl noch einen weiteren Nutzen. Auf dem Körper von Ötzi entdeckte man über 60 kleine Tätowierungen, die mit einem Knochen oder Kupferwerkzeug unter der Verwendung von Ruß und Kohlestaub aus Lagerfeuern gemacht wurden. Erstaunlicherweise befinden sich diese Tätowierungen auf therapeutischen Punkten. Gut markiert waren diese schnell wieder zu finden. Medizinhistoriker vermuten folgendes: Mit glimmenden Zunderstückchen, die über die Tätowierungen gehalten wurden, konnte er so rheumatische Beschwerden durch die tiefenwirksame Heilglut lindern.

Die weitere Entwicklung des Feuers

Im 18. Jhd. erfand man dann die ersten Zündhölzer mit weißem, jedoch stark giftigem Phosphor. Sie waren so leicht selbstentzündlich, dass es bei nur leichten Erschütterungen immer wieder zu gefährlichen Bränden und zu den verschiedensten Verletzungen kam. 1844 wurde der weiße Phosphor durch den roten ungiftigen ersetzt. Reibefläche und Phosphorfläche waren von nun ab voneinander getrennt und von nun ab konnte man sicher ein Feuer entzünden. 1855 wurden die sogenannten Schwedenhölzer zum Verkaufsschlager.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es dann immer mehr Sicherheits-Zündholzer und auch das erste Reibrad-Feuerzeug (Auermetall) wurde erfunden. Benzin-, Zipposturm-, und Gasfeuerzeuge folgten, bis 1961 das erste Einwegfeuerzeug aus Plastik der französischen Firma Feudor erschien.

1970 findet das Piezo-Feuerzeug Marktzugang. Das bisherige Reibrad und der abnutzbare Feuerstein werden durch eine elektrische Zündung ersetzt. Durch das Herunterdrücken schlägt ein kleiner Hammer auf einen sogenannten Piezo-Kristall. Durch mechanische Spannung entsteht ein elektrischer Funken. Das ausströmende Gas wird entzündet.

Eine besonders spannende Methode Funken zu erzeugen, ist die Verwendung eines sogenannten Feuerstahles. Er besteht aus Ferrocerium, einem Mischmetall aus Cer und Eisen (Auermetall). Durch das Abschaben entstehen bis zu 3000 Grad heiße Funken, welche auf einem trockenen Material mit feiner faseriger Struktur eine winzige, glimmende Glut entstehen lassen. Diese Glut kann man dann wieder aktiv zu einer echten Flamme weiterentwickeln. In modernen Ausführungen sind tatsächlich minimale Mengen an Magnesium enthalten, um das Auermetall zu stärken und die Funkenqualität zu verbessern. Fälschlicherweise wird der Feuerstahl daher auch oft als Magnesiumstab bezeichnet.

Doch woher kommt die Verwechslung? In der Zeit des kalten Krieges wurde der Magnesium Feuerstarter erfunden. Mit Hilfe eines Messer kratzt man vorsichtig kleine, silberne hochoxidative Späne von einem Magnesiumblock ab und sammelt sie auf trockenem brennbarem Material, die zusammen den Brennstoff bilden. Anschließend schabt man mikroskopisch kleine Teilchen von einem Ferroceriumstab ab. Die heißen Funken treffen dann auf die feinen Magnesiumspäne, welche sofort Feuer fangen und das Material um sich herum entzünden. Sogar feuchtes Material kann damit entzündet werden, da es durch die heißen Temperaturen sofort trocknet. Für die Soldaten war dies eine wichtiger Begleiter.

Heutzutage können wir mit sogenannten Lichtbogenfeuerzeugen Brennbares entzünden, ohne das wir Gas oder Benzin benötigen. Der Akku erzeugt über Elektroden einen extrem heißen Plasmastrom, der absolut wind- und wetterunabhängig ist und einfach per USB aufgeladen wird.

Wir haben uns in der Menschheitsgeschichte bisher einiges einfallen lassen, um Feuer immer leichter in unserem Alltag zu holen. Dabei haben wir immer effektivere Methoden und Techniken entwickelt, um das so wichtige Element wie aus dem Nichts zu erschaffen.
Zugegeben, das mag in vielen Momenten praktisch und verlockend einfach sein. Ich persönlich finde jedoch, dass besonders die alten Techniken reizvoll sind und ein Feuer, dass aus eigener Schöpferkraft entsteht, eine ganz andere Qualität und Wärme ausstrahlt…
Und auch wenn wir das oft in unseren mit Heizungen ausgestatteten Wohnungen vergessen – hinter jeder Wärmequelle steckt immer noch das Feuer.

Vom Funken bis zum Feuer

Egal, welche Technik du wählst… entscheidend ist, das Feuerkind großzuziehen. Sei also gut vorbereitet, um das Feuer zu nähren und habe alle deine Materialien beisammen:

Ralph Müller, ein erfahrener Wildnismentor, beschreibt den Prozess folgendermaßen:

Das Sonnenkind:

Egal ob Funken schlagen, Holzreibung usw.- Liebespaare erzeugen etwas Neues. Dein Funken benötigt ein Nest. Das Material besitzt Haarstärke bis etwa Strohdicke: flauschige Samen von Löwenzahn, Schilf, zerriebene alte Brennsesselstängel, trockenes Gras etc.. Fein abgeschabte Birkenrinde fängt extrem leicht Feuer und ist ein super Brennstoff, denn Birkenrinde enthält Betulin, also ein hochentzündliches Öl. Fällt der Funke in dein Nest und glimmt, dann puste vorsichtig und beständig. Wenn es stark qualmt, braucht es nicht mehr viel und dein Nest fängt nach weiterem stärkeren Pusten Feuer. Entzündet es sich plötzlich, dann drehe es vorsichtig um, denn Feuer brennt nach oben.

[…Immer gut vorbereitet sein: verschiedene Materialien und Holzstärken, ein Feuernest im Metallsieb lässt sich besonders gut bauen…]

Kinderfeuer:

Beschütze dein Kind vor zu viel Wind. Nähre es mit sehr dünnem trockenem Holz. Gut geeignet ist Weichholz (alle Nadelhölzer). Weiche Laubhölzer erkennst du mit dem Fingernageltest. Bleibt eine Fingernagelspur zurück, ist es gut geeignet. Pappel, Weide, vor allem Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche brennen sehr hell und schnell und sind gut spalt- und schnitzbar. Dünne Holzlocken, Streichholz bis Bleistiftdicke, feine Ästchen, fein gespaltene Holzspäne und trockene Staudenstängel lassen das Feuer wachsen.

Junges Feuer:

Ist wild, lodernd und teils unberechenbar. Pass also beim Nachlegen auf, sonst kann es außer Kontrolle geraten. Du kannst nun vorsichtig dickeres Holz nachlegen, in Kleinfinger- bis doppelte Daumendicke. Anschließend kleine Äste und gespaltenes Holz. Die erste Glut entsteht.

Erwachsenes Feuer:

Ruht und brennt beständig. Handgelenkstarkes (Hart)holz, gespalten und ungespalten kann aufgelegt werden, jedoch nicht zu früh, sonst qualmt es. Dieses Feuer brennt ruhiger und heißer – gut um sich aufzuwärmen oder um Sachen zu trocknen. Auch Kochen und Backen von Stockbrot über der Glut funktioniert. Die Glut kann wieder zusammengeschoben werden und brennt dann weiter.

Ältesten-Feuer:

Ruht noch mehr in sich. Unterarmdickes Holz erreicht sehr hohe Temperaturen. Die Glut ist so heiß, dass ganze Bereiche im Feuer weiß leuchten und sie hält oft bis zum nächsten Tag an. Gräbt man am nächsten Tag unter der Asche, so findet man mit großer Sicherheit ein Glimmen, welches man in ein kleines Zundernest geben kann und die Reise beginnt von Neuem…

Immer gut vorbereitet sein – das richtige Holz je nach Phase:

Leichtes trockenes Knack-Holz, stehendes Totholz ohne Rinde, bodenferne tote rindenlose Äste, gut abgelagertes Scheitholz in verschiedenen Größen. Grünes nasses Holz, kann am Lagerfeuer oder als Windschutz dienend vorgetrocknet werden. Zu Beginn verwendet man Weichholz, anschließend Hartholz. Spaltest du mit dem Messer, so verwende nur Weichholz.

Die Heilkraft des Feuers – Was Feuer mit mir macht:

Wenn ich ins Feuer schaue:

komme ich zur Ruhe, meine Gedanken verfliegen und es entsteht ein inspirierender Raum

Wie Feuer verbindet:

Drum herum einen Rat abhalten, Geschichten erzählen, Diskutieren, Austauschen, Lieder singen, Tanzen

Wie Feuer heilt:

Räuchern, Schwitzhütte, Heilung auf körperlicher und geistiger Ebene

Achtsamer Umgang mit Feuer – Feueretikette:

  • nichts hineinschmeißen … > wir wollen Funken- und Glutflug vermeiden
  • auf trockenes Holz und passende Holzstärken achten … > wir wollen Qualm vermeiden
  • auf Feuergröße achten … > nur so groß wie es nötig ist, denn Feuer kann unkontrollierbar werden
  • respektvollen Abstand einhalten … > nur so nah ans Feuer wie es mit der Hand angenehm ist
  • richtiges Löschen und abkühlen lassen … > denn Restglut kann weitere Feuer entfachen

Wo ist Feuer machen eigentlich erlaubt und wo nicht?

In Deutschland ist das Feuermachen in der offenen Landschaft ohne Genehmigung grundsätzlich verboten.
Offiziell ausgewiesene Feuerstellen darfst du benutzen. Auf Privatgrund ist das Feuermachen erlaubt, wenn der Grundeigentümer zustimmt. Sei dir aber bewusst: Sobald du ein Feuer entfachst, hast du die volle Verantwortung für den Platz mit dem ganzen Leben um dich herum.
Bei erhöhter Waldbrandstufe ist es grundsätzlich verboten, ein offenes Feuer zu machen.

Hast du Feuer gefangen und möchtest dein eigenes Feuer entfachen? Sehr gut! Dann komm gerne mit deiner Klasse zu einem Feuerworkshop in die Berliner Waldschulen. Von Oktober bis Ende März bieten wir Gruppen die Möglichkeit, ein Feuer in sicherem Rahmen zu entzünden. Weitere Infos findet ihr hier. Wir freuen uns auf Euch! Feuer auf die Ohren? Hier gehts zu unserem Podcast.

Eure Berliner Waldschulen

Autor: Micha Alt

Begegnung mit einer Ringelnatter

Begegnung mit einer Ringelnatter

Zwei Ringelnattern bei der Paarung

Die häufigste Schlangenart, die wir in Deutschland haben, ist die Ringelnatter (Natrix natrix). Diese ist zugleich der größte Vertreter aus der Gattung der westeuropäischen Schwimmnattern (Natrix). Während Männchen dieser Art bis zu 90 cm groß werden können, können Weibchen Größen von bis zu 150 cm erreichen. Obwohl Schlangen oft gefürchtet werden, sind alle in Deutschland lebenden Nattern für den Menschen komplett ungefährlich. Bei einer Begegnung mit einem Menschen werden die Schlangen meist fliehen, oder sich sogar totstellen, allerdings hatte ich letztens im Wald eine Begegnung mit einer Ringelnatter, bei der das ein wenig anders gelaufen ist. Vorher jedoch, wie erkennt man eigentlich eine Ringelnatter?

Abgesehen davon, dass von den sieben in Deutschland lebenden Schlangenarten die meisten stark bedroht sind und daher sowieso nur mit viel Glück begegnet werden können, unterscheidet sich die Ringelnatter auch in einigen markanten Merkmalen von den anderen Arten. Das wohl offensichtlichste Merkmal ist die auffällige Nackenzeichnung der Ringelnatter. Sie hat nämlich gelbliche Flecken in Form von Halbmonden am hinteren Ende des Kopfes, welche von einigen schwarzen Flecken eingegrenzt werden. Der Rücken der Ringelnatter ist grau und die Bauchunterseite ist gelb/schwarz, mit einem Muster, dass bei jedem Individuum einzigartig ist und selbst nach einer Häutung noch gleich bleibt.

Doch nun zu meiner Begegnung. Diese hat sich im Bucher Forst ereignet. Es war ein warmer Tag, die Sonne schien. Ich bin zur Zeit der Begegnung auf einem Pfad in den Wald gelaufen, als ich plötzlich aus dem Gebüsch zu meiner Linken das Knistern von Laub gehört habe. Ich hielt inne, mein Blick schwenkte nach links. Das war der Moment, an dem keinen Meter von mir entfernt eine Ringelnatter aus dem Unterholz kroch und, von meiner Präsens gänzlichst ungestört, den Weg zielstrebig überquerte. Die Natter war deutlich als ein adultes Weibchen zu erkennen. Ich beobachtete sie ruhig, kehrte später jedoch noch einmal zur selbigen Stelle zurück. Von dort aus ging ich abseits des Weges und hielt nach der Ringelnatter Ausschau, als ich sie tatsächlich auf ein weiteres erspähte. Sie war jedoch nicht mehr allein, mit ihr war ein Männchen, mit welchem sie sich gerade am paaren war.

Die Paarungszeit bei Ringelnattern geht von April bis Mai, die Eiablage erfolgt darauf zwischen Juli und August. Es werden meist um die 30 Eier gelegt. Das hört sich erstmal reichlich an, jedoch überleben wie gewöhnlich nur die Wenigsten, der Großteil wird gefressen. Zu den Fressfeinden zählen unter anderem Greifvögel, Füchse, Ratten und Marderartige. Zusätzliche Gefährdungen sind Habitatsverlust und Nahrungsmangel, was die Ringelnatter immer schwerer bedroht. Ringelnattern brauchen einige wichtige Aspekte in ihrem Lebensraum, um gut leben zu können. Sie benötigen unter Anderem langsam fließende Gewässer, geschützte Sonnenplätze, geeignete Schattenplätze, trockene Winterquartiere und Möglichkeiten zur Eiablage, wobei sie auf Orte setzen, die ihre Wärme selber halten können (z.B.: Komposthaufen). Auch die Nahrung wird immer knapper. Die Hauptnahrung besteht aus Amphibien, welche allerdings aufgrund der Fischwirtschaft immer weniger werden, da die Fische den Laich fressen.

Zu dieser Zeit kann man übrigens auch die weiblichen Ringelnattern dabei beobachten, wie sie sich vermehrt sonnen. Im Ökowerk sind sie zum Beispiel gut dabei zu beobachten, wie sie auf einer Hecke liegen, wobei auch oft mehrere zur gleichen Zeit gemeinsam auf der Hecke sind. Dies tun sie, um das Wachstum der Embryonen in ihren Eiern zu beschleunigen.

Ringelnattern im Bucher Forst

Zum Abschluss noch ein Video meiner Begegnung.

Hier wird auch nochmal der Sexualdimorphismus der Ringelnatter durch den deutlichen Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen deutlich. In der Färbung sind sich Männchen und Weibchen sehr ähnlich, jedoch ist das Weibchen nicht nur größer, sondern hat auch noch einen größeren Kopf im Verhältnis zur Körpergröße.


Ein Bericht (Text, Bild und Video) von Kilian Entoch
im FÖJ in der Waldschule Grunewald und Waldmuseum

Ein Löwenkopf aus dem Wald

Ein Löwenkopf aus dem Wald

Stell dir einen Pilz vor, der aussieht wie eine weiße Löwenmähne. Er wächst leise an alten beziehungsweise abgestorbenen Buchen und Eichen. Und er kann mehr, als nur satt machen.
Der Igelstachelbart ist ein echtes Naturwunder. Er fasziniert Köche, Pilzzüchter und Heilkundler zugleich. Er schaffte es, 2026 Pilz des Jahres zu werden. In diesem Artikel nehme ich dich mit in seine Welt: vom Wald über die Pfanne bis in die moderne Pilzkunde.

Ein Pilz mit vielen Namen

Der wissenschaftliche Name lautet Hericium erinaceus. Doch viel bekannter ist er unter seinen bildhaften Namen:
Löwenmähne, Affenkopfpilz, Pom-Pom blanc oder Yamabushitake.
Alle Namen beschreiben sein auffälliges Aussehen. Statt Hut und Lamellen trägt er lange, weiche Stacheln. Sie hängen wie Haare nach unten. Genau das macht ihn so unverwechselbar.

So erkennst du den außergewöhnlichen Waldbewohner

Der Fruchtkörper wirkt erst knollig. Später wächst er zu einer runden, dichten Kugel heran. Seine Farbe reicht von Reinweiß bis leicht Gelb.
Typische Merkmale des Igelstachelbart sind ein Durchmesser von 10 bis zu 30 Zentimeter, Stacheln, die 2 bis 5 Zentimeter lang werden und Fruchtfleisch, welches weiß, fest und leicht faserig ist. Die Sporenpulverfarbe des Pilzes ist weiß.
Wenn du ihn frisch erntest, fühlt er sich derb an. Beim Schneiden erinnert die Struktur fast an Fleisch. Genau das macht ihn in der Küche so beliebt.

Wo der Igelstachelbart wächst und warum er Schutz braucht

Der Igelstachelbart liebt Ruhe. Und er liebt alte Wälder.
Du findest ihn fast nur an starkem, abgestorbenem Holz. Meist wächst er an Buchen oder Eichen. Er braucht Feuchte, Schatten und Zeit.
Sein Verbreitungsgebiet ist groß. Er kommt in Europa, Nordamerika und Ostasien vor. Doch trotz dieser weiten Verbreitung ist er selten.
In Deutschland gilt er als stark gefährdet. Die Rote Liste führt ihn in Kategorie 2. Besonders im Süden ist er kaum zu finden. Sichtbar wird er meist von September bis November.
Wichtig ist: Bitte schone wilde Bestände! Sammle ihn nicht im Wald! Greife lieber zu Kulturpilzen aus Zuchtbetrieben!

Vom Wald in die Zucht

Zum Glück lässt sich der Igelstachelbart gut züchten. Immer mehr Betriebe bauen ihn kontrolliert an. So bleibt die Natur geschützt. Und du bekommst frische Qualität.
Unter dem Namen Pom-Pom findest du ihn im Handel. Vor allem online oder im Feinkostladen. Der Preis liegt oft bei bis zu 30 Euro pro Kilo.
Auch spannend: Es gibt Zuchtsets für zu Hause.
Nach zwei bis drei Wochen kannst du bereits ernten. Die Fruchtkörper wachsen schnell und werden beeindruckend groß.

Geschmack, der überrascht

Viele vergleichen den Geschmack mit Hühnchen- mild, zart, leicht fruchtig.
Der Igelstachelbart nimmt Gewürze gut auf. Er passt zu Pfannen, Suppen oder Bowls.
Schneide den Pilz in Scheiben.
Brate ihn in etwas Öl goldbraun an.
Gib Salz, Pfeffer und frische Kräuter dazu.
Fertig ist ein herrliches und sättigendes Gericht

Heilpilz mit langer Geschichte

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt der Igelstachelbart seit Jahrhunderten eine Rolle. Dort schätzt man ihn für seine Wirkung auf Magen, Darm und Geist.
Besonders spannend sind seine Inhaltsstoffe:

  • Hericenone
  • Erinacene
    Diese Stoffe stehen im Fokus moderner Forschung. Erste Studien zeigen Hinweise auf positive Effekte bei Nerven und Gehirn. Auch bei altersbedingten Prozessen rückt der Pilz in den Blick.
    Wichtig ist dabei Ehrlichkeit:
    In Europa gilt Hericium meist als Nahrungsergänzung. Nicht als Arznei. Ein klarer Wirknachweis ist nicht möglich. Trotzdem wächst das Interesse rasant.

Ein großer Markt und viele Fragen

Im Jahr 2024 lag der weltweite Umsatz mit Hericium-Produkten bei rund 270 Millionen US-Dollar. In Deutschland schätzt man den Anteil auf 30 bis 35 Millionen.
Das zeigt:
Der Igelstachelbart ist mehr als ein Trend. Er steht für den Wunsch nach natürlichen Wegen zu mehr Wohlbefinden.
Tipps für dich: Achte auf Qualität! Informiere dich über Herkunft und Verarbeitung! Und erwarte keine Wunder über Nacht!

Warum der Igelstachelbart so gut in unsere Zeit passt

Dieser Pilz verbindet vieles: Naturschutz, Genuss, alte Lehren, neue Forschung.
Er erinnert uns daran, wie wertvoll langsames Wachstum ist. Und wie klug es sein kann, Natur und Wissen zusammenzubringen.
Wenn du neugierig bist, probiere ihn als Speisepilz. Oder informiere dich tiefer über seine Rolle als Heilpilz. Beides lohnt sich.

Fazit: Ein leiser Star mit großer Wirkung

Der Igelstachelbart ist kein lauter Pilz. Er drängt sich nicht auf.
Doch wer ihn kennt, vergisst ihn nicht.
Er sieht besonders aus.
Er schmeckt überraschend gut.
Und er erzählt eine Geschichte von Wald, Zeit und Balance.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum er heute so viele Menschen begeistert.

Wenn du noch mehr über den Igelstachelbart erfahren möchtest, dann schau dir doch gerne die Website und das Video von Rita und Frank Lüder an!

Verfasst von: Leonie Spannmann, Teilnehmerin des FÖJ 2025/26 in der Waldschule Bucher Forst

Der Hausrotschwanz

Der Hausrotschwanz

Jedes Jahr wird vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) der „Vogel des Jahres“ gekürt, um auf seine Lebensweise, Bedrohungen und seine Bedeutung für die Natur aufmerksam zu machen.

2025 fiel diese Wahl auf den bemerkenswerten Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros). Dieser hat nicht nur einen auffällig roten Schwanz und einen lebhaften Gesang, sondern auch eine enge Verbindung zum städtischen Raum. Weshalb er auch vor Herausforderungen steht, die durch den Wandel der Städte und Landschaften geschaffen werden.

Ein markanter Stadtbewohner

Der Hausrotschwanz ist ein mittelgroßer, in Europa weit verbreiteter Singvogel, der besonders in städtischen Gebieten, aber auch in ländlichen Regionen lebt. Er gehört zur Familie der Fliegenschnäpper und zeichnet sich durch seinen rostroten Schwanz aus. Neben der roten Schwanzfärbung hat der männliche Hausrotschwanz einen grauen Körper und ein dunkles Gesicht. Die Weibchen und Jungvögel sind hingegen eher graubraun. Hausrotschwänze werden zwischen 13-15 cm groß, 14-20 g schwer und leben ca. 7 Jahre.

Fotos: Dirk Vegelahn

Obwohl sie ursprünglich Felsen und steile Hänge besiedelten, leben sie nun häufig in der Nähe von Siedlungen. Dabei haben sie sich bestens an das Leben in Städten angepasst. Besonders häufig kann man den Hausrotschwanz an Nischen in Gebäuden, Dachstühlen oder anderen künstlichen Strukturen beobachten. Auch in ländlichen Gebieten, in denen alte Gebäude und Mauerwerke zu finden sind, ist der Hausrotschwanz oft anzutreffen.

Lebensweise und Fortpflanzung des Hausrotschwanzes

Der Hausrotschwanz ist ein Insektenfresser und jagt hauptsächlich Fluginsekten wie Fliegen und Mücken, aber auch andere wirbellose Tiere stehen auf seinem Speiseplan. Um diese zu fangen, nutzt er oft seine ausgezeichneten Flugfähigkeiten. Dafür hält er von einem erhöhten Punkt Ausschau und sobald er ein potentielles Beutetier entdeckt, stürzt er sich schnell auf es oder fängt es im Flug. Alternativ frisst der Hausrotschwanz auch Beeren und sucht auf dem Boden hüpfend nach Nahrung. Ihr Gesang ist unverwechselbar und besteht aus verschiedenen trillernden Tönen. Mit seinem Gesang ist der Hausrotschwanz meist schon 70 Minuten vor Sonnenaufgang zu hören. Der laute Gesang besteht aus klappernden, knirschenden, pfeifenden und fauchenden Elementen. Diese werden in wechselnder Reihenfolge wiederholt und hören sich an, als würde der Hausrotschwanz in ein Telefon singen, bei dem der Empfang schlecht ist. Auch mit einem scharf pfeifenden „fist“ lässt der Hausrotschwanz von sich hören. Dabei wird er oft mit dem sehr ähnlichen Gartenrotschwanz verwechselt.

Die Brutzeit beginnt meist im Frühjahr. Das Weibchen legt mehrere Eier in ein Nest, das oft unter Dächern oder in Spalten am Gebäude zu finden ist. Das Nest besteht aus Gräsern, Moos und Federn und wird vom Weibchen gebaut. Beide Elternteile kümmern sich um die Aufzucht der Jungvögel, die nach etwa 14 bis 16 Tagen ausfliegen und sich schnell selbst versorgen können.

Bedrohungen und Herausforderungen

Trotz seiner Anpassungsfähigkeit an städtische Lebensräume steht der Hausrotschwanz vor einigen Herausforderungen, die seine Bestände in Zukunft gefährden könnten. So werden z.B. durch Renovierungen und das Errichten von Neubauten ohne Nischen und Spalten die natürlichen Lebensräume und Brutplätze zerstört. Auch die zunehmende Versiegelung von Flächen und die Veränderung von Grünflächen schaden dem Hausrotschwanz. In dicht bebauten Städten fehlt es ihm geeigneten Nistplätzen.

Um die Hausrotschwänze bei der Suche nach Nistplätzen zu unterstützen, kann man deshalb einen Halbhöhlen-Nistkasten selbst bauen. Dafür findet ihr hier eine Anleitung des NABU.

Jedoch können sich die Lebensbedingungen des Hausrotschwanz auch durch die zunehmende Erderwärmung verändern. Extreme Wetterbedingungen wie starke Regenfälle oder längere Hitzeperioden treten häufiger auf und können die Fortpflanzung und das Überleben negativ beeinflussen.
Jedoch können sich die Lebensbedingungen des Hausrotschwanz auch durch die zunehmende Erderwärmung verändern. Extreme Wetterbedingungen wie starke Regenfälle oder längere Hitzeperioden treten häufiger auf und können die Fortpflanzung und das Überleben negativ beeinflussen.

Warum ist die Wahl des Hausrotschwanzes als „Vogel des Jahres“ wichtig?

Mit seinem Jahresvogel-Wahlspruch „Mut zur Lücke“ drückt der Hausrotschwanz auf lustige Art und Weise aus, dass es wichtig ist, unsere Städte naturnah zu halten. Denn auch die Städte sind Lebensräume für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Für ein harmonisches Zusammenleben müssen wir nicht nur die Lebensräume von den Tieren bewahren, sondern auch pflegen.
Somit wird auch unser Leben grüner!

Pilzparty im Keller: So einfach züchtest du deine eigenen Speisepilze

Pilzparty im Keller: So einfach züchtest du deine eigenen Speisepilze

Pilze sind faszinierende Lebewesen, die oft im Schatten ihrer auffälligeren pflanzlichen und tierischen Nachbarn stehen. Doch ihre Bedeutung für unser Ökosystem ist immens und wird von den meisten Menschen gänzlich unterschätzt. Sie sind nicht nur unersetzliche Recycler, die organisches Material abbauen und Nährstoffe zurück in den Boden bringen, sondern auch wichtige Symbiosepartner für Pflanzen, wobei sie diese z.B. bei ihrem Wachstum unterstützen. Zudem sind sie eine nachhaltige Nahrungsquelle, alternative Medizin und finden schon lange Einsatz in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen. Das Potential ist riesig! Wir waren schon immer mit Pilzen verbunden und werden auch in Zukunft mit ihnen kooperieren. Zeit, auf Tuchfühlung zu gehen mit diesen wundersamen Kreaturen!

Pilzzucht-Workshop im MaHalla

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung immer wichtiger werden, können wir viel von Pilzen lernen. Darum machten wir uns als FÖJ-Gruppe (Freies ökologisches Jahr) der Berliner Waldschulen auf den Weg ins MaHalla nach Oberschönweide in Berlin, um dort an einem Pilzzucht-Workshop im Labor der „Mycelionaires“ teilzunehmen. Früh morgens traf sich unsere Gruppe mit leeren Gastroeimern und Pappkarton auf dem Gelände. Zur Begrüßung gab es erstmal – man könnte es vermuten – einen selbstgemachten, würzig-leckeren Reishi-Pilztee, der uns bei den doch noch recht frostigen Temperaturen aufwärmte. Bei einer kurzen Vorstellungsrunde stellten wir schnell fest, dass unsere bisherigen Erfahrungen mit Pilzen recht unterschiedlich ausfielen. Waren manchen Pilzen bisher nur auf der Pizza begegnet, erwiesen sich andere von uns als eifrige Sammler und Kenner. Anschließend betraten wir über einen Keller das Pilzzuchtlabor, wo unser eigentlicher Workshop startete. 

Die geheimnisvolle Welt der Pilze: Überraschende Enthüllungen

Zunächst erfuhren wir, dass das, was die meisten Menschen gemeinhin und umgangssprachlich unter Pilzen verstehen, gar nicht die eigentlichen Pilze sind. Vielmehr ist der für uns sichtbare oberirdische Teil, der gerne gesammelt und verspeist wird, lediglich der Fruchtkörper des Pilzes. Also in etwa das, was der Apfel des Apfelbaumes ist. Der eigentliche Pilz befindet sich unter der Erde und besteht aus dem sogenannten „Myzel“.

Dieser vegetative Teil des Pilzes besteht aus vielen fadenförmigen Zellen, den „Hyphen“. Sie sind mit 1/100 mm so klein, das wir sie nur in der Gesamtheit erkennen können. Das Myzel durchzieht jeden Millimeter unseres Bodens, nistet sich in Holz ein oder zersetzt andere organische Materialien. Über ihre feinen Zellfäden sondern sie komplizierte chemische Substanzen ab – Enzyme und Säuren zerlegen komplexe Stoffe. Der Pilz nimmt dann Nährstoffe und Wasser auf und versorgt sich so mit überlebenswichtigen Stoffen, die mitunter für das Wachstum relevant sind. Pilze wachsen also in ihre Lieblingsnahrung hinein, ein schöner Gedanke! Doch das ist noch nicht alles: In einer Welt voller Mikroben müssen sie sich stets behaupten, um zu überleben. Mit ihrem Arsenal an komplexen Säuren und Enzymen sind sie die wohl besten Chemiker und kommen so auch bei der Entgiftung verseuchter Landschaften immer häufiger zum Einsatz.

Myzel – Wunderwerk der Natur!

Viele Pilze sind Saprobionten, das heißt, sie ernähren sich von totem organischem Material.  Ihr Myzel spielt eine wichtige Rolle beim Abbau von komplexen organischen Verbindungen wie beispielsweise die im Holz vorkommenden Stoffe Cellulose und Lignin. Dabei werden Nährstoffe recycelt, was wiederum den Böden zugutekommt.

Andere Pilze wiederum stehen zudem mit Pflanzen in symbiotischen Beziehungen. Dabei tauschen der Pilz und die Pflanze Nährstoffe, wobei der Pilz Wasser und Mineralstoffe wie Phosphor an die Pflanze liefert und im Gegenzug Kohlenhydrate, also die Photosyntheseprodukte der Pflanze, erhält. Diese Art der Symbiose wird auch Mykorrhiza (altgr. mýkēs ‚Pilz‘ und rhiza ‚Wurzel´) genannt. Gerade bei Wasserknappheit oder in trockenen Böden kommt den Pflanzen das großflächig verzweigte Myzelnetzwerk der Pilze zugute. Doch auch für den Pilz zahlt sich diese Verbindung aus, da er selbst keine Photosynthese betreiben kann. Ohne die Symbiose würden ihm sonst die nötigen Kohlenhydrate für das Wachstum und die Reproduktion fehlen. 95 % aller Pflanzen sind mit Pilzen vergesellschaftet! Darunter fallen Steinpilze, Pfifferlinge, aber auch Fliegenpilze und viele mehr. Für die Gesamtheit des Ökosystems und dessen Gleichgewicht sind die Myzelnetzwerke von großer Relevanz. So bilden sie eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger und Mikroorganismen, indem sie diese im Boden bekämpfen und so ihren Pflanzenpartner beschützen. Außerdem halten sie Bodenaggregate zusammen, verdauen alles was so anfällt und sind selbst wieder Teil der Nahrungskette.

Mykorrhiza © Rita Lüder

Apropos verspeisen: Der sichtbare Fruchtkörper ist ganz genau gesehen das Fortpflanzungsorgan eines Pilzes. Sind die Pilzsporen einmal aus dem Fruchtkörper entlassen, keimen sie unter günstigen Bedingungen zunächst aus. Es entsteht ein sogenanntes Primärmyzel, also eine feinen Hyphe. Jede Hyphenzelle trägt in sich einen halben Chromosomensatz. Sind zwei Primärmyzele kompatibel, so verschmelzen sie miteinander. Dabei vereinigen sich zwar die Zellfäden, aber nicht die Zellkerne. Dies geschieht wiederum erst in der Fruchtschicht (Röhren, Lamellen, Stacheln, Poren, etc.) eines Fruchtkörpers. Doch vorerst erscheinen stecknadelgroße Knubbel oder Zellknoten, sogenannte Primordien. Darin ist die Struktur der Pilzfrucht schon vorangelegt. Die Pilzfrucht entsteht dann durch Streckung . Dabei wird viel Wasser in die Zellen eingelagert. Die Knoten werden voll Wasser gepumpt, schwellen an und es entstehen die uns bekannten Fruchtkörper in ihrer ganzen Schönheit. Schon gewusst? Pilze bestehen aus bis zu 90 Prozent Wasser. Die stabilen Zellwände sind jedoch aus dem komplizierten Polysacharid Chitin aufgebaut, demselben Stoff wie die der Krustentiere! Ganz hartes Zeug …

Pilz-Kunst

Bei dem Rundgang fiel uns recht schnell auf: Im Labor wachsen zwar viele Speise- und Medizinalpilze, aber das ist nicht alles was Pilze ausmacht. Wir finden, sie haben eine ganz besondere Ästethik! So konnten wir etwa eine Mycel–Skulptur bestaunen. Dabei lässt man Pilzmyzel in Substrat durch bestimmte Formen wachsen, um ein skulpturales Werk zu schaffen. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos! So entstehen beispielsweise Möbel, Lampen, Lederersatz, Verpackungs- oder Baumaterial, alles auf der Basis von Reststoffen, nachhaltig und natürlich abbaubar. Aber auch als reines Kunstwerk können die Pilze mit ihren faszinierenden Geweben dienen. Sie sind hübsche Fotomotive. Die „innere Schönheit“ lässt sich durch einen Trick sichtbar machen. So zaubern Pilzsporen einzigartige Abdrücke auf Papier oder Stoff.

Sporenabdruck auf Papier
© Micha Alt
© Mycelionaires

Wie züchtet man Pilze?

Nach dem Bestaunen der unterschiedlichen Pilzobjekte und den vielen verschiedenen Zuchtpilzen ging es für uns ans Eingemachte – also an das Zuchtverfahren.

Hierfür hatten wir alle Eimer mitgebracht, in denen wir unsere eigenen Speisepilze züchten wollten. Wir erfuhren nach und nach, wie man eigenhändig Pilze züchten kann und auf was man besonders achten sollte. Dabei bekamen wir Einblicke in die verschiedenen Phasen der Pilzzucht und konnten die einzelnen Schritte an praktischen Beispielen nachvollziehen. Für unseren ersten Zuchtversuch wählten wir eine Austernseitlingskultur, da diese besonders gut für Anfänger geeignet ist. Das Myzel dieses Pilzes wird in der Pilzzucht auf Getreide oder Sägemehl kultiviert. Mit dieser sogenannten „Pilzbrut“ kann man dann ganz einfach ein Substrat beimpfen.

Phasen der Pilzzuchtkultivierung © Franziska Huber

Das Substrat bezeichnet sozusagen die Nahrung für die Pilzkultur. Es gibt die verschiedensten Substratrezepte mit vielen unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die auf hohe Pilzerträge optimiert sind. Jedoch kann man Austernseitlinge auf einfachsten Substraten ziehen. Sie wachsen am besten und schnellsten auf Stroh und/oder Kaffeesatz. Praktisch, dass man also einfach Reststoffe, z.B. aus der Gastronomie (Kaffee, Pappe) oder Industrie (Holzspäne, Biertreber, etc.), als Substrat verwenden kann. Es liefert die notwendigen Nährstoffe für das Pilzwachstum, wie Kohlenhydrate, Proteine und Mineralien. Stroh mit seiner einzigartigen Struktur hält den Substratmix luftig. Letzteres solltet ihr allerdings vor dem Einsatz durch Hitze pasteurisieren, so dass vorhandene Keime reduziert werden. Eine gute Alternative zu Stroh sind daher Strohpellets, die ihr im Kleintierhandel mühelos bekommt. Der Vorteil ist, dass diese bereits besonders keimarm sind. Unser Substrat bestand aus Pappe und Strohpellets. Zur Sicherheit haben wir unsere Mischung trotzdem mit heißem Wasser übergossen. Wichtig: Je höher der Nährstoffgehalt des Substrats, desto sauberer muss es aufbereitet werden! Bei der Sterilisation wird das Substrat in einem Dampfdrucktopf für etwa 90 Minuten bei 121 Grad keimfrei. Doch eine vitale Austernseitlingskultur nimmt es ohne weiteren Probleme mit Strohpellets und Pappe auf. Ausschlaggebend ist vor allem der richtige Feuchtigkeitsgehalt für das Wachstum der Pilze, da Staunässe die Vermehrung von Bakterien begünstigt. In unsere Eimer bohrten wir anschließend mehrere Löcher und klebten sie mit Vliespflaster (z.B. von Mikropore aus der Apotheke) ab. So bekommen die Pilze Sauerstoff. Aus den einzelnen Löchern wachsen dann später die Fruchtkörper. Um dem Pilz ein sauberes Zuhause bieten zu können, wischten wir die Eimer mit Alkohol aus. Als das Substrat auf Raumtemperatur abgekühlt war, haben wir es mit der Körnerbrut beimpft und in die Eimer eingefüllt. Beim gesamten Vorgang solltet ihr unbedingt auf sauberes Arbeiten (Hände waschen & desinfizieren) achten, um etwaige Kontaminationen zu vermeiden.

Warten auf die Ernte

Am Ende des Workshops konnten wir unsere Eimer dann mit nach Hause nehmen und sie an einem geeigneten Platz abstellen. Am besten sucht ihr euch eine passende Stelle, an der sowohl etwas Luftfeuchtigkeit, als auch ein wenig Licht (keine direkte Sonneneinstrahlung) vorhanden sind. Danach dauert es etwa zwei bis vier Wochen bis das Myzel das Substrat vollständig durchwächst. Bleibt alles weiß und der Eimer verströmt einen angenehm süßlichen Geruch läuft eurer Pilzexperiment bestens! Anschließend braucht es meist noch etwa ein bis zwei Wochen, bis die ersten Mini-Fruchtkörper erscheinen. Diese stecknadelgroßen „Primordien“ entwickeln sich innerhalb weniger Tage zu ausgewachsenen Fruchtkörpern. Der beste Erntezeitpunkt ist, bevor sich der Hutrand glatt ausrollt. Da wir innerhalb unserer Gruppe die Pilze jeweils an recht unterschiedlichen Orten, mit anderer Luftfeuchtigkeit und Helligkeit platzieren, dauerte die Zeit bis zur Ernte bei manchen länger als bei anderen.

Dennoch konnten alle Teilnehmenden des Pilzworkshops am Ende Austernseitlinge ernten – ein voller Erfolg also! In unser Gruppe tauschten wir uns immer wieder untereinander aus und gaben uns gegenseitig Tipps. Besonders cool: Viele Pilze können mehrere Erntezyklen auf demselben Substrat durchlaufen, das heißt ihr könnt euch gleich mehrfach über eine reiche Pilzernte freuen. Das verbrauchte Substrat kann zudem kompostiert und als Dünger verwendet werden. Unsere ersten Pilzzuchtversuche haben ungeheuren Spaß gemacht. Auf den ersten Blick erscheint die Pilzzucht zwar komplex, doch unsere Erfahrung zeigt: Jeder kann erfolgreich Speisepilze zu Hause anbauen. Also warum wagt nicht auch ihr den ersten Schritt? Macht einen Pilzworkshop wie wir bei den Jungs von den Mycelionaires oder recherchiert im Internet und legt einfach los. Fangt mit einfachen Sorten wie Austernpilzen an und lasst euch von der Faszination der Pilzwelt mitreißen.

Wir wünschen viel Erfolg und einen guten Appetit!

Habt ihr Lust eure eigenen Vital- oder Speisepilze zu züchten? Dann ab ins MaHalla zu den „Mycelionaires“: https://www.instagram.com/mycelionaires/

Wollt ihr mehr über Pilze wissen? Lest euch unseren anderen Blogartikel durch!
Pilze – Wer oder Was seid ihr eigentlich? – WaldentdeckenBerlin

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere (Sorbus aria), auch als Echter Mehlbeerbaum oder Elsbeere bekannt, ist ein bemerkenswerter Baum, der sowohl in der Botanik als auch in der Forstwirtschaft einen bedeutenden Platz einnimmt. Dieser Text beleuchtet die Herkunft, Verbreitung, Nutzungsmöglichkeiten und erklärt zudem warum es die Mehlbeere mehr als verdient hat Baum des Jahres 2024 zu werden.

Die auf dem Bild gezeigte Mehlbeere (rechts) stellt eine der wenigen in Berlin beheimateten Exemplare dar. Daher war es mir leider nicht möglich eigene Aufnahmen einer älteren und damit größeren Mehlbeere zu fotografieren.

Mehlbeere aus dem Späth-Arboretum

Herkunft und Verbreitung

Die Mehlbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist in Europa heimisch. Sie ist in weiten Teilen des Kontinents verbreitet, wobei ihr Verbreitungsgebiet von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den Kaukasus reicht. Besonders häufig findet man sie in den Alpen, den Pyrenäen und anderen Gebirgsregionen. Der Baum bevorzugt kalkreiche, trockene und sonnige Standorte und gedeiht gut auf felsigen Hängen und in lichten Wäldern.

In Deutschland ist die Mehlbeere vor allem in Süddeutschland verbreitet, wo sie in wärmeren und trockeneren Gebieten wie der Schwäbischen Alb, dem Frankenjura und dem Thüringer Becken zu finden ist. Sie gilt als Pionierbaumart, die sich auch auf kargen Böden behaupten kann und häufig in Mischwäldern anzutreffen ist.

Woran erkennt man eine Mehlbeere?

Die Mehlbeere ist ein mittelgroßer Baum, der eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichen kann. Sie zeichnet sich durch ihre rundliche bis eiförmige Krone und die graue bis braune, glatt bis schuppige Borke aus. Die Blätter sind eiförmig bis elliptisch, wechselständig und haben eine leicht ledrige Konsistenz. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und glänzend, während die Unterseite aufgrund dichter, weißer Behaarung mehlig aussieht, was der Mehlbeere ihren Namen gegeben hat.

Im Frühjahr, meist im Mai, bildet der Baum weiße, doldenartige Blütenstände, die aus zahlreichen kleinen Einzelblüten bestehen. Diese Blüten sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Im Herbst entwickeln sich daraus die charakteristischen Früchte – kleine, runde bis eiförmige Beeren, die anfangs grün und später leuchtend rot-orange gefärbt sind.

Wie vielseitig ist die Mehlbeere?

Die Mehlbeere hat eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten, die sie zu einem vielseitigen Baum machen. Historisch gesehen wurden ihre Früchte, die reich an Vitamin C und anderen Nährstoffen sind, in Notzeiten als Nahrungsmittel genutzt. Sie können roh verzehrt oder zu Mus, Marmelade, Saft oder Likör verarbeitet werden. Allerdings sind die Früchte im rohen Zustand leicht bitter und werden daher oft nach dem ersten Frost geerntet, da sie dann süßer und schmackhafter sind.

Sollte dich der Text zum Nachahmen ermutigt haben, ist hier ein kleines Rezept für die Herstellung von Mehlbeerenmarmelade.

In der modernen Küche finden die Früchte der Mehlbeere vor allem in regionalen Spezialitäten Verwendung. Als Beispiel hierfür lassen sich die getrockneten Mehlbeeren aus Afghanistan aufführen, welche als Delikatesse und vorranging während des Neujahrsfestes gegessen werden.
Zudem wird das Holz der Mehlbeere wegen seiner Härte und Feinkörnigkeit geschätzt. Es eignet sich gut für Drechslerarbeiten, Möbelbau und die Herstellung von Werkzeuggriffen.

Darüber hinaus hat die Mehlbeere auch einen hohen ökologischen Wert. Sie bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten, Vögel und Säugetiere. Ihre Blüten locken Bienen und Schmetterlinge an, während die Früchte im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel darstellen.

Warum ist die Mehlbeere so wichtig?

Die Mehlbeere ist nicht nur wegen ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten wertvoll, sondern spielt auch eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie dient als Pionierpflanze, die karge und gestörte Böden besiedelt und dadurch die Bodenbildung und -stabilisierung fördert. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem trägt zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Vermeidung von Erosion bei.

In der Landschaftsgestaltung wird die Mehlbeere wegen ihrer Robustheit und Anpassungsfähigkeit geschätzt. Sie ist relativ pflegeleicht, verträgt Trockenheit und ist resistent gegen viele Krankheiten und Schädlinge. Dies macht sie zu einer idealen Wahl für städtische Begrünungsprojekte, Parks und naturnahe Gärten.

Fazit

Die Mehlbeere ist ein vielseitiger Baum mit einer reichen Geschichte und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte, ihre ökologischen Vorteile und ihre attraktiven Blüten und Früchte machen sie zu einer wertvollen Bereicherung für Gärten, Parks und natürliche Landschaften. Mit ihren vielfältigen Verwendungszwecken, von der Nahrungsmittelproduktion bis zur Holzverarbeitung, ist die Mehlbeere ein wahrer Alleskönner unter den heimischen Gehölzen.

Ein besonderer Dank gilt zudem dem Späth Arboretum in Berlin-Baumschulenweg. Hier hatte ich zum Einen die Möglichkeit Bilder von der Mehlbeere machen zu dürfen und zum Anderen die Gelegenheit mich mit den zahlreichen weiteren Baum-/ und Pflanzenarten, welche das Späth Arboretum zu bieten hat auseinandersetzen.
Das Späth Arboretum ist sowohl am Mittwoch und Donnerstag als auch am Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr für Besucherverkehr geöffnet und ist eine persönliche Empfehlung für jeden Natur- und Pflanzenliebhaber.

Dieser Blogbeitrag wurde von Vincent Haubold (FÖJler 2023/2024) erstellt.