Ein Löwenkopf aus dem Wald

Ein Löwenkopf aus dem Wald

Stell dir einen Pilz vor, der aussieht wie eine weiße Löwenmähne. Er wächst leise an alten beziehungsweise abgestorbenen Buchen und Eichen. Und er kann mehr, als nur satt machen.
Der Igelstachelbart ist ein echtes Naturwunder. Er fasziniert Köche, Pilzzüchter und Heilkundler zugleich. Er schaffte es, 2026 Pilz des Jahres zu werden. In diesem Artikel nehme ich dich mit in seine Welt: vom Wald über die Pfanne bis in die moderne Pilzkunde.

Ein Pilz mit vielen Namen

Der wissenschaftliche Name lautet Hericium erinaceus. Doch viel bekannter ist er unter seinen bildhaften Namen:
Löwenmähne, Affenkopfpilz, Pom-Pom blanc oder Yamabushitake.
Alle Namen beschreiben sein auffälliges Aussehen. Statt Hut und Lamellen trägt er lange, weiche Stacheln. Sie hängen wie Haare nach unten. Genau das macht ihn so unverwechselbar.

So erkennst du den außergewöhnlichen Waldbewohner

Der Fruchtkörper wirkt erst knollig. Später wächst er zu einer runden, dichten Kugel heran. Seine Farbe reicht von Reinweiß bis leicht Gelb.
Typische Merkmale des Igelstachelbart sind ein Durchmesser von 10 bis zu 30 Zentimeter, Stacheln, die 2 bis 5 Zentimeter lang werden und Fruchtfleisch, welches weiß, fest und leicht faserig ist. Die Sporenpulverfarbe des Pilzes ist weiß.
Wenn du ihn frisch erntest, fühlt er sich derb an. Beim Schneiden erinnert die Struktur fast an Fleisch. Genau das macht ihn in der Küche so beliebt.

Wo der Igelstachelbart wächst und warum er Schutz braucht

Der Igelstachelbart liebt Ruhe. Und er liebt alte Wälder.
Du findest ihn fast nur an starkem, abgestorbenem Holz. Meist wächst er an Buchen oder Eichen. Er braucht Feuchte, Schatten und Zeit.
Sein Verbreitungsgebiet ist groß. Er kommt in Europa, Nordamerika und Ostasien vor. Doch trotz dieser weiten Verbreitung ist er selten.
In Deutschland gilt er als stark gefährdet. Die Rote Liste führt ihn in Kategorie 2. Besonders im Süden ist er kaum zu finden. Sichtbar wird er meist von September bis November.
Wichtig ist: Bitte schone wilde Bestände! Sammle ihn nicht im Wald! Greife lieber zu Kulturpilzen aus Zuchtbetrieben!

Vom Wald in die Zucht

Zum Glück lässt sich der Igelstachelbart gut züchten. Immer mehr Betriebe bauen ihn kontrolliert an. So bleibt die Natur geschützt. Und du bekommst frische Qualität.
Unter dem Namen Pom-Pom findest du ihn im Handel. Vor allem online oder im Feinkostladen. Der Preis liegt oft bei bis zu 30 Euro pro Kilo.
Auch spannend: Es gibt Zuchtsets für zu Hause.
Nach zwei bis drei Wochen kannst du bereits ernten. Die Fruchtkörper wachsen schnell und werden beeindruckend groß.

Geschmack, der überrascht

Viele vergleichen den Geschmack mit Hühnchen- mild, zart, leicht fruchtig.
Der Igelstachelbart nimmt Gewürze gut auf. Er passt zu Pfannen, Suppen oder Bowls.
Schneide den Pilz in Scheiben.
Brate ihn in etwas Öl goldbraun an.
Gib Salz, Pfeffer und frische Kräuter dazu.
Fertig ist ein herrliches und sättigendes Gericht

Heilpilz mit langer Geschichte

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt der Igelstachelbart seit Jahrhunderten eine Rolle. Dort schätzt man ihn für seine Wirkung auf Magen, Darm und Geist.
Besonders spannend sind seine Inhaltsstoffe:

  • Hericenone
  • Erinacene
    Diese Stoffe stehen im Fokus moderner Forschung. Erste Studien zeigen Hinweise auf positive Effekte bei Nerven und Gehirn. Auch bei altersbedingten Prozessen rückt der Pilz in den Blick.
    Wichtig ist dabei Ehrlichkeit:
    In Europa gilt Hericium meist als Nahrungsergänzung. Nicht als Arznei. Ein klarer Wirknachweis ist nicht möglich. Trotzdem wächst das Interesse rasant.

Ein großer Markt und viele Fragen

Im Jahr 2024 lag der weltweite Umsatz mit Hericium-Produkten bei rund 270 Millionen US-Dollar. In Deutschland schätzt man den Anteil auf 30 bis 35 Millionen.
Das zeigt:
Der Igelstachelbart ist mehr als ein Trend. Er steht für den Wunsch nach natürlichen Wegen zu mehr Wohlbefinden.
Tipps für dich: Achte auf Qualität! Informiere dich über Herkunft und Verarbeitung! Und erwarte keine Wunder über Nacht!

Warum der Igelstachelbart so gut in unsere Zeit passt

Dieser Pilz verbindet vieles: Naturschutz, Genuss, alte Lehren, neue Forschung.
Er erinnert uns daran, wie wertvoll langsames Wachstum ist. Und wie klug es sein kann, Natur und Wissen zusammenzubringen.
Wenn du neugierig bist, probiere ihn als Speisepilz. Oder informiere dich tiefer über seine Rolle als Heilpilz. Beides lohnt sich.

Fazit: Ein leiser Star mit großer Wirkung

Der Igelstachelbart ist kein lauter Pilz. Er drängt sich nicht auf.
Doch wer ihn kennt, vergisst ihn nicht.
Er sieht besonders aus.
Er schmeckt überraschend gut.
Und er erzählt eine Geschichte von Wald, Zeit und Balance.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum er heute so viele Menschen begeistert.

Wenn du noch mehr über den Igelstachelbart erfahren möchtest, dann schau dir doch gerne die Website und das Video von Rita und Frank Lüder an!

Verfasst von: Leonie Spannmann, Teilnehmerin des FÖJ 2025/26 in der Waldschule Bucher Forst

Der Hausrotschwanz

Der Hausrotschwanz

Jedes Jahr wird vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) der „Vogel des Jahres“ gekürt, um auf seine Lebensweise, Bedrohungen und seine Bedeutung für die Natur aufmerksam zu machen.

2025 fiel diese Wahl auf den bemerkenswerten Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros). Dieser hat nicht nur einen auffällig roten Schwanz und einen lebhaften Gesang, sondern auch eine enge Verbindung zum städtischen Raum. Weshalb er auch vor Herausforderungen steht, die durch den Wandel der Städte und Landschaften geschaffen werden.

Ein markanter Stadtbewohner

Der Hausrotschwanz ist ein mittelgroßer, in Europa weit verbreiteter Singvogel, der besonders in städtischen Gebieten, aber auch in ländlichen Regionen lebt. Er gehört zur Familie der Fliegenschnäpper und zeichnet sich durch seinen rostroten Schwanz aus. Neben der roten Schwanzfärbung hat der männliche Hausrotschwanz einen grauen Körper und ein dunkles Gesicht. Die Weibchen und Jungvögel sind hingegen eher graubraun. Hausrotschwänze werden zwischen 13-15 cm groß, 14-20 g schwer und leben ca. 7 Jahre.

Fotos: Dirk Vegelahn

Obwohl sie ursprünglich Felsen und steile Hänge besiedelten, leben sie nun häufig in der Nähe von Siedlungen. Dabei haben sie sich bestens an das Leben in Städten angepasst. Besonders häufig kann man den Hausrotschwanz an Nischen in Gebäuden, Dachstühlen oder anderen künstlichen Strukturen beobachten. Auch in ländlichen Gebieten, in denen alte Gebäude und Mauerwerke zu finden sind, ist der Hausrotschwanz oft anzutreffen.

Lebensweise und Fortpflanzung des Hausrotschwanzes

Der Hausrotschwanz ist ein Insektenfresser und jagt hauptsächlich Fluginsekten wie Fliegen und Mücken, aber auch andere wirbellose Tiere stehen auf seinem Speiseplan. Um diese zu fangen, nutzt er oft seine ausgezeichneten Flugfähigkeiten. Dafür hält er von einem erhöhten Punkt Ausschau und sobald er ein potentielles Beutetier entdeckt, stürzt er sich schnell auf es oder fängt es im Flug. Alternativ frisst der Hausrotschwanz auch Beeren und sucht auf dem Boden hüpfend nach Nahrung. Ihr Gesang ist unverwechselbar und besteht aus verschiedenen trillernden Tönen. Mit seinem Gesang ist der Hausrotschwanz meist schon 70 Minuten vor Sonnenaufgang zu hören. Der laute Gesang besteht aus klappernden, knirschenden, pfeifenden und fauchenden Elementen. Diese werden in wechselnder Reihenfolge wiederholt und hören sich an, als würde der Hausrotschwanz in ein Telefon singen, bei dem der Empfang schlecht ist. Auch mit einem scharf pfeifenden „fist“ lässt der Hausrotschwanz von sich hören. Dabei wird er oft mit dem sehr ähnlichen Gartenrotschwanz verwechselt.

Die Brutzeit beginnt meist im Frühjahr. Das Weibchen legt mehrere Eier in ein Nest, das oft unter Dächern oder in Spalten am Gebäude zu finden ist. Das Nest besteht aus Gräsern, Moos und Federn und wird vom Weibchen gebaut. Beide Elternteile kümmern sich um die Aufzucht der Jungvögel, die nach etwa 14 bis 16 Tagen ausfliegen und sich schnell selbst versorgen können.

Bedrohungen und Herausforderungen

Trotz seiner Anpassungsfähigkeit an städtische Lebensräume steht der Hausrotschwanz vor einigen Herausforderungen, die seine Bestände in Zukunft gefährden könnten. So werden z.B. durch Renovierungen und das Errichten von Neubauten ohne Nischen und Spalten die natürlichen Lebensräume und Brutplätze zerstört. Auch die zunehmende Versiegelung von Flächen und die Veränderung von Grünflächen schaden dem Hausrotschwanz. In dicht bebauten Städten fehlt es ihm geeigneten Nistplätzen.

Um die Hausrotschwänze bei der Suche nach Nistplätzen zu unterstützen, kann man deshalb einen Halbhöhlen-Nistkasten selbst bauen. Dafür findet ihr hier eine Anleitung des NABU.

Jedoch können sich die Lebensbedingungen des Hausrotschwanz auch durch die zunehmende Erderwärmung verändern. Extreme Wetterbedingungen wie starke Regenfälle oder längere Hitzeperioden treten häufiger auf und können die Fortpflanzung und das Überleben negativ beeinflussen.
Jedoch können sich die Lebensbedingungen des Hausrotschwanz auch durch die zunehmende Erderwärmung verändern. Extreme Wetterbedingungen wie starke Regenfälle oder längere Hitzeperioden treten häufiger auf und können die Fortpflanzung und das Überleben negativ beeinflussen.

Warum ist die Wahl des Hausrotschwanzes als „Vogel des Jahres“ wichtig?

Mit seinem Jahresvogel-Wahlspruch „Mut zur Lücke“ drückt der Hausrotschwanz auf lustige Art und Weise aus, dass es wichtig ist, unsere Städte naturnah zu halten. Denn auch die Städte sind Lebensräume für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Für ein harmonisches Zusammenleben müssen wir nicht nur die Lebensräume von den Tieren bewahren, sondern auch pflegen.
Somit wird auch unser Leben grüner!

Pilzparty im Keller: So einfach züchtest du deine eigenen Speisepilze

Pilzparty im Keller: So einfach züchtest du deine eigenen Speisepilze

Pilze sind faszinierende Lebewesen, die oft im Schatten ihrer auffälligeren pflanzlichen und tierischen Nachbarn stehen. Doch ihre Bedeutung für unser Ökosystem ist immens und wird von den meisten Menschen gänzlich unterschätzt. Sie sind nicht nur unersetzliche Recycler, die organisches Material abbauen und Nährstoffe zurück in den Boden bringen, sondern auch wichtige Symbiosepartner für Pflanzen, wobei sie diese z.B. bei ihrem Wachstum unterstützen. Zudem sind sie eine nachhaltige Nahrungsquelle, alternative Medizin und finden schon lange Einsatz in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen. Das Potential ist riesig! Wir waren schon immer mit Pilzen verbunden und werden auch in Zukunft mit ihnen kooperieren. Zeit, auf Tuchfühlung zu gehen mit diesen wundersamen Kreaturen!

Pilzzucht-Workshop im MaHalla

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung immer wichtiger werden, können wir viel von Pilzen lernen. Darum machten wir uns als FÖJ-Gruppe (Freies ökologisches Jahr) der Berliner Waldschulen auf den Weg ins MaHalla nach Oberschönweide in Berlin, um dort an einem Pilzzucht-Workshop im Labor der „Mycelionaires“ teilzunehmen. Früh morgens traf sich unsere Gruppe mit leeren Gastroeimern und Pappkarton auf dem Gelände. Zur Begrüßung gab es erstmal – man könnte es vermuten – einen selbstgemachten, würzig-leckeren Reishi-Pilztee, der uns bei den doch noch recht frostigen Temperaturen aufwärmte. Bei einer kurzen Vorstellungsrunde stellten wir schnell fest, dass unsere bisherigen Erfahrungen mit Pilzen recht unterschiedlich ausfielen. Waren manchen Pilzen bisher nur auf der Pizza begegnet, erwiesen sich andere von uns als eifrige Sammler und Kenner. Anschließend betraten wir über einen Keller das Pilzzuchtlabor, wo unser eigentlicher Workshop startete. 

Die geheimnisvolle Welt der Pilze: Überraschende Enthüllungen

Zunächst erfuhren wir, dass das, was die meisten Menschen gemeinhin und umgangssprachlich unter Pilzen verstehen, gar nicht die eigentlichen Pilze sind. Vielmehr ist der für uns sichtbare oberirdische Teil, der gerne gesammelt und verspeist wird, lediglich der Fruchtkörper des Pilzes. Also in etwa das, was der Apfel des Apfelbaumes ist. Der eigentliche Pilz befindet sich unter der Erde und besteht aus dem sogenannten „Myzel“.

Dieser vegetative Teil des Pilzes besteht aus vielen fadenförmigen Zellen, den „Hyphen“. Sie sind mit 1/100 mm so klein, das wir sie nur in der Gesamtheit erkennen können. Das Myzel durchzieht jeden Millimeter unseres Bodens, nistet sich in Holz ein oder zersetzt andere organische Materialien. Über ihre feinen Zellfäden sondern sie komplizierte chemische Substanzen ab – Enzyme und Säuren zerlegen komplexe Stoffe. Der Pilz nimmt dann Nährstoffe und Wasser auf und versorgt sich so mit überlebenswichtigen Stoffen, die mitunter für das Wachstum relevant sind. Pilze wachsen also in ihre Lieblingsnahrung hinein, ein schöner Gedanke! Doch das ist noch nicht alles: In einer Welt voller Mikroben müssen sie sich stets behaupten, um zu überleben. Mit ihrem Arsenal an komplexen Säuren und Enzymen sind sie die wohl besten Chemiker und kommen so auch bei der Entgiftung verseuchter Landschaften immer häufiger zum Einsatz.

Myzel – Wunderwerk der Natur!

Viele Pilze sind Saprobionten, das heißt, sie ernähren sich von totem organischem Material.  Ihr Myzel spielt eine wichtige Rolle beim Abbau von komplexen organischen Verbindungen wie beispielsweise die im Holz vorkommenden Stoffe Cellulose und Lignin. Dabei werden Nährstoffe recycelt, was wiederum den Böden zugutekommt.

Andere Pilze wiederum stehen zudem mit Pflanzen in symbiotischen Beziehungen. Dabei tauschen der Pilz und die Pflanze Nährstoffe, wobei der Pilz Wasser und Mineralstoffe wie Phosphor an die Pflanze liefert und im Gegenzug Kohlenhydrate, also die Photosyntheseprodukte der Pflanze, erhält. Diese Art der Symbiose wird auch Mykorrhiza (altgr. mýkēs ‚Pilz‘ und rhiza ‚Wurzel´) genannt. Gerade bei Wasserknappheit oder in trockenen Böden kommt den Pflanzen das großflächig verzweigte Myzelnetzwerk der Pilze zugute. Doch auch für den Pilz zahlt sich diese Verbindung aus, da er selbst keine Photosynthese betreiben kann. Ohne die Symbiose würden ihm sonst die nötigen Kohlenhydrate für das Wachstum und die Reproduktion fehlen. 95 % aller Pflanzen sind mit Pilzen vergesellschaftet! Darunter fallen Steinpilze, Pfifferlinge, aber auch Fliegenpilze und viele mehr. Für die Gesamtheit des Ökosystems und dessen Gleichgewicht sind die Myzelnetzwerke von großer Relevanz. So bilden sie eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger und Mikroorganismen, indem sie diese im Boden bekämpfen und so ihren Pflanzenpartner beschützen. Außerdem halten sie Bodenaggregate zusammen, verdauen alles was so anfällt und sind selbst wieder Teil der Nahrungskette.

Mykorrhiza © Rita Lüder

Apropos verspeisen: Der sichtbare Fruchtkörper ist ganz genau gesehen das Fortpflanzungsorgan eines Pilzes. Sind die Pilzsporen einmal aus dem Fruchtkörper entlassen, keimen sie unter günstigen Bedingungen zunächst aus. Es entsteht ein sogenanntes Primärmyzel, also eine feinen Hyphe. Jede Hyphenzelle trägt in sich einen halben Chromosomensatz. Sind zwei Primärmyzele kompatibel, so verschmelzen sie miteinander. Dabei vereinigen sich zwar die Zellfäden, aber nicht die Zellkerne. Dies geschieht wiederum erst in der Fruchtschicht (Röhren, Lamellen, Stacheln, Poren, etc.) eines Fruchtkörpers. Doch vorerst erscheinen stecknadelgroße Knubbel oder Zellknoten, sogenannte Primordien. Darin ist die Struktur der Pilzfrucht schon vorangelegt. Die Pilzfrucht entsteht dann durch Streckung . Dabei wird viel Wasser in die Zellen eingelagert. Die Knoten werden voll Wasser gepumpt, schwellen an und es entstehen die uns bekannten Fruchtkörper in ihrer ganzen Schönheit. Schon gewusst? Pilze bestehen aus bis zu 90 Prozent Wasser. Die stabilen Zellwände sind jedoch aus dem komplizierten Polysacharid Chitin aufgebaut, demselben Stoff wie die der Krustentiere! Ganz hartes Zeug …

Pilz-Kunst

Bei dem Rundgang fiel uns recht schnell auf: Im Labor wachsen zwar viele Speise- und Medizinalpilze, aber das ist nicht alles was Pilze ausmacht. Wir finden, sie haben eine ganz besondere Ästethik! So konnten wir etwa eine Mycel–Skulptur bestaunen. Dabei lässt man Pilzmyzel in Substrat durch bestimmte Formen wachsen, um ein skulpturales Werk zu schaffen. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos! So entstehen beispielsweise Möbel, Lampen, Lederersatz, Verpackungs- oder Baumaterial, alles auf der Basis von Reststoffen, nachhaltig und natürlich abbaubar. Aber auch als reines Kunstwerk können die Pilze mit ihren faszinierenden Geweben dienen. Sie sind hübsche Fotomotive. Die „innere Schönheit“ lässt sich durch einen Trick sichtbar machen. So zaubern Pilzsporen einzigartige Abdrücke auf Papier oder Stoff.

Sporenabdruck auf Papier
© Micha Alt
© Mycelionaires

Wie züchtet man Pilze?

Nach dem Bestaunen der unterschiedlichen Pilzobjekte und den vielen verschiedenen Zuchtpilzen ging es für uns ans Eingemachte – also an das Zuchtverfahren.

Hierfür hatten wir alle Eimer mitgebracht, in denen wir unsere eigenen Speisepilze züchten wollten. Wir erfuhren nach und nach, wie man eigenhändig Pilze züchten kann und auf was man besonders achten sollte. Dabei bekamen wir Einblicke in die verschiedenen Phasen der Pilzzucht und konnten die einzelnen Schritte an praktischen Beispielen nachvollziehen. Für unseren ersten Zuchtversuch wählten wir eine Austernseitlingskultur, da diese besonders gut für Anfänger geeignet ist. Das Myzel dieses Pilzes wird in der Pilzzucht auf Getreide oder Sägemehl kultiviert. Mit dieser sogenannten „Pilzbrut“ kann man dann ganz einfach ein Substrat beimpfen.

Phasen der Pilzzuchtkultivierung © Franziska Huber

Das Substrat bezeichnet sozusagen die Nahrung für die Pilzkultur. Es gibt die verschiedensten Substratrezepte mit vielen unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die auf hohe Pilzerträge optimiert sind. Jedoch kann man Austernseitlinge auf einfachsten Substraten ziehen. Sie wachsen am besten und schnellsten auf Stroh und/oder Kaffeesatz. Praktisch, dass man also einfach Reststoffe, z.B. aus der Gastronomie (Kaffee, Pappe) oder Industrie (Holzspäne, Biertreber, etc.), als Substrat verwenden kann. Es liefert die notwendigen Nährstoffe für das Pilzwachstum, wie Kohlenhydrate, Proteine und Mineralien. Stroh mit seiner einzigartigen Struktur hält den Substratmix luftig. Letzteres solltet ihr allerdings vor dem Einsatz durch Hitze pasteurisieren, so dass vorhandene Keime reduziert werden. Eine gute Alternative zu Stroh sind daher Strohpellets, die ihr im Kleintierhandel mühelos bekommt. Der Vorteil ist, dass diese bereits besonders keimarm sind. Unser Substrat bestand aus Pappe und Strohpellets. Zur Sicherheit haben wir unsere Mischung trotzdem mit heißem Wasser übergossen. Wichtig: Je höher der Nährstoffgehalt des Substrats, desto sauberer muss es aufbereitet werden! Bei der Sterilisation wird das Substrat in einem Dampfdrucktopf für etwa 90 Minuten bei 121 Grad keimfrei. Doch eine vitale Austernseitlingskultur nimmt es ohne weiteren Probleme mit Strohpellets und Pappe auf. Ausschlaggebend ist vor allem der richtige Feuchtigkeitsgehalt für das Wachstum der Pilze, da Staunässe die Vermehrung von Bakterien begünstigt. In unsere Eimer bohrten wir anschließend mehrere Löcher und klebten sie mit Vliespflaster (z.B. von Mikropore aus der Apotheke) ab. So bekommen die Pilze Sauerstoff. Aus den einzelnen Löchern wachsen dann später die Fruchtkörper. Um dem Pilz ein sauberes Zuhause bieten zu können, wischten wir die Eimer mit Alkohol aus. Als das Substrat auf Raumtemperatur abgekühlt war, haben wir es mit der Körnerbrut beimpft und in die Eimer eingefüllt. Beim gesamten Vorgang solltet ihr unbedingt auf sauberes Arbeiten (Hände waschen & desinfizieren) achten, um etwaige Kontaminationen zu vermeiden.

Warten auf die Ernte

Am Ende des Workshops konnten wir unsere Eimer dann mit nach Hause nehmen und sie an einem geeigneten Platz abstellen. Am besten sucht ihr euch eine passende Stelle, an der sowohl etwas Luftfeuchtigkeit, als auch ein wenig Licht (keine direkte Sonneneinstrahlung) vorhanden sind. Danach dauert es etwa zwei bis vier Wochen bis das Myzel das Substrat vollständig durchwächst. Bleibt alles weiß und der Eimer verströmt einen angenehm süßlichen Geruch läuft eurer Pilzexperiment bestens! Anschließend braucht es meist noch etwa ein bis zwei Wochen, bis die ersten Mini-Fruchtkörper erscheinen. Diese stecknadelgroßen „Primordien“ entwickeln sich innerhalb weniger Tage zu ausgewachsenen Fruchtkörpern. Der beste Erntezeitpunkt ist, bevor sich der Hutrand glatt ausrollt. Da wir innerhalb unserer Gruppe die Pilze jeweils an recht unterschiedlichen Orten, mit anderer Luftfeuchtigkeit und Helligkeit platzieren, dauerte die Zeit bis zur Ernte bei manchen länger als bei anderen.

Dennoch konnten alle Teilnehmenden des Pilzworkshops am Ende Austernseitlinge ernten – ein voller Erfolg also! In unser Gruppe tauschten wir uns immer wieder untereinander aus und gaben uns gegenseitig Tipps. Besonders cool: Viele Pilze können mehrere Erntezyklen auf demselben Substrat durchlaufen, das heißt ihr könnt euch gleich mehrfach über eine reiche Pilzernte freuen. Das verbrauchte Substrat kann zudem kompostiert und als Dünger verwendet werden. Unsere ersten Pilzzuchtversuche haben ungeheuren Spaß gemacht. Auf den ersten Blick erscheint die Pilzzucht zwar komplex, doch unsere Erfahrung zeigt: Jeder kann erfolgreich Speisepilze zu Hause anbauen. Also warum wagt nicht auch ihr den ersten Schritt? Macht einen Pilzworkshop wie wir bei den Jungs von den Mycelionaires oder recherchiert im Internet und legt einfach los. Fangt mit einfachen Sorten wie Austernpilzen an und lasst euch von der Faszination der Pilzwelt mitreißen.

Wir wünschen viel Erfolg und einen guten Appetit!

Habt ihr Lust eure eigenen Vital- oder Speisepilze zu züchten? Dann ab ins MaHalla zu den „Mycelionaires“: https://www.instagram.com/mycelionaires/

Wollt ihr mehr über Pilze wissen? Lest euch unseren anderen Blogartikel durch!
Pilze – Wer oder Was seid ihr eigentlich? – WaldentdeckenBerlin

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere – Baum des Jahres und noch vieles mehr!

Die Mehlbeere (Sorbus aria), auch als Echter Mehlbeerbaum oder Elsbeere bekannt, ist ein bemerkenswerter Baum, der sowohl in der Botanik als auch in der Forstwirtschaft einen bedeutenden Platz einnimmt. Dieser Text beleuchtet die Herkunft, Verbreitung, Nutzungsmöglichkeiten und erklärt zudem warum es die Mehlbeere mehr als verdient hat Baum des Jahres 2024 zu werden.

Die auf dem Bild gezeigte Mehlbeere (rechts) stellt eine der wenigen in Berlin beheimateten Exemplare dar. Daher war es mir leider nicht möglich eigene Aufnahmen einer älteren und damit größeren Mehlbeere zu fotografieren.

Mehlbeere aus dem Späth-Arboretum

Herkunft und Verbreitung

Die Mehlbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist in Europa heimisch. Sie ist in weiten Teilen des Kontinents verbreitet, wobei ihr Verbreitungsgebiet von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den Kaukasus reicht. Besonders häufig findet man sie in den Alpen, den Pyrenäen und anderen Gebirgsregionen. Der Baum bevorzugt kalkreiche, trockene und sonnige Standorte und gedeiht gut auf felsigen Hängen und in lichten Wäldern.

In Deutschland ist die Mehlbeere vor allem in Süddeutschland verbreitet, wo sie in wärmeren und trockeneren Gebieten wie der Schwäbischen Alb, dem Frankenjura und dem Thüringer Becken zu finden ist. Sie gilt als Pionierbaumart, die sich auch auf kargen Böden behaupten kann und häufig in Mischwäldern anzutreffen ist.

Woran erkennt man eine Mehlbeere?

Die Mehlbeere ist ein mittelgroßer Baum, der eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichen kann. Sie zeichnet sich durch ihre rundliche bis eiförmige Krone und die graue bis braune, glatt bis schuppige Borke aus. Die Blätter sind eiförmig bis elliptisch, wechselständig und haben eine leicht ledrige Konsistenz. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und glänzend, während die Unterseite aufgrund dichter, weißer Behaarung mehlig aussieht, was der Mehlbeere ihren Namen gegeben hat.

Im Frühjahr, meist im Mai, bildet der Baum weiße, doldenartige Blütenstände, die aus zahlreichen kleinen Einzelblüten bestehen. Diese Blüten sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Im Herbst entwickeln sich daraus die charakteristischen Früchte – kleine, runde bis eiförmige Beeren, die anfangs grün und später leuchtend rot-orange gefärbt sind.

Wie vielseitig ist die Mehlbeere?

Die Mehlbeere hat eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten, die sie zu einem vielseitigen Baum machen. Historisch gesehen wurden ihre Früchte, die reich an Vitamin C und anderen Nährstoffen sind, in Notzeiten als Nahrungsmittel genutzt. Sie können roh verzehrt oder zu Mus, Marmelade, Saft oder Likör verarbeitet werden. Allerdings sind die Früchte im rohen Zustand leicht bitter und werden daher oft nach dem ersten Frost geerntet, da sie dann süßer und schmackhafter sind.

Sollte dich der Text zum Nachahmen ermutigt haben, ist hier ein kleines Rezept für die Herstellung von Mehlbeerenmarmelade.

In der modernen Küche finden die Früchte der Mehlbeere vor allem in regionalen Spezialitäten Verwendung. Als Beispiel hierfür lassen sich die getrockneten Mehlbeeren aus Afghanistan aufführen, welche als Delikatesse und vorranging während des Neujahrsfestes gegessen werden.
Zudem wird das Holz der Mehlbeere wegen seiner Härte und Feinkörnigkeit geschätzt. Es eignet sich gut für Drechslerarbeiten, Möbelbau und die Herstellung von Werkzeuggriffen.

Darüber hinaus hat die Mehlbeere auch einen hohen ökologischen Wert. Sie bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten, Vögel und Säugetiere. Ihre Blüten locken Bienen und Schmetterlinge an, während die Früchte im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel darstellen.

Warum ist die Mehlbeere so wichtig?

Die Mehlbeere ist nicht nur wegen ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten wertvoll, sondern spielt auch eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie dient als Pionierpflanze, die karge und gestörte Böden besiedelt und dadurch die Bodenbildung und -stabilisierung fördert. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem trägt zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Vermeidung von Erosion bei.

In der Landschaftsgestaltung wird die Mehlbeere wegen ihrer Robustheit und Anpassungsfähigkeit geschätzt. Sie ist relativ pflegeleicht, verträgt Trockenheit und ist resistent gegen viele Krankheiten und Schädlinge. Dies macht sie zu einer idealen Wahl für städtische Begrünungsprojekte, Parks und naturnahe Gärten.

Fazit

Die Mehlbeere ist ein vielseitiger Baum mit einer reichen Geschichte und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte, ihre ökologischen Vorteile und ihre attraktiven Blüten und Früchte machen sie zu einer wertvollen Bereicherung für Gärten, Parks und natürliche Landschaften. Mit ihren vielfältigen Verwendungszwecken, von der Nahrungsmittelproduktion bis zur Holzverarbeitung, ist die Mehlbeere ein wahrer Alleskönner unter den heimischen Gehölzen.

Ein besonderer Dank gilt zudem dem Späth Arboretum in Berlin-Baumschulenweg. Hier hatte ich zum Einen die Möglichkeit Bilder von der Mehlbeere machen zu dürfen und zum Anderen die Gelegenheit mich mit den zahlreichen weiteren Baum-/ und Pflanzenarten, welche das Späth Arboretum zu bieten hat auseinandersetzen.
Das Späth Arboretum ist sowohl am Mittwoch und Donnerstag als auch am Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr für Besucherverkehr geöffnet und ist eine persönliche Empfehlung für jeden Natur- und Pflanzenliebhaber.

Dieser Blogbeitrag wurde von Vincent Haubold (FÖJler 2023/2024) erstellt.

Waldboden – versteckte Vielfalt

Waldboden – versteckte Vielfalt

Der Waldboden wurde zum Boden des Jahres 2024 erklärt und das nicht ohne Grund!

Im folgenden Blogbeitrag werden wir nicht nur auf den Aufbau und die Strukturen des Waldbodens, sondern auch auf die zahlreichen Bewohner eines so System relevanten Ökosystems eingehen.

Zunächst haben wir einige Kinder gefragt, welche Bedeutung der Waldboden für sie hat:

„Boden ist für mich alles was krabbelt!“ Emma (7 Jahre)
„Waldboden ist für mich ein Weg, auf dem wir durch den Wald rennen können!“ – Antonia (6 Jahre)
„Boden? Ist doch langweilig!“ – Yusuf (4 Jahre)

Auch Arthur und ich haben uns die gleiche Frage gestellt:

Arthur: „Der Waldboden ist mir wichtig, denn er beherbergt viele relevante Organismen, welchen zum Beispiel leckeren Walderdbeeren das Leben ermöglichen. Außerdem filtert er unser Grundwasser!“
Vincent: „Der Waldboden bildet die Grundlage für einen gesunden Wald!“

Jetzt wisst ihr zumindest welche Bedeutung wir dem Waldboden geben. Um den Waldboden als Ökosystem allerdings besser verstehen zu können müssen wir zunächst den allgemeinen Aufbau des Bodens begreifen.

Der Aufbau des Waldbodens

Der Waldboden lässt sich vereinfacht in 4 Schichten gliedern, jedoch ist es wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Waldboden gleich ist, sondern unterschiedlich aufgebaut sein kann, abhängig von Klima, Standort und vorhandenen Baumarten.

Schauen wir uns nun einen herkömmlichen, deutschen Waldboden an Auf der Abbildung rechts sind 4 sogenannte Horizonte bzw. Schichten zu erkennen.

Der O-Horizont beschreibt die Schicht des Bodens auf der wir laufen können. Diese Schicht besteht hauptsächlich aus abgestorbenen Pflanzenteilen wie Blättern, Zweigen, Nadeln und Früchten, die von den Bäumen und Sträuchern abgeworfen werden. Diese Streuschicht dient als Schutz vor Erosion, reguliert die Temperatur und Feuchtigkeit des Bodens und stellt organische Substanz für die Zersetzung bereit.

Der darunter liegende A-Horizont ist meist dunkler gefärbt und bildet die klassische braune Erde ab. Dieser Teil des Waldbodens besteht aus einer Mischung von organischem Material und mineralischem Boden und ist reich an Nährstoffen und Humus. Der A-Horizont ist normalerweise der fruchtbarste Teil des Bodens und bildet die Basis für das Pflanzenwachstum.

Noch tiefer im Erdreich liegt der B-Horizont, diese Schicht erfüllt den Zweck der Wasserspeicherung.

Hierbei ist der B-Horizont, jedoch nicht nur für die Speicherung, sondern auch für die langsame Abgabe des Wassers an darüberliegende Schichten zuständig und reguliert so den Wasserhaushalt des Waldes. Zusätzlich befinden sich im B-Horizont zahlreiche überlebenswichtige Mineralstoffe für Tier- und Pflanzenwelt. Eine weitere wichtige Aufgabe dieser Schicht ist die Schadstofffilterung.
Denn durch die dichte Struktur dieses Horizonts ist das Zurückhalten bzw. Speichern von schwer löslichen Stoffen möglich, was wiederum die Qualität unseres Grundwassers erheblich verbessert.  

Da die unterste Schicht (C-Horizont) des Waldbodens hauptsächlich aus relativ festem und nicht-verwittertem Gestein besteht, wird diese Schicht auch Grundgerüst des Bodens genannt. Dieses Grundgerüst sorgt für einen festen Halt des Bodens und schützt vor Erosionen bzw. dem Abrutschen des Waldbodens (zum Beispiel bei Starkregen oder in Hanglage). Auch in der untersten Bodenschicht sind zahlreiche Mineralstoffe gespeichert, welche über lange Zeit an die oberen Schichten abgegeben werden.
Wir wissen nun also in welche Schichten der Boden aufgeteilt ist und welche Funktionen die jeweiligen Schichten im Ökosystem Boden haben.

Das Schüttel-Experiment

Um die Vielfältigkeit des Bodens weiter zu veranschaulichen stellen wir nun das „Schüttel-Experiment“ vor, die Idee für dieses Experiment stammt aus dem „Entdecke-Kalender“, „Bodenforschen 2024“.
Hierfür braucht man einen großen Löffel, ein Schraubglas, Waldboden, etwas Wasser und ein bisschen Geduld:

Nachdem alles Nötige zusammengesucht worden ist, gibt man nun einige Esslöffel Erde in das Schraubglas, gibt Wasser hinzu und schüttelt kräftig. Die ersten verschiedenen Schichten sollten bereits nach ca. einer halben Stunde erkennbar sein. Wenn das Glas noch ein paar Tage stehen bleibt sieht man nun die Schichten noch deutlicher.

direkt nach dem Schütteln
eine halbe Stunde nach dem Schütteln
zwei Tage nach dem Schütteln

Lebewesen im Waldboden

Ich habe ein Zitat für euch: Boden will Leben schaffen. Aus ihm wachsen die Pflanzen, welche dem gesamten Ökosystem Nahrung geben. Durch Wurzeln ziehen Pflanzen das Wasser und Nährstoffe aus tiefen Schichten des Bodens und können an der Oberfläche daraus mithilfe von Sonnenlicht und Luft Energie bzw. Nahrung herstellen. Dieses Phänomen nennt man Fotosynthese.

Der Boden bietet auch ganz vielen Tieren einen Lebensraum. Hier knabbern Käfer, Asseln und noch ganz viele weitere Krabbeltiere an zu Boden gefallenen Blättern, Stöckern oder auch Tierhaaren und zerkleinern das Material. Tiere wie z.B. der Regenwurm räumen den ganzen Tag den Wald auf, fressen sich durch den Boden und scheiden anschließend nährstoffreichen Humus aus. Er heißt übrigens Regenwurm, weil er den ganzen Tag rege mit Fressen beschäftigt ist und dabei gräbt er Löcher bis zu 3m Tiefe.

Bakterien und Pilze haben die wichtige Funktion, das zerkleinerte Material am Ende zu Mineralisieren. Sie wandeln organische Stoffe in energiearme anorganische Stoffe, was den Pflanzen nun wieder als Nährstoff dient. Das Ökosystem Boden ist also ein Kreislauf von Produktion und Zersetzung, welches von alleine lebt.

Und dabei unterstützen sich die Lebensformen auch gegenseitig. In den Mägen der Insekten leben z.B. Bakterien, welche sie bei der Zersetzung von unverdaulichem Holz unterstützen. Und auch die Bäume und Pilze gehen eine Partnerschaft ein. Die Pilze bilden nämlich durch den gesamten Boden ein dichtes Netz aus Mycel und können so von überall her Nährstoffe beziehen. Dies macht sich die Pflanze, indem sie über eine Verbindungsstelle Nährstoffe vom Pilzgeflecht bekommt und dafür energiereichen Zucker an den Pilz abgibt. Wir nennen es Mykorrhiza und das gibt es bei den meisten Pflanzen im Wald. Steinpilze und Fliegenpilze z.B. sind Mykorrhiza-Pilze.

Das Wasserfilter-Experiment

Im Wald gibt es sehr viel zu entdecken und noch Rätsel, die gelüftet werden können. Für einen etwas längeren Besuch im Wald möchte ich euch nun erklären, wie ihr einen Wasserfilter baut, damit ihr auch gut mit Trinkwasser versorgt seid.

Für die Konstruktion benötigen wir:

  • eine leere Einwegflasche mit Deckel
  • einen 1 Meter langen Faden
  • ein Messer
  • einen Stock
  • und ein Gefäß zum Trinken.

Zum Filtern benötigen wir:

  • Wasser
  • ein verbranntes Holz von einem Lagerfeuer (Holzkohle)
  • saubere, raue Steine
  • feinen Sand
  • grünes Gras
  • und ein Stück Stoff.

Schneide zusammen mit einem Erwachsenen den Boden der Flasche ab. Dann machst du an diesem Rand zwei gegenüberliegende Löcher, sodass du später dort die Flasche mit Deckel nach unten aufhängen kannst. In den Deckel schneidest du auch noch ein kleines Loch.

Jetzt befüllen wir die Flasche. Die Flasche steht so, dass der Deckel nach unten zeigt. Unten legt ihr ein Stück Stoff hinein. Dann nehmen wir die Kohle und bröseln sie in die Flasche. Achtet darauf, dass möglichst wenig vom Füllinhalt am Stück Stoff vorbeifällt. Dann befüllen wir in folgender Reihenfolge die Flasche mit feinem Sand, Gras und Steinen. Mit dem Stock drücken wir in der Flasche umher, um den Filter zu verdichten.

Als letztes müssen wir noch ein Band durch die beiden oberen Löcher ziehen, damit wir die Konstruktion aufhängen können.

Wenn ihr nun oben dreckiges Wasser hineinfüllt, sollte unten aus dem Deckelloch Wasser ohne Schwebstoffe tropfen. Je langsamer es tropft, umso besser wird das Wasser gefiltert. Die Holzkohle soll Bakterien und Schadstoffe herausfiltern. Wenn ihr wisst, dass das Wasser mit Schadstoffen belastet ist wie z.B. in der Nähe von Feldern mit Pestizideinsatz, solltet ihr davon die Finger lassen. Ansonsten könnt ihr das gefilterte Wasser probieren und solltet euch auf euren Geschmackssinn verlassen, ob es genießbar ist.

Der Wasserfilter soll zeigen, wie die verschiedenen Schichten des Bodens Flüssigkeiten filtern können, damit sauberes Grundwasser entsteht. Und das saubere Grundwasser nutzen wir täglich zum Duschen, Spülen oder auch zum Trinken. 














Autoren: Arthur Specht und Vincent Haubold (Teilnehmer des Freiwilligen Ökologischen Jahres 2023/2024)

Heimlich unterwegs… Auf den Spuren der Wildtiere

Heimlich unterwegs… Auf den Spuren der Wildtiere

Wildtierkunde in der U-Bahn

Zwei junge Frauen zeigen sich etwas knitterige Bleistiftzeichnungen. Ihre Schuhe sind klobig und ihre Knie sind dreckig. Wahrscheinlich kommen sie gerade aus dem Berliner Wald oder aus einer der Berliner Waldschulen...

Guck mal, ist diese Spur von einem Damhirsch, einem Reh oder doch von einem Mufflon?

Ich glaube, die Mufflons gibt es nur in Wannsee. Und Damhirsche leben doch nur im Spandauer und Tegeler Forst, aber genau weiß ich es nicht.

Oder schau mal diese Spur hier, was denkst du, war das ein Biber oder doch dieses vegetarische Nagetier aus Südamerika? Wie heißt das nochmal?

Du meinst ein Nutria. Das könnte sein. Wusstest du, hier in Schöneberg da gibt es jetzt Gottesanbeterinnen!

Echt jetzt? Ich glaub mich knutscht ein Elch!

Ja wirklich! Und einen Elch gibt es übrigens auch! Der lebt nicht weit von hier in Brandenburg und er heißt Bert. Er ist aus Polen über die Oder geschwommen. Ach guck mal, ich habe hier ein cooles Video von einem Steinmarder vom Mariannenplatz.

Welcher Waldbewohner ist hier wohl langestapft?
Klick hier, dann findest du es heraus.

Da habe ich gestaunt über so viel Wildtierkunde in der U-Bahn am Kleistpark. Denn den meisten Menschen, sogar ausgeprägten Naturfreunden, ist oft nicht bewusst, wie viele verschiedene Wildtiere tagtäglich in ihrem Kiez unterwegs sind – einfach, weil diese sich so selten sehen lassen.

Dabei sind unsere wilden Nachbarn manchmal ganz nah. Gestern war ich bei einer Teamsitzung in einem Haus in der Nähe vom Rathaus Steglitz. Ich saß drinnen am Tisch und im Garten schlief eingerollt ein Fuchs. Draußen stürmte es, die Äste bogen sich, aber das schien ihn nicht zu kümmern. Er rollte seinen Schwanz um seinen Körper wie eine Decke, steckte seine Schnauze in sein flauschiges rotes Fell und schlief ein. Solche Beobachtungen mag ich sehr. Ganz zufällig und mit viel Glück, bekommt man einen Einblick in das Leben eines wilden Tieres. Es ist wie ein kleines Fenster in eine Welt, zu der wir Menschen früher auch einmal gehörten. Doch sie sind selten, solche Beobachtungen.

Kleiner Tipp: Falls ihr euch auch selber auf Tierspurensuche begeben möchtet, schaut euch doch mal diese Veranstaltung an.


Heimlich unterwegs sein – gar nicht so einfach!

Den Tieren nahe zu kommen, ist gar nicht so einfach. Wir Menschen können furchteinflößend sein. Für Wildtiere sind wir häufig zu laut und etwas zu schnell unterwegs. Mit ihren wachsamen und fein trainierten Sinnen, nehmen sie uns wahr, bevor wir überhaupt da sind.

Auf einem Spaziergang durch den Grunewald suche ich mir einen kleinen Trampelpfad. Der Hauptweg ist gerade mal einen Meter hinter mir, da geht der „Buschfunk“ an.  Die Amsel hat mich entdeckt und beendet ihren Gesang. Ihr bin ihr zu nahegekommen. Noch einen Schritt weiter und da macht sie ihren lauten kurzen Ruf: „Tix“. Das hören die Ringeltauben, die 20 Meter weiter am Boden nach Nahrung suchen. Sie fliegen auf, mit extra lautem Flügelklatschen. Na toll! Spätestens jetzt weiß jedes Reh und jeder Hase im Umkreis: Ich habe den Waldweg verlassen! Die anderen wilden Tiere verkrümeln sich heimlich und unerkannt oder tarnen sich gekonnt in den Farben der Natur. Ich komme mir etwas trampelig vor, wenn ich mir vorstelle an wem ich heute wohl schon alles vorbeigelaufen bin und wer mich heimlich aus seinem Versteck heraus beobachtet hat. Ich glaube, meine Sinne sind etwas eingeschlafen und ich bekomme viel zu wenig mit.

Wenn ich die Tiere selbst schon nicht treffe, finde ich vielleicht zumindest ihre Spuren… Aber wo und wie fange ich an mit der Spurensuche?

Eine Wildtierkamera aus der Waldschule, Zeichenblock, Bleistift und Zollstock habe ich im Gepäck. Aber wo hänge ich die Kamera am besten auf? Wo könnte ich die wilden Tiere und ihre Spuren finden? Um das herauszufinden, musste ich für mich erstmal eine uralte Technik des Menschen wiederbeleben – das Fährtenlesen.

Vielleicht denkt ihr: „Fährtenlesen, das machen doch heutzutage nur noch Jäger*innen, wenn sie aus den Spuren im Boden darauf schließen, welche Tiere unterwegs waren.“ Da ist etwas Wahres dran.

Aber: „Auch Du bist zum Fährtenlesen geboren!“ hat mir Paul aus der Wildnisschule Hoher Fläming einmal in einem Fährtenleserkurs gesagt. Er meinte damit, wir Menschen und unsere nahen Verwandten waren bereits Millionen Jahre auf den Spuren der Wildtiere unterwegs. Diese uralte Fähigkeit, unsere Nahrung aufzuspüren und alles was wir dafür brauchen, ist tief in uns verankert. Aber das bringt mir als modernem Menschen in der Großstadt erstmal wenig, oder? Vielleicht hilft ein Blick in die Tierwelt.

Wie findet z. B. der Fuchs seine Nahrung? Ein Fuchs riecht, ob ein Tier in der Nähe ist. So wie viele andere Tiere nimmt er seine Beute durch Witterung wahr. Wenn der Duft eine leckere Mahlzeit verspricht oder von anderem Interesse ist, verfolgt der Fuchs die Duftspur am Boden, ähnlich wie ein Hai seine Beute im Wasser aufspürt.

Diese Duftnoten enthalten viele Informationen und so weiß der Fuchs genau, ob er eine Maus oder ein Reh verfolgt oder ob es vielleicht doch ein Spandauer Damhirsch ist, der eine Nummer zu groß für ihn wäre. Mit dieser Herangehensweise ist er nicht allein. Auch Wildschweine oder Eichhörnchen nutzen ihre Nasen, wohingegen Stechmücken z. B. mit Riechhaaren ausgestattet sind.

Hat eine sehr feine Nase!
Foto: Lutz Leitmann/CC BY-SA 4.0 DEED

Größerer Vorderfuß und kleinerer Hinterfuß vom Fuchs

Wir Menschen dagegen sind „Augentiere“ und haben nicht so viele Riechzellen in unserer Nase. Als Jäger*in ein Tier aufzuspüren ist für uns zwar möglich, das Tier aber wie ein Löwe zu jagen, gibt unser Körperbau nicht her. Wir sind einfach zu schlechte Sprinter. Evolutionär wurden wir vom Primaten zum Langstreckenläufer. Aufgrund unserer spärlicheren Körperbehaarung haben wir die Fähigkeit, zu schwitzen und somit unseren Körper abzukühlen. Das heißt, auf langen Laufstrecken waren unsere Vorfahren zwar immer noch verhältnismäßig langsam, dafür aber unaufhaltsame Verfolger im „Dauerlauf“. Die Beute musste irgendwann wegen drohender Überhitzung einfach stehen bleiben.

Diese Jagdmethode war allerdings nur erfolgreich, wenn man wusste, wohin die Tiere gelaufen sind. Wir Menschen mussten uns ein anderes – ein besonderes Talent zulegen. Vielleicht war es eine Primatenjägerin, mit besonders knurrendem Magen, die einen ersten genaueren Blick auf den Boden und die rätselhaften Muster darin geworfen hat. Mit der Zeit lernten die Menschen, die Fährten der Tiere zu unterscheiden, zu deuten und zu verfolgen. Denn am Ende einer jeden Spur ist ein Tier.

Wir sind also zum Fährtenlesen geboren. Das Suchen und Verfolgen von Spuren im Boden und sonstiger Zeichen, wie z. B. Losungen (Kot), Schlafplätzen, Haaren, Federn, Tierwohnungen und vielfältigen Fraßspuren wurde wahrscheinlich schon früh in der Menschheitsgeschichte eine unserer Hauptbeschäftigungen im Alltag. Und blieb es für viele Millionen Jahre. Überall wo wir waren, nahmen wir wachsam unsere Umwelt wahr und kannten uns selbst mit den Spuren und Zeichen der kleinsten Tiere aus.

Erst seit einem gefühlten Wimpernschlag in der Entwicklung der Menschheit leben wir nicht mehr ständig in und mit der Natur. Unser Leben hat sich, seitdem wir sesshaft wurden, so rasant in eine andere Richtung bewegt, dass manche unserer Talente und Sinne etwas verkümmert scheinen.

Unser Blick richtet sich nun öfter auf einen Bildschirm als in die Natur. Manchmal vergessen wir, dass wir auch zur Natur dazu gehören. Jane Goodall, die berühmte Primatenforscherin, untersuchte Schimpansen im Urwald und fand viele Gemeinsamkeiten zwischen uns und unseren nahen Verwandten. Sie sagt: “Wir sind Teil der übrigen Tierwelt und nicht von ihr getrennt.“

Wenn sich unsere Umwelt nun verändert, bekommen wir das heute überhaupt noch mit?

Den Alltag der frühen Fährtenleserkulturen stelle ich mir so vor: Ich bin ständig wachsam und auf der Suche nach Nahrung, Kleidung, Wasser und Schutz. Jeder in meiner Familie kann fährtenlesen, sammeln und jagen. Mit unseren Augen suchen wir Spuren im Sand. Wir sind tief verbunden mit der Natur. Wir verstehen die Alarmrufe der Vögel, wir spüren was der Wind für ein Wetter bringt. Wir kennen die essbaren und giftigen Pflanzen, nicht zu vergessen die Pilze. Wir wissen, dass die Vernetzung der Tiere mit allen anderen Lebewesen eine wichtige Bedeutung hat. Wir nehmen uns nicht aus. Wir sind selbst ein Tier und verwoben mit Allem. Wir sind Profis darin, in sekundenschnelle Muster im Boden zu erkennen und sie zu deuten. Die frischen Spuren eines großen Raubtieres zu entdecken, ist wichtig. Ihnen keine Beachtung zu schenken, wäre vielleicht tödlich. Genauso wichtig ist es, in der Gemeinschaft unterwegs zu sein. Jeder bringt sein Talent mit ein und viele Augen sehen mehr.

Guck mal hier, eine Spur! Was könnte sie uns verraten?


Wer war das?

Was hat das Tier hier gemacht?

Wie schnell war es?

Wie groß war es?

In welche Richtung ist es gegangen?


Wie alt war das Tier?

Waren es vielleicht mehrere Tiere?

Wo ist die nächste Spur?

Wo ist das Tier jetzt?

Wann war das Tier hier?

Schau hoch in die Landschaft! Vielleicht beobachtet es uns gerade. Stell dir vor, wie und wohin das Tier gelaufen ist. Sind dort drüben noch mehr Spuren zu sehen? Wenn nicht, welchen anderen Weg könnte es gelaufen sein? Haben sich unsere Vorfahren bei einer Spur, die sie im Boden gefunden haben, diese Fragen gestellt und konnten sie diese beantworten? Ich denke schon. Die Suche nach Nahrung bestimmte ihren Tag.

Wenn ich Hunger habe, gehe ich zum Kühlschrank oder vielleicht zum Imbiss am S-Bhf. Grunewald. Angst, dass ich dort einem Braunbären begegnen könnte, brauche ich nicht mehr zu haben und falls euch jetzt die Brandenburger Wölfe einfallen, die sind nur im Märchen gefährlich. Für mich gibt es also keinen Grund mehr, warum ich raus in die Natur und Fährtenlesen gehen sollte? Aber irgendetwas zieht mich doch hinaus. Wie ein Band mit dem ich unsichtbar verbunden bin. Neugierig auf die Natur um mich herum. Vielleicht ist es auch eine Art Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Wildnis oder die Suche nach einem Sinn als Mensch in dieser naturentfremdeten, aber dennoch coolen Stadt. Ich will wissen wer nachts um mein Haus schleicht und wer mit mir den Garten teilt. Ich bin neugierig, wer im Grunewald lebt und auf Menschen, die diese Fragen zu einer Spur noch beantworten könnten.

Es ist immer wieder aufregend, wenn ich tatsächlich mal ein Wildtier beobachten darf. Dann kann ich kurz dabei sein, wie es seiner Bestimmung nachgeht und sein wildes freies Leben lebt. Wenn ich aber einen Blick auf die Rote Liste der bedrohten Tier- aber auch Pflanzen- und Pilzarten werfe, werde ich richtig nervös.

Ein Blick aus der Vogelperspektive macht es sichtbar. Wir Menschen versiegeln immer mehr Flächen, entwässern die Landschaft und zerschneiden sie in immer kleinere Stücke. Die Wildtiere finden kaum noch Wege, auf denen sie wandern und ihre Gene austauschen können. Die Natur „verinselt“ und die kleinen Inseln sind nicht ausreichend miteinander verbunden. Das bedeutet, wir sind nicht nur verantwortlich für den Verlust der Artenvielfalt, sondern zudem für den Verlust von Vielfalt innerhalb einer Art.

Beobachtungen mit der Wildtierkamera

Unsere Verwandten – Tiere, Pflanzen und Pilze verschwinden. Aber wer bekommt das eigentlich mit? Wenn die Wildtiere so heimlich unter uns leben, wer bemerkt es, wenn ihre Spuren nicht mehr zu finden sind? Wer nimmt es wahr, wenn eine Wildbienenart nach der anderen ausstirbt oder Vogelgesänge verstummen? Es sind Namen wie Ziesel, Schwarzstirnwürger, Blauracke, Langflügelfledermaus, Gänsegeier und die Bayrische Kurzohrmaus, die man einfach vergisst oder noch nie gehört hat. Sie sind, wie so viele Arten in Deutschland, verschollen. Jede zweite Brutvogelart ist von Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste (Stand 2021). Stand 2017 sind in Berlin 150 Großschmetterlingsarten ausgestorben.

Mir wird klar, der Artenschutz braucht Fährtenleser*innen!

Naturbegeisterte Menschen, voller Neugier, denen die Natur von Bedeutung ist. Die rausgehen, eintauchen, sich „einwalden“ wie Baptiste Morizot sagt. Ausgestattet sind wir ja alle zum Fährtenlesen. Also ich gehe jetzt raus und schaue was die Mäuse machen. Vielleicht führen sie mich auf die Fährte vom Fuchs. Mein Sohn sagt, er kommt mit, denn der Fuchs hat seinen Schuh geklaut.

Heimliche Beobachtungen

Die folgenden Bilder sind mit Hilfe einer Wildtierkamera aufgenommen worden. Da es im Wald immer trockener geworden ist, hat die Waldschule eine Wald-Bar eröffnet, die sehr gut angenommen wird.

Tierbegegnungen am kleinen Teich – Frischlinge

Fuchs und Waschbär

Rausgehtipps:

  • Hat es geschneit oder geregnet? Gehe raus uns suche eine frische Fährte. Überlege, aus welcher Richtung das Tier kam. Gehe dem Tier nicht nach um es nicht zu stören. Gehe in die Richtung aus der das Tier kam und entdecke was es erlebt hat. Vielleicht findest du einen Schlafplatz und darin ein Haar?

  • Suche einen Fußabdruck im Boden. Breite Sandwege im Wald oder eine Sandstelle an einer Wasserstelle sind gut geeignet. Manchmal wirst du unerwartet an der nächsten Pfütze fündig. Suche nach Mustern und wenn du eine interessante Spur gefunden hast, fange an diese zu zeichnen. Es geht hier nicht darum ein Kunstwerk zu erschaffen, sondern um genaues Hinsehen und Wahrnehmen. Zeichne die Spur größer, als sie in Wirklichkeit ist und messe die Maße wie Länge und Breite. Steh auf und wechsele die Perspektive. Frage dich, was fällt mir noch auf? Was habe ich bisher übersehen? Woran erinnert mich das Muster? Frage deine Freunde oder andere Spaziergänger was sie in der Spur sehen. In einem Buch über Tierspuren kannst du vielleicht herausfinden, wessen Spur du gefunden hast. Achte auf Schutzgebiete und darauf, die Rückzugsorte der Tiere zu respektieren.

Zum Schluss noch zwei Spurenrätsel

Dieses Tier hat lange Zehenballen, die wie Finger aussehen. Sie zeigen in alle Richtungen ähnlich einer Kinderhand. Wie viele Zehen könnt ihr
zählen? Auflösung hier.

Dieses Tier braucht scharfe und lange Krallen. Es hat einen großen Mittelhandballen. Erinnert er euch an etwas? Die Zehenballen sind nach vorne gerichtet.

Wenn euch jetzt auch die Lust auf’s Spurensuchen gepackt hat, haben wir noch einen Veranstaltungstipp für euch:

Fährtenlesen – Auf den Spuren der Wildtiere
Ort: Waldschule Zehlendorf
Samstag 27.04.2024, 11 – 15Uhr
Kosten: 2,50 € Kind | 5,- € Erwachsener | 10,- € Familie
Bitte mitbringen: wetterfeste Kleidung, Picknick, Neugier
Anmeldung erforderlich unter: zehlendorf@anmeldung-waldschule.de


Buchtipps:
Joscha Grolms: Tierspuren Europas
Morizot,Baptiste: Philosophie der Wildnis oder Die Kunst, vom Weg abzukommen