Ach du . . . !

Ach du . . . !


In Berlins Parkanlagen und Straßen begegnet man ihnen auf Schritt und Tritt… Groß und klein, lang und kurz, hell und dunkel, fest oder weich – sie sind so vielfältig, wie ihre vierbeinigen Verursacher. Anständig, wer einen Beutel dabei hat und sich auch gleich um die Hinterlassenschaften des Menschen besten Freund kümmert.

Auch im Wald lassen sich unterschiedlichste Häufchen finden – doch irgendwann sind sie wie von Geisterhand verschwunden. Mistkäfer kümmern sich zuverlässig um die Geschäfte der diversen Waldbewohner und räumen kräftig auf.

Also schnell auf in den Wald und über die Vielfalt staunen, bevor alles verschwunden ist…

In der Losung liegt die Lösung

Das Wort „Losung“ kommt aus der Jägersprache und bezeichnet das Endprodukt der Nahrungsverwertung. Ein seltsamer Code, der also den Kot bezeichnet. Für einen Beginner mag eine Wurst wie die andere aussehen. Doch siehst du etwas genauer hin, dann bemerkst du deutliche Unterschiede.

Um herauszufinden, wer hier sein Werk vollrichtet hat, musst du mit detektivischem Spürsinn an die Sache ran. Denn in der Losung liegt die Lösung! Sie gibt wichtige Hinweise und führt dich auf die Spur des Täters. Doch vorab ein paar Fakten:



Kleine Kotkunde – Form, Farbe und Inhalt

Die Form ist häufig arttypisch und kann dir einen ersten Überblick geben. Spitz zulaufende Würste sind generell ein Indiz für Raubtierkot.

Doch wer es genau wissen möchte, kommt um eine genaue Untersuchung nicht herum. Oft gibt erst der Inhalt weitere Hinweise auf das Nahrungsspektrum des Tieres.

Als Sezierbesteck eignen sich zwei lange stabile Stöcke. Mit respektvollem Abstand kann es dann schon losgehen.

Losung mit Spitze

Die Fleischfresser

Wolfslosung besteht fast ausschließlich aus Haaren, Knochen und Hufen. Denn anders als der Haushund z.B. fressen Wildtiere ihre Beute komplett – also einmal mit allem bitte. Durch Untersuchungen von über 2.000 Kotproben konnte mehr über das Beutespektrum von Lausitzer Wölfen herausgefunden werden.

Rehe, Rothirsche und Wildschweine machen über 96 Prozent, Hasen und andere Kleinsäuger 3 Prozent seiner Nahrung aus. Der Anteil der Nutztiere beläuft sich auf weniger als 1 Prozent.

Wolfslosung – man kann gut die Haare erkennen


Fuchs- und Marderlosung sehen sich ähnlich, denn sie beide sind walzenförmig und haben oft ein spitzes gedrehtes Ende, unterscheiden sich jedoch in ihrer Größe und Farbe.

Fuchslosung ist dicker und wird durch die Freisetzung von Calcium-Phosphat aus den Knochen mit zunehmendem Alter grau . Zapfenverzehr gibt dem Ganzen eine weißliche Färbung.

Marderlosung hingegen ist etwa halb so dick und fast schwarz bzw. leicht gelblich bei Vogeleiergenuss. In der Losung beider Tiere sind oft Gefieder, Fell und Knochen, sowie Beeren und Früchte zu finden.

Ähnlich sieht das Geschäft bei den Allesfressern wie Waschbären und Igeln aus. Jedoch müssten wir hier eher von Würstchen sprechen, denn sie sind deutlich kleiner. Inhaltlich geht es dafür ganz schön bunt zu.

Neben Kleintierresten wie Knochen, Haaren, Federn und Insektenpanzern lassen sich auch Früchte, Nüsse und Pilze finden. Inhaltlich ähnlich ist auch die Dachslosung. Allerdings ist sie bedeutend größer und liegt irgendwo zwischen Marder und Fuchs. Da ihr Haaranteil geringer ist, zerfällt sie oft und ist obendrein oft gut versteckt.


Die Vegetarier


Bei den Pflanzenfressern zeigt sich ein ganz anderes Bild. Hier findest du ovale bis kugelförmige Gebilde. Besonders bekannt sind die runden etwas zusammengedrückten grünen/braunen „Pillen“ oder „Knöpfe“ der Feldhasen. Wildkaninchen koten kleiner, dunkler und rund.

Aber auch die Angehörigen der Familie der Hirsche (z.B. Rehwild, Damwild, Rotwild) lassen Interessantes fallen. So erinnern die walzenförmigen „Lorbeeren“ ein wenig an ein Artilleriegeschoss. Erfahrene Spurenleser*innen können anhand der Form sogar auf das Geschlecht schließen.

Bei männlichem Reh- und Rotwild ist die Losung an einem Ende zugespitzt (Zäpfchen) und am anderem oft leicht eingedrückt (Näpfchen), während bei den weiblichen Tieren diese Seite leicht abgerundet ist. Hauptteil ihrer Nahrung bilden saftige Triebe, Gräser und Kräuter, was du an den unverdauten Pflanzenfasern erkennen kannst.

Die Chance, auf ihre Losung zu stoßen, ist hoch. Gras ist nicht gerade nahrhaft, wodurch die Tiere große Mengen davon zu sich zu nehmen und irgendwann muss dann doch jeder mal.

Welcher Geweihträger hat sich hier wohl gelöst?



Das Wildschwein braucht dann mal wieder eine Extrawurst. Die Losung ähnelt einem schwarzen wurstähnliche Gebilde, dass jedoch aus zusammengeklebten große Klumpen besteht, die oft auseinander fallen.

Eine Mischform könnte man sagen, wie auch seine Ernährung, denn das Wildschwein genießt als Flexitarier neben Gras, Kräutern, Wurzeln, Früchten und Samen auch Würmer, Insekten, Mäuse und Gelege. Aas verschmäht es auch nicht, jedoch ist das eher die Ausnahme.

Je nach Ernährung und Jahreszeit verändern sich der Inhalt, die Farbe als auch die Konsistenz der Losung. So ist die Losung der Pflanzenfresser im Frühling und Sommer grasgrün und feucht, während sie im Winter eher braun und trocken ist. Auch Fuchslosung erhält im Herbst einen blauen oder rötlichen Schimmer und enthält viele kleine Kerne, denn im Herbst lassen sich viele Beeren und Früchte finden.


Warum denn gerade hier? – Der Tatort

Wenn man sich schon entleeren muss, dann kann man sich ja gleich ein bisschen Mühe geben. Die Ablageorte sind oft typisch für die verschiedensten Tiere. Dabei unterscheidet sich wahre Notdurft und gezielte Absicht.

Die Losung von Reh-, Damm- und Rotwild kannst du an ihren Nahrungsplätzen (Äsungsplätze) und auf den Wildwegen den sogenannten „Wechseln“, finden. Sie handhaben das ganz unkompliziert: fressen, verdauen, laufen und fallen lassen – kein Problem. Feldhasen verrichten ihr Geschäft in der Feldflur, der Nähe von Fraßplätzen oder in ihren flachgedrückten Mulden, wo sie ruhen, den Sassen. Wildkaninchen wagen sich nicht weit von ihrem Bau weg und so kannst du davon ausgehen, dass der Bau ganz in der Nähe der Kotansammlungen liegt.

Ein gutes Plätzchen




Waschbären, Baummarder, Wölfe und Füchse nehmen sich für’s Geschäft ein wenig mehr Zeit und entscheiden sich oft für die auffälligsten Stellen. Also, mitten auf den Weg drauf!

Das hat gleich mehrere Vorteile. Von Konkurrenten wird das Geschäft so schon von weitem gerochen und gesehen. Es fällt ja durchaus auf, wenn da mitten auf dem Weg etwas liegt. Ein klares Zeichen zur Markierung der Reviergrenzen. Außerdem treffen auf diese Weise viele Tiere auf das Geschäft, denn breite ausgetretene Wege werden von vielen Tieren als Korridore genutzt.

Füchse sowie Marder gehen bei der Reviermarkierung oft noch einen Schritt weiter bzw. eine Etage höher und erklimmen liegende Baumstämme oder verewigen sich auf Baumstumpen. So verteilt sich der typische Raubtiergeruch noch besser in der Luft.




Etwas dezenter verfahren Dachse. Sie graben nahe ihres Baus kleine Löcher, sogenannte Latrinen, und lassen fallen. Allerdings schütten sie den Kotplatz vorerst nicht zu.

Anders die Familie der Katzenartigen. Wer mit einer Katze zusammenlebt, wird es jeden Tag erleben. Im zentralen Bereich des Reviers bedeckt sie ihr Geschäft fein säuberlich, im besten Fall mit Katzenstreu.

Als größter Vertreter der Katzenartigen verdeckt auch der Luchs rund um seinen Bau den Kot mit Schnee, Erde oder Pflanzenmaterial. An seinen Reviergrenzen legt er seine Würste aber, wie der Fuchs, erhöht ab.

Eine Dachslatrine – schon etws zugewachsen

Nicht alles ist, wie es scheint

Aber aufgepasst, nicht alles, was wie eine Wurst aussieht, kommt auch hinten raus. Eulen und Greifvögel würgen walzenförmige Ballen aus ihren Schnäbeln hervor und entledigen sich so von Unverdaubarem.

So ein kompakter Mix aus Insektenpanzern, Haaren, Gefieder, Knochen, Krallen und Schnäbeln nennt man Gewölle. Die grauen Speiballen sind getrocknet sehr leicht und beinahe geruchslos. Die Größe und der Inhalt der Gebilde können dir einen Hinweis auf den Vogel geben.

Greifvögel verdauen Knochen wesentlich besser als Eulen. In einem Mäusebussardgewölle findest du daher oft nur noch Fell und Gefieder. Natürlich gibt es auch viele andere Vögel, die Speiballen hinterlassen wie Möwe, Fliegenschnäpper, Eisvogel, Ziegenmelker, Bienenfresser, Storch und Reiher.

Äteres Gewölle eines Uhus (Martin Lindner – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Klein und unscheinbar



Im Gegensatz zu Säugetieren verrichten unserere gefiederten Freunde ihr Geschäft nicht so offensichtlich.

Was auf Autos in der Stadt gut sichtbar ist, lässt sich in der freien Wildbahn nicht so leicht finden. Oft verrät nur ein kleiner weißer Punkt oder ein Spritzer ihre frühere Anwesenheit.

Vögel haben keine getrennte Ausgänge für Harn und Kot und sammeln somit alles in ihrer Kloake. Fleischfressende Vögel scheiden Dünnflüssiges aus. Die großen weiße Spritzer werden als „Geschmeiß“ bezeichnet.

Bei pflanzenfressenden Vögeln, wie z.B. Gänsen, bleibt wesentlich festere walzen- und tropfenförmige Losung zurück.

Wie heißt es doch noch? Alles Gute kommt von Oben! Also Schiss mit Glück? In Russland freuen sich die Menschen über Vogelkot von oben, gilt er doch als Glücksbringer und zeugt von baldigen Reichtum. Franzosen freuen sich angeblich, wenn sie mit dem linken Fuß in einen Haufen treten, denn im Gegensatz zum rechten Fuß, bringe das Glück.

Was für eine Vielfalt! Auch wenn es euch vielleicht erst einmal etwas seltsam vorkommt – man kann sagen was man möchte, doch die Hinterlassenschaften bezeugen eindeutig die Anwesenheit von Tieren.

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