Die Wildvogelstation des NABU Berlin

Die Wildvogelstation des NABU Berlin

Marc Engler – Leiter der NABU Wildvogelstation Berlin
Foto: Alexandre Courtiol


Noch ist es ruhig in der Wildvogelstation des Naturschutzbundes Berlin, denn in den letzten Tagen wurde „nur“ ein Waldkauz gesund gepflegt und kann demnächst an seinem Fundort entlassen werden.

Trotzdem hat das Team unter der Leitung von Marc Engler viel zu tun, denn es nutzt die „Ruhe vor dem Sturm“ um die Gehege neu einzurichten, sie umzubauen oder instand zu setzen. Denn ihre wieder in großer Zahl zu erwartenden Pfleglinge sollen möglichst kurze Zeit in der Wildvogelstation verbleiben und deshalb müssen die „Krankenzimmer“ bedarfsgerecht gestaltet sein, damit die Genesung schnell erfolgen kann.

Spätestens mit Beginn der Brutzeit der Stockenten, die bereits Ende März anfängt, wird die Fachkompetenz der Mitarbeiter:innen mehr und mehr gefragt sein.

Vom Balkon ins Wasser

Denn die Berliner Stockenten haben immer mehr den urbanen Bereich für die Aufzucht ihrer Nachwuchses erobert. So kommt es häufig vor, dass die Stockenten Balkone (auch im 15. Stock) als Brutplatz auswählen. Hier sind sie vor natürlichen Feinden (z.B. Füchsen) geschützt und können die Fürsorge ihrer „Herbergseltern“ genießen.

Damit diese temporäre Verbindung zwischen Mensch & Tier eine für alle Beteiligten friedliche Zeit wird, hat die Wildvogelstation einen Ratgeber veröffentlicht: Stockentennest auf dem Balkon – was tun?

Doch spätestens mit dem Schlupf der Küken kommen dann die Expert:innen ins Spiel, denn nun heißt es, den Entennachwuchs inkl. Entenmama an einen nahe gelegenes Gewässer zu bringen, da die Kleinen sonst den Gefahren des städtischen Lebens oder des Verhungerns ausgeliefert wären.

Stockentenjunge mit Mutter
Foto: C. Fabian

Mit Beginn der Balz- und Brutzeit sowie der Wiederkehr der Zugvögel müssen die Mitarbeiter:innen um Herrn Engler im wahrsten Sinne des Wortes ein offenes Ohr haben. Sie werden wieder sehr oft zum Telefonhörer greifen, um die vielen Fragen bzw. Hilfeersuchen der Berliner Vogelfreund:innen entgegen zu nehmen. So registrierten sie im letzten Jahr ca. 4.350 Telefonate, welche hauptsächlich zwischen April und September geführt wurden. Das sind in der Saison grob geschätzt ca. 30 Anrufe/ Werktag!

Und genau in diesem Zeitraum füllen sich auch die Volieren mit verletzten oder hilflosen Vögeln, um die sich die Expert:innen auch kümmern müssen. 2021 wurden von ihnen 1.177 Wildvögel aus 37 Arten versorgt. Die häufigsten Ursachen für die Einlieferung in die Pflegestation sind Verletzungen, die durch Scheibenanflug, Kollision mit Fahrzeugen und Angriffe von freilaufenden Katzen verursacht werden.


Doch was passiert mit einem gefundenen, verletzten Wildvogel?

Pflegestation für Greifvögel
Volieren für Krähenvögel – gerade im Umbau
Fotos: C. Fabian


Es wird in der Tierklinik der FU Berlin tierärztlich versorgt und die Chancen auf erfolgreiche Wiederauswilderung eingeschätzt. Dann übernehmen die Tierpflegerinnen der Wildvogelstation alles Weitere.

Die Aufenthalte der Vögel sind dort sehr individuell organisiert, um die Heilungschancen optimal auszuschöpfen. Greifvögel werden zum Beispiel blickgeschützt untergebracht, um das Stresslevel so gering wie möglich zu halten. Eine Kameraüberwachung gewährleistet 24h Einblicke und somit ein bedarfsgerechtes Handeln bei den Pfleglingen.

Krähenvögel hingegen werden in offener gestalteten Volieren gehalten, damit sie mit der umliegenden Krähenpopulation kommunizieren können, um ihre Position in dieser Gemeinschaft schon vor dem Freiflug klären zu können.

Bei sensiblen Vogelarten, wie z.B. dem Mauersegler, ist eine Handaufzucht hilfsbedürftiger Jungtiere sehr kompliziert. Deshalb favorisiert das Team hier das sogenannte Adoptionsverfahren. Hierfür wurden spezielle Nisthilfen für Mauersegler entwickelt, die ein Zusetzen von Nestlingen ermöglicht. Eine Erfolgsgeschichte ist hier nachzulesen.

Doch egal um welche Vogelart es sich handelt, eines gilt für alle Pfleglinge: Erst wenn der Vogel selbständig fressen und fliegen kann, wird er wieder frei gelassen und das kann schon mal 3-4 Wochen dauern…


Einfache Maßnahmen, die helfen

Neben der Pflege der Vögel, ist vor allem die Beratung für ein gemeinsames Miteinander zwischen Mensch & Tier, Aufklärung von Irrtümern – Nein, Rabeneltern lassen ihre Kinder nicht im Stich! – und Vermittlung von Hilfsangeboten am wichtigsten. Denn darin sehen sie einen fundamentalen Beitrag für die Förderung von Naturverständnis und -verbindung bei der Berliner Bevölkerung.

So gibt es beispielsweise eine Handvoll an Vogelschutzmaßnahmen, die jede/r beachten und umsetzen kann:

  • verwilderte Ecken und/oder dornenbehaftete Sträucher im Garten belassen
  • Futter- und Wasserstellen für Vögel katzensicher aufstellen/-hängen
  • Hauskatzen im Frühjahr zumindest nicht in den Morgenstunden und auch nicht unbeaufsichtig rauslassen
  • bei großen Fenstern Vogelschutzfolien anbringen (die bekannten Vogelsilhouetten helfen nicht)
  • am besten im Frühjahr (während der Balzzeit) keine Fenster putzen
  • wenn ein scheinbar hilfloser Vogel gesichtet wird, dann erst beobachten, denn viele Vogeleltern kümmern sich auch außerhalb des Nestes liebevoll um den „Nestflüchter“

Gemäß dem Motto „Verletzte Wildtiere gehören in Expertenhand“ soll man auf gar keinen Fall unüberlegt das Fundtier in eigene Obhut nehmen, sondern die entsprechenden Stellen kontaktieren und die Beobachtungen über die Beeinträchtigungen des Tieres mitteilen:

Wildvogelstation: 030 54 71 28 92
Kleintierklinik Düppel:
Oertzenweg 19b
14163 Berlin Zehlendorf

Bitte beachten: Die Abgabe sollte nach Möglichkeit von Montag bis Freitag von 8:30 – 15:30 Uhr erfolgen, da in dieser Zeit spezialisiertes Personal anwesend ist. Alle anderen Zeiten sollten Ausnahmen sein. Bitte planen Sie Wartezeit ein, da die Klinik eine der wenigen Kliniken Berlins ist, in der entsprechend viele Notfälle behandelt werden, so dass es sein kann, dass eine unmittelbare Untersuchung Ihres Findlings ggf. nicht immer möglich ist.

Für Stadt-/Haustauben: Tierheim Berlin

Zur Einschätzung der Fundsituation und Einleitung entsprechender Maßnahmen ist das von der Wildvogelstation erarbeitete Schema hilfreich: Wildvogel gefunden – was tun?

Die Einhaltung der Vorschläge für den Vogelschutz sowie Tipps bei Fund eines Tieres helfen den Tierschützer:innen der Wildvogelstation ungemein. Aber auch eine finanzielle Unterstützung in Form von Spenden und der Übernahme einer symbolischen Patenschaft entlastet das Team sehr, denn dadurch können Futtermittelbesorgung, Um-/Ausbauten von Volieren, Gestaltung des Geländes und ähnliches viel entspannter geplant und realisiert werden.

Freilassung eines Sperbers aus der Wildvogelstation
Foto: Alexandra Delor

Marc Engler und seine Kolleginnen bedanken sich schon jetzt für jegliche Unterstützung und sehen der kommenden Saison sehr zuversichtlich entgegen!


Wildvogelstation
Zum Forsthaus 7
12 683 Berlin
Tel.: (030) 54 71 28 92 oder (030) 50 96 77 66

Die Wildvogelstation erreicht stündlich eine Vielzahl an Anrufen, die das Team nicht alle gleichzeitig beantworten kann. Bitte hinterlassen Sie daher eine Nachricht mit Ihrem Namen, Telefonnummer, Adresse und Ihrem Anliegen, die Mitarbeiter*innen melden sich schnellstmöglich zurück.

Bitte beachten Sie: Bringen Sie Wildvögel nicht ohne vorherigen telefonischen Kontakt in die Wildvogelstation! Eine vorherige Beratung ist dringend nötig um abzuklären, wie dem Tier auf dem schnellsten Weg geholfen werden kann. Eine tierärztliche Versorgung und Diagnose sind in der Wildvogelstation nicht möglich. Erreichbarkeit: Mo-Fr, 9-17 Uhr | Am Wochenende: eingeschränkte Erreichbarkeit für Notfälle

Voll der Mist!

VOLL DER MIST!

Wir sind noch nicht einmal 10 Minuten im Wald unterwegs, und schon machen wir eine besonders spannende Entdeckung!

Am Rand des schmalen Waldweges sehen wir etwas knallig Buntes zwischen dem Moos liegen. Etwas überrascht von dieser auffälligen Farbe im Wald, gehen wir langsam in die Richtung des mysteriösen bunten Etwas.
Wir malen uns schon die spannendsten Geschichten aus: „Seltene exotische Pflanze mitten im Berliner Stadtwald beim Spaziergang entdeckt!“…

Fehlalarm! Als wir dem Ganzen etwas näher kommen, sind wir enttäuscht.
Wir blicken runter auf eine zerdrückte, pink gefärbte Trinkflasche aus Plastik. Na toll.

Kein Einzelfall

Hier wurden sogar Möbel einfach in den Wald geschmissen.

Im Jahr 2019 wurden allein in den Wäldern Brandenburgs 6500 Kubikmeter Müll gesammelt und entsorgt.

Stellt euch vor, das entspricht einer 6,5 Kilometer langen Mauer nur aus Müll und Abfällen. Die Mauer wäre einen Meter hoch und einen Meter tief. Es würde mehr als 1 ½ Stunden dauern, um diese Mauer von vorne bis hinten abzulaufen.

Doch was ist eigentlich das Problem an den Abfällen?

Müll im Wald sieht vielleicht nicht sonderlich ansprechend aus, aber so ein paar grelle Farbtupfer schaden doch auch niemandem. Schön wär’s!

Ein riesiger Müllberg im Wald

Folgen der Müllverschmutzung

Ganze 450 Jahre dauert es, bis so eine Trinkflasche aus Plastik im Wald verrottet.

Doch damit ist es nicht getan! Durch die unterschiedlichen Einflüsse des Wetters löst sich der Plastikmüll in kleinere Partikel aus Mikroplastik auf. Diese Partikel verschmutzen den Boden und auch das Grundwasser.

Die Natur ist ein Kreislauf, zu welchem auch wir Menschen gehören. Weil das so ist, landet auch der Müll aus dem Wald irgendwann wieder bei uns auf den Tellern und dann in unseren Mägen.

Last der Pflanzen!

Doch nicht nur wir, auch die Pflanzen des Waldes leiden stark unter den Abfällen im Wald. Unter dem Gewicht des Mülls werden Pflanzen zerdrückt. Auch das Licht, welches die Pflanzen zum Überleben brauchen, wird ihnen durch den Müll genommen.

Tiere in Gefahr!

Natürlich bleiben auch die Waldtiere nicht verschont. Auch sie müssen die Folgen des Mülls tragen, welcher von den Menschen produziert wird.

Kleine Müllreste, wie zum Beispiel Zigarettenstummel, werden von Tieren mit Nahrung verwechselt. Und schwupp! Auf einmal hat ein Wildschwein Plastik und Schadstoffe wie Nikotin in seinem Magen, anstatt eine saftige Eichel vom Baum.

Auch Glasflaschen, welche übrigens bis zum vollständigen Zerfall zwischen 4.000 und 1 Millionen Jahre brauchen, stellen eine Gefahr dar.

Kleine Insekten wie zum Beispiel Mistkäfer, suchen in Glasflaschen nach Nahrung. Ohne böse Vorahnung und mit viel Vorfreude auf Leckereien, krabbeln die Käfer in die kleine Öffnung der Flasche rein. Bei dem Versuch, wieder nach Draußen zu gelangen, rutschen die Käfer immer wieder an den glatten Rändern der Flasche ab. Auf einmal sind sie eingesperrt.

Andere Tiere, wie Vögel, nutzen herumliegende Plastikschnüre zum Bau ihrer Nester. Was eigentlich ein kuschliges Örtchen sein soll, wird auf einmal zur Lebensgefahr für die zarten Jungtiere. Diese können sich an den reißfesten Schnüren aus Plastik leicht verheddern.

Was jetzt?

Die Gründe, weshalb die bunten Farbtupfer im Wald doch ein ziemliches Problem darstellen, sind also eindeutig. Wir könnten jetzt böse sein, dass so viel Plastik und Co produziert wird. Wir könnten über die Menschen schimpfen, die absichtlich ihren Müll im Wald abliefern oder einfach achtlos liegenlassen. Weiter bringt uns das nicht.

Das Müllproblem an der Wurzel packen: Müll vermeiden

Doch wir können versuchen, unseren eigenen Verbrauch an Plastik und anderen Wertstoffen zu verringern. Wir könnten alte Glasbehältnisse wiederverwenden, aus alten T-shirts Einkaufsbeutel nähen, eigene Seife herstellen, oder einen Müllsammeltag mit Freund*innen organisieren. Das alles sind Beispiele, wie ihr euch aktiv daran beteiligen könnt, Müll und unnötige Abfälle zu reduzieren.

Im Buch „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ gibt es mehr als 300 Anwendungen und Rezepte, die Geld sparen und die Umwelt schonen. Im Internet findest du stets aktuelles unter: https://www.smarticular.net/. Zum Beispiel das folgende Rezept für leckere Limonade.

Selbstgemachte Limonade für heiße Tage:

Brausepulver und Limonade:
Um eigenes Brausepulver herzustellen, zunächst einen Teelöffel Natron, eineinhalb Teelöffel Zitronensäure und je nach Geschmack zwei bis vier Teelöffel Zucker, Puderzucker oder auch Xylitol mischen. Fertig ist die Grundlage für ein sehr preiswertes, prickelnd-fruchtiges Erfrischungsgetränk! Anstelle von Brausepulver kann auch direkt eine erfrischende Limonade mit Natron zubereitet werden. Dafür Zucker oder Honig mit Zitronensaft oder etwas Essig in einem Glas kaltem Wasser verrühren und einen halben Teelöffel Natron für die Sprudelwirkung zugeben.
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[1] https://www.smarticular.net/anwendungen-fuer-natron-das-wundermittel-fuer-kueche-haus-garten-und-schoenheit/

Und und und- bestimmt habt ihr selbst noch viele Ideen zum Selbermachen ohne Müll! Stöbert doch gerne auch auf den unten angegebenen Internetseiten rum und probiert euch aus in Sachen „müllfreier leben“. Viel Spaß beim Ausprobieren!


Weitere Anregungen

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Zero Waste Map
Möglichkeiten Müll zu vermeiden in deiner Nähe

Tipps zum Müllreduzierung
Ratgeber von Utopia.de

Natürliche Kosmetik selber machen
Tipps für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Alltag von livelifegreen.de

Löwenzahn: https://www.zdf.de/kinder/loewenzahn/muell-112.html

Buchtipp: https://www.smarticular.net/buecher/hausmittel/