„Echtes Johanniskraut“ – Das wilde Sonnenkind

Echtes Johanniskraut“

Das  wilde Sonnenkind

Wenn die Tage am längsten und die Lichtkräfte am größten sind speichert diese Heilpflanze die ganze Kraft der Sonne. Von Juni bis weit in den August schmückt sie mit ihren strahlend und wunderschönen knallgelben Blüten die Landschaft. Sie ist nach Johannes dem Täufer benannt und blüht um den Johannistag am 24. Juni.

Bis heute – ein wahrer Sonnenschein

Unsere Vorfahren benutzten die getrockneten Blüten als Räucherwerk um den Raum nach Streit und Spannungen zu klären und vor dunklen Energien zu schützen. Ihr Name leitet sich von „hyper eikona“ ab, was „gegen Spuk und Geister“ bedeutet.

Bekannt ist das Johanniskraut besonders durch eines geworden: seine aufhellende und beruhigende Wirkung bei schlechten Stimmungslagen. Auch bei Depressionen wird es verschrieben. Außerdem  wirkt es entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. In der Pflanze findest du die Wirkstoffe Hypericin, Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe.

Wenn du das Heilkraut über einen längeren Zeitraum, z. B. als Kur anwendest erinnere dich aber daran, dass der Wirkstoff Hypericin lichtempfindlich macht. Vermeide deshalb pralles Sonnenlicht. Informiere dich zusätzlich bei deinem Hausarzt, falls du andere Arzneimittel einnimmst.

Johanniskraut erkennen und finden

Die bis etwa 1 m hohe Pflanze hat ein besonders auffälliges Merkmal. Betrachte ihre Blätter gegen das Sonnenlicht und du erkennst viele kleine Löcher, in denen Öl gespeichert ist. Laut Legende hatte der Teufel seine Finger im Spiel und stach vor Wut Löcher in die Blätter!

Die Blüte erinnert an ein Windrad und zählt 5 Kronenblätter und 5 Kelchblätter. Zerreibt man die goldgelben strahlenden Blüten zwischen den Fingern kommt ein roter Farbsaft zum Vorschein. Im Volkstum wurde sie daher auch „Herrgottsblut“ genannt und als Blut Christi gedeutet.



Der Stängel lässt sich gut erfühlen, er ist zweikantig. Als eine Pionierpflanze findest du das Johanniskraut vor allem auf mageren Böden, sowie in Wiesen, Heiden und lichten Wäldern.

Besonders Hummeln, Bienen und Schwebfliegen fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf das Sonnenkraut. Neben dem Wind verbreiten auch Tiere die Samen, indem sie sie verschleppen. Auch vegetativ kann sich das Johanniskraut fortpflanzen, nämlich über sogenannte Wurzelkriechsprosse.

Johanniskraut ernten & verarbeiten

Von Ende Juni bis in den August kannst du auf Erntestreifzug gehen. Am späten Vormittag ist die beste Zeit die Blüten und die jungen Fruchtstände zu ernten. Die ganze Sonnenkraft konservierst du am besten in einem selbstgemachten Öl, dass du ganz einfach selber herstellen kannst:

Quetsche zunächst die Blüten leicht an und fülle sie bis zu 1/3 Höhe in ein Glas mit einer großen Öffnung, z. B. ein Joghurtglas. Anschließend gießt du mit einem hochwertigen Pflanzenöl ohne Eigengeschmack auf und deckst es mit einem luftdurchlässigen Tuch ab. So bildet sich kein Kondenswasser und dein Öl hat die beste Qualität.
In der ersten Woche wird das Öl nun täglich geschüttelt. Schraube das Glas anschließend zu und schüttele noch einen weiteren Monat. Du wirst es dann sicherlich schon bemerkt haben, dass dein Öl eine leuchtend rote Farbe bekommt. Dein gesundes Rotöl, kannst du dann filtern, in eine dunkle Flasche abfüllen und beschriften.

Verwende es für Massagen, bei Prellungen, Rheuma, Hexenschuss, Verstauchungen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand, Hautirritationen und zur Wundbehandlung. Du kannst es aber auch einfach als gesundes Salatöl beigeben. Dabei lindert es Magenbeschwerden. Auch deiner Haut kannst du gutes tun! Mache dir eine Gesichtspackung aus 2 EL Blütenöl, einem Eigelb und einem Spritzer Zitronensaft.

Mit übrig gebliebenen Johanniskrautblüten kannst du entweder als essbare Dekoration verwenden oder dir einen Tee zubereiten. Zwei Esslöffel auf eine Teetasse. Der leicht rötlich gefärbte Tee tut besonders gut nach einem anstrengendem Tag und lässt die Welt gleich wieder heller erscheinen.

Quelle & Buchtipp für Wildkräuter:

Wildpflanzen zum Genießen; Rita & Frank Lüdner; 5. Auflage 2017; kreativpinsel Verlag, Neustadt

ISBN 978-3-9814612-0-6

Gesund und lecker – „Die Knoblauchsrauke“

Riecht gut, schmeckt gut, ist gesund
„Die Knoblauchsrauke“

Eine Alte Bekannte

Funde von Kochstätten vergangener Zeiten belegen, dass Menschen die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) schon seit mindestens 5.000 Jahren verwenden. Im Mittelalter wurde sie häufig in Gärten angebaut und war eine wichtige Gewürzpflanze, da Salz, Pfeffer und andere importierte Aromen sehr teuer waren. Sie war Bestandteil von grünen Soßen zu Fisch und Fleisch und von den traditionell im Frühling gekochten Kräutersuppen, die den Menschen nach langen auszehrenden Wintern neue Kräfte schenkten.

Auch heute können wir die antiseptischen, blutreinigenden, harntreibenden, schleimlösenden und verdauungsfördernden Eigenschaften des Lauchkrauts, wie die Knoblauchsrauke auch gerne genannt wird, für eine Frühjahrskur nutzen. Die gesamte Pflanze mit ihrem pfeffrigen-knoblauchartigen Geschmack lässt sich vielfältig verwenden, z.B. im (Wildkräuter-)Salat, im Salatöl, im Kräuteressig, in Pesto, im Frischkäse, Quark oder einfach auf dem Butterbrot.

Die Knoblauchsrauke enthält viel Vitamin A, welches wichtig für zahlreiche Stoffwechselprozesse ist. Außerdem Vitamin C, das unser Immunsystem stärkt. Daneben beruht ihre Heilwirkung auf Saponinen (= Seifenstoffen), welche schleimlösend wirken, ätherischen Ölen und Senfölglykosiden.

Letztere zeigen ihre Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) an und sind ein sicheres Erkennungsmerkmal für die Knoblauchsrauke. Die ätherischen Öle und Senfölglykoside sind für den knoblauchartigen Duft der Pflanze verantwortlich. Zerreibt einmal die Blätter zwischen euren Fingern – dann erkennt ihr den charakteristischen Geruch…



Knoblauchsrauke erkennen…

Die Blätter der zweijährigen Knoblauchsrauke können recht vielgestaltig sein und auch die Pflanze selbst variiert in ihrer Größe. Im ersten Jahr ist die Pflanze oftmals nur ca. 20 cm hoch und bildet eine Blattrosette aus lang gestielten, fast runden, eingekerbten Blättern dicht über dem Erdboden aus. Im zweiten Jahr erwächst aus ihrer Mitte ein, besonders im unteren Bereich, haariger Stängel empor. Unter günstigen Bedingungen kann die Pflanze nun ca. 100 cm hoch werden.


Zwischen April und Juli ist die Rauke sehr gut an, ihren weißen, kreuzartig gegliederten Blütentrauben oben auf an der Triebspitze zu erkennen. Die duftenden Blüten sind ein wichtiger Nektarlieferant für verschiedene Schmetterlingsarten und Bienen.

Diversen Raupenarten dient die Knoblauchsrauke als Futterpflanze. Sie liebt stickstoffhaltige Böden und kommt deshalb gerne zusammen mit Brennnesseln vor. Ihr findet sie häufig an halbschattigen Wegrändern in Laubwäldern, im Park, in Gehölzen, Gebüschen, Hecken, aber auch an Mauern, auf Schuttplätzen und an Wegrändern in der Stadt.

Knoblauchsrauke ernten…

Man kann die Knoblauchsrauke, außer im tiefsten Winter, fast das ganze Jahr über finden und auch bedenkenlos ernten. Aufgrund ihrer flüchtigen ätherischen Öle ist es am besten, die Blüten, Triebe, Stängel und Blätter frisch zu verwenden, da ihr Aroma beim Trocknen sehr schnell verfliegt. Konserviert in Öl oder auch tiefgefroren, könnt ihr den feinen, im Gegensatz zum Knoblauch nach dem Verzehr nicht anhaftenden, pfeffrig-würzigen Geschmack bis in den Winter hinein genießen.


Wenn ihr sie noch nicht kennt, geht auf die Pirsch und haltet aufmerksam nach der Knoblauchsrauke Ausschau. Ihr werdet erstaunt sein, an welch zahlreichen und oft auch sehr unterschiedlichen Orten euch diese äußerst schmackhafte, dufte, wuchsfreudige und doch vielleicht für so manche*n von euch (noch) eher unscheinbare, kleine Gewürz-, Heil-, Nektar- und Küchenpflanze begegnen wird.

Viel Spaß beim Suchen und Sammeln!