Begegnung mit einer Ringelnatter

Begegnung mit einer Ringelnatter

Zwei Ringelnattern bei der Paarung

Die häufigste Schlangenart, die wir in Deutschland haben, ist die Ringelnatter (Natrix natrix). Diese ist zugleich der größte Vertreter aus der Gattung der westeuropäischen Schwimmnattern (Natrix). Während Männchen dieser Art bis zu 90 cm groß werden können, können Weibchen Größen von bis zu 150 cm erreichen. Obwohl Schlangen oft gefürchtet werden, sind alle in Deutschland lebenden Nattern für den Menschen komplett ungefährlich. Bei einer Begegnung mit einem Menschen werden die Schlangen meist fliehen, oder sich sogar totstellen, allerdings hatte ich letztens im Wald eine Begegnung mit einer Ringelnatter, bei der das ein wenig anders gelaufen ist. Vorher jedoch, wie erkennt man eigentlich eine Ringelnatter?

Abgesehen davon, dass von den sieben in Deutschland lebenden Schlangenarten die meisten stark bedroht sind und daher sowieso nur mit viel Glück begegnet werden können, unterscheidet sich die Ringelnatter auch in einigen markanten Merkmalen von den anderen Arten. Das wohl offensichtlichste Merkmal ist die auffällige Nackenzeichnung der Ringelnatter. Sie hat nämlich gelbliche Flecken in Form von Halbmonden am hinteren Ende des Kopfes, welche von einigen schwarzen Flecken eingegrenzt werden. Der Rücken der Ringelnatter ist grau und die Bauchunterseite ist gelb/schwarz, mit einem Muster, dass bei jedem Individuum einzigartig ist und selbst nach einer Häutung noch gleich bleibt.

Doch nun zu meiner Begegnung. Diese hat sich im Bucher Forst ereignet. Es war ein warmer Tag, die Sonne schien. Ich bin zur Zeit der Begegnung auf einem Pfad in den Wald gelaufen, als ich plötzlich aus dem Gebüsch zu meiner Linken das Knistern von Laub gehört habe. Ich hielt inne, mein Blick schwenkte nach links. Das war der Moment, an dem keinen Meter von mir entfernt eine Ringelnatter aus dem Unterholz kroch und, von meiner Präsens gänzlichst ungestört, den Weg zielstrebig überquerte. Die Natter war deutlich als ein adultes Weibchen zu erkennen. Ich beobachtete sie ruhig, kehrte später jedoch noch einmal zur selbigen Stelle zurück. Von dort aus ging ich abseits des Weges und hielt nach der Ringelnatter Ausschau, als ich sie tatsächlich auf ein weiteres erspähte. Sie war jedoch nicht mehr allein, mit ihr war ein Männchen, mit welchem sie sich gerade am paaren war.

Die Paarungszeit bei Ringelnattern geht von April bis Mai, die Eiablage erfolgt darauf zwischen Juli und August. Es werden meist um die 30 Eier gelegt. Das hört sich erstmal reichlich an, jedoch überleben wie gewöhnlich nur die Wenigsten, der Großteil wird gefressen. Zu den Fressfeinden zählen unter anderem Greifvögel, Füchse, Ratten und Marderartige. Zusätzliche Gefährdungen sind Habitatsverlust und Nahrungsmangel, was die Ringelnatter immer schwerer bedroht. Ringelnattern brauchen einige wichtige Aspekte in ihrem Lebensraum, um gut leben zu können. Sie benötigen unter Anderem langsam fließende Gewässer, geschützte Sonnenplätze, geeignete Schattenplätze, trockene Winterquartiere und Möglichkeiten zur Eiablage, wobei sie auf Orte setzen, die ihre Wärme selber halten können (z.B.: Komposthaufen). Auch die Nahrung wird immer knapper. Die Hauptnahrung besteht aus Amphibien, welche allerdings aufgrund der Fischwirtschaft immer weniger werden, da die Fische den Laich fressen.

Zu dieser Zeit kann man übrigens auch die weiblichen Ringelnattern dabei beobachten, wie sie sich vermehrt sonnen. Im Ökowerk sind sie zum Beispiel gut dabei zu beobachten, wie sie auf einer Hecke liegen, wobei auch oft mehrere zur gleichen Zeit gemeinsam auf der Hecke sind. Dies tun sie, um das Wachstum der Embryonen in ihren Eiern zu beschleunigen.

Ringelnattern im Bucher Forst

Zum Abschluss noch ein Video meiner Begegnung.

Hier wird auch nochmal der Sexualdimorphismus der Ringelnatter durch den deutlichen Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen deutlich. In der Färbung sind sich Männchen und Weibchen sehr ähnlich, jedoch ist das Weibchen nicht nur größer, sondern hat auch noch einen größeren Kopf im Verhältnis zur Körpergröße.


Ein Bericht (Text, Bild und Video) von Kilian Entoch
im FÖJ in der Waldschule Grunewald und Waldmuseum